Alle Artikel von Dr. Martina Mettner

Reportage neu gedacht: Der Riss

Die deutsche Ausgabe ist im Avant-Verlag, Berlin, erschienen.

Neue Fotobücher wirken heutzutage wie eine Bilderflut mit Buchdeckeln. Und auch wenn sich jeder einzelne Autor und jeder Verlag sicherlich große Mühe gibt: Es ist schwierig, aus der großen Zahl der Neuerscheinungen herauszustechen und Begeisterung zu entfachen. Einem aber gelingt dies nun schon zum zweiten Mal: Dem in Madrid lebenden Europäer Carlos Spottorno. Mit dem viel beachteten PIGS im Stil des Wirtschaftsmagazins The Economist zum Thema südliches Europa wurde er 2013 bekannt.* Jetzt legte er zusammen mit dem Journalisten Guillermo Abril ein Werk vor, das wirklich originell ist: Der Riss – eine Reportage in der Form und Aufmachung einer Graphic Novel. Insgesamt nichts weniger als genial gemacht.

Schon als „normale“ Reportage wäre das Material überwältigend. In der Präsentation als Bilderstory erschließen sich aber einige Facetten mehr: Man erfährt in erster Linie viel über Europas Außengrenzen und tatsächliche, inzwischen historische Vorfälle im Zusammenhang einer längeren Entwicklung. Die zurückhaltende Berichterstattung offenbart auch einiges über die Arbeit von Spottorno und Abril unter wahrlich abenteuerlichen Umständen. Die Reportagen im Auftrag der Zeitschrift El Pais Semanal begannen in Melilla, gingen weiter auf Lampedusa, führten die beiden in die Ukraine und schließlich bis in den Norden Finnlands.

Nach drei Jahren Arbeit, mehreren Titelstorys, dutzenden Seiten in Zeitschriften und einem World Press Photo Award entstand die Idee, 25.000 Fotos und den Inhalt von fünfzehn Notizbüchern in eine andere Erzählform zu transformieren. Mein Respekt für Guillermo Abril, der es schafft, mit minimaler Versprachlichung der Umstände ein lebhaftes Bild zu zeichnen. Carlos Spottorno wählt auch nicht einfach Bilder aus, sondern studierte genau die visuelle Dramaturgie von Graphic Novels mit ihren wechselnden Perspektiven, Wiederholungen und den hervorgehobenen Details.

Lassen wir Carlos Spottorno selbst zu Wort kommen: „In einem gewöhnlichen Buch hätte man eine so komplexe Geschichte nicht wiedergeben können. Ich glaube nicht, dass wir es mit einer Fotostrecke plus Prolog geschafft hätten, so detailliert und genau zu erzählen wie es mit der Graphic Novel möglich wurde. Und egal, wie gut so ein normales Buch geworden wäre: Ich glaube nicht, dass wir damit ein breites Publikum erreicht hätten. Ich weiß aus Erfahrung, dass Fotobücher es schwer haben. Nur wenige Leute kaufen sie. Als ich darüber nachgedacht habe, wie man die Reportage so erzählen kann, dass Text und Foto gleichberechtigt sind und sich gegenseitig bereichern, habe ich mich mit der Graphic Novel beschäftigt und erkannt, dass das die perfekte Sprache für uns ist. Dann musste ich nur noch die Fotos so bearbeiten, dass das Ergebnis nicht aussah wie ein Fotoroman.“

Und das ist ihm, wie man sieht, perfekt gelungen. Unbedingte Kaufempfehlung für „Der Riss“, 32 Euro

Bis 13.12.2017 sind die Arbeiten im Literaturhaus in Stuttgart ausgestellt.

*Mein Buch „Fotopraxis mit Perspektive“ enthält ein ganzes Kapitel, in dem ich mit Carlos Spottorno über PIGS spreche.

Zu Besuch im Wunderland von Frank Kunert

Die Beschreibung, wie er zu finden sei, klang schon wie aus seinen Bildern: Das Haus mit den grünen Fensterläden gegenüber von einem kleinen Spielplatz. Das Museum Boppard hat Frank Kunert eine sehr schöne Ausstellung eingerichtet. Grund genug an den Rhein zu fahren, um ihn und seine Bildwelt zu besuchen.

Frank Kunert vor dem Eröffnungsbild seiner Ausstellung Wunderland

Alles selbst gebaut! Der Künstler in seiner Ausstellung im Museum Boppard, die bis zum 28. Januar 2018 zu sehen ist.

Im obigen Bild gestaltete Kunert, der gebürtige Frankfurter, eine Referenz an seinen neuen Wohnort. Boppards berühmtester Sohn ist Michael Thonet, ein Tischler, der um 1840 das Bugholzverfahren entwickelte. Der österreichische Staatskanzler Metternich meinte, in Boppard würde er arm bleiben, er solle doch nach Wien kommen. Daher verbindet man die Thonet-Stühle mit Wiener Caféhauskultur. Das ist also der Hintergrund zu obigem Bild, für das Kunert Stuhlminiaturen im Museumsshop erstand. So weit, so praktisch, aber unkunertsch. Für die bessere Bildwirkung polsterte er die kleinen Stühlchen, bearbeitete und lackierte sie neu. Und natürlich ist der Boden im Bild nicht nur handgemalt, sondern für die plastische Wirkung mit einem zahnärztlichen Instrument im Kachelmuster geritzt. Das erklärt, warum die Erschaffung eines neuen Wunderland-Motivs etliche Wochen in Anspruch nimmt.

Er hat eine Ausbildung zum Fotografen absolviert, aber heute ist er eher ein Illusionist, denn ein Fotograf. Mit der analogen Großbildkamera betrachtet er die von ihm selbst gebauten Welten aus einer einzigen Perspektive. Jener, die den Betrachter in die optische Illusion hineinzieht. Er arbeitet mehr mit den Händen als mit der Kamera. Die Hände sind es auch, mit denen „ich die Dinge genau betrachte, auf mich wirken lasse und versuche, ihr Wesen zu verstehen.“

Arbeitsplatz Frank Kunert

Der Arbeitsplatz, in dessen Hintergrund sich viele Schübe mit Roh-Materialien befinden: alles Wertstoff, einiges davon tatsächlich vor der gelben Tonne bewahrt.

Balkon an Reaktor-Modell

„Kleinod“ heißt das Bild von 2008, aus dem eine Kernreaktorkuppel auf Rollen im Hausflur von Frank Kunert steht.

Schwebendes Hotel Modell

Schwebt im Museum: „Kletterurlaub“. Für 3.000 Euro würde sich Frank Kunert von dem skupturalen Unikat trennen.

Frank Kunert an einem seiner Objekte

In einem leicht gruftig riechenden Seitenraum des Museums steht Frank Kunerts „Ewige Liebe“ in passender Umgebung.

Blick in die Ausstellung

Kein Preis für den „Traum vom Glück“ (2008, Mitte): hinter Acrylglas ist er für 1.500 Euro zu erwerben.

Frank Kunert hinter Vitrine

Die motorisierte Wiege aus „Ein Kindheitstraum“ in der zweiten Etage der „Wunderland“-Aussstellung.

Ausstellungsraum Boppard

Wunderland mit Blick auf den Rhein. Foto: Frank Kunert

Plakat Frank Kunert Wunderland

Wie man in der Spiegelung erkennt, liegt das Museum direkt am Rheinufer. Lastkähne und Ausflugsschiffe bilden durch die Panormafenster im Museum einen bewegten Hintergrund zur Wunderland-Ausstellung.

Wunderland (in) Boppard

Und wenn man wieder draußen steht, nimmt man die Umgebung anders wahr: Das Hotel Rheinlust nebenan könnte ein Element in einer der nächsten Kunertschen Wunderwelten werden. Und die Pflanzendekoration in den Fenstern des Ausflugslokals weisen eine irritierend künstlich wirkende Serialität auf.

Das Anekdotische ist aber nur ein Element der Kunertschen Arbeiten. Sein liebevoller, oft mitfühlender Blick auf die Sehnsucht nach Glück und einem Stückchen Freiheit – in Form eines Balkons beispielsweise – regt an, die eigene Wahrnehmung zu überdenken. Und sich zu fragen, was Glück bedeutet. Wie sieht die eigene kleine Welt aus? Und wie betrachten wir die Welt da draußen? Die Bilder von Frank Kunert wirken wie ein optisches Erfrischungstuch.

Bald erscheint nach „Verkehrte Welt“ und „Wunderland“ ein neues Buch. Bis dahin unbedingt die Ausstellung in Boppard besuchen! Die großen Bildformate geben im Unterschied zum kleinen Buch- oder Postkartenformat auch bisher kaum bemerkte Bilddetails preis. Es gibt die Objekte zu sehen und das Museum ansich ist sehr schön neu gestaltet.

Siehe auch Frank-Kunert.de

 

Grüße von der Buchmesse

Es gibt nicht mehr so viel Fotografiespezifisches auf der Buchmesse. Und da, wo man es vermutet, gucken alle auf Displays.

Hier sind mit Displays aber immer noch Aufsteller für den Buchhandel gemeint!

Social Media in der klassischen Printsektion, der Kalenderausstellung. #Dumont

Richtig virtuell wird es in der Abteilung TheArts+ in Halle 4.1

Es gibt aber haptische Hoffnung im Papeteriebereich. Hier bei Perlenfischer, wo ich einen Kamerastempel fand.

Und man kann auch real in fremde Welten eintauchen – wie hier am Hongkonger Gemeinschaftsstand.

Am Wochenende öffnet sich THE ARTS+, ebenso wie die Frankfurter Buchmesse, auch den Privatbesuchern. Am Messesamstag und -sonntag können die Besucherinnen und Besucher des Areals in einem Pop-up Museum einen völlig neuen Zugang zu Kunst und Kultur gewinnen. Bei „Innovation made in Germany“ zeigen Unternehmen aus Deutschland, welche Innovationskraft und Zukunftsfähigkeit in ihnen steckt. Ebenfalls am Wochenende findet eine Modenschau statt, die Kreativität mit Technologie verbindet.

Auch fotogen: Die Deutsche Cosplaymeisterschaft (DCM) findet in diesem Jahr zum 11. Mal statt. Dabei werden die besten Cosplayer, die sich in sechs Vorentscheiden für das Finale qualifiziert haben, am Sonntag, 15. Oktober 2017, ab 13.30 Uhr im Saal Harmonie im Congress Center im Rahmen der Frankfurter Buchmesse ihre Meister küren. Der Live-Stream des Finales ist unter picarto.tv/cosplaydcm zu erreichen.

Alle Infos online.

Riebesehls Wolkenbilder in Göttingen

Unter dem Titel „Wolken: Poesie des Himmels“ werden am Donnerstag, 19. Oktober 2017, im Tagungs- und Veranstaltungshaus Alte Mensa in Göttingen zwei „Wolkenfachmänner“ Einblick in ihre Arbeit geben. Sie versuchen, die Frage zu beantworten, was sie als Wissenschaftler mit Wolken zu tun haben.

Warum Wolkenbilder?

Wolken faszinieren: Sie sind zugleich Naturphänomen und Projektionsfläche für die menschliche Fantasie; ihr Potenzial für Ideen scheint unendlich. Prof. Dr. Klaus Reichert, Literaturwissenschaftler, Autor und ehemaliger Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, nähert sich ihnen in seinem aktuellen Buch „Wolkendienst: Figuren des Flüchtigen“. Prof. Dr. Torsten Pflugmacher, Professor für Didaktik der Deutschen Sprache und Literatur an der Universität Göttingen, beschäftigt sich mit ihrer Kulturgeschichte. Derzeit vor allem mit dem Potenzial des Motivs in der Kinder- und Jugendliteratur und den Wolkenfotografien des Hannoveraner Fotografen Heinrich Riebesehl. Im Rahmen der Veranstaltung ist Riebesehls Wolkenserie erstmals zusammenhängend öffentlich zu sehen.

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Kreativ-Karriere 45 plus: Den eigenen Weg finden

Warum beginnen Menschen mit Lebenserfahrung ein Kunst- und/oder Fotografiestudium? Mein Eindruck ist, sie fühlen sich dann eher als Künstler legitimiert, wenn es schriftlich in Form eines Abschlusses belegbar ist. (Ehrlich gesagt: Keiner fragt danach, wenn Sie gut sind. Und wenn Sie nicht gut sind, interessiert es sowieso niemanden.) Bei jungen Menschen dient die Studienzeit der Persönlichkeitsbildung. Wer schon über Persönlichkeit verfügt, verschafft  sich bestenfalls strukturierten Freiraum. Schlechtestenfalls regrediert man. Und was folgt danach?

Unseen Amsterdam bietet vom 22. bis 24. September 2017 mit 50 Galerien einen Überblick über die aktuelle Fotokunst. Dort u. a. zu sehen: Number 1, 2017 © Pasi Orrensalo, mirko mayer gallery

„Was ist mit Galerien?“

wurde ich letzthin von jemandem, kurz vor dem Studienabschluss Stehenden, gefragt. Und gleich darüber ins Bild gesetzt, dass die fragende Person erwartete, darauf keine vernünftige Antwort zu erhalten: „Man liest ja viel darüber, aber das widerspricht sich auch.“ Zwei Regeln schienen festzustehen: Weiterlesen

Das aktuelle Chauvi-Foto

Es war einmal so schön, mit dem Fotografieren seinen Lebensunterhalt zu verdienen, gar berühmt zu werden. Wir erinnern knallig bunte Bilder von jungen Frauen in verführerischen Posen. Der Mythos vom Fotografen, der die tollsten Models vor der Linse dirigiert und den ganzen Tag am Strand,  nachts in angesagten Clubs abhängt. Fotografie ist so sexy!

Heimat: Gretchenfrisur und Dirndelschlüpfer

Doch diese hartnäckigen Vorstellungen sind so Achtziger und Neunziger! Was nicht heißen soll, es gäbe das nicht mehr. In der Klum’schen Modelsuchsendung treten ja regelmäßig jene Fotograf*innen auf, die dafür sorgen, dass die Meedchen sexy rüberkommen. (Christian Schuller als ehrenwerte Ausnahme.) Das aktuelle Heft der ProfiFoto präsentiert mit dem anscheinend griesgrämigen Hans Feurer und der immer lustigen Ellen von Unwerth gleich zwei Vertreter der alten Chauvi-Fraktion – der anzugehören nun wirklich kein männliches Privileg darstellt. Das Titelbild zeigt eine nahezu nackte Frau mit Brustnippelpiercing und Gretchenfrisur an Weißwurst. Die Penissymbole am laufenden Meter bedienen den Geschmack jener Herren, an die sich auch die Potenzmittelwerbung richtet. Seit den Fünfzigerjahren wird mit der Frau als Lustobjekt unverändert versucht, Fotomagazine an den Mann zu bringen. Ziehen 2017 noch immer Titten-Titel? Jetzt „modern“ weil mit käsigem Blitzlicht!?

Fotografinnen kämpfen

Seit 29 Jahren und 301 Ausgaben beweist das Magazin Photonews wie eine Fotozeitschrift profitabel sein kann, ohne sich dezidiert an männliche Käufer zu wenden. Fotografinnen sind keine Ausnahme mehr, sondern die Regel. Über 50 Prozent der Absolventen in der Berufsausbildung sind Frauen. Perfiderweise wird das oft mit den gesunkenen Einkommenserwartungen begründet. Frauen wären eher bereit, schlecht bezahlte Berufe zu ergreifen als Männer. Was für eine tendenziöse Interpretation! Empathischen, sensiblen und kreativen Menschen geht es womöglich weniger ums Geldverdienen als vielmehr darum, selbstbestimmt eine sinnvolle Tätigkeit auszuüben. Was nicht heißt, dass sie alles dankbar annehmen, was ihnen monetär angeboten wird.

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Fotos sind nicht umsonst

Geldbündel

Die Wertschätzung für Fotografie zu fördern, ist mir ein Anliegen. Keiner meiner Vorträge oder Workshops kommt ohne dieses Thema aus. Fotografinnen und Fotografen können und müssen selbst etwas dafür tun, dass unser Lieblingsmedium nicht unter die Räder kommt. Fotografien klären auf, erweitern den Horizont, verkaufen Produkte. Sie können eine ästhetische/künstlerische Bereicherung sein. All dies sind Aspekte, die es zu berücksichtigen gilt.

Ganz klar hat sich aber durch das Internet nicht nur die Masse an verfügbarem Bildmaterial, sondern auch unsere Einstellung zu Inhalten geändert. Heute ist es möglich, sich jederzeit und überall kostenlos informieren zu können. Es ist zu einem moralischen Wert geworden, sein Wissen zu teilen, ohne dafür eine monetäre Gegenleistung zu erhalten. Und obwohl ich parallel gegen Honorar schreibe, veröffentliche ich die Beiträge auf fotofeinkost kostenlos. Ich arbeite aber an einem kostenlosen Artikel nicht kürzer. Im Gegenteil, online ist beispielsweise nicht nur das Bildmaterial herauszusuchen, sondern auch aufzubereiten. All dies kostet Zeit, unbezahlte Zeit. Weiterlesen

Die Zukunft der Fotografie: Kian Saemian über Virtual Reality

Kian Saemian ist Senior Manager Business Development bei Mackevision, einem deutschen Spezialisten für Computer Generated Imagery, der unter anderem visuelle Effekte für die Blockbuster-Serie Game of Thrones produziert hat. Auszüge aus einem Gespräch, das der Photoindustrie-Verband am Rande seiner Konferenz mit ihm führte.

Herr Saemian, wieviel Hype steckt noch im VR-Thema?

Stellen Sie sich vor, Sie stehen an einer Türe, hinter der sich ein extrem langer Gang befindet. Da, wo wir nun im Bereich VR stehen, haben wir die Türe aufgemacht und sind ein bis zwei Schritte gegangen. So würde ich den Stand von VR momentan beschreiben, in bezug auf die Nutzung und Ausschöpfung dieser Technologie. Das heißt, es ist noch ein extrem langer Weg mit vielen Verbesserungen. Der tatsächliche Hype um VR ist mittlerweile aber stark abgeflacht, da VR-Brillen seit über einem Jahr final für den Massenmarkt existieren. Für mich sind VR, AR und Mixed Reality zukunftsweisend. Sie werden wichtige Bestandteile für Industrien in der Zukunft sein.

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Rodtchenko im Musée Unterlinden, Colmar

Colmar, das hübsche elsässische Städtchen, bietet mit dem Musée Unterlinden und dem darin befindlichen Isenheimer Altar (1512-1516) eine der großen europäischen Kunstattraktionen. Aufgewertet und vergrößert wurde das Museum durch die Neugestaltung der Architekten Herzog & de Meuron. Der Besuch lohnt in diesem Sommer umso mehr, da vom 8. Juli bis 2. Oktober 2017 dort eine kleine, aber sehr exquisite Ausstellung des Künstlers der russischen Avantgarde, Alexander Rodtchenko (1891-1956), präsentiert wird.

Die hundert Exponate stammen aus der Sammlung des Staatlichen Museums für Bildende Künste A.S. Puschkin in Moskau und wurden kuratiert von Rodtchenkos Enkel, Alexandre Lavrentiev. Er erzählte die Geschichte hinter dieser Auswahl.

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Manfred Sickmann: Spargelernte

Spargelernte

Flinke Helfer bei der Spargelernte

„Seit ersten März 2017 bin ich nun Rentner. Schon im letzten Jahr war klar, dass ich diesen Lebensabschnitt mit einem Fotoprojekt beginnen möchte“, schrieb mir Manfred Sickmann aus Baden-Württemberg als Reaktion auf meinen Mai-Newsletter. „Vielen Dank zunächst für Ihre vielen hervorragenden Anregungen, die ich aus Ihren Büchern Fotografie mit Leidenschaft und Fotopraxis mit Perspektive – wie auch dem Paper Wer fotografiert hat mehr vom Leben (kostenloser Download) bekommen habe. Großes Lob für Ihre klaren, differenzierten und sehr kompetenten Texte.

Seit 2008 fotografiere ich ernsthaft und leidenschaftlich alles mögliche – mit mäßiger Zufriedenheit. Immer auf der Suche nach der eigenen Bildsprache, die ich aber bis heute nicht wirklich gefunden habe. Von dem hohen Anspruch, so gut wie die Profis zu sein, habe ich – auch Dank Ihrer Anregungen – Abschied nehmen können. Seitdem gehe ich mein Hobby sehr viel entspannter an. Und dann war bei Ihren Anregungen ja noch der Aspekt „Projekt“. Das hat mir von Anfang an eingeleuchtet. Die Zeit, meine Ideen umzusetzen, hat mir aber während meiner Tätigkeit als Arbeitstherapeut in der Psychiatrie gefehlt.

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Die Zukunft der Fotografie: Objektive

Flach, flüssig – oder ganz anders?

Aktuell setzt die Physik der Miniaturisierung von Kameraobjektiven noch enge Grenzen. Der Bedarf gerade an Mini-Kameras mit hoher Bildqualität in der Medizintechnik, dem Smart Home, der Robotik oder beispielsweise der Fabrikautomatisierung ist groß. Daher sind Forschergruppen und Hersteller dabei, die Bauweise von Objektiven neu zu erfinden. Davon dürften langfristig auch Amateur- und Profifotografen profitieren. „Mithilfe neuer Materialien und Technologien könnten neue Objektivkonstruktionen die Fotografie, wie wir sie heute kennen, komplett revolutionieren“, erklärt Christian Müller-Rieker, Geschäftsführer des Photoindustrie-Verbandes e.V. (PIV).

Warum wir überhaupt mit Objektiven fotografieren

Dank digitaler Kameras voller Mikroelektronik können Fotografen heute so bequem und kreativ Bilder festhalten wie nie zuvor. Ohne eine analoge Erfindung aus dem 18. Jahrhundert wäre die Freude deutlich kleiner. Fotos entstehen durch Licht und das will dafür gebändigt werden. An dem Prinzip, Licht kontrolliert durch einen Linsen-Korridor aus Glas zu navigieren, hat sich bis heute nichts geändert. In richtigem Abstand zueinander angeordnet, ermöglichen erst speziell geschliffene Linsen den Bildausschnitt und die Schärfeebene zu definieren. Ohne ein derartiges optisches System würde ein Foto mit aktueller handelsüblicher Technik nur aus unkenntlichem „Bildmatsch“ bestehen.

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Amsterdam: 2 Fotoausstellungen im Rijksmuseum

Viviane Sassen-Sea Views

Das Rijksmuseum zeigt vom 17. Juni bis 17. September 2017 eine umfangreiche Übersichtsausstellung zur Fotografie des 19. Jahrhunderts sowie Meeresansichten.

Dreihundert Fotografien aus der eigenen Sammlung des Museums illustrieren die Vielfalt, die die Fotografie bereits kurz nach ihrer Erfindung im Jahre 1839 besaß. „New Realities. Fotografie im 19. Jahrhundert“ zeigt nicht nur Porträts, Aktaufnahmen, Stadtansichten und Reisebilder, sondern auch wissenschaftliche Fotografien, Reklamefotos und die ersten Amateuraufnahmen und Schnappschüsse.

Rijksmuseum 2017

Anne Atkins, Algen, 1843-1853, © Rijksmuseum

Ein revolutionäres Medium

Kein größerer Gegensatz ist denkbar als der zwischen der Flüchtigkeit des Fotografierens heute und den aufwändigen Experimenten der frühen Fotografen. Zweifellos führte das neue, magische Medium zu einem revolutionären Bruch mit der traditionellen Bildauffassung, wie man sie bis dahin von Gemälden, Zeichnungen oder Kupferstichen her kannte. Die Fotografie war der Anfang einer vollkommen neuen Art des Sehens und der Darstellung von Wirklichkeit.
Die Ausstellung rekonstruiert, wie man damals aufbrach, um mit der Kamera die Welt zu entdecken – vom Alltag vor der eigenen Haustür bis hin zum Leben unbekannter Völker im fernen Asien.

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Paris: Autophoto Ausstellung

Autophoto: Lee Friedlander

Lee Friedlander, California, 2008 Série America by Car Tirage gélatino-argentique, 37,5 × 37,5 cm Courtesy Fraenkel Gallery, San Francisco © Lee Friedlander, courtesy Fraenkel Gallery, San Francisco

Autophoto: Ray K. Metzger

Ray K. Metzker, Washington, DC, 1964 Tirage gélatino-argentique, 20 × 25,5 cm Courtesy Les Douches la Galerie, Paris / Laurence Miller Gallery, New York © Estate Ray K. Metzker, courtesy Les Douches la Galerie, Paris / Laurence Miller Gallery, New York Ray K.

Autophoto: Justine Kurland

Justine Kurland, 280 Coup, 2012 Impression jet d’encre, 47 x 61 cm Courtesy de l’artiste / Mitchell-Innes & Nash, New York © Justine Kurland

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PhotoEspaña 2017: Sehr körperlich

Allen Städte- und Geschäftsreisenden, die in diesem Sommer nach Madrid kommen, sei ein Besuch der zahlreichen Fotoausstellungen empfohlen. Gerade die größeren Schauen befinden sich fußläufig voneinander und von der Madrider Hauptattraktion, dem Prado, entfernt. Meine persönlichen Highlights waren (überwiegend) schwarzweiß: Cristina Garicia Roderos Lalibela-Ausstellung, Gabriele Basilico im Museo ICO, Eyes Wide Open – 100 Years of Leica Photography. Eine Ausstellung mit Kuba-Fotos von Elliott Erwitt im Real Jardin Botánico empfand ich als wenig interessant. Sie dient dazu, ein Stipendium für Dokumentarfotografen zu bewerben. Die Galerieausstellung von Alberto Garcia-Alix läuft nur bis zum 20.7., die großen Ausstellungen meist bis in den September, siehe Programm.

PhotoEspaña – Kuratiert von Alberto Garcia-Alix

Zum 20. Jubiläum des großen Ausstellungsreigens in Madrid hatte man dem wohl schillerndsten spanischen Fotografen freie Hand gegeben. Alberto Garcia-Alix durfte Ausstellungen nach seinem Gusto zusammenstellen. Dass dabei Randgruppen und Sexualität im Vordergrund stehen würden, war abzusehen. Er holte das Jugendwerk von Anders Petersen, Café Lehmitz, wieder hervor und eine andere Erscheinung aus den Sechzigerjahren, Pierre Molinier. Die erstere Ausstellung war zu sehen im Centrocentro Cibeles als räumliche Inszenierung. Kontaktbögen bis unter die Decke und ein Tisch zum Durchblättern des legendären Fotobuches von 1978 zitieren die Atmosphäre eines Lokals.

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Jedes Jahr photokina #imagingunlimited

Gestern kam die Pressemitteilung, dass die photokina in Köln zukünftig jährlich stattfinden soll – im Mai! Und ohne den publikumsfreundlichen Messesonntag. Aus meiner Sicht ist das alles sehr auf die großen Unternehmen ausgerichtet, die sich eine jährliche Messe finanziell leisten können. Viele kleinere Anbieter wie Fotomagazine oder auch bekannte Fotoenthusiasten, die dort ihre Fans treffen, werden sich die Ausgaben für eine Messeteilnahme womöglich nicht mehr erlauben können. Selbst wenn der Stand gesponsort würde, schlagen immer noch die Hotelkosten, die für zusätzliche Mitarbeiter am Stand und Promomaterialien zu Buche.

Und ob wohl die unbekannteren Anbieter aus Taiwan und China jährlich nach Köln reisen? Gerade das  Angebot von kleinen Unternehmen zu sehen, ist interessant. Darauf, sich bei Canon oder Panasonic hinter Männern mit Rucksäcken zu drängen, um ein neues Kameramodell in die Hand zu nehmen, kann ich gut verzichten – ab 2018 dann jedes Jahr.

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Peter Braunholz: Fotografische Wirklichkeiten

Gerade frisch erschienen ist der Bildband „Fotografische Wirklichkeiten“ von Peter Braunholz im Kehrer Verlag (140 Seiten, 39,90 Euro). In den vergangenen Jahren hat sich der 1963 geborene Bildautor zu einem international vielfach ausgestellten und sehr präsenten deutschen Fotokünstler entwickelt.

Im Vorfeld der Buchveröffentlichung hatte ich Gelegenheit, mit Peter Braunholz ein Interview für das Magazin Fine Art Printer zu führen, das in der aktuellen Ausgabe (2/17) nachlesbar ist. Zur Buchproduktion fragte ich ihn:

Welchen Stellenwert hat diese Bildbandveröffentlichung für Sie? Auch unter dem Aspekt, dass für solch eine Buchproduktion in der Regel eine größere finanzielle Investition erforderlich wird.

Peter Braunholz: „Nun liegen aus über fünfzehn Jahren Arbeiten vor, da kommt die Veröffentlichung  für mich zum richtigen Zeitpunkt. Der Prozess der Buchproduktion ist spannend und lehrreich zugleich: Welche Bilder sollen in jedem Fall hinein? Welche können wir weglassen? Wie muss der Ablauf aussehen? Arbeiten, die mir bislang nicht so bedeutsam erscheinen, bekommen vielleicht in einem Buch einen ganz anderen Stellenwert. Welche Rolle spielt die internationale Veröffentlichung für das Design?

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Bildfreigabe für persönliche Fotoprojekte

Die Bildfreigabe gehört zum Fotografieren

In meinem E-Book „Wer fotografiert hat mehr vom Leben“ sporne ich dazu an, persönliche Fotoprojekte zu fotografieren. Darauf kam bisher schon großartiges Feedback. Angeregt durch die Berichte per E-Mail möchte ich heute das Thema der Bildfreigabe ansprechen.

Das ist, wie Sie wahrscheinlich wissen, juristisch vermintes Gebiet. Und vielen macht das Angst. Meines Wissens ist es bisher nicht grundsätzlich verboten, überhaupt zu fotografieren. Erst recht nicht, wenn Sie das einvernehmlich mit den Personen oder Grundstückseigentümern tun – was bei einem persönlichen Projekt die Voraussetzung ist. (Sonst wäre es flüchtiges Knipsen.)

Gerade beim Arbeiten an einer Fotoserie steht für den Hobbyfotografen eine Veröffentlichung erst einmal nicht zur Debatte, zumindest nicht im Sinne einer kommerziellen Verwertung, wie dies bei Berufsfotografinnen und -Fotografen der Fall ist. Einschränkend muss man aber sagen, dass jede Art von Foto schneller in den sozialen Netzwerken hochgeladen wird, als man sich über die Konsequenzen im Klaren ist.

Bevor man also so richtig loslegt, sollte man sich über drei Punkte klarwerden.

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Ninette Niemeyer fotografiert eine alte Dame

„Mit großem Interesse habe ich Ihr wirklich wunderbar geschriebenes E-Book gelesen“, schrieb mir Ninette Niemeyer nach der Lektüre von „Wer fotografiert hat mehr vom Leben“ und sandte mir ihrerseits einen kleinen Bildband in Form eines PDFs. Der Titel ihrer Serie über eine 96 Jahre alte Dame, die alleine in ihrem Haus lebt, lautet:

„Der liebe Gott will mich noch nicht”

Die Bildautorin hat an der Uni in Hannover Architektur studiert und viele Jahre als Architektin gearbeitet. „Irgendwann kam die Erstellung von Webseiten hinzu. In der Zeit bin ich von der analogen zur digitalen Fotografie gekommen und begann, mich intensiv mit künstlerischer Fotografie und der Erstellung von Serien auseinander zu setzen. Mein Thema ist der Mensch mit seinen Geschichten, seiner Unergründlichkeit und seiner Verrücktheit“, sagt Frau Niemeyer, die in Bergisch Gladbach lebt. Weiterlesen