Kategorie: Fabelhafte Fotografinnen

Fotografinnen, die man kennen sollte

Ute Friederike Schernau: Plastic Tales

IKEATÜTE

„Ute Friederike Schernau beschäftigt sich in ihren Fotografien mit den Ambivalenzen, die das Material Plastik in der Welt von und mit Kindern entfaltet. Forschend beobachtet sie die diffusen Erscheinungsbilder, in denen es ihr im Alltag begegnet. Sie erkundet die Wirkung seiner punktuellen Abwesenheit und lässt es an anderen Stellen sichtbar werden, wo es auf den ersten Blick verborgen bleiben sollte. Sie sortiert winzige Plastikpartikel, deren ursprüngliche Funktion längst nicht mehr nachzuvollziehen ist, lässt den Betrachter einen kurzen Moment der Ratlosigkeit erleben, wenn er oder sie das themengebende Material auf einem Bild nicht sofort ausfindig machen kann und macht sich mit ihren beiden Söhnen Matteo und Janno auf die Suche nach der ‚magischen’ Seite, die dieses Material (nicht nur) in den Augen von Kindern zu entfalten in der Lage ist. Plastik erscheint hier als Material, das sowohl die ‚Hardware’ zum selbst vergessenen, kindlichen Tagtraum liefert und damit dem Fantastischen einen Platz in der Wirklichkeit verschafft, der es auch den Erwachsenen ermöglicht, dem wilden Bricolagieren der kindlichen Gestalter zu folgen, als auch als unerwünschter Eindringling, dem es immer wieder gelingt, die eigene Sichtbarkeit zu minimieren oder eine allzu freundliche Form anzunehmen, bei der ein ‚Nein!’ keine Option mehr zu sein scheint.“ Nina Spöttling-Metz

LEGO

MASKE

LUFTPOLSTERFOLIE

WACKELAUGEN

NARZISSE

Ute Friederike Schernau, 1978 geboren in Essen, studierte Fotografie an der FH Bielefeld bei Professorin Katharina Bosse, Diplom 2007. Sie lebt in Münster, fotografiert für Magazine und arbeitet an freien künstlerischen Projekten wie diesem. Unter anderem ist sie Mitinitiatorin der Mompreneurs-Gruppe in Münster. Seit ich 2001 den Bildband Mutterblicke / In Their Mother’s Eyes herausgegeben habe, freue ich mich besonders zu sehen, wie zeitgemäße Konzepte von Mutterschaft und Kunstwollen umgesetzt werden. Sie schrieb mir: „Ich habe im letzten Jahr gemeinsam mit meinen Söhnen und dem Grafiker Sebastian Schneider aus Köln ein Buchprojekt realisiert: „Plastictales“. Erzählerisch setzen wir uns darin mit Plastik auseinander, ein Material, das derzeit unseren Planeten überschwemmt.“ Zum Buchteaser.

Gewidmete Plastik-Geschichten

Sie gibt ihrem Buchprojekt eine Widmung an ihre Jungs mit, darin heißt es: „Es liegt mir fern, euch mit diesen teils unorthodoxen Kinderbildern bloßzustellen. Dazu seid ihr vermutlich auch zu sehr an die Welt der Inszenierung, der Kunst und des Spiels gewöhnt. Vielmehr ging es ja um das Thema ‚Plastik‘ oder darum, wie schwer es ist, mit der Komplexität dieser globalen Welt und ihren Begleiterscheinungen umzugehen.“

Scarlett Hooft Graafland im Fotolabor

Während der Unseen in Amsterdam gab es Gelegenheit, der niederländischen Künstlerin Scarlett Hooft Graafland (Jg. 1973) in ihrem Fotolabor zu begegnen. Graafland hat noch bis 4. Dezember 2016 eine Ausstellung im Fotomuseum Huis Marseille.

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Scarlett Hooft Graafland vor einem Proofprint des Leitmotivs ihrer im Huis Marseille gezeigten Ausstellung

Das Werk der Künstlerin oszilliert zwischen Fotografie, Performance und Skulptur. Die Performance oder die (lebenden) Skulpturen finden allerdings ohne Publikum in den entlegendsten Gegenden der Welt statt: in der bolivianischen Salzwüste, in der kanadischen Arktis, auf Madagaskar oder Vanuatu. „Shores like you“, so der Titel der Ausstellung, nimmt Bezug auf Graaflands Vorliebe für Inseln und das Thema des Anlandgehens, das gerade bei den heutigen Flüchtingsströmen aktuell ist.

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PhotoEspana 2016: Europas

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Shirley Baker-Ausstellung im Museo Cerralbo

Vom 1. Juni bis zum 28. August sind im Rahmen der PhotoEspaña 94 Ausstellungen an 52 Orten – hauptsächlich in Madrid – zu sehen, an denen 330 Künstler beteiligt sind. Die Klammer bildet die Vision von Europa, die recht divers sein kann, daher wählten die Veranstalter den Plural. Es ist aber nicht die numerische Größe, sondern die Qualität der Ausstellungen und Räumlichkeiten, die Madrid so attraktiv macht. Da findet sich eine kleine Ausstellung versteckt in einem riesigen Museum – die Afal Fotogruppe (1956-1963) im Museo National Reina Sofia – und große Übersichtsschauen wie die über das Porträt in Europa seit 1990 oder jene über die Fotografie der Achtzigerjahre in modernen Räumen innerhalb von monumentalen historischen Bauwerken. Man kann die Arbeit des litauischen Fotografen Maris Maskalans entdecken, der ein ganzes Dorf porträtierte – und sozusagen im Hinterzimmer liegen die Originalplatten der Radierungen von Goya. Das gibt es nur in Madrid. Weiterlesen

Julia Runge: Basterland

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„Three Generations of Basterwomen“
Drei Generationen von Basterfrauen posieren für ein Familienportrait in den Bergen von Sam Khubis. Anlässlich der 100-Jahrfeier des Aufstandes gegen die deutsche Kolonialmacht tragen sie ihre besten handgenähten Kleider. Sam Khubis in Namibia, 8. Mai 2015

In Namibia hat Julia Runge ihre Abschlussarbeit an der Ostkreuzschule fotografiert und war damit, wie berichtet, einer der Gewinner des Popcap ’16. Schon als ich sie für „Fotopraxis mit Perspektive“ interviewte (Leseprobe), sprach sie von ihrem Plan, die sich selbst Baster nennende Ethnie in ihrer gefühlten zweiten Heimat Namibia zu fotografieren. Den Bildern sieht man an, dass Julia Runge wie schon bei früheren Aufenthalten mit den Porträtierten lebte und in die Hausarbeit eingebunden war. Weiterlesen

Susan Meiselas: Carrying the Past, Forward

Verfolgung, Vertreibung, Flucht, Verlust von Heimat und Familie – die amerikanische Fotojournalistin Susan Meiselas (*1948) dokumentiert seit Jahrzehnten Themen, die derzeit die Schlagzeilen beherrschen. Mit ihren Arbeiten präsentiert das Fotografie Forum Frankfurt einen multimedialen Dialog über Orte und Menschen, die fortwährend von Zwangsmigration durch Krieg, Gewalt oder ökonomische Umstände betroffen sind. Susan
Meiselas ist bekannt für ihren besonderen dokumentarischen Stil und ihr visuelles Storytelling: Die Magnum-Fotografin ergänzt ihre Fotografien vielfach mit Interviews, handgemachten Erinnerungsbüchern, Filmen, Projektionen und Archivmaterialien. Collagenartig hält sie so historische Ereignisse fest – und zugleich die damit verbundenen Schicksale von Menschen.

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Jessica Fulford-Dobson: Skate Girls of Kabul

Copyright © 2015 Skate Girls Of Kabul by Jessica Fulford-Dobson

Copyright © 2015 Skate Girls Of Kabul by Jessica Fulford-Dobson

Am 4. Dezember 2015 wird bei Pavlovs Dog, einer Galerie in Berlin, eine Ausstellung über ein wirklich großartiges Fotoprojekt eröffnet. Inzwischen mehrfach mit Preisen bedacht, zeigt die Initiative der Londoner Porträtfotografin Jessica Fulford-Dobson einmal mehr, dass sich der Einsatz für ein originelles persönliches Projekt lohnt: großartige Bilder, viel internationale Aufmerksamkeit. In der Pressemitteilung der Galerie heißt es: Weiterlesen

Wie Jacqueline Hassink in Zen-Tempeln fotografiert

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Jacqueline Hassink: Shisend-do 8, Spring, May 2009 (Courtesy Hatje Cantz)

Gedanken zum Buch „View, Kyoto“ aus dem Hatje Cantz Verlag

Auf die Frage nach den schönsten Orten der Welt antworte ich: Hawaii, womöglich Paris, ganz gewiss jedoch einige Gärten in Kyoto. „Schön“ ist dabei kein verlässlicher Terminus, jedoch einer, der gerade im Zusammenhang mit Fotografie häufig im Gebrauch ist. Ich meine damit mehr als dass etwas angenehm aussieht. Ich spreche von einem Ort, der die Seele berührt und das eigene Leben im Positiven verändert, einem Ort, an dem man Zuflucht suchen kann, weil er auf besondere Weise Geborgenheit vermittelt. Bilder von Hawaii zeigen Traumstrände und spektakuläre Natur, nicht jedoch das überwältigende Empfinden der Naturgewalten um einen herum, das milde Klima, das Gefühl, loslassen zu können. Auf Hawaii ist das eine körperlich erfahrbare Schönheit, in Japan in den Gärten ist es eine geistige. Die in ihrer Konzeption visuell ausgeklügelten, über Jahrhunderte gepflegten und verfeinerten Anlagen vermitteln eine ästhetische Erfahrung, die extrem komplex ist und alle Sinne fordert. Es sind über die Zeitläufte erhaltene, zugleich aber im Verlauf eines Jahres sich wandelnde Bilder. Darum ist es so reizvoll, diese Gärten mehr als einmal zu besuchen. Wie andere gelungene Kunstwerke, werden sie dem Betrachter stets neue visuelle Erfahrungen ermöglichen. Weiterlesen

Die Fotografie wird weiblicher

„Trends in der Bildsprache“ lautet gerne der Wunsch an mich, einen Vortrag zu halten. Ich weiß nicht, was Bildsprache genau sein soll. Sie? Ich halte das für ein Ersatzwort: Es wird meist benutzt, wenn man nicht weiß, wie man es präzise ausdrücken soll. Oft ist damit einfach eine Aufnahmetechnik gemeint, manchmal ein Postproduction-Look. Wenn schon, müsste „Bildsprache“ etwas viel Umfassenderes bezeichnen. In diesem Sinne könnte man sicherlich feststellen, dass es einen Trend zu einer weiblicheren Bildsprache gibt. Der existiert völlig unabhängig vom Geschlecht des Fotografierenden. Aber da heute, am 8. März, Weltfrauentag ist, liegt mir daran, Fotografinnen zu ermutigen, die innere Prinzessin, Dekorateurin, Modedesignerin, Tier- und Pflanzenliebhaberin oder Mutti von der Leine zu lassen. Und überhaupt jedem zuzurufen: Orientiert euch nicht mehr an der Werbefotografie der Neunziger! Plastik-Looks und Werberkategorien auf der Website (Fashion, People, Transportation) sind so was von langweilig und passé! Es gibt neue Bereiche, neue Möglichkeiten, auf sich aufmerksam zu machen. Legt los! Es wird Frühling!

Maloja Screenshot

Maloja Screenshot

Die Welt ist hart. In der fotografischen Idealwelt wird in klarer Bergluft gecampt und puristisch hell gewohnt.

Stets neugierig, beobachte ich die Trends, die sich beispielsweise im Zeitschriftenmarkt abzeichnen. Magazine werden verspielter, haptischer, als Gegengewicht zum Lesen am Display. Einer der Trendsetter ist das Indie „Travel & Lifestyle“ Magazin CEREAL aus Großbritannien. In Deutschlands Großverlagen werden Magazine entwickelt, die verschiedene Papiersorten enthalten sowie Kärtchen zum Heraustrennen und weitere Bastelangebote. Auch inhaltlich wird zunehmend eine Runde Kakao am Lagerfeuer ausgeschenkt. Parallel ist Mode ein verwandter Ausdruck gesellschaftlicher Trends. Und der heißt „weich“. Stoffe werden weicher, Kleidung fällt wieder lockerer, selbst bei Schuhen sind bequeme Sneakers stärker im Trend als spitze Stöckel. Optische Trends finden sich beim H+M-Ableger „& other Stories„. Eine aktuelle Kampagne fotografierte Stephen Shore (67, einer der ersten künstlerischen Farbfotografen) mit den Töchtern von Meryl Streep. Führend im Outdoorbereich hinsichtlich der Anmutung ist das Label Maloja: ein zeitgenössisches Look & Feel, das so viel weicher und weiblicher geworden ist. Wobei das keine Geschlechterdifferenzierung meint. Auch die Maloja-Kampagne wird von Männern fotografiert, von den KME-Studios in Rosenheim. Es geht darum, dass sich auf der Ausdrucksebene neben hart und glatt (z. B. Modefotografie mit Schlagschatten) nun vermehrt weich und zart als Alternative durchsetzt. Weil Achtsamkeit und Nachhaltigkeit eben ihren optischen Ausdruck nicht in stark angeblitzten Szenerien finden, sondern eher in der Nahansicht eines fragilen Wiesenblümchens oder eines Naturpanoramas im Morgengrauen. Übrigens keineswegs in den gesättigten Farben der traditionellen Naturfotografie, sondern zarter, weicher, entsättigter, unaufgeregter vor allem. „Outdoor Lifestyle“ heißt das Stichwort. Fotografinnen mit Sportsgeist und körperlicher Fitness (die man braucht, um in den Bergen zu shooten!) oder solche mit Deko-Talent sind hier ganz klar gefragt, sich dieses bewußt zu machen und karrieretechnisch zur Geltung zu bringen.
(Ex-)Hochzeitsfotografinnen und -Fotografen sind da aus meiner Sicht durchaus für diese kommerzielle Weiterentwicklung gut vorbereitet, wenn sie sich intensiv mit dem befasst haben, was bei der Hochzeitsfotografie wesentlich ist: Eine für einen Tag vollkommen idealisierte Welt ins Bild zu rücken. Viel Erfolg!

Das gute Leben in Palm Springs – Fotografien von Nancy Baron

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Nancy Baron: Bright Yellow

Die amerikanische Fotografin und Dokumentarfilmerin Nancy Baron entwirft ein an Farben und Formen orientiertes Bild von Palm Springs. Man merkt sogleich, dass sie eine große Zuneigung zu diesem auch im Winter warmen Ort hat, der in den Fünfzigerjahren die Hollywoodstars anzog. Frank Sinatra, Dean Martin, Sammy Davis Jr., George Hamilton, Bob Hope, Albert Einstein, Bing Crosby, Kirk Douglas und Cary Grant hatten Häuser in Palm Springs. Nicht irgendwelche, sondern die der führenden Architekten ihrer Zeit: Richard Neutra, John Lautner oder Donald Wexler, der sogar mit einem Text im Buch vertreten ist. Gut konserviert in der trockenen Wüstenluft besitzt Palm Springs die höchste Konzentration an Mid-Century Architektur. Zwischen dem „Rat Pack“ der Fünzfiger und dem Coachella Festival-Vibe der Neuzeit bewegen sich auch die farbigen, stets sonnig wirkenden Motive, die Nancy Baron hier fand. Sie nimmt den Betrachter ihres Buches mit auf eine Exkusion durch Häuser und vorbei an frisch polierten „Ami-Schlitten“ über Grundstücke mit unökologisch grünem Rasen. Ein bisschen Immobilientour ist schon dabei – was keine Kritik sein soll.

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Nancy Baron: Backyard Morning

Nancy Baron greift Details heraus, die wiederum Details beinhalten, wie die Spiegelungen der Landschaft im Autolack oder in der Oberfläche des Pools. Gelungen finde ich die Balance zwischen der Reduktion auf Farben und Formen, ohne dabei banal zu werden – von wenigen Ausnahmen wie den Pudelhintern auf der grünen Couch (Seite 24) einmal abgesehen. Grundsätzlich geht sie, die angibt, selbst in Palm Springs zeitweise gewohnt zu haben, behutsam zu Werke, stellt fest, aber nicht bloß.
Wie oft bei Büchern von amerikanischen Fotografen über amerikanische Phänomene – wenn nicht gar, wie hier, über den amerikanischen Traum schlechthin – stelle ich mir vor, wie anders wir in Europa die Bilder wahrnehmen. Was sehen wir? Hollywood? Mid-Century Modernism? Bunte Muster innen und Häuser vor imposanter landschaftlicher Kulisse? Finden wir das nur gut, weil es so exotisch anmutet?

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Nancy Baron: Bob’s Closet

Ich finde, die formal recht schlicht gehaltenen Motive regen durchaus zum Nachdenken darüber an, wie das gute Leben aussieht – in den USA oder bei uns. Vermutlich nicht so trüb und regnerisch wie der deutsche Sommer. Nancy Barons Buch ist für alle, die eine eher grafische Farbfotografie zu schätzen wissen, wie Urlaub zum Blättern.
Nancy Baron: The Good Life. Palm Springs, Kehrer Verlag Heidelberg, Berlin 2014
Leineneinband, 96 Seiten, 51 Farbabb., 29,7 x 24 cm, Englisch, ISBN 978-3-86828-482-9, 39,90 Euro.

Ausstellung in der dnj Gallery, Santa Monica

Das zweite Gesicht – Hommage à Leonore Mau in Hamburg

Die Hamburger Fotografin Leonore Mau verstarb am 22. September 2013 im Alter von 97 Jahren. Zu ihrem Andenken zeigt das Haus der Photographie in den Deichtorhallen eine Hommage an die Künstlerin. Eine Kabinettausstellung gibt Einblick in Leonore Maus Porträtfotografie, ein Genre, welches die Fotografin über ihr gesamtes Werk und auf den gemeinsamen Reisen mit dem Schriftsteller Hubert Fichte begleitete.

Leonore Mau: Hubert Fichte mit Dan-Maske, Hamburg 1979© Nachlass Leonore Mau, S. Fischer Stiftung

Leonore Mau: Hubert Fichte mit Dan-Maske, Hamburg 1979 © Nachlass Leonore Mau, S. Fischer Stiftung

Leonore Mau (1916 – 2013) hat für alle großen deutschen Zeitschriften gearbeitet, ihr Werk vereint künstlerische Auffassung mit ethnografischer Bestandsaufnahme. Mit ihren Aufnahmen von heiligen Orten und Handlungen schlägt sie eine Brücke zwischen ihrem Lebensthema – den afroamerikanischen Religionen – und unserer Erlebniswelt.

Die Porträts aus der Anfangsphase ihres fotografischen Schaffens stammen vor allem aus dem Wirkungsumfeld von Hubert Fichte, sie zeigen Schriftsteller wie Ingeborg Bachmann und Jean Genet. Auf einer Reise in die Schweiz entsteht 1964 für den Merian eine Porträtreihe des Malers Oscar Kokoschka. Die Abbilder von Künstlern und Autoren wirken als Assoziationsgeflecht aus Angesicht und Psyche, Werk und Berufung der Porträtierten. Einsicht in das Unsichtbare und Visualisierung verborgener Tabus geben auch die Porträts der Geweihten aus den Ritualen der Santerìa, des Candomblé und der Macumba. Hier verzerren sich die Gesichter in Trance und erleuchten in Hingabe angesichts der Götterpräsenz in Körper und Geist. Unter dem Titel „Das Zweite Gesicht“ zeigt die Ausstellung die vom Geiste Gezeichneten, von Göttern und Dämonen Besessenen und die unter Masken verbogenen Porträts. Ein Schlüsselbild zeigt Hubert Fichte, sein Gesicht ist zur Hälfte mit einer Dan-Maske bedeckt. Er selbst schreibt dazu: „Mit nichts entblößt man sich so wie mit Masken. Nackt, um zu entschlüpfen“. Exemplarisch eröffnet diese ungewöhnliche Porträt-Ausstellung den Blick auf die Entwicklung eines Oeuvres und die Entfaltung von Leonore Maus einzigartiger Motivwelt.

Leonore Mau: Haiti 1972 © Nachlass Leonore Mau, S. Fischer Stiftung

Leonore Mau: Haiti 1972 © Nachlass Leonore Mau, S. Fischer Stiftung

DAS ZWEITE GESICHT | HOMMAGE À LEONORE MAU | 9. FEBRUAR – 23. MÄRZ 2014 | HAUS DER PHOTOGRAPHIE HAMBURG
Eine Kooperation mit der S. Fischer Stiftung und der Stiftung F.C. Gundlach, zusammengestellt von Franziska Mecklenburg.
ERÖFFNUNG am Sonntag, den 9. Februar 2014 um 11 Uhr im Haus der Photographie. Es sprechen Dirk Luckow (Intendant der Deichtorhallen), Joachim Kersten (Vorstand der S Fischer Stiftung), Wolfgang von Wangenheim. Im Anschluss findet eine Führung mit Franziska Mecklenburg statt.

Artikelbild:
Leonore Mau: Junge mit Blister-Maske, Benin 1983 © Nachlass Leonore Mau, S. Fischer Stiftung.

Anna Fox: Resort 1

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Ab Ende der Achtzigerjahre bildete sich in Großbritannien eine neue Art der Farbfotografie heraus. Diese independent Fotografie der Thatcher-Zeit zeigte Alltägliches ungeschönt und nah. Paul Graham, Chris Steele-Perkins und Tom Wood fotografierten in Clubs. Martin Parr („The Cost of Living“, 1989) und Paul Reas („I can help“, 1988) widmeten sich dem alltäglichen Konsumwahn. Anna Fox gehörte von Anfang an zu dieser Bewegung (Martin Parr und Paul Graham waren während des Studiums ihre Tutoren). Für ihr erstes Buch fotografierte sie das Londoner Büroleben („Work Stations“, 1988), später – in der Serie „Aftermath“ zwischen 1983 und 1996 – die komatös herumliegenden Teilnehmer privater Rave Partys. Jetzt ist eine neue große Arbeit von ihr erschienen, die erste übrigens, bei der sie mit einer Großformatkamera und aufwändigem Licht arbeitete. Weiterlesen

Besuch im Oakland Museum of California

In der so eben publizierten Photonews, Ausgabe 6/2013, ist mein Bericht erschienen über das Archiv der Fotografin Dorothea Lange im Oakland Museum of California. Es lohnt sich, den Besuch in San Francisco mit einem Abstecher nach Oakland (BART, Nahverkehr) zu verbinden, denn in dem Museum sind einige Schätze aus der reichhaltigen kalifornischen Fotokultur zu entdecken.
So darf man nicht nur, man sollte in dem Museum unbedingt die Schubladen unter den Schaukästen aufziehen, so wie hier der Curator of Photography and Visual Culture, Drew Johnson.
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Diese Schublade zeigt Dorothea Langes berühmtestes Foto „Migrant Mother„, das für die Farm Security Administration entstand.

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Zu den kalifornischen Fotografen zählen neben der sozialdokumentarisch arbeitenden Dorothea Lange weitere weltberühmte wie Ansel Adams, Edward Weston oder Imogen Cunningham. Auch international bekannte zeitgenössische Fotografen der Bay Area werden gelegentlich mit einer Ausstellung geehrt, so bis 30. Juni 2013 Beth Yarnelle Edwards aus San Francisco, die so nett war, mit mir in ihrer Ausstellung über ihre Arbeiten zu sprechen.

 

 

Erfolg als Fotografin: Fünf ermutigende Ratschläge anlässlich des Weltfrauentages

Plakatmotiv von 1914

1. Schluss mit der Idee vom Geldverdienen mit Familienfotos!

Wenn Sie groß rauskommen wollen, müssen Sie Ihre Energie auf die Bereiche konzentrieren, zu denen Sie einen Bezug herstellen können, die aber auch ein gewisses Maß an Einkommen versprechen (ich helfe gerne dabei, herauszufinden, welche das für Sie sind). Gar keine gute Idee ist, für Privatkunden zu arbeiten (Hochzeitsfotos ausgenommen). Es hat Gründe, warum nahezu alle Fotostudios, die genau das angeboten haben, insolvent sind. Leuten das anzubieten, was sie leicht und kostenlos selbst herstellen können, ist keine sinnvolle Geschäftsidee. Natürlich wären Ihre Fotos schöner, aber finden Sie mal jemandem, der das auch so sieht und dem das 500 oder 1.000 Euro wert ist! So etwas funktioniert allenfalls, wenn Sie schon einen bekannten Namen auch ausserhalb der Branche haben. Und mal ehrlich, auf wie viele Fotografen trifft das hierzulande zu?

2. Nicht noch eine Zusatzausbildung!

Immer wieder erlebe ich, dass Frauen den Eintritt in den Beruf vor sich herschieben. Hier noch eine Assistenz, bei der frau ausgebeutet wird, und dort noch ein Studium nebenher. Nichts gegen eine solide Ausbildung als Basis – im Gegenteil, sie beruhigt die Nerven. Aber die Wahrheit ist:

3. Auf das technische Know-how kommt es gar nicht so sehr an!

Schauen Sie sich die Arbeiten der bekanntesten deutschen kommerziellen Fotografinnen und Fotografen kritisch an. Die machen seit Jahren das Gleiche, lassen das Licht von Assistenten einrichten und genießen ihren Erfolg. (Das ist jetzt etwas holzschnittartig verkürzt, stimmt aber oft.) Um die Bildbearbeitung kümmert sich ganz sicher auch jemand anders. Was heißt das für Sie? Auch Sie müssen nicht alles können oder gar selbst machen, sondern lernen zu delegieren.

4. Selbstbewusstsein zu zeigen ist wichtiger als  das Portfolio.

Seien Sie stolz auf Ihre Fotografien und treten Sie selbstbewusst auf. Um ein Gefühl für die Qualität Ihrer Arbeiten zu bekommen, vergrößern Sie diese und hängen sie an die Wand. Fotografen lassen auch belanglose Motive gerne mal auf 70 x 100 cm unter Acrylglas herstellen. Fotografinnen zeigen ihre Arbeiten als Kontaktabzug oder auf dem Rechner. DIN A 4 Prints gelten bei Ihnen schon als verschwenderisches Großformat? Wie wollen Sie Selbstbewusstsein entwickeln, wenn Sie nicht in sich und Ihre Arbeiten investieren? Und darüber hinaus bei einem potenziellen Auftraggeber: Lippenstift auftragen, Pobacken zusammenkneifen und tief durchatmen! Niemand engagiert ein Mäuschen, das ängstlich unter der Tür durchkriecht, egal wie gut die Fotos sind. Sie können nur gewinnen!

5. Vermeiden Sie, die Fehler der männlichen Kollegen zu imitieren!

Da gibt es so viele, dass ich ein ganzes Buch darüber geschrieben habe. Ich greife jetzt nur einen Punkt heraus: Das Protzen mit den schönsten Erfolgen und Motiven. Wen interessiert’s? Die Kollegen vielleicht, den Auftraggeber eher nicht. Der interessiert sich nämlich auch nur für sich. Also tun Sie das, was Frauen meist leichter fällt als Männern: Kommunizieren Sie. Fragen Sie, was den Kunden interessiert, was er gerne sähe, schlagen Sie Themen vor, kommen Sie ins Gespräch. Ein tolles Portfolio ist super, aber engagiert wird derjenige, bei dem man das Gefühl hat, er oder sie versteht, worum es dem Auftraggeber geht. Nutzen Sie dieses Wissen!

Viel Erfolg!

Rineke Dijkstra: The Krazy House


Im Museum für Moderne Kunst in Frankfurt am Main eröffnet heute Abend eine ebenso ungewöhnliche wie sehenswerte Ausstellung. Von der niederländischen Fotokünstlerin Rineke Dijkstra kennen wir ihre intensiven, den Betrachter involvierenden Porträtstudien. In Frankfurt jedoch liegt der Schwerpunkt eindeutig auf den Videoarbeiten, die hier erstmals vollständig zu sehen sind. Ergänzend dazu hat Rineke Dijkstra Werke aus der ständigen Sammlung des Museums ausgewählt und zu ihren eigenen Arbeiten in Beziehung gesetzt.

Installationsansicht "Rineke Dijkstra. The Krazy House", 2013 Rineke Dijkstra, Amy, The Krazyhouse, Liverpool, 2008 © Rineke Dijkstra, Courtesy Galerie Max Hetzler, Berlin und Tobias Rehberger, Most Beautiful, 1999 © Tobias Rehberger, Foto: Axel Schneider

Photography the next level

Rineke Dijkstra, The Krazyhouse, Liverpool, 2008 © Rineke Dijkstra, Courtesy Galerie Max Hetzler, Berlin, Foto: Axel Schneider

Mit den Videoarbeiten, vor allem mit denen, die mit einer starren Kameraeinstellung arbeiten, erweitert Rineke Dijkstra ihre künstlerischen Ausdrucksmittel und Möglichkeiten. Im Grunde sind es bewegte Fotografien. Vor allem bei „The Krazyhouse“, wo man zuerst die Porträtfotos sieht und dann die bewegten Bilder der tanzenden Jugendlichen, entsteht eine beziehungsreiche Spannung, wenn nicht gar mediale Reflexion: Was denken wir über Nicki (oben in der Mitte) – einmal abgesehen vom Plastikappeal ihrer Extensions? Und wie wirkt sie, wenn man sie tanzen sieht? Was verschweigt die Fotografie (zum Beispiel die Kürze des Kleides) und was enthüllt das bewegte Bild über die Person?

Rineke Dijkstra, The Krazyhouse (Megan, Simon, Nicky, Philip, Dee), Liverpool, UK, 2009 Videostill © Rineke Dijkstra, Courtesy Galerie Max Hetzler, Berlin

Die raumgreifende 4-Kanal-Videoprojektion „The Krazyhouse“ wurde 2009 in dem gleichnamigen Liverpooler Club aufgezeichnet: ein ebenso bewegtes wie bewegendes Portrait junger Menschen und ihrer tänzerischen Ausdrucksweisen. Die fünf Protagonisten der Videoinstallation, die Dijkstra in der Liverpooler Clubszene entdeckte, tanzen alleine vor strahlend weißem Hintergrund zu ihrer Lieblingsmusik. Die fünf Sequenzen sind hintereinander und rotierend auf die vier Wände des Ausstellungsraumes projiziert. Durch ihre Tanz- und Musikstile, ihre Expressivität und ihr Befinden vor der Kamera heben sich die Jugendlichen voneinander ab.

Eine vergleichbare, ebenso beeindruckende Videoarbeit der Künstlerin, „The Buzz Club/Mystery World“, entstand 1996/97 in Großbritannien und in den Niederlanden. Sie zeigen junge Menschen an der Schwelle zum Erwachsenwerden, beeinflusst von der Pop- und Jugendkultur ihrer Zeit. Für „The Buzz Club“ nahm Dijkstra junge Clubgänger im gleichnamigen Liverpooler Club sowie in der Diskothek „Mystery World“ im niederländischen Zaandam auf. Die zu einer Doppelprojektion montierten Aufnahmen entstanden vor provisorischer weißer Studiokulisse während des laufenden Clubbetriebes.

Rineke Dijkstra, The Buzzclub, Liverpool, UK/Mysteryworld, Zaandam, NL 1996 – 1997 Videostill © Rineke Dijkstra, Foto: Fotofeinkost

Nach zehn Jahren ausschließlich fotografischen Schaffens kehrt Dijkstra erst 2007 wieder zur Arbeit mit dem Bewegtbild zurück. Daraus gingen eine Reihe neuer Videoinstallationen hervor, die sich mit dem Akt des Betrachtens und dem Prozess der Identitätsfindung in der heutigen Gesellschaft auseinandersetzen.

Reineke Dijkstra und MMK-Kurator Peter Gorschlüter vor der Videoinstallation "The Power House" von 2007/2008, Foto: Fotofeinkost

You could be next

Im Eingangsbereich der Ausstellung, die das ganze Haus bespielt, hängt ein Picasso, „Die weinende Frau“ von 1937, aus der Tate in Liverpool. Weiter oben im MMK befindet sich ein Videoraum, der darauf Bezug nimmt, ohne dass man das Bild hier sehen würde. Was man sieht und vor allem hört, ist das Kratzen eines Stiftes auf dem Papier und ein Mädchen in Schuluniform, das hingebungsvoll den Picasso nachzeichnet – so lange, bis seine Konzentration dadurch gestört wird, dass ein Mädchen außerhalb des Kamerabildes nach einem Stift fragt. Das sind die Momente, die Dijkstra interessieren: im Flow zu sein und rauszufallen, in eine Rolle zu schlüpfen und sie zu verlassen, oder, wie In „The Power House“ eine Choreografie zu tanzen und aus dem Rhythmus zu kommen. Zurück zum Picasso-Raum: Außer der andächtig zeichnenden Ruth (im Trailer zu sehen), gibt es die alternierende Projektion einer Dreikanal-Videoarbeit von einer Schülergruppe, die das Bild betrachtet und von eher allgemeinen Feststellungen zu immer persönlicheren Aussagen kommt, wie der, dass ein Familienmitglied gestorben sein könnte – oder sie selbst sterben muss und das Bild mahne: „You could be next!“ Eine visuell großartige Arbeit mit sich bewegender Kamera, die sehr davon profitiert, dass die Kinder so ausdrucksstarke Gesichter haben und uniform gekleidet sind. Wirklich klug und zugleich humorvoll. Eine gelungene Transformation des wahren Lebens mit und in die Kunst.

Rineke Dijkstra, I See a Woman Crying (Weeping Woman), 2009 Videostills: Rineke Dijkstra © Rineke Dijkstra, Courtesy Galerie Max Hetzler, Berlin

Neben den Fotografien, die in Zusammenhang mit den Videoinstallationen entstanden sind, zeigt das MMK weitere Foto-Serien der Künstlerin, wie beispielsweise „Almerisa“, bestehend aus 11 Einzelporträts. Dijkstra begann im Jahr 1994 das damals fünfjährige bosnische Flüchtlingskind in der niederländischen Stadt Leiden zu porträtieren. Die in unregelmäßigen Abständen entstandenen Fotografien folgen über 15 Jahre Almerisas persönlicher Entwicklung von einem schüchternen Mädchen bis zu einer jungen selbstbewussten Mutter. Die äußerlichen Veränderungen in Kleidung und Einrichtung dokumentieren gleichzeitig das Hineinwachsen Almerisas in eine moderne, niederländische Gesellschaft.

Fazit: Unbedingt hingehen. Die Projektionen kann man nur jetzt im Museum sehen. Daher sollte man großzügig Zeit einplanen, um einige Loops vollständig betrachten zu können. Nicht übersehen: Das ganz entzückende, in einem winzigen Raum versteckte Video des chinesischen Kinderchors, der zwischen Haltung und Entspannung bruchlos wechselt (Dress Rehearsal, 2006).

Zur Ausstellung wird eine kostenlose App veröffentlicht. Sie vermittelt über einen Rundgang Informationen und Hintergründe zu sämtlichen Werken. Mit der neuen App können sich Interessierte von Zuhause über Ausstellungen und Veranstaltungen informieren; für die Museumsbesucher stehen kostenlose Leihgeräte vor Ort zur Verfügung, mit denen Werke von Rineke Dijkstra und die aus der MMK Sammlung erkundet werden können.

Es gibt aber auch noch Print! Bei Idea Books erscheint eine Publikation mit einem ausführlichen Gespräch zwischen Rineke Dijkstra, Peter Gorschlüter und Hans den Hartog Jager sowie zahlreichen Abbildungen der Werke der Künstlerin und der Sammlung des MMK. Der Katalog ist im Handel für 23,50 Euro und an der Museumskasse des MMK für 19,50 Euro erhältlich.

Rineke Dijkstra.The Krazy House 23.2.–26.5.2013 im MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main.

 

Abisag Tüllmann Preis

Die Absag Tüllmann Stiftung schreibt alle zwei Jahre einen Wettbewerb für professionelle Fotojournalisten aus. Mit dem Abisag Tüllmann Preis soll das Andenken an eine große deutsche Fotografin gewahrt und gefördert werden. Der Preis wurde 2011 zum ersten Mal vergeben. Die Arbeiten der Wettbewerbsteilnehmer sollen neben ihrer dokumentarischen Bedeutung einen künstlerischen Wert besitzen.
Die Abisag Tüllmann Stiftung schreibt 2013 zum zweiten Mal den Abisag Tüllmann Preis aus. Die Preissumme beträgt insgesamt 10.000 Euro. Eine sachkundige Jury wird im Herbst 2013 über die Vergabe des Abisag Tüllmann Preises entscheiden. Die ausgezeichneten Fotos werden anschließend in der Heussenstamm-Galerie in Frankfurt am Main gezeigt. Anmeldeschluss ist der 31. Juli 2013.
Außerdem erfolgt am 19. Februar 2013 in Frankfurt in der Heussenstamm-Galerie in Frankfurt unsere Eröffnung der Siegerbilder vom ersten Wettbewerb 2011. Den 1. Preis teilen sich die Fotografinnen Anja Niedringhaus und Nathalie Mohadjer.

Louisa Marie Summer: Jennifer’s Family

Coverbild Buch

Die Kamera erlaubt uns, in das Leben anderer Menschen einzutauchen und Erfahrungen in einer sozialen Umgebung zu machen, die nicht die eigene ist. Diese Erfahrungen mitzuteilen jenseits der sensationellen Dramaturgie wie sie von einschlägigen Fernsehsendern betrieben wird,  gelingt der jungen, aus München stammenden Fotografin Louisa Marie Summer. Mehr als zwei Jahre begleitete die Fotografin eine amerikanische Familie in South Providence, Rhode Island, durch ihren Alltag. Zentrale Figur dieser Familie ist Jennifer, 26 Jahre alt. Sie lebt mit ihrem Partner Tompy und ihren vier Kindern in einer kleinen, ziemlich versifften Wohnung. Der Vermieter unternehme nichts gegen das Ungeziefer, sagt sie. 700 Dollar Stütze bekommt sie am Monatsanfang, 800 Dollar muss sie an Miete zahlen. In der Monatsmitte kommt noch ein bisschen Geld, das kaum für Essen und die Gasrechnung reicht. Weiterlesen

Margaret Bourke-White: Fotografien 1930 – 1945

Margaret Bourke-White in Air Force Uniform mit Offizieren des 8. Air Force Bomber Kommandos vor einem B-17-Bomber, Südengland September 1942 Silbergelatineabzug (Staffelkommandant Colonel Frank Armstrong (li) und Captain Gene Raymond) Howard Greenberg Gallery, New York © Time & Life / Getty Images

Ihre Bilder zeugen von ihrem „unstillbaren Wunsch dabei zu sein, wenn Geschichte geschrieben wird“, wie sie es selbst formulierte. Margaret Bourke-White (1904-1971) wollte das „Auge der Zeit“ sein.
Ihre Karriere begann 1927 in Cleveland. Dort fotografierte sie die Stahlgießereien der Stadt. Sie reiste nach Russland als der erste Fünfjahresplan umgesetzt wurde, sie dokumentierte die Dürrekatastrophen 1934 in den USA, die deutsche Invasion in Russland im Jahr 1941 und das Bombardement der Alliierten auf Deutschland. Als Auftragsarbeit für die Zeitschrift Life hielt sie im Sommer 1945 die zerstörten deutschen Städte fest. Bourke-White war bei der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald und des Zwangsarbeitslagers Leipzig-Mockau anwesend. Ihr Foto „Die lebenden Toten von Buchenwald“ ging um die ganze Welt.
Ihre Bilder zierten oft die Titelseiten der Magazine Fortune und Life, für die sie jahrelang arbeitete. Manchmal stand sie selbst in den Schlagzeilen, als etwa das Magazin Life am 22. Januar 1943 ihren Bericht über den Luftangriff auf den Flugplatz El Aouina in Tunis – den wichtigsten Luftwaffenstützpunkt der Deutschen für den Nachschub von Truppen aus Sizilien – unter dem Titel „Life’s Bourke-White goes Bombing“ veröffentlichte. Margaret Bourke-White war in der männlich dominierten Welt der Fotografen Amerikas ein Medienstar. Berühmt ist ihr Portrait in Fliegermontur während eines Bombereinsatzes, die Kamera lächelnd in der linken Hand.

Margaret Bourke-White: Tschechischer Arbeiter in einer Skoda-Munitionsfabrik beim Punzieren von 15-cm-Granathülsen Tschechoslowakei, Pilsen, Juni 1938, Silbergelatineabzug Howard Greenberg Gallery, New York © Time & Life / Getty Images

Am Freitag, den 18.1.2013 beginnt im Berliner Martin Gropuis Bau eine Ausstellung mit 154 Aufnahmen, Briefen und Zeitschriften. Den Schwerpunkt bilden ihre Arbeiten, die in den 1930er und 40er-Jahren in der ehemaligen Sowjetunion, der ehemaligen Tschechoslowakei, Deutschland, England und Italien entstanden sind. Zudem werden weitere für Bourke-White charakteristische Fotografien gezeigt, wie jene, die sie im Auftrag von Eastern Airlines und der Chrysler Corporation aufnahm. Im Dokumentationsteil werden einige ihrer Wort-Bild-Strecken in den Magazinen Fortune und Life zu sehen sein sowie Auszüge ihrer Briefwechsel mit Persönlichkeiten aus Politik und Kultur.

Margaret Bourke-White – Fotografien 1930 bis 1945
18. Januar – 14. April 2013
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Montag 10 – 19 Uhr, Di geschlossen
Veranstalter: Berliner Festspiele. Eine Ausstellung von La Fábrica Madrid in Zusammenarbeit mit dem Martin-Gropius-Bau, dem Preus Museum Norwegen und dem Fotomuseum Den Haag und Syracuse University, Syracuse, USA.
Kuratorin: Oliva María Rubio