Alle Artikel von Dr. Martina Mettner

Bildfreigabe für persönliche Fotoprojekte

Die Bildfreigabe gehört zum Fotografieren

In meinem E-Book „Wer fotografiert hat mehr vom Leben“ (siehe Startseite) sporne ich dazu an, persönliche Fotoprojekte zu fotografieren. Darauf kam bisher schon großartiges Feedback. Angeregt durch die Berichte per E-Mail möchte ich heute das Thema der Bildfreigabe ansprechen.

Das ist, wie Sie wahrscheinlich wissen, juristisch vermintes Gebiet. Und vielen macht das Angst. Meines Wissens ist es bisher nicht grundsätzlich verboten, überhaupt zu fotografieren. Erst recht nicht, wenn Sie das einvernehmlich mit den Personen oder Grundstückseigentümern tun – was bei einem persönlichen Projekt die Voraussetzung ist. (Sonst wäre es flüchtiges Knipsen.)

Gerade beim Arbeiten an einer Fotoserie steht für den Hobbyfotografen eine Veröffentlichung erst einmal nicht zur Debatte, zumindest nicht im Sinne einer kommerziellen Verwertung, wie dies bei Berufsfotografinnen und -Fotografen der Fall ist. Einschränkend muss man aber sagen, dass jede Art von Foto schneller in den sozialen Netzwerken hochgeladen wird, als man sich über die Konsequenzen im Klaren ist.

Bevor man also so richtig loslegt, sollte man sich über drei Punkte klarwerden.

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Ninette Niemeyer fotografiert eine alte Dame

„Mit großem Interesse habe ich Ihr wirklich wunderbar geschriebenes E-Book gelesen“, schrieb mir Ninette Niemeyer nach der Lektüre von „Wer fotografiert hat mehr vom Leben“ und sandte mir ihrerseits einen kleinen Bildband in Form eines PDFs. Der Titel ihrer Serie über eine 96 Jahre alte Dame, die alleine in ihrem Haus lebt, lautet:

„Der liebe Gott will mich noch nicht”

Die Bildautorin hat an der Uni in Hannover Architektur studiert und viele Jahre als Architektin gearbeitet. „Irgendwann kam die Erstellung von Webseiten hinzu. In der Zeit bin ich von der analogen zur digitalen Fotografie gekommen und begann, mich intensiv mit künstlerischer Fotografie und der Erstellung von Serien auseinander zu setzen. Mein Thema ist der Mensch mit seinen Geschichten, seiner Unergründlichkeit und seiner Verrücktheit“, sagt Frau Niemeyer, die in Bergisch Gladbach lebt. Weiterlesen

Städel Ausstellung: Die Becher-Klasse

Die Becher-Klasse
Ausstellung Die Becher-Klasse

Ausstellungsansicht Raum Andreas Gursky, Foto: Städel Museum

In einer umfassenden Überblicksausstellung widmet sich das Städel Museum in Frankfurt am Main vom 27. April bis 13. August 2017 der Becher-Klasse. Rund 200 Fotografien sind zu sehen von Andreas Gursky, Candida Höfer, Axel Hütte, Tata Ronkholz, Thomas Ruff, Jörg Sasse, Thomas Struth sowie von den weniger prominent gewordenen Studenten Volker Döhne und Petra Wunderlich. Die Ausstellung mit dem Haupttitel „Fotografien werden Bilder“ konzentriert sich mithin auf die Studentinnen und Studenten der frühen Jahre der Becher-Klasse, die 1976 mit Höfer, Döhne, Hütte und Struth beginnen und 1987/1988 mit dem Abschluss des Studiums von Gursky und Sasse enden.

Dokumentarische Fotos von Trinkhallen

Die Ausstellung im Anbau des ehrwürdigen Kunstmuseums Städel führt über zwei Etagen. Man beginnt unten mit den frühen Arbeiten, die noch deutlich unter dem Einfluss der Lehrer vielfach klein, schwarzweiß und dokumentarisch abbildend sind. „Dem Ansatz lag folgende Auffassung zugrunde: Wenn Stil und Produktion des Fotografen neutralisiert würden, würden die Aufnahmen unvoreingenommen und gleichgewichtig erscheinen, und die Fotografie könnte als unparteiisches Mittel der Beobachtung anerkannt werden“, schreibt Alexander Alberro in seinem überaus lesenswerten Katalogbeitrag. Und weiter heißt es dort: „Tata Ronkholz‘ sachliche, aus fixen Kamerapositionen erstellte Aufnahmen von Trinkhallen und kleinen Läden, Volker Döhnes und Axel Hüttes unpersönliche Bilder industrieller Architektur und banaler Elemente der urbanen Infrastruktur sowie Petra Wunderlichs Detailansichten von Kirchenfassaden suggerieren oberflächlich ein Verlangen, Orte und Einrichtungen aus dem Zeitraum von Mitte bis Ende des 20. Jahrhunderts zu katalogisieren und auf unbestimmte wissenschaftliche Art zu klassifizieren. Das perfekte Licht, das ihre Werke auszeichnet, deutet zudem die gleiche unerschöpfliche Geduld an, die in den Arbeiten der Bechers zutage tritt.“ (S. 21-22)

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Fotografie ist (k)ein Hobby

Sonnenuntergang fotografierende Hobbyfotografen

Hobbyfotografen wünschen sich oft nichts sehnlicher als in die „Profi-Liga aufzusteigen“. Das Sehnen des Hobbyisten nach Profitum hat in unserem Sprachraum Tradition – und wird zur Umsatzsteigerung von der Fotobranche kräftig gefördert. Ist der Status als Möchtegern-Berufsfotograf wirklich so erstrebenswert? Wie wäre es, das Fotografieren als etwas zu betrachten, mit dem man sich etwas Gutes tut? Als Inspiration zum Umdenken habe ich ein E-Book geschrieben, das Sie sich gerne kostenlos downloaden können. Es heißt: „Wer fotografiert hat mehr vom Leben“.

Ich behaupte darin: Die Kamera ist ein Talisman, ein glückbringender Gegenstand.
Warum haben Sie die Zauberkraft Ihrer Kamera bisher nicht wahrgenommen? Weil es dafür keinen sichtbaren Schalter gibt, sondern einen im Kopf.

Ein Plädoyer für das Fotografieren ohne kommerzielle Absichten

Das Dilemma ist nämlich, dass die Fotografie in den Köpfen der Hobbyfotografen fest als Handwerk verankert ist. Das Fotografieren selbst wird nicht als typisches Hobby verstanden! Ein Hobby betreibt man aus Freude an der Sache; es schluckt meistens viel Geld und Zeit, löst aber grundsätzlich keinen Renditegedanken aus. Die Fotografie hingegen steht immer im Zeichen eines möglichen Überwechselns in die kommerzielle Anwendung.

Sie denken an einen „Return of Investment“, wenn Sie Fotoausrüstung anschaffen. Wenn Sie damit etwas verdienen, sind Sie – oder Ihre bessere Hälfte – geneigt, über den Kauf eines neuen Objektivs oder des A2-Druckers mit 12 Tinten hinwegzusehen. Hingegen wird bei der Anschaffung eines Aufsitzrasenmähers niemand erwarten, Sie sollten ein Nebengewerbe als Platzwart anmelden.
Wer Uhren sammelt, will damit keinen Laden oder ein Auktionshaus eröffnen. Wer Golf oder Tennis spielt, sucht Geselligkeit gewürzt mit leichten sportlich-mentalen Herausforderungen. Und wer seinen Garten pflegt und gestaltet, will nicht Gärtner werden, sondern die Aussicht genießen.

Der Drang in die Kommerzialisierung hängt eng zusammen mit der Einordnung der Fotografie als Handwerk. Natürlich ist sie unter anderem ein Handwerksberuf. Jedoch wird der handwerkliche Teil des Verfahrens mit dem technischen Fortschritt im 21. Jahrhundert immer bedeutungsloser.

Hobbyfotografen meinen: „Das kann ich auch!“

Für Hobbyfotografen ist dieses Klammern am Handwerklichen schon immer eine Sackgasse gewesen. Sie streben danach, so gut zu sein wie ein Werbe-, Mode- oder Architekturfotograf. Was sie in ihren eigenen Augen leicht erreichen – weil sie das Produkt absolut setzen, losgelöst von jeder Bedingung, der ein Berufsfotograf stets unterliegt. Zeitdruck, Budgetdiskussionen und Kundenwünsche kommen in der Welt der Hobbyfotografie ebenso wenig vor wie Architekturaufträge bei schlechtem Wetter.

Erfolgserlebnisse bezogen auf ein einzelnes, losgelöstes Produkt befördert die Illusion des Amateurs, im täglich härter werdenden Fotobusiness Fuß fassen zu können. Und indem er der Werbe-, Mode-, oder Hochzeitsfotografie nacheifert, bleibt der Amateur ein Möchtegern-Profi.
Verhinderter Berufsfotograf zu sein ist kein schöner Dauerzustand, oder?
Was passiert: Der Hobbyfotograf erledigt kostenlos kommerzielle Fotoaufträge. Berufsfotografen die Arbeit wegzunehmen und die Preise zu ruinieren, geschieht meist nicht in böser Absicht, zeugt aber von wenig Umsicht. Gutverdiener oder Pensionäre sollten am besten überhaupt nicht kommerziell fotografieren!

Werden Sie beispielsweise gefragt, eine Hochzeit abzulichten, dann überlegen Sie noch einmal gut, ob das wirklich so schmeichelhaft ist. Sehen Sie es realistisch: Das Hochzeitspaar will das Fotografenhonorar sparen und kann den Wert professioneller Fotografie offenbar nicht würdigen. Sie wären gerne Gast. Doch Sie werden zum Dienstleister ernannt und sollen arbeiten, während alle anderen feiern. (Lassen die Brautleute eigentlich ihre Hochzeitstorte von der Mutti backen?)

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Der eigene Bildband

Ein Bildband mit den eigenen Fotos ist so lange ausschließlich eine wunderbare Art der Bildpräsentation, wie man die Auflage klein hält. Sucht man mit seiner Arbeit die Öffentlichkeit, investiert mithin ziemlich viel Geld in den Druck, sollte man vorzugsweise schon zu Beginn überlegen, wer das Buch kaufen würde. Und sich auch vorab mental rüsten, mit der Downside des Publizierens umzugehen: Mit negativen oder gar nicht erfolgenden Buchbesprechungen, mit großen Stapeln unverkaufter Bücher im Lager, mit dem Verramschen des guten Stückes zum Schleuderpreis. Das gehört nämlich auch alles zum Alltag des Autors, wird aber gerne verschwiegen. Lassen mich also ein paar sachdienliche Fragen stellen.

Wozu überhaupt einen Bildband veröffentlichen?

Dazu sollte man sich die Frage ehrlich beantworten, ob es nur um das Gefühl geht, etwas publiziert zu haben. Dazu würden nämlich 20 bis 50 Exemplare reichen, die man an Friends & Family oder an seine Kunden verteilt. Oder gibt es eine echte Nachfrage nach dem Inhalt/dem Künstler, die eine Auflage von 500 bis 2.000 Exemplaren rechtfertigt? Um die Menschen zu erreichen, die sich für den Inhalt interessieren, muss man sehr viel Arbeit investieren. Und zwar höchstselbst und möglichst lange andauernd. Es wäre ein Traum, wenn das der Verlag leisten könnte. Aber ein Verlag ist kein Grand Hotel mit dreimal so viel Personal wie Gästen.

Wozu dient der Bildband?

Vor der Digitalisierung war der Bildband wichtig zur Information. Wollte man beispielsweise in ein Land oder in eine Metropole reisen, schaute man in einen Bildband, um vorab etwas zu sehen. Heute guckt man sich bei Google Earth die Stadt ungeschönt an, und bei Airbnb wie die Leute dort wohnen. Bei YouTube gibt es zudem Videos, in denen man Details über Streetfood, Strand oder das Nachtleben vorab betrachten kann.

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Die eigene analoge Fotovergangenheit

Frühjahrsinventur nenne ich es, wenn an einem Wochenende sämtliche Schränke durchforstet werden. Seit ich in einem großen Haus lebe, ist mir dies ein besonderes Anliegen. Das haben wir nämlich mit einer Vielzahl von Einbauschränken gekauft. Und auf magische Weise dehnt sich der eigene Besitzstand aus wie Hefeteig – so lange, bis auch der letzte Wandschrank gefüllt ist.
In einigen Oberschränken liegt quasi meine Vergangenheit in erschütterndem Zustand: Fotos über Fotos. Es sind stapelweise beschriftete Agfa- und Ilfordkartons mit Prints aus dem eigenen Labor. Natürlich lagern sie in den Papierkartons nicht archivfest. Das macht jedoch nichts, denn ich gucke sie ohnehin nicht an. Und niemand wird sich je dafür interessieren.

Analoge Fotos in Kartons

Kann das also alles weg?

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Mehr Tipps für Ihre erste Fotoausstellung

Fortsetzung des vorherigen Beitrags.

7. Einzelbilder? Serien?
Fassen Sie Einzelbilder für eine Fotoausstellung in Gruppen zusammen. Geben Sie diesen sinnvolle, aussagekräftige Namen, vor allem wenn Sie diese auf Ihrer Website veröffentlichen. Das erhöht die Chance Ihrer Werke, via Google gefunden zu werden. Legen Sie Wert darauf, dass jedes Bild für sich gesehen wird, dann präsentieren Sie diese auch entsprechend in je individueller Größe und Rahmung. Den Charakter der Serie betonen Sie durch gleiche Rahmungen.

8. Niemand will Urlaubsfotos sehen!
Sie wissen es, ich weiß es: Die meisten Fotos werden auf Reisen aufgenommen. Das ist nur dann kein Problem, wenn es ein durchgängiges, interessantes Thema als Klammer gibt. Fehlt dieses, wie meist bei Hobbyfotografen, dann sollte zumindest die Bezeichnung der Serie keinen Rückschluss darauf zulassen, dass die Bilder quasi hobbymäßig entstanden sind. Vermeiden Sie also „Kuba | Island | Namibia“. Konzentrieren Sie sich auf Inhalte statt auf Beiläufiges.

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Tipps für Ihre erste Ausstellung

Ein Ladenbesitzer in Ihrem Ort oder eine öffentliche Einrichtung hat Ihnen angeboten, Ihre fotografischen Arbeiten zu zeigen. Da können Sie natürlich nicht „Nein“ sagen; obwohl es riskant sein kann, mit seinen Erstlingswerken an die Öffentlichkeit zu gehen. Womöglich befassen Sie sich jedoch schon lange mit der Fotografie und suchen jetzt Anerkennung auf dem Ausstellungssektor – gar auf dem „Kunstmarkt“. Aus Erfahrung kann ich sagen: Je kürzer man fotografiert oder sich mit dem Gedanken an Öffentlichkeit befasst, desto blauäugiger ist man. Wie Sie bestimmt wissen, hat man jedoch nur eine Chance auf einen guten ersten Eindruck. Das ist besonders für jene zu bedenken, die sich beruflich anderweitig bereits einen Namen gemacht haben. Sie sollten berücksichtigen, dass es professionelle Maßstäbe nicht nur im eigenen Berufsfeld gibt, sondern auch im Bereich Kunst und Kultur.

Eine Ausstellung kann auch im Freien stattfinden – hier in Innsbruck.

Ein erster wichtiger Rat vorab wäre, sich niemals mit drei, vier, fünf Erfolgreichen zu vergleichen. Die „Big Names“, von denen man mal gehört oder gelesen hat, befinden sich quasi in einem Paralleluniversum. Seien Sie realistisch und freuen Sie sich über jede Form von Anerkennung. Egal wo Ihre erste Ausstellung stattfinden wird, Sie treten damit ins Licht der Öffentlichkeit und sollten vorab folgende potenzielle Fettnäpfchen beseitigen. Das gilt natürlich auch, bevor Sie zu einer Portfolio-Review auf einem der vielen Festivals aufbrechen.

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FOAM Paul Huf Award 2017

Romain Mader (Jg. 1988) aus der Schweiz heißt der Gewinner des 11. Foam Paul Huf Awards. Für den Preis bewerben können sich Fotografinnen und Fotografen unter 35 Jahren. Er ist mit 20.000 Euro dotiert und mit einer Einzelausstellung im Foam Fotografiemuseum in Amsterdam. Romain Maders Arbeit wurde aus 100 nominierten Portfolios aus 25 Ländern ausgewählt. Die ironisch-humorvolle Serie handelt davon, wie er eine Braut sucht in der fiktiven Stadt „Ekatarina“ – so auch der Name der Serie.

Centro de la Imagen Mexiko City

Innen Centro Imagen

Mit Lateinamerika, speziell Mexiko, verbindet sich eine große fotografische Tradition. Mir fallen vor allem Fotografinnen ein wie die historischen Tina Modotti, Lola Álvarez Bravo oder die zeitgenössischen Klassiker Graciela Iturbide und Flor Garduño, die in einem meiner Bücher vertreten sind. Nun war ich endlich in Mexiko City und dort auch im Centro de la Imagen. Wie schon im letzten Beitrag berichtet, lief gerade die Biennale der Fotografie.

Hier möchte ich Sie einfach mitnehmen und Ihnen einen Eindruck vermitteln, wie es dort aussieht.

Fassade Centro de la Imagen

Plaza de la Ciudadela im Centro Histórico von Mexiko City. Der Gebäudekomplex vom Anfang des 18. Jahrhunderts beherbergte einst die erste Tabakfabrik, Real Fábrica de Tabaco de la Nueva España. „Zitadelle“ wurde das Gebäude genannt, weil es so militärisch wirkte. Nach einer ziemlich wechselvollen Geschichte zog hier 1994 das Zentrum für Fotografie ein.

Eingangssituation Centro Imagen

Von der Metrostation Balderas geht man eine Art Flohmarkt entlang. Der Eingang ist dieses schmale Gittertor zwischen den Ständen.

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[Bewegtbild] Ivan Manriquez: TJ-SD Installation

Im Centro de la Imagen in Mexiko City läuft noch bis 12. März 2017 die XVII Bienal de la Fotografia. Dort sah ich die Video-Installation von Iván Manríquez aus Monterrey, Nuevo León, Mexiko (Beitragsbild). Ich fand sie visuell sehr beeindruckend. Sie bearbeitet zudem das durch die Wahl von Trump zum Präsidenten der USA in der Weltöffentlichkeit derzeit viel beachtete Thema der Grenze zwischen Mexiko und den USA. Genauer gesagt geht es um die beiden Städte Tijuana und San Diego, die wirtschaftlich eng miteinander verflochten sind. Auf der Basis von Satellitenbildern und statistischen Daten schuf Manríquez seine Visualisierung, der er den englischen Titel „Borderline“ gab. 1986 in La Paz, Baja California Sur, geboren, studierte er zunächst Elektrotechnik am Monterrey Institute of Technology, wechselte dann aber zu den Audiovisuellen Künsten an der Autonomen Universität von Nuevo Leon.

Video zum Thema mexikanisch-amerikanische Grenze

This project has its origin in the analysis of satellite images taken in the boundaries between Mexico and the United States. From this perspective I can observe the concept of frontier while the images evoke the imaginary attributed to the region. My work is a reflection on current political activity in contemporary societies and how technology has influenced it through the use of various devices and media languages.

As part of this project, TJ-SD is a video installation consisting of a series of graphs projected simultaneously on a LED board and a television screen, corresponding to numerical data related to the border region between Tijuana and San Diego. The number of inhabitants, the area codes, the postal codes, the time zones and the length of this border are displayed on the board; while the video shows a constant reconfiguration of the pixels that make up the satellite image of the place.

The whole project is entitled „Borderline“. It referres to two concepts: to borderline as a personality disorder, a mental condition characterized by an extremely polarized mood. And to the dividing and imaginary line that limits two or more regions.

Iván Manríquez Website

[Bewegtbild] Jürgen Scriba: Timelaps

Zeitraffer wie sie J. Scriba versteht
Martina Mettner: Am Anfang stand nicht die Fotografie, sondern ein Physikstudium.

Jürgen Scriba: Was auch sinnvoll ist, weil es einem grundsätzlich beibringt, akribisch Sachverhalte zu erkunden. Egal, ob man nun Halbleiterstrukturen untersucht oder eine Kamera benutzt – als Messinstrument, um zu verstehen, wie bestimmte Sachen funktionieren. Ich habe auch schon oft Menschen fotografiert, mich ihnen aber immer über die Situation und den Raum genähert.

Menschen als Strukturmuster, nicht als Individuen.

Ich habe zum Beispiel das Paternoster-Projekt in einer Versicherung gemacht, wo ich eine Situation erzeuge, indem ich die Kamera aufbaue und den Leuten sage, an der Stelle werdet ihr fotografiert. Mich interessieren immer die Menschen in ihrem Verhalten an einem bestimmten Ort, ob das nun der Hamburger Flughafen oder der Berliner Hauptbahnhof oder ein Museum in München ist. Das ist schon eine Laborsituation. Gerade bei dem Paternoster-Projekt habe ich als Fotograf eigentlich gar keine Funktion, da die Kamera automatisch auslöst, wenn der Paternoster in einer bestimmten Position ist. Die Leute wissen, wann und wo sie fotografiert werden und haben dadurch eine rudimentäre Kontrolle. Ich habe keine Kontrolle darüber, was sie machen und interagiere auch nicht. Ich war total verblüfft, welch tolle Porträts dabei herauskommen. Gerade in der strengen Struktur der Montage wird für mich das Individuum besonders sichtbar.
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[Bewegtbild] Alexander Schneider über seine Multimediashow

Sumpfohreule Multimediashow

Topqualifiziert für eine riesige Aufgabe, die er sich selbst gestellt hat, war Mag. Alexander Schneider aus Perg in Oberösterreich. Er fotografierte gut vier Jahre entlang der 1.200 Kilometer langen Grenze Österreichs zu seinen Nachbarländern. Wo einst der „Eiserne Vorhang“ war, entwickelte sich ein einzigartiges Naturgebiet, dessen Artenvielfalt und Schönheit der pensionierte Biologielehrer nicht nur fotografisch preist, sondern für deren Erhalt und Schutz er sich aktiv einsetzt. Was als Fotoidee für die Ausfüllung des Ruhestands begann, entwickelte sich eher ungeplant zu einem Großprojekt. Zum umfangreichen Bildband gesellte sich bald eine Multimediapräsentation, die ihm neben Vortragsabenden in Österreich, Slowenien, Tschechien und Bayern auch Einladungen zu Messen oder Veranstaltungen von Fotoclubs einbringt. Alexander Schneider ist nämlich in Fotoclubkreisen ohnehin bekannt als Obmann des vielfach prämierten Perger Fotoclubs.

Beschreiben Sie bitte, wie Ihre Multimediashow aufgebaut ist und abläuft.
Buchcocer, Multimedia

Oder zu AMAZON

Da ich die Show jetzt schon beinahe fünfzigmal gezeigt habe, bin ich froh, dass ich sie vollautomatisch digitalisiert habe, also mit Musik und einer eigenen Sprecherin. Auch wenn live speaking authentischer rüberkommt, ist es so eine sichere Angelegenheit. Man ist ja nicht jeden Tag rhetorisch gleich gut drauf. Die Show wurde mit Wings Platinum gestaltet, die Technik hat mich, Gott sei Dank, noch nie in Stich gelassen!
Zum Aufbau: Ich versuche, über jeden Teilabschnitt in einer textlastigeren Einleitung zu informieren, um dann mit Musik und passendem Sound die geeignete Stimmung zu erzeugen (fließendes Wasser, Vogelstimmen und Musik, oft übereinander gelegt). Der O-Ton war nicht geeignet wegen der Nebengeräusche (Wind, Autos). Bei der Musik versuchte ich, authentisch zu sein (Smetana im Böhmerwald, Haydn in Hainburg, Toni Stricker am Neusiedlersee mit Pusztamelodien). Sonst liebe ich Klassik und Romantik: Ruhige Landschaften und Chopin.
Meist mache ich bei der Hälfte eine Pause, um mit den Gästen über persönliche Erfahrungen, Naturschutzthemen oder fototechnische Fragen zu diskutieren. Und natürlich weise ich auf das Buch hin, das ich bei den Veranstaltungen verkaufe.
Eine neue Erfahrung mache ich gerade in Tschechien. Ein junger, engagierter Tscheche übersetzt dort simultan, ich reduziere dann den Ton.

Wie ist die Resonanz der Zuschauer? Was hören Sie von denen?

Die Besucherzahlen pro Veranstaltung reichen von 15 bis 130. In kleinen Randgemeinden mit bäuerlicher Bevölkerung kamen oft wenig Besucher. Es waren aber immer Landwirte dabei, die überlegten, ihre Grundstücke für den Zweck des Naturschutzes zur Verfügung zu stellen. Oft ist es mühsame Überzeugungsarbeit, manchmal aber doch ein ideeller Erfolg. In der Uni Wien, im Botanischen Garten Linz und in anderen Städten kamen jeweils über 100 Zuschauer.

Sumpfohreule Multimediashow

Alexander Schneider, Sumpfohreule am Neusiedler See, aus: Am Grünen Band Österreichs


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Fotograf Kai Löffelbein über Bewegtbild

Bewegtbild (Screenshot Hidden Hong Kong)
Martina Mettner: Gerne würde ich mit Ihnen die Erweiterung der Fotografie in Richtung Bewegtbild besprechen. Sie haben diese wunderbare Arbeit über die Cage People in Hongkong veröffentlicht, bei der Sie mittels Ton, Überblendungen und ein wenig Bewegtbild einen sehr lebendigen Eindruck erzielen, obwohl es eigentlich fast nur Stehbilder sind.

Kai Löffelbein: Ich liebe die Kraft der Fotografie. Als Fotograf einer Multimediaproduktion setze ich Bewegtbilder nur dann ein, wenn sie dort meiner Meinung nach Sinn ergeben. Multimediale Geschichten unterscheiden sich in der Aufbereitung und auch im Produktionsprozess von der „reinen“ Fotografie. Multimedia ist ein weiteres Werkzeug, das uns Fotografen an die Hand gegeben wurde, um Geschichten auf eine andere Art erzählen zu können. Durch die Möglichkeit, Interviews zu führen, Texte einzubauen, Statistiken aufzubereiten, Musik und O-Ton zu verwenden, lassen sich Informationen vermitteln, die in Fotos so nicht enthalten sind.
Multimedia bietet mir Raum, mich künstlerisch in mehreren Dimensionen ausleben. Alleine eine gute Multimedia zu machen, ist eine große Herausforderung. Man braucht ganz viel Zeit, denn man kann nicht alles gleichzeitig tun. Als erstes fotografiere ich und mache Videos, wenn ich dies passend finde. Dann führe ich Interviews und nehme alle möglichen Geräusche auf, die ich später eventuell verwenden kann. Allein für die O-Töne bin ich tagelang durch Hongkong gelaufen.

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Ute Eskildsen zum Geburtstag

Als Ute Eskildsen 2012 in den so genannten Ruhestand ging, verschwand eine verlässliche und kompetente Konstante aus einer kulturellen Institution, die sie selbst zur wichtigen Größe in der Fotografie gemacht hatte. Das Museum Folkwang Essen steht in der heutigen Wahrnehmung der Kunstszene weltweit auch und in besonderer Weise für die Fotografie.

Verbundenheit mit dem legendären Otto Steinert

Ute Eskildsen begann ihre Laufbahn 1972 als Assistentin von Otto Steinert an der Folkwang Hochschule, nachdem sie dort zunächst selbst Ende der 1960er Fotografie studiert und später praktiziert hatte. Im George Eastman Haus in Rochester/USA – der damals führenden Institution im professionellen Umgang mit Fotografie – sammelte sie als Volontärin in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre wichtige Erfahrungen.

Fritz Kempe: Die junge Kuratorin Ute Eskildsen, 1980
Silbergelatine-Abzug. Neuerwerbung Museum Folkwang, Essen
© Nachlass Fritz Kempe, Hamburg

Diese sollten ihr Ende 1978 helfen, die nach Otto Steinerts Tod gegründete Fotografische Sammlung am Museum Folkwang als modellhafte Sammlung für Fotografie in Deutschland und Europa aufzubauen – modellhaft im Sinne der Erschließung, Sammlung und Vermittlung historischer und zeitgenössischer Fotografie.
Kuratoren wählen aus, ohne eine wertende Meinung zu pflegen, daher lässt sich auch Ute Eskildsens vielseitige Ausstellungstätigkeit nicht auf einen Stil, Geschmack oder eine Haltung reduzieren. Sie öffnet das modernistische Fotografie-Verständnis von Otto Steinert und seine spätere Ausrichtung auf den Bildjournalismus hin zu einer Fotografie der Autoren, die durch ihre Eigenwilligkeit ihrer Sichtweise überzeugten; etwa Robert Frank, dem sie unter anderem die Ausstellung „Hold Still – Keep Going“ widmete.

Einsatz für Fotografinnen

Mit der Rekonstruktion der legendären Stuttgarter Werkbund-Ausstellung „Film und Foto“ von 1929 gelang ihr 1979 der erste Paukenschlag, gefolgt von einer großen Retrospektive der Subjektiven Fotografie der 1950er Jahre als einer ersten globalen fotografischen Bewegung (1985) und der großen Schau „Fotografieren hieß Teilnehmen“ zu den Fotografinnen der Weimarer Republik (1993). Gerade der Beitrag von Fotografinnen zur Geschichte und Gegenwart des Mediums lag Ute Eskildsen – Kuratorin in einer von Männern dominierten Kunstwelt – besonders am Herzen. Neben den Pionierinnen des Mediums förderte sie auch zeitgenössische Vertreterinnen wie Susan Meiselas, Rineke Dijkstra, Helen Chadwik, Jo Spence, Hellen van Meene, Clare Strand und viele andere mehr.
Neben ihrer Sammel- und Ausstellungstätigkeit schuf sie zudem wichtige Strukturen, wie etwa 1982 das Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stipendium für Zeitgenössische deutsche Fotografie, das um 2000 mit einem weiteren Stipendium zur Förderung des Kuratoren-Nachwuchses auf dem Feld der Fotografie erweitert wurde.

Heute wird Ute Eskildsen 70 Jahre alt. fotofeinkost gratuliert.

Ute Friederike Schernau: Plastic Tales

IKEATÜTE

„Ute Friederike Schernau beschäftigt sich in ihren Fotografien mit den Ambivalenzen, die das Material Plastik in der Welt von und mit Kindern entfaltet. Forschend beobachtet sie die diffusen Erscheinungsbilder, in denen es ihr im Alltag begegnet. Sie erkundet die Wirkung seiner punktuellen Abwesenheit und lässt es an anderen Stellen sichtbar werden, wo es auf den ersten Blick verborgen bleiben sollte. Sie sortiert winzige Plastikpartikel, deren ursprüngliche Funktion längst nicht mehr nachzuvollziehen ist, lässt den Betrachter einen kurzen Moment der Ratlosigkeit erleben, wenn er oder sie das themengebende Material auf einem Bild nicht sofort ausfindig machen kann und macht sich mit ihren beiden Söhnen Matteo und Janno auf die Suche nach der ‚magischen’ Seite, die dieses Material (nicht nur) in den Augen von Kindern zu entfalten in der Lage ist. Plastik erscheint hier als Material, das sowohl die ‚Hardware’ zum selbst vergessenen, kindlichen Tagtraum liefert und damit dem Fantastischen einen Platz in der Wirklichkeit verschafft, der es auch den Erwachsenen ermöglicht, dem wilden Bricolagieren der kindlichen Gestalter zu folgen, als auch als unerwünschter Eindringling, dem es immer wieder gelingt, die eigene Sichtbarkeit zu minimieren oder eine allzu freundliche Form anzunehmen, bei der ein ‚Nein!’ keine Option mehr zu sein scheint.“ Nina Spöttling-Metz

LEGO

MASKE

LUFTPOLSTERFOLIE

WACKELAUGEN

NARZISSE

Ute Friederike Schernau, 1978 geboren in Essen, studierte Fotografie an der FH Bielefeld bei Professorin Katharina Bosse, Diplom 2007. Sie lebt in Münster, fotografiert für Magazine und arbeitet an freien künstlerischen Projekten wie diesem. Unter anderem ist sie Mitinitiatorin der Mompreneurs-Gruppe in Münster. Seit ich 2001 den Bildband Mutterblicke / In Their Mother’s Eyes herausgegeben habe, freue ich mich besonders zu sehen, wie zeitgemäße Konzepte von Mutterschaft und Kunstwollen umgesetzt werden. Sie schrieb mir: „Ich habe im letzten Jahr gemeinsam mit meinen Söhnen und dem Grafiker Sebastian Schneider aus Köln ein Buchprojekt realisiert: „Plastictales“. Erzählerisch setzen wir uns darin mit Plastik auseinander, ein Material, das derzeit unseren Planeten überschwemmt.“ Zum Buchteaser.

Gewidmete Plastik-Geschichten

Sie gibt ihrem Buchprojekt eine Widmung an ihre Jungs mit, darin heißt es: „Es liegt mir fern, euch mit diesen teils unorthodoxen Kinderbildern bloßzustellen. Dazu seid ihr vermutlich auch zu sehr an die Welt der Inszenierung, der Kunst und des Spiels gewöhnt. Vielmehr ging es ja um das Thema ‚Plastik‘ oder darum, wie schwer es ist, mit der Komplexität dieser globalen Welt und ihren Begleiterscheinungen umzugehen.“

Bildpräsentation: Das Blätter-PDF

Beim Thema Bildpräsentation denken die meisten an Galerien auf ihrer Website. Die sind ideal, wenn man Einzelbilder zeigt (Werbefotografie, Porträts). Aber schon bei einem umfangreicheren Fotoprojekt ist es selten optimal, alle Fotografien in gleicher Größe zu präsentieren – und womöglich ohne Begleittext oder Bildunterschriften.

Präsentieren Sie doch neben Ihrem Portfolio auch einmal eine thematische Zusammenstellung! Bieten Sie Ihren Kunden an, sich diese Vorschläge downzuloaden und aufzubewahren. Ideal hierfür ist das PDF – vor allem seit Google den Text in PDFs ausliest und diese bei der Suche anzeigt. Mit ansprechend zusammengestellten PDFs erhöhen Sie massiv Ihre Präsenz im Netz.

PDFs sind super für die Akquise

PDF’s kennen Sie und haben Sie vielleicht auch schon einmal aus Ihrem Bildmaterial kreiert: kleine Reportagen von einer Reise; Bilder von einer Messe, die Sie für Kunden aufbereiten; spezielle Aufnahmetechniken, die Sie neu anbieten möchten; eine Querauswahl aus Ihrem Bildbestand, die genau auf Ihre Zielgruppe ausgerichtet ist.

Die Frage, die sich stellt, ist ja stets: Wie macht man es so, dass es gut aussieht? Das betrifft einerseits das Layout, andererseits die Technik. Blätter-PDFs sind ziemlich angesagt, zumal wenn man seine Bildstrecke oder ein gedrucktes Editorial auf dem iPad zeigt.

Meine Layouts entstehen alle in InDesign. Ich benutze noch eine ältere Version, in der sich zwar Blätter-PDFs einfach generieren lassen, aber nur als Flash-Datei. Und das ist inzwischen ja völlig sinnlos, weil es nicht auf Mobilgeräten funktioniert. Der Vorteil wäre, dass man sein PDF bei sich selbst hosten kann. Das ist aus meiner Sicht auch ein gewichtiges Argument für das klassische, dann aber nicht blätterbare PDF.

Umwandeln von PDFs in Blätter-PDFs: kostenlos

Eine schon lange etablierte Alternative ist die Plattform Issuu.com, auf der ich beispielsweise Leseproben aus meinen Büchern eingestellt habe. Das sieht so aus. In der Basisversion ist Issuu kostenlos. Die komfortablere, werbefreie Version schlägt aber mit 35 USD monatlich zu Buche.

Deutlich aktueller hinsichtlich Medienintegration und besser auf Mobilgeräten lesbar scheint mir Yumpu.com aus der Schweiz zu sein. Für WordPress gibt es ein Plugin, das sich bei mir auf dem üblichen Weg gar nicht, sondern nur per FTP installieren ließ. Nach der Aktivierung und Eingabe des API-Keys konnte ich erfolgreich die PDF-Datei über das Plugin hochladen. Aber weder in der Menüleiste noch in der Liste funktioniert „Insert Shortcode“. Mit anderen Worten: Das Plugin ist nutzlos. Ich musste mir einen Embedcode auf der Yumpu-Website suchen. Und dann der Schock: Alle Fotos haben Pseudoschatten und -Glanz. Das mag für einen Aktionsprospekt vom Discounter ideal sein. Für meine Fotos möchte ich das nicht. Und für Ihre auch nicht.

Probieren Sie es selbst aus. Bei Yumpu gibt es einen kostenlosen Account sowie einen werbefreien für 8 Euro pro Monat. Hinzu kommen Bezahloptionen, sein Produkt in einen Kiosk einzustellen. Diese Optionen sowie die weiteren auf dem Markt verfügbaren Angebote richten sich an Publisher, die Magazine herausgeben und digital verbreiten wollen. Sie sind entsprechend hochpreisig.

Layouten ohne Vorkenntnisse

Wer kein professionelles Layoutprogramm auf dem Rechner hat, und wer überhaupt wenig Erfahrung mit dem Layouten mitbringt, sollte sich Papermine ansehen. Das in Florenz ansässige Unternehmen gibt verschiedene Templates vor. Man kann das PDF direkt darin erstellen, neuerdings auch eines importieren. Für Ungeübte sind Templates ein deutlich einfacherer Weg zu professionellen Ergebnissen. Immerhin werden bei Papermine die Bilder nicht durch plastische Effekte ruiniert.

Für die Anmeldung eines kostenlosen Probemonats muss man seine Kreditkartendaten angeben. Eine Fortsetzung kostet dann stolze 19 Euro pro Monat. Kündigt man vor Ende des Probemonats, ist das erstellte Booklet zwar nicht verloren, aber nicht mehr sichtbar. Eine kleinliche Regelung.

Open larger view

In 10 Minuten zum eigenen Booklet?

Zeitintensiv ist auf jeden Fall die Bildauswahl. Sie sollte unbedingt vorher getroffen und in einem Ordner in der entsprechenden Pixelbreite abgelegt sein. Kommt man auf die Idee, ein Video zu integrieren, stößt man schnell an Grenzen, beziehungsweise wäre gezwungen, das Video in einem anderen Programm erst einmal auf die zulässige Größe zu stutzen. Mir hat das Hochladen ohnehin zu lange gedauert. Das mag aber an meinem Telekom-Country-DSL liegen. Ich habe dann im Phnom Penh-Booklet einen YouTube-Link gesetzt.

Denken Sie daran, Text zu integrieren, sonst hat Google kein Futter und der potenzielle Interessent weiß nicht, was ihm diese Bildpräsentation sagen soll. Ich habe auf weiterführende Angaben verzichtet, weil ich mit meinen PDFs nichts verkaufen will.

Wer mit der Fotografie sein Geld verdient, dem sei aber dringend angeraten, im PDF zur eigenen Website zu verlinken und gleich vorne die Kontaktdaten einzufügen. Sinnvoll wäre es zudem, anzugeben, was Sie anzubieten haben. Ein Satz wie: „Auch für Ihr Unternehmen realisiere ich gerne eine solche Reportage“, macht beispielsweise klar, dass Sie nicht Ihre abgebildeten Fotos verkaufen, sondern Aufträge annehmen wollen.

Ein Wort noch zu den gewerblich tätigen Fotografen, also jenen im B2C-Geschäft: Das ist eine super Sache für Hochzeiten oder Events. Sie können Ihren Kunden ein Booklet anbieten, das diese auf ihrer Facebookseite integrieren können – und dort für Sie werben! Da sind dann die monatlich zu zahlenden Beiträge durchaus gut investiert.

Welche Erfahrungen machen Sie mit der PDF-Bildpräsentation?

Nach dem Ausprobieren verschiedener Anbieter kehre ich zurück zum klassischen PDF, das ich auf meinen eigenen Server hochladen kann. Was finden Sie besser: Klassische PDFs oder solche mit Blätterfunktion? Kennen Sie einen Anbieter, mit dem Sie gute Erfahrungen gemacht haben?

Nachtrag vom 14.1.2017: Was ich leider selbst vor lauter Design und Textkorrektur bei meinen selbstgehosteten PDFs vergessen habe und nun noch nachholen muss: Das Ausfüllen der Metadaten (PDF – Eigenschaften). Bitte denken Sie daran.

HINWEIS auf meinen Workshop mit Gerhard Hagen zur Architekturfotografie / Fotografie urbaner Landschaften. Das Ergebnis lässt sich in solch einem PDF präsentieren.

Künstlerfilme: Skurrile Sehwelten

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Treppenhaus im kubistischen Haus „Zur schwarzen Muttergottes“ in Prag. Foto: MM

Vor Weihnachten war ich in Prag. Eine Stadt, dicht gespickt mit Weihnachtsmärkten und Törtchenausgabestellen. Die Cafés sind wirklich sehenswert. Keinesfalls verpassen sollte man das Imperial im reinen Jugendstil sowie das Grand Café Orient, denn es ist das einzige kubistische Café weltweit. Es befindet sich im ersten Stock (!) eines kubistischen Hauses „Zur schwarzen Muttergottes“. Ich empfehle vorab den Besuch des kleinen Kubismus-Museums in den oberen Stockwerken. Man fühlt sich ein wenig eckig, anschließend, und kann das mit einem der guten tschechischen Biere im Café wieder glätten. Ziemlich verblüfft war ich, dass in den Cafés noch geraucht wird.

Vielleicht haben auch Sie nun etwas Zeit, sich Schräges, Ungewöhnliches anzusehen? Bewegtes Bild, gar? Zum Jahresausklang möchte ich Ihnen zwei Künstler ans Herz legen, die mit Film arbeiten, aber gewisssermaßen fotografisch denken. Das äußert sich beispielsweise in starren Einstellungen und sparsamen Schnitten. Eigentlich sind es eben Bilder, in denen sich etwas bewegt. Ich find’s großartig und sehr inspirierend.

„Staging Silence (2)“

Anfang 2016 war ich in Brasilien. Und weil es auch in Rio regnete, ziemlich viel in Kunstmuseen. Die sind übrigens sowohl in Sao Paulo als auch in Rio de Janeiro architektonisch wie auch sonst ein Tipp. Auf jeden Fall war in einer Ausstellung über belgische Künstler ein Vorhang, der wiederum zu einem sehr dunklen Raum führte, in dem ein Schwarzweißfilm lief. Mein Gatte und ich setzten uns und waren hin und weg. Alle fünf Minuten schaute der Aufseher nach, ob wir noch da saßen. Ja, der Film von Hans Op de Beeck war 20 wunderbare Minuten lang: „Staging Silence (2)“ von 2013, für mich die aufregendsten und schönsten Schwarzweißbilder 2016.

Der wahnsinnig produktive Hans Op de Beeck, 1969 in Belgien geboren, benutzt als Ausdrucksmittel, was immer ihm angemessen erscheint. Es gibt außer Videos auch Installationen, Zeichnungen, Gemälde, Skulpturen. In Amsterdam bin ich seinen Arbeiten zum zweiten Mal in diesem Jahr begegnet. Die Kunstsammlung von Akzo Nobel zeigt im Entree der Firmenzentrale eine kleine Koje mit Kunstwerken von ihm.

Hans Op de Beeck Skulptur

Hans Op de Beeck: My Favorite Small Buildings (Foto: MM in der Sammlung Akzo Nobel)

Auch dort sind sie Fans des vielseitigen Künstlers, der in Brüssel lebt. Im nachfolgenden Video gibt er auf Englisch einen kurzen Überblick über sein Werk.

„Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach“

Roy Andersson hatte ich mir jünger vorgestellt. 1943 in Göteborg geboren, wurde er nämlich erst ab 2000 mit seinen sehr skurrilen Filmen bekannt. 2014 erschien „Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach“ (und ich habe ihn erst im November gesehen, obwohl ich „Das jüngste Gewitter“ von 2007 kannte). Szene für Szene wurde gebaut und so dauerte es vier Jahre, bis der Film fertig war. Wobei das eben kein Film mit einer „Story“ ist, sondern eher eine Aneinanderreihung von Bildern. Andersson bezieht sich explizit auf Gemälde der Neuen Sachlichkeit und auf die Fotografien von August Sander. Besonders gefällt mir, dass oft im Hintergrund noch eine Person zu sehen ist. Der Running Gag: Immer, wenn sie telefonieren, sagen sie:  „Schön zu hören, dass es Euch gut geht!“

Fiktion, auf die wir uns einlassen, wirkt authentisch

Ein Blick in die Zukunft, british and very strange, wirft die Serie „Black Mirror“, die auf Netflix zu sehen ist. In Folge 3 der ersten Staffel werden Action- und Webcams weitergedacht als visuelle Rekorder unseres Erlebens, eingepflanzt hinter dem Ohr. Was passiert, wenn man jedes Ereignis im Leben noch einmal betrachten kann; was, wenn sich der letzte Moment zurückspulen lässt? Wie wäre es, wenn wir ständig dokumentieren müssen, was wir die letzten 24 Stunden oder Woche getan haben, um überhaupt ein Flugzeug besteigen zu dürfen? Beklemmende Gedanken.

Für Ihre Zukunft – persönlich und beruflich – wünsche ich Ihnen auf jeden Fall nur das Heiterste und Beste. Schöne Feiertage und viel Erfolg mit allen Ihren Plänen!