Bauhaus Museum Dessau eröffnet

Das Bauhaus Museum Dessau ist eröffnet! Nach einem symbolischen Banddurchschnitt mit Dr. Claudia Perren, Direktorin und Vorstand der Stiftung Bauhaus Dessau, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Dr. Reiner Haseloff, Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt, und Dr. Peter Kuras, Oberbürgermeister der Stadt Dessau-Roßlau, öffneten sich am 8. September 2019 gegen 12.30 Uhr offiziell die Türen zur Ausstellung „Versuchsstätte Bauhaus. Die Sammlung“.


„Wir freuen uns, das Bauhaus Museum Dessau nach nur knapp zweieinhalb Jahren Bauzeit der Öffentlichkeit präsentieren zu können“, sagt Dr. Claudia Perren, Direktorin und Vorstand der Stiftung Bauhaus Dessau. „Aus der Besonderheit unserer Sammlung heraus, wollen wir vor allem die Geschichte der Schule Bauhaus in Dessau erzählen. Dabei lässt sich kein einheitliches, homogenes Bauhausbild ausmachen. In unserem Museum geht es uns darum, die Suchbewegungen zu vergegenwärtigen, die zeigen, wie in diesem unsicheren Terrain um 1926 Kunst und Gestaltung gesellschaftliche Relevanz erlangen konnte. Wir wollen sie als Ermutigung verstehen.“

In Dessau erlebte das Bauhaus seine erfolgreichste Zeit. „Die Avantgarde-Schule hat sehr stark unsere Alltagskultur geprägt – ich würde sagen, so stark, wie keine andere Schule“, so Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel. Die Bauhäusler wollten sich einmischen – es ging in ihrem künstlerischen und handwerklichen Schaffen um gesellschaftliche und soziale Relevanz. Der Stiftung Bauhaus Dessau und ihren Mitarbeitern wünsche ich, dass sie den besonderen Geist des Bauhauses lebendig halten.“

Eingebettet ist die Eröffnung des Bauhaus Museums Dessau in ein Stadtfest mit umfangreichem Festprogramm im und rund um das Museum. Der Eintritt ins Museum ist am 8., 9., und 10. September für alle Besucher*innen frei.

Innenraum Baushaus Museum Dessau

Bauhaus Museum Dessau, Innenansicht Copyright: Stiftung Bauhaus Dessau | Foto: Thomas Meyer / OSTKREUZ, 2019

Die Architektur des Bauhaus Museums

Das Bauhaus Museum Dessau ist ein Haus im Haus – ein schwebender Riegel aus Beton in einer gläsernen Hülle. Mit diesem Konzept überzeugten addenda architects Ende 2015 die Jury eines offenen internationalen Wettbewerbs. Der Entwurf des jungen Architekturbüros aus Barcelona war eine von 831 Einreichungen aus der ganzen Welt. Die Architektur zeichnet sich in Konzept und Ästhetik gleichermaßen durch Klarheit und Schlichtheit aus. Sie agiert zurückhaltend, aber dennoch überzeugend und geht in ihrer Formensprache ebenso kreativ mit der Gegenwart wie mit der Moderne um.

Im Zentrum von Dessau gelegen, bildet das Bauhaus Museum Dessau sowohl eine Grenze als auch eine Verbindung zwischen Stadt und Natur. Je nach Lichtverhältnis spiegelt sich die Umgebung unterschiedlich stark in der Glasfassade oder erlaubt Durchblicke. Auf der Stadtseite verstärkt sich die Beziehung zur Stadt, wenn sich die gegenüberliegenden Gebäude spiegeln. Auf der Parkseite verstärkt sich die Beziehung zur Natur. Betritt man das Gebäude, erscheint alles offen und transparent.

Das Herzstück des Museums ist die Black Box im Obergeschoß. Sie ist ein aufgeständerter in sich geschlossener Kubus aus Stahlbeton. Konservatorisch begründet ohne Tageslicht bietet sie auf 1.500 Quadratmetern optimale klimatische Bedingungen für die Präsentation der empfindlichen Sammlungsobjekte. Sie ist circa 100 Meter lang, 18 Meter breit und schwebt fünf Meter über den Köpfen der Besucher.

So groß wie möglich

Für die Konstruktion orientierten sich addenda architects am Brückenbau. Die Statik reizten sie soweit wie möglich aus. So liegt der Kubus lediglich auf zwei 50 Meter voneinander entfernten Treppenkernen auf. Stützende Säulen dazwischen gibt es nicht. Die beiden Enden kragen circa 18 Meter aus. Darunter befinden sich auf der einen Seite im Norden die Kunstgutanliefe-rung sowie Büroräume und im Süden die Veranstaltungsund Vermittlungsräume.
Zwischen den Treppenkernen befindet sich im Erdgeschoß die offene Bühne. Ein flexibel nutzbarer, multifunktionaler Bereich mit Foyer, Ticketing, Café und Shop sowie auf 600 Quadratmetern Raum für Wechselausstellungen. Die Arbeiten Lichtspielhaus von Lucy Raven (Kunst am Bau) und Arena von Rita McBride bilden darin ein Forum für Tanz, Konzerte, Theater, Performances, Diskurse, Gespräche, Vorträge, Filmscreenings und Begegnungen.

Nachtaufnahme Bauhaus Museum Dessau

Bauhaus Museum Dessau bei Nacht. Copyright: Stiftung Bauhaus Dessau | Foto: Thomas Meyer / OSTKREUZ, 2019

Die äußere Hülle bildet die vierseitig umlaufende Glasfassade. Sie umgibt Black Box und offene Bühne und stellt diese – ähnlich einer Vitrine – wiederum als Ausstellungstück zur Schau. Gegliedert in ein 2,10 Meter breites Raster arbeiten addenda architects hier bewusst mit der Wiederholung – und verliehen ihrem Entwurf damit große Flexibilität. Während sich die Maße der Black Box aus der Vorgabe für die Größe der Ausstellungsfläche ergaben, standen die Außenmaße des Baus nicht von Beginn an fest. Entscheidend waren ökonomische Faktoren: Geld und Zeit. Mit den zur Verfügung stehenden Mitteln wurde das Gebäude so groß wie möglich gebaut.
Im Ergebnis entstand innerhalb von nur knapp zweieinhalb Jahren ein 105 Meter langes, 25 Meter breites und 12 Meter hohes Gebäude. Verbaut wurden insgesamt 571 dreifachverglaste Scheiben, die Wärmeschutz, Sonnenschutz, Vogelschutz sowie Sicherheit bieten.

Weitere Informationen auf der Bauhaus Website

Artikelbild: Bauhaus Museum Dessau, Lichtspielhaus von Lucy Raven Copyright: Stiftung Bauhaus Dessau / Foto: Thomas Meyer / OSTKREUZ, 2019

Siehe dazu auch den Fotofeinkost-Beitrag: Wo das Bauhaus Schule machte

2 Kommentare

  1. Juergen May

    In der letzten Woche war ich in Dessau und habe das Bauhaus, die Meisterhäuser und das neu eröffnete Bauhaus-Museum besucht. Das ist an einem Tag gut zu schaffen und wie sich herausstellte, war auch die oben geschilderte Besuchsreihenfolge genau richtig.

    Nach dem Besuch der Meisterhäuser, wo mich die wohlüberlegten Lösungen für das „Neue Wohnen“ echt überrascht und begeistert haben, kann man dann im Bauhaus-Museum noch einen Film aus der Zeit der echten Nutzung sehen – sehr interessant und empfehlenswert.

    Die Black Box im Bauhaus-Museum beherbergt dann auch den Teil der Exponate, die man allgemein mit dem Bauhaus in Verbindung bringt – von der Wagenfeld-Leuchte über Teppiche und Tapeten bis hin zu den Stühlen, Sesseln, Möbeln …

    Ein praktischer Hinweis sei noch erlaubt: Wer den Besuch von Bauhaus, Meisterhäusern und Bauhaus-Museum plant, sollte sich ein Kombiticket für EUR 15.- kaufen. Das gilt drei Tage – wenn man nicht alles an einem Tag schafft/schaffen will – und ist für alle Museen gültig. Für den Besuch der Ausstellung im Bauhaus-Museum benötigt man zusätzlich ein (kostenfreies) Zeitticket, das man an der Kasse im Bauhaus-Museum bekommt. Der Besuch der Ausstellung ist auf 60 Minuten begrenzt.

    Und abschliessend noch zum Thema Fotografieren: Mit einer Fotoerlaubnis (EUR 5.-) ist das Fotografieren in allen Museen ohne Einschränkung möglich.

    • Dr. Martina Mettner

      Vielen Dank für Ihren ausführlichen und hilfreichen Bericht!

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