Alle Artikel von Dr. Martina Mettner

Hannes Wanderer druckt nicht mehr

Hanes Wanderer Peperoni

Ein großer Verlust für die Fotografie

Am 11. September 2018 konnte man auf Facebook erfahren, dass Hannes Wanderer gestorben ist. Er war Verleger ungewöhnlicher Fotobücher (Peperoni Books), Drucker aus Passion, Inhaber eines Fotobuchladens in der Brunnenstraße in Berlin mit Onlinepräsenz namens 25Books – und Gauloises-Raucher.

Etliche Fotografinnen und Fotografen haben Wanderer viel zu verdanken. Mehr als nur das Publizieren eines Buches war es seine Verleger- und Herstellerkompetenz, seine Energie und sein rühriges Treiben, das deren Karriere beförderte. Er sah in den publizierten Fotoarbeiten etwas, das ihn ungeheuer begeisterte, und das er mit großem Enthusiasmus vertrat. Und dann meisterhaft zu Papier zu bringen verstand. Über 100 Bücher hat er verlegt, den Druck vorbereitet und überwacht.

Aufgewachsen in der Druckerei des Vaters in Bad Münder bei Hannover, waren die Geräusche (und Gerüche) der Offsetmaschine die Begleitmusik seiner Kindheit. Sein Bruder Jochen übernahm die seit 1899 bestehende Druckerei und baute sie zu einer führenden Adresse für Bildbände aus, während Hannes sich in Berlin niederließ und sich ab 2005 dem Verlegen von Fotobüchern widmete. Auf der Website der Druckerei Wanderer findet sich ein Beitrag zum 10jährigen Bestehen von Peperoni Books.

Hannes Wanderer, Buchmesse 2015

Hannes Wanderer auf seinem Buchmessestand 2015

„Dass Hannes Raubbau mit seiner Gesundheit trieb“, schreibt der Fotograf Andreas Trogisch, „sah jeder, der Augen hatte, was man ja gerade bei Fotografen voraussetzen kann. Für sie alle hat er gearbeitet, für ihre, unsere, meine Eitelkeit, in die Geschichte einzugehen mit einem Buch. Hannes ist auch für mich gestorben.“

Hannes Wanderers echte, nicht kommerziell, nicht strategisch ausgerichtete Begeisterung für Fotografie wird sehr fehlen.

Wolfgang Strassl: Oktoberfest

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Strassl, Oktoberfest

In seiner Jugend ging man, sagt der gebürtige Münchener Wolfgang Strassl, noch in Alltagskleidung aufs Oktoberfest. Lediglich einige Leute vom Land erschienen in Tracht. Heute kleiden sich viele eigens für den Besuch des Oktoberfestes mit Lederhosen und kariertem Hemd, die Frauen mit Dirndln ein. Letztere sind so populär, dass sie sogar als Discounterware hergestellt werden.

Strassls Bilder zeigen konsequent aus der Draufsicht das bayerisch Uniformierte und die drangvolle Enge. Sie geben Gelegenheit, in aller Ruhe – also auch ohne Blasmusik – die Menschen zu studieren. Die Buchform ist daher für diese Bildserie ideal. Angereichert wird das Bucherlebnis durch die Kombination der Fotografien mit Auszügen aus einem Text des amerikanischen Autors Thomas Wolfe über seinen Besuch auf dem Oktoberfest von 1928.

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Strassl-Oktoberfest-6Wolfgang Strassl hat seine Eindrücke und seine Motivation für dieses Fotoprojekt in seinem Vorwort formuliert.

Vorwort des Fotografen zum Bildband Oktoberfest

Ein Bierzelt auf dem Oktoberfest ist nicht nur ein Ort, an dem bayerisches Bier ausgeschenkt wird und eine bayerische Blaskapelle aufspielt. Das auch, doch vielmehr noch entsteht dort jedesmal, wenn es gegen Abend zu etwas voller wird, ein ganz außergewöhnlicher sozialer Raum, in dem Menschen unterschiedlichster Herkunft zusammenkommen und zueinander finden. Wie von einer unsichtbaren Hand geführt unterwerfen sie sich alle ganz natürlich den dort anscheinend herrschenden bayerischen Sitten und Gebräuchen. Schon vorher kostümieren sie sich ohne Not in einer ihnen oft völlig unbekannten, zumindest aber ungewohnten bayerischen Tracht, rücken dann freiwillig viel enger zusammen, als sie es sich sonst gefallen lassen würden, trinken mehr Bier als sie vertragen, was sonst auch nicht ihre Art ist, singen mit, auch wenn sie es nicht so recht können und verstehen, und prosten selbst wildfremden Tischnachbarn freundschaftlich zu. Es entsteht so aber jedesmal wie durch höhere Fügung eine ganz eigenartige, heiter gelöste bis ausgelassene Stimmung und eine friedvoll glückselige Atmosphäre der allseitigen Verbrüderung, in der sich jede Fremdheit und alle draußen bestehenden sozialen Unterschiede verflüchtigen. So stellt sich dann, zumindest für den Augenblick, dieses ebenfalls dem Bayerischen zugeschriebene Lebensgefühl ein, bei dem man mit sich und der Welt zufrieden ist.

In meinen Fotografien zeichne ich ein Bild dieser einzigartigen Menschenmenge und versuche etwas von der Atmosphäre und Stimmung einzufangen, die für mich in Worten nicht zu fassen ist. Der amerikanische Schriftsteller Thomas Wolfe, der das Oktoberfest im Herbst 1928 zum ersten Mal besuchte, hat seine Erlebnisse dagegen auf beeindruckende Weise in Worte gefasst. In seiner Erzählung aus dem gleichen Jahr zeichnet er ebenfalls ein Bild des für ihn so fremdartigen Treibens, von dem er angezogen und gleichzeitig abgestoßen war und dessen Faszination er auch selbst erlegen ist.

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Das 185. Oktoberfest in München geht vom 22. September bis 7. Oktober 2018.

Wolfgang Strassls drittes Buch mit 120 Seiten ist im Allitera Verlag zum Preis von 29,90€ erschienen.

Die Serie East Jerusalem Landscapes, die unter dem Titel „Homeland“ im Kerber Verlag erschien, ist hier vorgestellt. 

Spielerische Ausstellungen in Madrid

Carta Blanca für Cristina de Middel zur PHotoESPAÑA 2018

Fotografin und Kuratorin Cristina de Middel schlecht beleuchtet

Cristina de Middel in der Ausstellung „Gran final mundial“ im Centro Cultural de la Villa, Madrid, vor einem Motiv von Prue Stent & Honey Long aus Australien.

Vor zwei Jahren hatte sie eine eigene Ausstellung im Centro Cultural de la Villa, in diesem Jahr durfte die 1975 in Alicante geborene Fotografin fünf Ausstellungen kuratieren. Dafür kehrte sie aus Lateinamerika nach Spanien zurück. Überhaupt ist die in Brasilien und in Mexiko Lebende eine der Rührigsten in der internationalen Fotoszene der letzten Jahre. Cristina de Middel ist überall, oder wie sie sagt, immer nur zwölf Stunden Flug vom nächsten Job entfernt.

Martin Parr war es, der ihr Projekt „Afronauts“, und damit sie selbst, international bekannt machte. Auf seinen Einfluß hin ist sie nun Nominee der berühmten Fotografenagentur Magnum. Und er ist auch ihr Co-Kurator bei der Ausstellung im Telefonica-Gebäude mit dem Titel „Player. Magnum Photographers come out to play“. Damit habe sie nun eine komplette Ausstellung in ihrer Magnum-Bewerbungsmappe, wie Cristina augenzwinkernd erklärte.

Innenansicht der Players-Ausstellung

Players, die Ausstellung mit Fotos der Agentur Magnum, ist aufgebaut wie ein Flipperautomat.

Foto aus der Players Ausstellung

Mein Favorit aus der Players-Schau ist dieses Motiv von Gueorgui Pinkhassov, London 1999.(Magnum Photos)

Bei einer Bildagentur, die laufend selbst Print-Verkäufe unter ein Motto stellt und bei der Andréa Holzherr als erfahrene Frau für die internationalen Ausstellungen verantwortlich ist, sollte es keine große Sache sein, eine solche Schau zusammenzustellen. Nun ja, bei der Menge an gutem Material und den zu berücksichtigenden Fotografenegos … Der Besucher ist jedenfalls angehalten, sich selbst durch die Ausstellung zu flippern.

Begin at the beginning, and go on till you come to the end: then stop.

Wie man „Spiel“ total theoretisch angehen kann, zeigt Kuratorin Hester Keijser aus den Niederlanden im CentroCentro Cibeles. Die bekannte Kuratorin wurde von Cristina eingeladen, eine der Ausstellungen zu übernehmen. Der obige Satz aus Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“ diente als Inspirationsquelle für Hesters Auswahl zeitgenössischer Fotografie, die sich – wie zu sehen ist – extrem weit von Fotografie entfernt.

Installation von Isabelle Wenzel, 1982 in Wuppertal geboren, die Artistin im doppelten Wortsinn ist. Ihre Arbeiten nennt sie „Performative Photographie“. Sie nimmt artistische Posen ein (siehe Bild im Hintergrund) und zeigt in Madrid ein Schachfeld als Referenz an „Alice in Wonderland“.

Ein schönes Beispiel sind die Stickbilder von Lana Mesic (1987 in Kroatien geboren, lebt in Rotterdam). Sie zeigen Londoner Banker, angefertigt nach einem Porträt, das sie am Ende eines Interviews aufnahm. Sie stickte so lange, wie das Interview dauerte. Eines der Porträts in der Serie ist daher nur angefangen.

Ein extremes Beispiel fürs Um-die-Ecke-denken oder „Des Kaisers neue Kleider“ liefert der Niederländer Jan van der Til (Jg. 1972). Statt Fotos hängte er lediglich ein A4-Blatt auf, das besagt, die Bilder seien aus Sicherheitsgründen entfernt worden. Er bekannte, über Typowahl, Text und Kontext wochenlang nachgedacht zu haben. Er möchte die Besucher der Ausstellung zum Nachdenken bringen. Wie interpretieren sie seinen Hinweis? Er wird es nicht erfahren! Kein Mensch wird den Zettel beachten, wäre mal meine Vermutung. Geschweige auf die Idee kommen, sich kompliziert auf die Webseite der Ausstellung zu begeben und dort die vielen Fragen zu finden, die er sich stellen soll.

Kuratorin Hester Keijser, Jan van der Til und rechts das Blatt: Konzeptkunst.

PHotoESPAÑA 2018: Gran final mundial

Bild aus der Ausstellung "Gran final mundial"

In Marrakesch fotografierte Hicham Benohoud „The Hole“, bei denen er Familien überredete, Löcher in ihre Wohnung zu schlagen und sich hineinzusetzen oder zu legen.

Überraschend und doch quasi bodenständig war die (schon ältere) Serie „The Hole“ des marokkanischen Künstlers Hicham Benohoud (Jg. 1968), die Cristina für die Gruppenschau „Gran final mundial“ im Centro Cultural ausgewählt hatte. Im Unterschied zu den sonst sehr verkopften Bildfindungen stecken hier reale Menschen in realen Löchern in ihrem eigenen Zuhause. Man sieht, dass Benohoud von der Bildhauerei kommt. Bei den Familien in Marrakesch rückte er mit Maurern, Fliesenlegern und Malern an, um nach dem Graben der Löcher alles wieder in einen ordentlichen Zustand zurückzuversetzen. (Das erfährt man allerdings erst bei der Internetrecherche aus einem französischen Artikel.) „Was die Akrobatik anbelangt“, erzählt er dort, „kam mir die Idee auf der Terrasse eines Cafés auf dem Platz Jemaa El-Fna: Eine Gruppe Akrobaten spielte vor einigen Touristen Nummern für ein paar Dirhams. Als ihre Show endete, bat ich sie, sie zu fotografieren, nicht in einem öffentlichen Raum, sondern Zuhause, mit ihren Verwandten, in ihrer Privatsphäre.“ Benohoud lebt in Casablanca und in Paris.

In „Gran final mundial“ wird mit der Referenz an die Fußball-WM gespielt und gedanklich der Idee gefolgt, bei Spielen im Erwachsenenalter ginge es ums Gewinnen, darum, der/die Beste zu sein. Sechs Vertreter aus sechs Kontinenten belegen das für die Kuratorin: Hicham Benohoud, Miguel Calderón, Ana Hell, Jason Fulford, Robert Zhao Renhui, Prue Stent & Honey Long (siehe auch meinen Instagram-Feed.)

Blick in die Ausstellung

„El mayor espectáculo del mundo“, Archive of Modern Conflict, Kurator: Kalev Erickson, London.

Die bestgemachte Ausstellung in Madrid

Beim Thema Spiel ist der Zirkus nicht weit. Oh je, Clowns! Die Ausstellung unter dem passenden Motto „The Greatest Show on Earth“ feiert mit Bildern aus einem umfangreichen, in London beheimateten Privatarchiv zugleich das 250ste Jubiläum des modernen Zirkus. Vorausgeschickt sei, dass mich weder historische Zeitungsfotos noch der Zirkus sonderlich interessieren. Aber diese Schau ist aus meiner Sicht die am besten zusammengestellte und präsentierte des diesjährigen Festivals.

Kurator Kalev Erickson arbeitet im Archive of Modern Conflict und ist mit Leidenschaft und ungeheuer viel visuellem Gespür an diese ziemlich heroische Aufgabe herangegangen. Mit Neugier fräste er sich durch die Unmengen an Material. Dabei gelang es ihm, dieses so zusammenzustellen, dass es selbst erklärend wird. Die Schichten der Bilder übereinander sind hier passend und lebendig. Die Entscheidungen, welche Bilder wandfüllend tapeziert werden sollen und welche kleiner besser wirken, waren sicher nicht einfach zu treffen. Er habe dann, obwohl das gar nicht abgesprochen war, am Ende noch Originale in Rahmen aufgehängt, erzählte er auf Nachfrage. Erickson hat in Madrid zur PhotoEspaña einen großartigen Job gemacht, vielleicht gerade, weil er nicht aus dem Kunst- und Ausstellungsbetrieb kommt.

Da quellen die Augen über bei so viel Bildmaterial, das in ein überzeugendes Wandlayout gebracht wurde.

Die dritte Ausstellung im Kulturzentrum bestreitet der 1962 in Nigeria geborene Fotograf Samuel Fosso mit Selbstporträts in den Rollen berühmter Persönlichkeiten, die im Laufe von vierzig Jahren entstanden. Seine Darstellung von Angela Davies ziert den Ausstellungskatalog des Festivals. Fosso war anwesend, ließ sich aber vor der Presse nicht blicken (ich sah ihn im Hotel beim Frühstück), sondern schickte seinen Kurator vor, Azu Nwagbogu, Gründer und Leiter des Fotofestivals von Lagos, Nigeria.

Blick in die Ausstellung mit Schwarzweißfotografien

Der elegante Senegal im Sala Goya des Circulo de Bellas Artes.

Der elegante Senegal

Unbedingt erwähnen muss ich beim Thema Afrika die wunderbare Ausstellung „El Senegal elegante“ mit 30 großen Abzügen von Porträts schöner Damen und Herren aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Aufgenommen von einem anonymen Fotografen aus und in Saint-Louis und zwar sowohl in den Wohnungen als auch im Freien. Das macht die Motive so viel sprechender als inszenierte Studioaufnahmen. 20 nicht bei einem Brand 1982 zerstörte Originale eines bekannten Studio-Fotografen mit dem Namen Mama Casset, gliedern sich im Sala Goya des Circulo de Bellas Artes an.

PHotoESPAÑA 2018 präsentiert vom 6. Juni bis 26. August 90 Ausstellungen mit Werken von 530 Künstlern und ein Programm von 21 professionellen und öffentlichen Aktivitäten, die an 80 Orten stattfinden.

Haubitz + Zoche: Modernistische Kinos und Kirchen in Südindien

modernistisches Kino, Indien

New Theatres, Trivandrum (2014) © Stefanie Zoche / VG Bildkunst

„Postkoloniale Erleuchtung“ heißt die Ausstellung der Arbeiten von Sabine Haubitz und Stefanie Zoche in Mannheim. ZEPHYR Raum für Fotografie zeigt vom 27. Mai bis 26. August 2018 Kirchen und Kinos in Südindien, die zwischen 1950 und 1970 in einer Spielart der modernistischen Architektur erbaut wurden. Sie entstanden, nachdem der Architekt Le Corbusier vom ersten Ministerpräsidenten des unabhängigen Indiens, Jawaharlal Nehru, den Auftrag erhalten hatte, Chandigarh zu gestalten, die neue Hauptstadt des Punjab.

PAX, modernistische Kirche in Indien

Our Lady of Miracles, Thoppumpady in Cochin (2014) © Stefanie Zoche / VG Bildkunst

Kino, Indien

Saptagiri, Hyderabad (2014) © Stefanie Zoche / VG Bildkunst

Modernistische Kirchen und eine reiche Kinokultur

Die Suche der beiden Künstlerinnen nach modernistischen Bauten begann 2010 in Keralas Hauptstadt Thiruvananthapuram im äußersten Süden Indiens. Auf drei Reisen in den Jahren 2010 bis 2014 dokumentierten Haubitz + Zoche diese Gebäude, deren Architektursprache man als eine hybride Moderne bezeichnen kann. Die Fotografien bezeugen eine reiche Kinokultur, die in Europa und Amerika schon verschwunden ist, und bald auch in Indien von Multiplexen verdrängt sein wird.
Die Arbeiten der 2014 tödlich verunglückten Sabine Haubitz und von Stefanie Zoche stehen in der Tradition deutscher Architekturfotografie mit ihrer formalen Strenge. Die Betrachter werden so zu vergleichendem Sehen animiert.

Kino, Indien

Alankar, Madurai (2014) © Stefanie Zoche / VG Bildkunst

Kirche, Indien

St. Anthony ́s Church, Peratta (2014) © Stefanie Zoche / VG Bildkunst

In der Ausstellung, die zum ersten Mal in Deutschland zu sehen ist, treffen die Serien der Kirchen und Kinos aufeinander. In beiden machen Haubitz + Zoche die Einflüsse verschiedener Kulturen und Epochen sichtbar und reflektieren so die dynamische Veränderung, die das Land prägt. Jenseits des Alltags scheinen Kinos wie Kirchen ihren jeweiligen Besuchern Orte ganz unterschiedlicher Erleuchtung anzubieten.

Eröffnung: Samstag, 26. Mai 2018, 19 Uhr
ZEPHYR – RAUM FÜR FOTOGRAFIE
Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim

Beitragsbild: St Joseph´s Chapel, Thuravoor (2014)
© Stefanie Zoche / VG Bildkunst

Falls Sie sich für modernistische Architektur interessieren, siehe auch diesen Beitrag.

DSGVO – Ist die wichtig?

Büroschränke mit Akten

Haben Sie eine eigene Website? Fotografieren Sie Personen und veröffentlichen Sie die Bilder? Tja, dann ist das wichtig. Aber kein Grund zur Panik.

Gestern kam eine Pressemitteilung zu einer Fotoausstellung (wird hier am 24.5.18 veröffentlicht). Die ausstellende Künstlerin hat eine Website. Jedoch eine ohne Impressum, wie es nach dem Telemediengesetz vorgeschrieben ist. Zudem wäre es ja auch klug, für Interessenten oder Auftraggeber anzugeben, wo in der Republik man zu erreichen ist. Wer nicht einmal auf dem aktuellen Stand ist, sollte nun aufwachen. Denn am 25. Mai 2018 gelten die verschärften Bedingungen der Datenschutzgrundverordnung für ganz Europa.

Menschen fotografieren = Speichern personenbezogener Daten

Fotografen sollte das ganz besonders interessieren, denn sie speichern personenbezogene Daten mit der Kamera und sie betreiben wahrscheinlich auch eine Website. Damit haben sie schon zwei gute Gründe, sich mit dem Thema zu befassen. Vor allem jene, die sich bisher großzügig über die gesetzlichen Vorgaben hinwegsetzen.

Anhand dieser Checkliste können Sie prüfen, welche Maßnahmen Sie ggf. bis zum 25. Mai erledigt haben sollten.

Büroschränke mit Akten

Datenaufbewahrung in einem Büro in Phnom Penh, Kambodscha. Foto: mm

Wer meinen Erfolg-als-Fotograf-Newsletter abonniert hat, bekam schon Mitte April eine Aufstellung mit den wichtigsten Artikeln zum Thema. Hier der Link zur letzten Folge einer Artikelreihe von Rechtsanwalt David Seiler, die für Sie interessant sein könnte.

Inzwischen erschienen ist ein bei der ganzen Aufregung hilfreicher Artikel von Rechtsanwalt Dr. Carsten Ulbricht über das Halbwissen zur DSGVO, das online verbreitet wird.

Es schlägt einmal mehr die Stunde der Juristen! Ich finde, Fotografie/Mediengestaltung sollte zukünftig im Doppelstudium mit Jura angeboten werden!

Aber ich finde auch: Wir schärfen durch diese Vorgaben unsere Sensibilität dafür, an welchen Stellen beispielsweise die eigene Website Daten an Google oder einen anderen Dienst weiterleitet. Darauf muss man entweder hinweisen oder, vielleicht besser noch, so weit als möglich verzichten.

Die Verhältnismäßigkeit wahren

Nachtrag vom 9. Mai 2018: Eben fand ich auf Facebook diesen Artikel. Der fasst die Lage für Fotografen ganz gut zusammen, verfällt aber auch der allgemeinen Panikmache vor allem in Bezug auf die Höhe der Bußgelder. „Wer sich also bemüht, die Vorgaben bestmöglich zu erfüllen, braucht auch keine unverhältnismäßigen Bußgelder zu befürchten“, heißt es hier bei RA Carsten Ulbricht.

Es wird im Moment so getan, als habe es nicht immer schon ein Recht am Bild oder ein Telemediengesetz gegeben und ganz plötzlich würden Fotografen bis zum Gehtnichtmehr reglementiert. Die DSGVO steht seit zwei Jahren an und keinen der Fotografenverbände hat es geschert.

Ich bin keine Juristin. Ich bin Photoconsultant und berate Fotografinnen und Fotografen schon seit Jahren dahingehend, diese nun noch problematischer gewordenen Arbeitsbereiche Presse- und Eventfotografie zu verlassen und ihren Schwerpunkt auf lukrativere fotografische Tätigkeiten zu verlegen. Und zu der im oben zitierten Artikel angesprochenen Hochzeitsfotografie: Da könnte ich Ihnen verraten, wie Sie Dank DSGVO Ihren Umsatz deutlich erhöhen können.

Mit den Veränderungen müssen wir leben. Lassen wir uns aber bitte nicht von ihnen einschüchtern!

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August Sander Ausstellung in Paris

Kommen Sie in diesem Jahr nach Paris? Dann sollten Sie die bis zum 15. November 2018 laufende Ausstellung „Verfolgte/Verfolger, Menschen des 20. Jahrhunderts“ unbedingt einplanen. Sie wird ausgerichtet im Mémorial de la Shoah, der Gedenk- und Dokumentationsstätte für die Verfolgung der Juden in Frankreich. Ein unerwarteter Ort für eine Fotoausstellung mit Arbeiten von August Sander (1876-1964), zumal Sander kein Jude war. Aber ein sehr passender für seine Arbeiten aus der Zeit des Dritten Reiches und jene seines im kommunistischen Widerstand aktiven Sohnes Erich.

Frauenporträt von August Sander

August Sander, VI/44/5, Persécutée, Portfolio VI/44 — La Grande Ville, Persécutés, 1938. Tirage gélatino-argentique, 1990. © Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur – August Sander Archiv, Cologne; VG Bild-Kunst, Bonn; ADAGP, Paris, 2018. Courtesy of Gallery Julian Sander, Cologne and Hauser & Wirth, New York.

Antlitz der Zeit

Die Bilder aus „Menschen des 20. Jahrhunderts“, vor allem aus dem Kernteil „Antlitz der Zeit“, sind ein wichtiger Teil der deutschen Kulturgeschichte und daher weitgehend vertraut. „Diese Arbeit wurde für ihren ästhetischen Wert so lange gefeiert, dass die Leute etwas von der Schönheit der Bilder geblendet waren“, sagte Julian Sander, Ur-Enkel des Fotografen. Speziell in die Zeit hinein versetzt ein Brief, in dem Sander mitgeteilt wird, dass sein Buch „Antlitz der Zeit“ beschlagnahmt sei. Die Druckstöcke wurden vernichtet. Sanders Anspruch, Menschen aller Art und Schichten zu fotografieren, passte nicht in die nationalsozialistische Ideologie. Mit der Ausstellung „Persécutes / Persécuteurs“ legen die Kuratoren Sophie Nagiscarde und Marie-Edith Agostini den Fokus auf die politische und soziale Dimension der Sanderschen Arbeit. Ein dazugehöriger, berührender Aspekt ist das Verhältnis August Sanders zu seinem Sohn Erich.

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Bildhonorare 2018 – Nutzungsrechte in der Übersicht

Von Fotografen höre ich immer wieder, die Kunden würden sowieso alle Rechte am Bildmaterial verlangen. Ist das so? Oder ist es nicht oft Bequemlichkeit auf Seiten des Bildautors, alle Nutzungsrechte zur Disposition zu stellen? Da wurden von der eigenen Branche über Jahrzehnte Privilegien erkämpft, die heute oft ohne Not preisgegeben werden. Dann soll man sich über den Niedergang der Honorare bitte nicht wundern!

Die Sache mit den Nutzungsrechten ist – keine Frage – ein Auslaufmodell. Aber noch gibt es eben fotografische Bereiche und Aufgabenstellungen, in denen das Wissen über das, was man als Bildautor an Rechtenutzung aufschlagen kann, wirklich nützlich ist. Und wenn es das Wissen ist, wie viel für die ungefragte Verwendung von eigenem Bildmaterial eingeklagt werden kann. Die nachfolgend vorgestellte Publikation enthält nicht zufällig Werbeanzeigen von auf Copyright spezialisierten Rechtsanwälten.

Bildhonorare – Übersicht der marktüblichen Vergütungen für Bildnutzungsrechte

Die Mittelstandsgemeinschaft Foto-Marketing, kurz mfm, gibt eine neue Ausgabe ihrer bekannten Publikation Bildhonorare – Übersicht der marktüblichen Vergütungen für Bildnutzungsrechte heraus. Das Tabellenwerk wurde in Zusammenarbeit mit den großen deutschen Fotoverbänden komplett überarbeitet und an die neuen Entwicklungen in der Bildvermarktung angepasst. Die fortschreitende Verschiebung des Marktes von Print- zu vielfältigen Online-Bildnutzungen spiegelt sich in der neuen Ausgabe der Bildhonorare wider. Crossmediale Nutzungen und neue Anforderungen an Bildverwendungen prägen die aktuelle Darstellungsform der mfm-Publikation.

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Fishmann: Das blaue Zimmer – Bilder mit selbstgebauter Kamera

Christoph Fischer nennt sich „Fishmann – Der Lochkameramann“. „Als eifriger Leser all Ihrer Bücher, finde ich jetzt Ihre Newsletter nicht weniger spannend und zum Nachdenken anregend“, schrieb er mir auf den letzten zum Thema „Flow“.

Lochkameraaufnahme Rabe

Der Flow stellt sich bei mir auf unterschiedliche Art und Weise ein und ist mal mehr, mal weniger ausgeprägt.
Ich stelle jedoch fest, so wie Sie es auch schreiben, alleine und ungestört entwickelt er sich besser. Oft höre ich ein Zitat, Sprüche oder sehe etwas, dann kann es passieren, dass ich Tage, ja sogar Wochen mit Gedanken daran durch den Kopf herumlaufe, bis sich eine Idee verfestigt.

So bin ich letztes Jahr hingegangen und habe eine Serie von Stillleben angefangen, welche bei Leibe noch nicht beendet ist. Es fing damit an, ein Miniaturzimmer zu bauen, eigentlich eine simple Holzkiste, der Boden aus einer alten Pallette, mit einem Fenster und einer Tür. Da ich nur noch blaue Farbe im Keller hatte, wurden die Wände mit blauer Farbe gestrichen, daher der Name der Serie „Das blaue Zimmer“. Eigentlich Unsinn. Da ich Schwarzweißfilm benutze, sieht man es nicht.

Allerlei Gegenstände sind mir bis dato ins Zimmer gekommen. Fundstücke, eigens dafür gebaute oder halt das, was sich zu Hause befand. Es kommt auch vor, dass ich zuerst eine, wie ich meine, passende Kamera baue, mit welcher die Idee dann umgesetzt wird; auch ein Bestandteil meiner Entschleunigung, meines Flows. Das kann dann mal fünf Monate dauern, aber es hetzt mich ja keiner, wenn ich es selbst nicht tue. Das versuche ich auch in Form von Workshops zum Lochkamerabau an Teilnehmer weiterzugeben.

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Sigrid Neubert – Ausstellung in Berlin

Sigrid Neubert (*1927) ist eine der bekanntesten Architekturfotografinnen Deutschlands. Rund 30 Jahre lang arbeitete sie für bedeutende Architekturbüros und entwickelte dabei mit ihren kontrastreichen, die Strukturen der Bauten klar herausarbeitenden Aufnahmen einen eigenen Stil. Seit den 1970er-Jahren schuf sie ebenso eindrucksvolle Naturbilder, denen sie sich ab 1990 ausschließlich widmete.

BMW-Hauptverwaltung

Sigrid Neubert: Karl Schwanzer: BMW-Hauptverwaltung, München, Museum, 1972 © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek / Sigrid Neubert

1954 machte Sigrid Neubert an der Bayerischen Staatslehranstalt für Lichtbildwesen in München ihre Meisterprüfung. Nach einer Zeit als Werbefotografin für die Glas- und Keramikindustrie konzentrierte sie sich in der zweiten Hälfte der 1950er-Jahre ganz auf die Architekturfotografie. Stilistisch orientierte sie sich dabei zunächst an US-amerikanischen Vorbildern und entwickelte eine eigene, immer wieder durch atmosphärische Dichte und ungewöhnliche Perspektiven gekennzeichnete Bildsprache.

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Warum Sie Ihre Fotos besser nicht Kunst nennen

10 Tipps für Hobbyfotografen, die ausstellen oder ein Buch veröffentlichen möchten

1. Für eine Fotografen-Website wählen Sie besser keine einprägsamen Begriffskombinationen (wie bei mir „fotofeinkost“). Das funktioniert bei Blogs, aber nicht für eine Website, auf der Sie „Werke“ präsentieren. Die erste Wahl ist stets, den eigenen Namen zu verwenden; ganz schlicht mit einem Bindestrich in zwischen Vor- und Zunamen. Achten Sie bitte auch darauf, dass die Domain nicht nach Fotogeschäft klingt: Bei „Photo-Mueller“ denkt man an Passfotos, nicht an Ausstellungen.

2. Vermeiden Sie immer Begriffe wie „Kunst“ oder „Kunstwerk“. Warum? Weil es uninformiert wirkt, sich selbst so zu etikettieren. Das Urteil, ob es als Kunst gesehen wird, sollte man stets anderen überlassen. Von jemandem, der sich selbst als „Künstler“ bezeichnet, nimmt man meist an, er sei Hobbykünstler. Auch „Art“ heißt „Kunst“, „Fine Art“ gar „Bildende Kunst“, meint also eigentlich die klassischen Bereiche wie Malerei und Bildhauerei. Der Begriff „Fine Art Fotografie“ ist als Genre verbreitet. Man sollte ihn daher nur verwenden, wenn man genau dieses Genre bedient.

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Das Revival des Analogen

Analog war nie wirklich weg, galt aber ein Jahrzehnt lang als äußerst uncool. Nun sind es gerade die Jungen – Fotointeressierte unter 35 Jahren – die ihre große Freude am Analogen entdecken. Das hat bei ihnen klarerweise nichts mit Nostalgie zu tun, sondern ist Ausdruck zutiefst menschlicher Bedürfnisse und einer Veränderung unserer Werte. Je digitaler und hektischer unsere Welt wird, desto mehr wächst die Sehnsucht nach Muße und Berührung. Als wichtiger Wert, gar „Währung“, gilt heute die Aufmerksamkeit; als höchstes Gut: Zeit. Da sind insbesondere Fotografierende privilegiert. Sie können Zeit schenken, sogar anhalten, die Welt be-greifbar machen und dafür Aufmerksamkeit erhalten.

Ein Touchscreen-Bild ist nicht haptisch

Immer mehr Stunden am Tag schaut man auf ein Display. Beim Schreiben eines Textes, beim Lesen seiner digitalen Post, bei den Kontakten mit seinen Followern und Freunden auf Facebook. Autofahrer leitet das Display des Navis. Beim Fotografieren guckt man auf einen kleinen Monitor, bei der Bildbearbeitung auf einen großen. Und anschließend sitzen wir zur Entspannung vor dem Flatscreen im Wohnzimmer.
Seit Jahren shoppen wir online, aber ein Touchscreen ist kein Ersatz fürs Anfassen der Ware. Vor dem Kaufabschluss ist nicht mehr festzustellen, wie qualitätvoll ein Material ist. Fatalistisch gesprochen ist das ohnehin gleichgültig geworden, seit alles unter Kostendruck in China produziert wird.

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Patrick Willocq: Songs of the Walés

Bontongu, one of the last bantu walés, 2014, 109 x 145 cm, edition of 8

Das wichtigste Ereignis im Leben einer Pygmäen-Frau vom Stamm der Ekonda in der Demokratischen Republik Kongo ist die Geburt ihres ersten Kindes. Die junge Mutter wird „Walé“ genannt. Sie lebt mehrere Jahre in Abgeschiedenheit, getrennt von ihrem Ehemann, umsorgt von weiblichen Stammesmitgliedern und täglich eingerieben mit einem roten Puder aus Ngola Holz. Bei ihrer Rückkehr in die Stammesgemeinschaft berichtet sie von ihren Erfahrungen in Liedern und Tänzen, die sie in einer feierlichen Aufführung darbietet.

Als der gebürtige Franzose Patrick Willocq auf diese Feiern aufmerksam wurde, konstruierte er in einzigartiger Zusammenarbeit mit einigen Walés, ihren Clans, einem Ethno-Musikologen, einem Künstler und zahlreichen Kunsthandwerkern des Waldes aufwändige Szenenbilder, die von den Gesängen der Mütter der Ekonda inspiriert sind. Hier, mitten im Dschungel, fotografierte er die Frauen in inszenierten Bildern. Das Buch versammelt die zwischen 2013 und 2015 entstandenen Serien „I Am Walé“, „Respect Me“ und „Forever Walé“. Weiterlesen

Nützliches Wissen: Adobe Stock Visual Trends für 2018

Welche Themen und Ereignisse prägen uns als Menschen und Gesellschaft? Wie gehen wir damit um? Und welchen Blickwinkel hat die Kunst auf den gesellschaftlichen Wandel? Im zweiten Jahr geht Adobe Stock diesen Fragen nach und stellt in diesem Zuge die Adobe Stock Visual Trends 2018 vor.

Für wen ist es interessant?

Die folgende Aufstellung gibt Fotografierenden eine Vorstellung davon, welche Themen in den nächsten Monaten aktuell sind. Um sich beispielsweise bei Agenturen oder anderen Auftraggebern vorzustellen, kann es sinnvoll sein, sein Bildmaterial danach durchzusehen, ob man solche Trendthemen bedienen kann. Das muss natürlich zu dem passen, was man in Zukunft machen möchte. Und wer meint, in nächster Zeit Testshootings machen zu müssen, der orientiere sich dabei an den Visual Trends für 2018, um Aufmerksamkeit zu bekommen.

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Magazinvorstellung: IDEAT Contemporary Life

Das internationale Magazin für Interior Design und urbanen Lifestyle wurde 1999 in Paris von Laurent Blanc gegründet und ist in Frankreich Marktführer unter den gehobenen Wohnmagazinen. Jetzt liegt die zweite deutsche Ausgabe (Dezember bis Januar) vor. Diese wird von Bettina Billerbeck im Verlag Gruner + Jahr verantwortet. Das ca. 260 Seiten starke Einzelheft kostet 6,50 € und kann hier abonniert werden.

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Weihnachtsangebot: 2 Bücher 1 Preis


Jetzt ist DIE Gelegenheit, schöne und inspirierende Bücher über Fotografie zu erwerben. Da Sie nur eines der beiden Bücher zahlen und das andere quasi kostenlos dazu bekommen, ist das ein günstiger Weg zu schönen Geschenken. Denken Sie an Ihre Assis und Praktikanten! Oder ergänzen Sie Ihre eigene Bibliothek. (Das Weihnachtswochenende wird sehr lang! Viel Zeit, zu lesen!)

Durch „Fotografie mit Leidenschaft“ werden Sie eine völlig neue Sichtweise auf das gewinnen, was künstlerische Fotografie sein kann. Zeitgenössische Fotografie-Superstars wie Andreas Gursky und Taryn Simon oder William Eggleston und Robert Frank werden von mir ebenso besprochen wie historische Größen: Henri Cartier-Bresson, Richard Avedon, August Sander oder Eugene Atget. Allein im Kapitel „Von der Reportage zum Kunstmarkt“ treffen Sie auf weitere spannende zeitgenössische Fotograf*innen wie Mazier Moradi, Peter Bialobrzeski, Massimo Vitali, Olaf Otto Becker, Andreas Meichsner, Ilja C. Hendel, Shizuka Yokomizo, Ralf Peters und Thomas Demand.
Kurzum, es war super aufwändig, die Bildrechte für den Abdruck zu bekommen, und daher werde ich den Titel nicht mehr auflegen, wenn er vergriffen ist – und kann ihn leider auch nicht als E-Book anbieten. Greifen Sie daher jetzt zu!

„Fotopraxis mit Perspektive“: Das Buch hätte ich gerne gehabt, als ich anfing, mich ernstlich fürs Fotografieren zu interessieren. 99% aller Bücher über Fotopraxis orientieren sich am technisch ausgerichteten Handwerk. Wer sagt etwas darüber, wie man Themen findet, die einen wirklich selbst interessieren und die auch für die Bildbetrachter von Bedeutung sind? Wo steht, wie man das konkret umsetzt? Und damit als Hobbyist glücklicher wird oder als kommerzieller Fotograf sich und anderen etwas nicht-kommerzielles Gutes tun kann?
Ich habe sie befragt, zum Beispiel Abenteuer-Fotografin Ulla Lohmann, jetzt gerade in allen Medien. Kai Löffelbein, dessen Bildband bei Steidl leider immer noch nicht erschienen ist. Carlos Spottorno, der gerade mit „Der Riss“ eine neue innovative Publikationsform für seine Arbeiten gefunden hat. Seinerzeit Newcomer Patrick Willocq, der seitdem zahlreiche Ausstellungen und Publikationen vorweisen kann. Und andere mehr.

Seien Sie gespannt auf das Abenteuer Fotografie!

Hier werden Sie weitergeleitet zum sicheren Einkaufen im Fotofeinkost Verlag (oder Klick aufs Bild).

Sonderpreis zu Weihnachten für 2 Bücher

Reportage neu gedacht: Der Riss

Die deutsche Ausgabe ist im Avant-Verlag, Berlin, erschienen.

Neue Fotobücher wirken heutzutage wie eine Bilderflut mit Buchdeckeln. Und auch wenn sich jeder einzelne Autor und jeder Verlag sicherlich große Mühe gibt: Es ist schwierig, aus der großen Zahl der Neuerscheinungen herauszustechen und Begeisterung zu entfachen. Einem aber gelingt dies nun schon zum zweiten Mal: Dem in Madrid lebenden Europäer Carlos Spottorno. Mit dem viel beachteten PIGS im Stil des Wirtschaftsmagazins The Economist zum Thema südliches Europa wurde er 2013 bekannt.* Jetzt legte er zusammen mit dem Journalisten Guillermo Abril ein Werk vor, das wirklich originell ist: Der Riss – eine Reportage in der Form und Aufmachung einer Graphic Novel. Insgesamt nichts weniger als genial gemacht.

Schon als „normale“ Reportage wäre das Material überwältigend. In der Präsentation als Bilderstory erschließen sich aber einige Facetten mehr: Man erfährt in erster Linie viel über Europas Außengrenzen und tatsächliche, inzwischen historische Vorfälle im Zusammenhang einer längeren Entwicklung. Die zurückhaltende Berichterstattung offenbart auch einiges über die Arbeit von Spottorno und Abril unter wahrlich abenteuerlichen Umständen. Die Reportagen im Auftrag der Zeitschrift El Pais Semanal begannen in Melilla, gingen weiter auf Lampedusa, führten die beiden in die Ukraine und schließlich bis in den Norden Finnlands. Weiterlesen

Zu Besuch im Wunderland von Frank Kunert

Die Beschreibung, wie er zu finden sei, klang schon wie aus seinen Bildern: Das Haus mit den grünen Fensterläden gegenüber von einem kleinen Spielplatz. Das Museum Boppard hat Frank Kunert eine sehr schöne Ausstellung eingerichtet. Grund genug an den Rhein zu fahren, um ihn und seine Bildwelt zu besuchen.

Frank Kunert vor dem Eröffnungsbild seiner Ausstellung Wunderland

Alles selbst gebaut! Der Künstler in seiner Ausstellung im Museum Boppard, die bis zum 28. Januar 2018 zu sehen ist.

Im obigen Bild gestaltete Kunert, der gebürtige Frankfurter, eine Referenz an seinen neuen Wohnort. Boppards berühmtester Sohn ist Michael Thonet, ein Tischler, der um 1840 das Bugholzverfahren entwickelte. Der österreichische Staatskanzler Metternich meinte, in Boppard würde er arm bleiben, er solle doch nach Wien kommen. Daher verbindet man die Thonet-Stühle mit Wiener Caféhauskultur. Das ist also der Hintergrund zu obigem Bild, für das Kunert Stuhlminiaturen im Museumsshop erstand. So weit, so praktisch, aber unkunertsch. Für die bessere Bildwirkung polsterte er die kleinen Stühlchen, bearbeitete und lackierte sie neu. Und natürlich ist der Boden im Bild nicht nur handgemalt, sondern für die plastische Wirkung mit einem zahnärztlichen Instrument im Kachelmuster geritzt. Das erklärt, warum die Erschaffung eines neuen Wunderland-Motivs etliche Wochen in Anspruch nimmt. Weiterlesen