Kategorie: Brot & Butter

Betrifft vor allem Berufs-Fotografen.

Kreativ-Karriere 45 plus: Den eigenen Weg finden

Warum beginnen Menschen mit Lebenserfahrung ein Kunst- und/oder Fotografiestudium? Mein Eindruck ist, sie fühlen sich dann eher als Künstler legitimiert, wenn es schriftlich in Form eines Abschlusses belegbar ist. (Ehrlich gesagt: Keiner fragt danach, wenn Sie gut sind. Und wenn Sie nicht gut sind, interessiert es sowieso niemanden.) Bei jungen Menschen dient die Studienzeit der Persönlichkeitsbildung. Wer schon über Persönlichkeit verfügt, verschafft  sich bestenfalls strukturierten Freiraum. Schlechtestenfalls regrediert man. Und was folgt danach?

Unseen Amsterdam bietet vom 22. bis 24. September 2017 mit 50 Galerien einen Überblick über die aktuelle Fotokunst. Dort u. a. zu sehen: Number 1, 2017 © Pasi Orrensalo, mirko mayer gallery

„Was ist mit Galerien?“

wurde ich letzthin von jemandem, kurz vor dem Studienabschluss Stehenden, gefragt. Und gleich darüber ins Bild gesetzt, dass die fragende Person erwartete, darauf keine vernünftige Antwort zu erhalten: „Man liest ja viel darüber, aber das widerspricht sich auch.“ Zwei Regeln schienen festzustehen:

1. Galerien nehmen einen nicht, wenn man älter ist. Und

2. Man braucht eine Liste von Ausstellungen, um für Galerien interessant zu sein.

Man vielleicht schon. Aber ist man „man“, entspricht also der Regel? Hat man sich überhaupt schon klar gemacht, was es konkret bedeutet, von einer Galerie vertreten zu werden? Oder spuken da im Kopf eher diffuse Vorstellungen herum? Verwechselt man den Galeristen gar mit einem Betreuer, der alle anstehenden Probleme löst, so bald man den lang ersehnten Status als Künstler der Galerie erlangt hat?

Wer wirklich so spektakulär originell ist, wie er denkt, dessen Arbeiten werden die Galeristen oder Kuratoren oder Magazine gerne zeigen. Vorausgesetzt, sie erfahren von diesen. Und dafür ist die Teilnahme an Portfolio-Reviews, hochkarätigen Wettbewerben* und Stipendienausschreibungen ein effizientes und erprobtes Vorgehen.

Geduld kann sich auszahlen

Dieser klassische Weg ist für jeden, der das ganze Leben vor sich hat, die erste Wahl. Wie aber sieht es bei Menschen mit Lebenserfahrung aus? Spätestens ab Mitte Fünfzig ist klar, dass man nicht mehr ewig Zeit hat, aufs Entdecktwerden zu warten. Jedenfalls sind die wenigsten wohl vom Durchhaltevermögen einer Carmen Herrera, die ihr Leben lang malte, aber erst mit über Achtzig entdeckt wurde und 2016 mit 101 Jahren eine große Retrospektive im Whitney Museum hatte.

„Bezeichnenderweise war es eine Sammlerin, die mit Interesse und mehr noch mit ihrem Geld den späten Ruhm der Carmen Herrera begründete. Erst als deren Kunst teuer wurde, als einzelne Bilder 70-, 80-, 90.000 Dollar kosten sollten, wachten die Museen auf“, schrieb Hanno Rautenberg in der Zeit, 41/2016. Der Schritt von der Kreation ins Museum ist eben auch der von der Kunst in den Kunstbetrieb. So mancher hätte gerne Erfolg, verschließt aber die Augen vor den knallharten Gegebenheiten des Kunstmarktes.

Fein raus ganz ohne Galerie

Die Abfolge von Studium, Stipendien, Ausstellungen und dann die Professur (Staatsknete auf Dauer!) mag auch von grauen Köpfen als gültige Regel angesehen werden. Davon sollten sich Menschen mit Lebenserfahrung aber unbedingt frei machen. Fast immer gibt es in der Biografie Ansatzpunkte, die für eine kreative Karriere deutlich viel versprechender sind als der konventionelle Weg. Wozu bei Galerien Klinken putzen, wenn man dank seiner Vorbildung oder seiner „alten“ beruflichen Kontakte gleich mit einer ganz anderen Akzeptanz einsteigen kann?

Häufig erfahre ich in einem Beratungsgespräch, dass mein Gegenüber sein Leben als eine Art Stückwerk betrachtet. Nach dem Motto: „Erst war ich Snowboarder/in, dann habe ich bei Firma X gearbeitet und bin jetzt Künstler/in.“ Auch wenn dies ein fiktives Beispiel ist, lässt sich daran erläutern, dass es eben nicht drei Personen sind, sondern eine. Und die ist sportlich und wettbewerbsorientiert, hat ein gewisses Sicherheitsbedürfnis und den Willen, sich kreativ auszudrücken und damit den Lebensunterhalt zu bestreiten.

Als Person hat man sich selbst immer dabei. Darum ist es wichtig, mit sich ins Reine zu kommen. Das heißt auch, den roten Faden in den Lebensentscheidungen zu finden. Darum bemühe ich mich im Beratungsgespräch. Um sich auf die neue kreative Karriere zu konzentrieren, muss man sich fokussieren. Mit seiner ganzen Person – und nicht nur mit dem Teil, der gerade biografisch aktuell ist.

ING Talent Awards Unseen 2017: Smoking dude, 2017 © Robin Lopvet

Kreativ-Karriere mit Verspätung?

Hinsichtlich der Frage, ob man im fortgeschrittenen Alter noch eine kreative Karriere starten kann, würde ich sagen: Unbedingt. Und raten, sich von dem frei zu machen, was man Jugendlichen in dem Falle bei der Berufswahl rät.

♥ Statt in eine lange formale Ausbildung die Zeit lieber ins Machen investieren, vor allem, weil es meistens eine eigene Vorgeschichte gibt (z. B. eine frühere Ausbildung oder ein intensiv betriebenes Hobby).

♥ Zeit beziehungsweise Durchhaltevermögen spielt heute eine geringere Rolle. In der digitalen Welt kann jede/r mit entsprechendem (Social-Media-) Einsatz „über Nacht“ bekannt werden.

♥ Für die Kreativ-Karriere ist eine gute Story Pflicht. Dazu ist es erforderlich, den passenden roten Faden zu finden und geschickt zu formulieren. Der eigene Werdegang sollte so plausibel wie möglich auf das zulaufen, was man jetzt tut.

♥ Im Idealfall verfügt man über die finanziellen Mittel, zu Festivals und Kunstmessen zu reisen, sich eigene Ausstellungen und einen Bildband zu finanzieren. Andernfalls funktioniert das Künstlerdasein als Idee der Flucht vor der „normalen“ Realität nur sub-optimal – alleine schon wegen des sich potenziell ergebenden Mangels an Sponsoren und/oder Bewunderern.

♦ Ganz verbreitet ist die Vorstellung, als Künstler/in in den Tag hinein leben zu können. Laissez faire, laissez passer, die Dinge laufen lassen. Dabei erfordert nichts mehr Disziplin als die künstlerische Arbeit im eigenen Auftrag.

♦ Gerade mit fortgeschrittenem Alter sollte man sich kennen. Wer sich nie für zeitgenössische Kunst interessierte, wird es schwer haben, als zeitgenössischer Künstler ernst genommen zu werden. Die leider sehr verbreitete Vorstellung, vom Verkauf der eigenen Fotokunst leben zu können, stößt meist hart an die Realität. Selbst keine Fotografien zu kaufen und auch niemanden zu kennen, der sammelt, sollte zu denken geben.

Mit anderen Worten:

Wenn man von etwas (z. B. Kunst) leben will, muss nach dem, was man anbietet, eine Nachfrage herrschen oder geschaffen werden! Ganz altersunabhängig.

Bonustipp: Keine Altersbegrenzung beim aktuell ausgeschriebenen Lens Culture Emerging Talents Award!

Artikelbild: Unseen Starts 2016 (c) Constantinos Dranganas

Fotos sind nicht umsonst

Geldbündel

Die Wertschätzung für Fotografie zu fördern, ist mir ein Anliegen. Keiner meiner Vorträge oder Workshops kommt ohne dieses Thema aus. Fotografinnen und Fotografen können und müssen selbst etwas dafür tun, dass unser Lieblingsmedium nicht unter die Räder kommt. Fotografien klären auf, erweitern den Horizont, verkaufen Produkte. Sie können eine ästhetische/künstlerische Bereicherung sein. All dies sind Aspekte, die es zu berücksichtigen gilt.

Ganz klar hat sich aber durch das Internet nicht nur die Masse an verfügbarem Bildmaterial, sondern auch unsere Einstellung zu Inhalten geändert. Heute ist es möglich, sich jederzeit und überall kostenlos informieren zu können. Es ist zu einem moralischen Wert geworden, sein Wissen zu teilen, ohne dafür eine monetäre Gegenleistung zu erhalten. Und obwohl ich parallel gegen Honorar schreibe, veröffentliche ich die Beiträge auf fotofeinkost kostenlos. Ich arbeite aber an einem kostenlosen Artikel nicht kürzer. Im Gegenteil, online ist beispielsweise nicht nur das Bildmaterial herauszusuchen, sondern auch aufzubereiten. All dies kostet Zeit, unbezahlte Zeit.

Fotografien erweitern den Horizont

Sind Fotografien visuelles Wissen?

Darf man sie kostenlos hergeben? Oder ruiniert man damit einen Beruf? Bevor ich auf zwei konträre Positionen verlinke, möchte ich folgendes Unterscheidungsmerkmal zu bedenken geben: Es kommt auf den Gebrauchswert an. Ein Großteil der heute vor allem mit Smartphones produzierten Fotos hat keinen kommerziellen Gebrauchswert. Sie dienen dem Teilhabenlassen. Das „Sharen“ gab es vor einem Jahrzehnt noch so gut wie gar nicht. Ebenso wenig wie das massenhafte Veröffentlichen von Bild und Text zu nicht-kommerziellen Zwecken, zum Beispiel auf Blogs oder in Social-Media-Kanälen.

Wir sind in einer Übergangszeit, in der die tradierte Vorgehensweise der Honorierung nach der kontrollierten Auflage eines Mediums nur noch selten funktioniert, weil es online weder Auflagen noch fest umrissene Verbreitungsgebiete gibt. Aber es ist auch noch nichts wirklich Verlässliches an dessen Stelle getreten. Magazine, die sich durch Anzeigen finanzieren, wollen plötzlich nichts mehr oder nur sehr wenig für den Abdruck von Fotos zahlen – Fotos, die ihr komplettes Erscheinungsbild bestimmen! Das ist ein großes Übel. Ebenso die Verwendung von Fotos für Werbezwecke ohne dafür ein angemessenes Honorar zu zahlen, nur weil sie ursprünglich jemand aus Liebhaberei gemacht hat oder als freie Arbeit. So manche Zeitgenossen scheinen zu meinen, das Internet sei ein Selbstbedienungsladen. Generell ist das ungefragte Verwenden von Fotos oder Text für welche Zwecke auch immer ein Verstoß gegen das Copyright.

Umsonst, aber nicht vergebens?

Sind also Plattformen, auf denen man Fotos kostenlos bekommen kann, die Lösung? Wer seine Bilder dort einstellt, verzichtet immerhin wissentlich auf sein Copyright. Unsplash (beispielsweise) bietet sich all jenen, die stolz sind, wenn ihre Fotos verwendet werden, aber damit kein Geld verdienen wollen, als eine solche Plattform an. Mikael Cho erläutert seine Denkweise und seine Meinung zur Zukunft der Fotografie und den Wert von kostenlosen Fotos in einem längeren Beitrag (englisch, Danke an Robert Kneschke für den Hinweis darauf). In erster Linie geht es um Aufmerksamkeit und Beziehungen, also um die neuen Währungen neben dem Geld.

If someone needs a photo for a presentation that will only be seen by a few co-workers, they don’t have a budget for photography. If they can’t use a free photo for that, they are not hiring someone. And there is no relationship created. But by finding a photo on Unsplash, a relationship begins. When they need to hire a photographer for a shoot, they’re more likely to go back to the place that fulfills that need. We’re trying to make it so these relationships connect back to the Unsplash contributor that inspired them.

Geldbündel

Bild by Vitaly on Unsplash

#fotossindwertvoll

Es ist aber das eine, Bildmaterial kontrolliert zu veröffentlichen oder zur Verfügung zu stellen (was man ja auch durch Posts bei Facebook und Instagram tut). Etwas anderes ist, wenn Bilder „geklaut“ werden. Die Unsicherheit von Amateuren, die nicht wissen, dass sie gegen die unerlaubte Nutzung ihres Bildmaterials vorgehen können und sollen, greift die Hamburger Bildredakteurin und Fotografin Sandra Schink in ihrem Blogbeitrag „Liebe Hobbyfotografen! Bitte werdet Semi-Profis“ auf:

Gerade stolpere ich wieder über eine Debatte, die mich seit Jahren verfolgt. In einer Gruppe für Fotografie-Einsteiger fragt ein Hobbyfotograf verunsichert, ob er etwas dagegen tun kann, dass ein Campingplatz ungefragt sein Foto für eine Werbebroschüre benutzt hat.

Das kann er natürlich, Stichworte: Urheberrechte, Nutzungsrechte, Honorierung nach MFM-Liste, doppelte Honorierung wegen unterlassener Namensnennung, etc. Aber um die rechtlichen Details soll es hier gar nicht gehen. Ich war schockiert über das geballte Unwissen, das sich in den Antworten anderer Diskussionsteilnehmer widerspiegelte. Zum Beispiel, dass der Hobbyfotograf selber schuld sei, denn er habe das Bild ja frei verfügbar ins Internet gestellt. Ich war aber auch schockiert darüber, dass es Menschen gibt, die zwar selbst fotografieren, es aber für einen Frevel halten, wenn ein Fotograf seine Rechte als Urheber gewahrt wissen will. Die den Wert ihrer eigenen Fotos so sehr gering schätzen, dass sie dankbar sind für jede Form Aufmerksamkeit, die ihnen zuteil wird – und sei es ein honorarfreier Abdruck ohne Fotocredit.
Das muss aufhören. (Sie können den Beitrag hier weiterlesen.)

Nicht aufs Honorar verzichten!

Mir ist es ein Anliegen, dass Sie darüber nachdenken, was für einen Gebrauchswert Ihr Bildmaterial hat und wie Sie mit Ihrem Bildmaterial seriös umgehen. Bekanntermaßen bin ich sehr dafür, dass Hobbyfotografen inhaltlich fotografieren (zum E-Book) und nicht auf die kommerzielle Fotografie schielen. Je besser sie aber frei arbeiten, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass das Bildmaterial in den Fokus von Verwendern gerät. Bei einer kommerziellen Nutzung durch Dritte steht Ihnen ein Honorar zu. Bitte verzichten Sie nicht darauf, weil Sie auf das Geld nicht angewiesen sind. Berufsfotografen sind es. Wenn Amateure aus Unkenntnis den Markt noch weiter kannibalisieren, dann sägen sie auch immer den Ast ab, auf dem viele von ihnen lieber sitzen möchten als im Bürosessel.

Am Ende seines Beitrages sagt Mikael Cho:

Dinge werden sich verändern. Gegen Veränderung können wir uns nicht wehren, egal wie sehr die heutige Welt uns nutzt. Wir stehen vor der gleichen Tatsache, der jeder Künstler und jedes Geschäft sich stellen muss: Was wir heute anbieten, wird schließlich veraltet sein. Wir können beschließen, uns darüber aufzuregen oder verstehen, dass es unvermeidlich ist und uns weiter anpassen.

für Berufsfotografen: höchste zeit, sich strategisch klug zu positionieren.
anmelden zum Erfolg-als-Fotograf*in-Tagesseminar am 26. Oktober 2017!

Mehr Tipps für Ihre erste Fotoausstellung

Fortsetzung des vorherigen Beitrags.

7. Einzelbilder? Serien?
Fassen Sie Einzelbilder für eine Fotoausstellung in Gruppen zusammen. Geben Sie diesen sinnvolle, aussagekräftige Namen, vor allem wenn Sie diese auf Ihrer Website veröffentlichen. Das erhöht die Chance Ihrer Werke, via Google gefunden zu werden. Legen Sie Wert darauf, dass jedes Bild für sich gesehen wird, dann präsentieren Sie diese auch entsprechend in je individueller Größe und Rahmung. Den Charakter der Serie betonen Sie durch gleiche Rahmungen.

8. Niemand will Urlaubsfotos sehen!
Sie wissen es, ich weiß es: Die meisten Fotos werden auf Reisen aufgenommen. Das ist nur dann kein Problem, wenn es ein durchgängiges, interessantes Thema als Klammer gibt. Fehlt dieses, wie meist bei Hobbyfotografen, dann sollte zumindest die Bezeichnung der Serie keinen Rückschluss darauf zulassen, dass die Bilder quasi hobbymäßig entstanden sind. Vermeiden Sie also „Kuba | Island | Namibia“. Konzentrieren Sie sich auf Inhalte statt auf Beiläufiges.

9. Lustig geht gar nicht
Wichtig: Vermeiden Sie interpretierende Bildunterschriften. Ob jemand in einer Gesteinsformation ein Gesicht oder einen Elefanten erkennen möchte, sollte ihm überlassen bleiben. Auch Humor hat in Bildunterschriften nichts verloren. Was der eine lustig findet, veranlasst den anderen, die Augen zu rollen.

Fotoausstellung im Gasteig, München

Wolfgang Strassl hat seine erste Ausstellung bis 7. April 2017 in München im Gasteig.

Fotoausstellung im Gasteig

Das große Plakat mit dem Titel lenkt die Besucher in die Ausstellung. Der schwarze Hintergrund gibt den 1 x 1,50 Meter großen Bildern einen ruhigen Hintergrund.

10. Konzept statt Klischee
Das Beste wäre, Sie arbeiten von vorne herein mit einem Konzept! So gelingt es nebenbei, visuelle Klischees zu vermeiden. Um nach Abschluss der Arbeit mit dieser in Erscheinung treten zu können, müssen Sie erläutern können, was Sie mit welcher Absicht umgesetzt haben. Nachträglich Bedeutung in etwas hineinzulegen, wo keine gedacht war, führt immer zu schrecklicher Hirnakrobatik; zu Texten, die kein Mensch lesen möchte. Merke: Wo keine Intention war, kann man keine schlüssige hineindichten. Der Galerist aber braucht die Motivationsgeschichte des Autors, um die Bilder verkaufen zu können. Sie brauchen das Grundkonzept, um eine Pressemitteilung für Ihr Buch oder die Ausstellung schreiben (lassen) zu können.

11. Liefern Sie eine gute Story über sich!
Die Geschichte, die Sie über sich selbst erzählen müssen, sollte knapp, aber interessant sein. Und auf keinen Fall sollten Kameramarken darin vorkommen! Meine Story ist beispielsweise, dass ich mich schon in der Oberstufe bei der Schülerzeitung nicht zwischen Schreiben und Fotografieren entscheiden konnte, sondern beides gleich spannend fand. Später, parallel zum Studium, entschied ich mich für den Kompromiss, über Fotografie zu schreiben. Kurz und knapp. Beachten Sie, dass ich dabei weder sage, was ich studiert habe, noch womit ich mein Geld verdiene. Das heißt: Sie müssen gar nicht preisgeben, was genau Sie tun. Sie können von Ihrem gegebenenfalls unkünstlerischen Brotberuf sogar ablenken. Durch eine knappe, geschickte Story vermeiden Sie die Nachfrage.

Je mehr Energie Sie in eine Fotoausstellung stecken, desto mehr Anerkennung kommt dabei raus

12. Aufwand lohnt!
Zu den wichtigen Beobachtungen, die ich als weisen Rat weitergeben kann, gehört vor allem jene: Aufwand lohnt! Je aufwendiger Ihr Fotoprojekt angelegt ist, desto größer ist Ihre Chance, dafür und damit wahrgenommen zu werden. Das heißt umgekehrt: Die Chance, für Fotos, die man konzeptlos auf Reisen aufgenommen hat, von Bildprofis gelobt zu werden, liegt bei Nullkommanull. Haben Sie Spaß an Ihren Island-, Namibia- oder Venedigfotos, aber ersparen Sie sich den Frust, dafür außerhalb des Amateur-Workshop-Zirkels Anerkennung zu bekommen.

Wenn Sie ernstlich auf den Kunstmarkt wollen, dann inszenieren Sie, arrangieren Sie, machen Sie das Unmögliche zum Bild. Am besten derzeit auch noch in 3D beziehungsweise haptisch-plastisch oder im Retro-Trend. Schauen Sie sich im Frühjahr auf der PhotoLondon um, im Herbst auf der Unseen in Amsterdam oder auf der ParisPhoto. Sie werden über Vieles, das Sie sehen, den Kopf schütteln – vor allem über die Preise. Vergleichen Sie nie, was Sie produzieren, mit den etablierten Klassikern. Schauen Sie sich an, was Ihre Zeitgenossen ausstellen. Fragen Sie den Galeristen nach dem Fotografen und hören Sie gut zu, was er erläutert. Nutzen Sie diese Erfahrung für sich!

Mehr über Fotokunst und den Kunstmarkt finden Sie in meinem Buch „Fotografie mit Leidenschaft“.

Tipps für Ihre erste Ausstellung

Ein Ladenbesitzer in Ihrem Ort oder eine öffentliche Einrichtung hat Ihnen angeboten, Ihre fotografischen Arbeiten zu zeigen. Da können Sie natürlich nicht „Nein“ sagen; obwohl es riskant sein kann, mit seinen Erstlingswerken an die Öffentlichkeit zu gehen. Womöglich befassen Sie sich jedoch schon lange mit der Fotografie und suchen jetzt Anerkennung auf dem Ausstellungssektor – gar auf dem „Kunstmarkt“. Aus Erfahrung kann ich sagen: Je kürzer man fotografiert oder sich mit dem Gedanken an Öffentlichkeit befasst, desto blauäugiger ist man. Wie Sie bestimmt wissen, hat man jedoch nur eine Chance auf einen guten ersten Eindruck. Das ist besonders für jene zu bedenken, die sich beruflich anderweitig bereits einen Namen gemacht haben. Sie sollten berücksichtigen, dass es professionelle Maßstäbe nicht nur im eigenen Berufsfeld gibt, sondern auch im Bereich Kunst und Kultur.

Eine Ausstellung kann auch im Freien stattfinden – hier in Innsbruck.

Ein erster wichtiger Rat vorab wäre, sich niemals mit drei, vier, fünf Erfolgreichen zu vergleichen. Die „Big Names“, von denen man mal gehört oder gelesen hat, befinden sich quasi in einem Paralleluniversum. Seien Sie realistisch und freuen Sie sich über jede Form von Anerkennung. Egal wo Ihre erste Ausstellung stattfinden wird, Sie treten damit ins Licht der Öffentlichkeit und sollten vorab folgende potenzielle Fettnäpfchen beseitigen. Das gilt natürlich auch, bevor Sie zu einer Portfolio-Review auf einem der vielen Festivals aufbrechen.

Erste Ausstellung oder Portfolio-Review: So erhöhen Sie Ihre Chancen beim Fachpublikum

1. Hände weg von Kreativ-Domains
Vermeiden Sie kreative Begriffsfindungen für eine Fotografen-Website. Einprägsame Begriffskombinationen (wie bei mir „fotofeinkost“) funktionieren bei Blogs, aber nicht für eine Website, auf der Sie „Werke“ präsentieren. Die erste Wahl ist stets, den eigenen Namen zu verwenden; ganz schlicht mit einem Bindestrich in zwischen Vor- und Zunamen. Achten Sie bitte auch darauf, dass die Domain nicht nach Fotogeschäft klingt: Bei „Photo-Mueller“ denkt man an Passfotos, nicht an Ausstellungen.

2. Ist es Kunst?
Verzichten Sie auf Begriffe wie „Kunst“ oder „Kunstwerk“. Warum? Weil es gerade für einen Anfänger anmaßend wirkt, sich selbst so zu etikettieren. Das Urteil, ob es als Kunst gesehen wird, sollte man stets anderen überlassen. Von jemandem, der sich selbst als „Künstler“ bezeichnet, nimmt man meist an, er sei Hobbykünstler. Auch „Art“ heißt „Kunst“, „Fine Art“ gar „Bildende Kunst“, also eigentlich die klassischen Bereiche wie Malerei und Bildhauerei. Der Begriff „Fine Art Fotografie“ ist als Genre verbreitet. Man sollte ihn daher nur verwenden, wenn man genau dieses Genre bedient.

3. Zitate gehören ins Poesiealbum
Benutzen Sie auf Ihrer Webseite keine Zitate, ob von Hermann Hesse oder Richard Avedon spielt keine Rolle. Das ist eine Verlegenheitslösung. Und so sieht es auch aus. Überlegen Sie sich selbst einen klugen Satz zu Ihrer Arbeit. Das interessiert dann auch den Leser. Der Besucher Ihrer Website möchte nämlich etwas über Sie erfahren.

4. Technik ist nicht gleich Stil
Geben Sie nie öffentlich an, mit welcher Kamera oder mit welchem Drucker Sie arbeiten. Weil Maler auch nicht den Hersteller ihrer Farbe angeben? Nein, weil es darum geht, was Sie machen und was Sie sich dabei gedacht haben. Und nicht darum, welche Technik zur Anwendung kam. Gerade bei der Fine-Art-Fotografie bewegen Sie sich zwischen Skylla und Charybdis, also zwischen der Imitation malerischer Effekte auf der einen Seite und der reinen Technikanwendung als Stilmittel auf der anderen.

Ausstellung in einem Fotobuchladen: Serie der berühmten Fotografin Cristina de Middel bei La Fabrica, Madrid

Gewußt wie: Bilder signieren

5. Signieren Sie diskret
Sie können gerne Ihre Bilder signieren. Profis signieren meist auf der Rückseite – oft mit Bleistift. Und zwar dort, wo auf der Frontseite ein weißer Rand gelassen wurde, der hinterher unter dem Passepartout verschwindet. Es ist nämlich nie ganz ausschließen, dass sich die Schrift durchdrückt. Das möchte man natürlich nicht im Motiv haben. Zur Signatur gehört außer der Unterschrift auch der Bildtitel beziehungsweise die Serie und ein Datum.

6. Eine Auflage bestimmen
In der Signatur oder überhaupt irgendwo eine Auflage anzugeben, wenn man noch nie ein Bild verkauft hat, ist unnötig. Wird man hingegen von einem Galeristen gefragt, ist wichtig, eine Auflage anzugeben und dann auch einzuhalten. Üblich ist derzeit bei renommierten Fotokünstlern eine Auflage von 5 Exemplaren. Das sollte dem Laien noch einmal klar machen, wie limitiert die Absatzchancen generell sind.

Fortsetzung folgt am 30. März 2017

Bildpräsentation: Das Blätter-PDF

Beim Thema Bildpräsentation denken die meisten an Galerien auf ihrer Website. Die sind ideal, wenn man Einzelbilder zeigt (Werbefotografie, Porträts). Aber schon bei einem umfangreicheren Fotoprojekt ist es selten optimal, alle Fotografien in gleicher Größe zu präsentieren – und womöglich ohne Begleittext oder Bildunterschriften.

Präsentieren Sie doch neben Ihrem Portfolio auch einmal eine thematische Zusammenstellung! Bieten Sie Ihren Kunden an, sich diese Vorschläge downzuloaden und aufzubewahren. Ideal hierfür ist das PDF – vor allem seit Google den Text in PDFs ausliest und diese bei der Suche anzeigt. Mit ansprechend zusammengestellten PDFs erhöhen Sie massiv Ihre Präsenz im Netz.

PDFs sind super für die Akquise

PDF’s kennen Sie und haben Sie vielleicht auch schon einmal aus Ihrem Bildmaterial kreiert: kleine Reportagen von einer Reise; Bilder von einer Messe, die Sie für Kunden aufbereiten; spezielle Aufnahmetechniken, die Sie neu anbieten möchten; eine Querauswahl aus Ihrem Bildbestand, die genau auf Ihre Zielgruppe ausgerichtet ist.

Die Frage, die sich stellt, ist ja stets: Wie macht man es so, dass es gut aussieht? Das betrifft einerseits das Layout, andererseits die Technik. Blätter-PDFs sind ziemlich angesagt, zumal wenn man seine Bildstrecke oder ein gedrucktes Editorial auf dem iPad zeigt.

Meine Layouts entstehen alle in InDesign. Ich benutze noch eine ältere Version, in der sich zwar Blätter-PDFs einfach generieren lassen, aber nur als Flash-Datei. Und das ist inzwischen ja völlig sinnlos, weil es nicht auf Mobilgeräten funktioniert. Der Vorteil wäre, dass man sein PDF bei sich selbst hosten kann. Das ist aus meiner Sicht auch ein gewichtiges Argument für das klassische, dann aber nicht blätterbare PDF.

Umwandeln von PDFs in Blätter-PDFs: kostenlos

Eine schon lange etablierte Alternative ist die Plattform Issuu.com, auf der ich beispielsweise Leseproben aus meinen Büchern eingestellt habe. Das sieht so aus. In der Basisversion ist Issuu kostenlos. Die komfortablere, werbefreie Version schlägt aber mit 35 USD monatlich zu Buche.

Deutlich aktueller hinsichtlich Medienintegration und besser auf Mobilgeräten lesbar scheint mir Yumpu.com aus der Schweiz zu sein. Für WordPress gibt es ein Plugin, das sich bei mir auf dem üblichen Weg gar nicht, sondern nur per FTP installieren ließ. Nach der Aktivierung und Eingabe des API-Keys konnte ich erfolgreich die PDF-Datei über das Plugin hochladen. Aber weder in der Menüleiste noch in der Liste funktioniert „Insert Shortcode“. Mit anderen Worten: Das Plugin ist nutzlos. Ich musste mir einen Embedcode auf der Yumpu-Website suchen. Und dann der Schock: Alle Fotos haben Pseudoschatten und -Glanz. Das mag für einen Aktionsprospekt vom Discounter ideal sein. Für meine Fotos möchte ich das nicht. Und für Ihre auch nicht.

Probieren Sie es selbst aus. Bei Yumpu gibt es einen kostenlosen Account sowie einen werbefreien für 8 Euro pro Monat. Hinzu kommen Bezahloptionen, sein Produkt in einen Kiosk einzustellen. Diese Optionen sowie die weiteren auf dem Markt verfügbaren Angebote richten sich an Publisher, die Magazine herausgeben und digital verbreiten wollen. Sie sind entsprechend hochpreisig.

Layouten ohne Vorkenntnisse

Wer kein professionelles Layoutprogramm auf dem Rechner hat, und wer überhaupt wenig Erfahrung mit dem Layouten mitbringt, sollte sich Papermine ansehen. Das in Florenz ansässige Unternehmen gibt verschiedene Templates vor. Man kann das PDF direkt darin erstellen, neuerdings auch eines importieren. Für Ungeübte sind Templates ein deutlich einfacherer Weg zu professionellen Ergebnissen. Immerhin werden bei Papermine die Bilder nicht durch plastische Effekte ruiniert.

Für die Anmeldung eines kostenlosen Probemonats muss man seine Kreditkartendaten angeben. Eine Fortsetzung kostet dann stolze 19 Euro pro Monat. Kündigt man vor Ende des Probemonats, ist das erstellte Booklet zwar nicht verloren, aber nicht mehr sichtbar. Eine kleinliche Regelung.

Open larger view

In 10 Minuten zum eigenen Booklet?

Zeitintensiv ist auf jeden Fall die Bildauswahl. Sie sollte unbedingt vorher getroffen und in einem Ordner in der entsprechenden Pixelbreite abgelegt sein. Kommt man auf die Idee, ein Video zu integrieren, stößt man schnell an Grenzen, beziehungsweise wäre gezwungen, das Video in einem anderen Programm erst einmal auf die zulässige Größe zu stutzen. Mir hat das Hochladen ohnehin zu lange gedauert. Das mag aber an meinem Telekom-Country-DSL liegen. Ich habe dann im Phnom Penh-Booklet einen YouTube-Link gesetzt.

Denken Sie daran, Text zu integrieren, sonst hat Google kein Futter und der potenzielle Interessent weiß nicht, was ihm diese Bildpräsentation sagen soll. Ich habe auf weiterführende Angaben verzichtet, weil ich mit meinen PDFs nichts verkaufen will.

Wer mit der Fotografie sein Geld verdient, dem sei aber dringend angeraten, im PDF zur eigenen Website zu verlinken und gleich vorne die Kontaktdaten einzufügen. Sinnvoll wäre es zudem, anzugeben, was Sie anzubieten haben. Ein Satz wie: „Auch für Ihr Unternehmen realisiere ich gerne eine solche Reportage“, macht beispielsweise klar, dass Sie nicht Ihre abgebildeten Fotos verkaufen, sondern Aufträge annehmen wollen.

Ein Wort noch zu den gewerblich tätigen Fotografen, also jenen im B2C-Geschäft: Das ist eine super Sache für Hochzeiten oder Events. Sie können Ihren Kunden ein Booklet anbieten, das diese auf ihrer Facebookseite integrieren können – und dort für Sie werben! Da sind dann die monatlich zu zahlenden Beiträge durchaus gut investiert.

Welche Erfahrungen machen Sie mit der PDF-Bildpräsentation?

Nach dem Ausprobieren verschiedener Anbieter kehre ich zurück zum klassischen PDF, das ich auf meinen eigenen Server hochladen kann. Was finden Sie besser: Klassische PDFs oder solche mit Blätterfunktion? Kennen Sie einen Anbieter, mit dem Sie gute Erfahrungen gemacht haben?

Nachtrag vom 14.1.2017: Was ich leider selbst vor lauter Design und Textkorrektur bei meinen selbstgehosteten PDFs vergessen habe und nun noch nachholen muss: Das Ausfüllen der Metadaten (PDF – Eigenschaften). Bitte denken Sie daran.

HINWEIS auf meinen Workshop mit Gerhard Hagen zur Architekturfotografie / Fotografie urbaner Landschaften. Das Ergebnis lässt sich in solch einem PDF präsentieren.

Als Fotograf/in bestehen in der Bilderflut

Folge 1: Gute Absichten x Schnappschussstil

Im Briefkasten eine Karte: Das Foto zeigt auf der rechten Bildhälfte einen zur Kamera schauenden Jungen, der zu nah am Objektiv steht, als dass er noch hätte scharf abgebildet sein können. Die breitere linke Hälfte des Bildes ist grüne Landschaft mit sich im Hintergrund wegbewegenden Personen.

freelens-einladung-kolumbien
Ehrlich gesagt dachte ich spontan: Spendenaktion für Indio-Kinder? Doch es ist die Einladungskarte zu einer Fotoausstellung. Da hat ein junger Fotograf namens Jonas Wresch Leib und Leben riskiert, um in einem Dorf in Kolumbien zu fotografieren. Hat äußerst beeindruckende Fotos aufgenommen, dafür beim Lumix-Festival einen Preis bekommen – und wählt dann dieses Bild zum Signature Piece.

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Kommerzielle Bildtrends 2016

[Presseinformation] Scott Braut, Head of Content bei Fotolia und Adobe Stock, analysierte auf Basis der Keyword-Suchanfragen, Downloads und Datei-Uploads, welche Visuals in diesem Jahr besonders angesagt sein werden. Herausgekommen sind die sieben Bildtrends für 2016:

Color shot of a young woman looking through a cardboard, a device with which one can experience virtual reality on a mobile phone.

Color shot of a young woman looking through a cardboard, a device with which one can experience virtual reality on a mobile phone.

Trend 1: Technik wird cool

Vorbei die Zeiten, in denen der Technik und technikaffinen Charakteren ein Nerd-Image anhing; mit der zunehmenden Alltagsdurchdringung der Technik und popkulturellen Gadgets wie Virtual Reality-Brillen und Hoverboards wird die gesamte Branche immer hipper und gefragter – auch bei jungen Arbeitnehmern. Die Folge: Lifestylige Technik-Bilder sind gefragt wie nie!

Teamwork. Three young architects working on a project

Teamwork. Three young architects working on a project.

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Websites für Fotografinnen mit WordPress

In meiner bekannt schonungslosen Art sage ich wie es ist: Viele Fotografen-Websites sind suboptimal (weil Text und eine adäquate Selbstdarstellung fehlen), einige aber einfach oll (webhochdeutsch: outdated).

(und nicht nur auf denen von Apple, sondern auch auf Androidgeräten). Man nennt diese Eigenschaft, sich dem Endgerät anzupassen, „responsiv“. (Darauf bin ich schon 2013 hier eingegangen.) Achten Sie insbesondere bei kleinen Displays darauf, ob die Navigation einwandfrei und einfach funktioniert.

Wer also seine Website sowieso erneuern muss, sollte gleich zu WordPress greifen. Alle Bilder (und hoffentlich gibt es auch Texte!) liegen in einer Datenbank, das Aussehen bestimmen Sie mit der Wahl eines Templates (auch „Theme“ genannt). [Kurze Einführung in WordPress] Da WordPress das am weitesten verbreitete Content-Management-System ist, gibt es eine geradezu unübersichtliche Anzahl an Templates – auch für Fotografinnen und Fotografen, kostenlose und solche gegen eine Gebühr. Die haben mit dem, was man früher vom Bloggen kannte, optisch nur noch wenig gemein. Sie sind stylish und individuell anpassbar. Und vor allem: Sie funktionieren. Man benötigt niemanden mehr für das inzwischen ja ständig erforderliche Einstellen neuer Inhalte oder irgendwelcher kleiner Anpassungen. Gut ist für Neulinge jedoch, wenn sie einen kompetenten Menschen kennen, der ihnen bei der Installation hilft. Die geht vermeintlich in fünf Minuten, aber beim ersten Versuch können diese fünf Minuten recht lang und nervenaufreibend werden.

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Was berechne ich für die Nutzung von „Ausschuss“-Fotos?

Frage einer Fotografin heute: „Was berechne ich für Motive, die bei einer bezahlten Produktion entstanden sind, aber bei der Veröffentlichung nicht verwendet wurden?“

Konkret geht es um den Auftrag einer Food-Buchpublikation, nach der die Fotografin von Porträtierten gefragt wird, ob sie die nicht verwendeten Fotos bekommen könnten. Die Fotografin war sich unsicher, was sie dafür berechnen kann. Ich fragte sie, an welchen Betrag sie denn denke, und sie neigte, wie es häufig vorkommt, dazu, diesen sehr niedrig anzusetzen. Aus der Sicht der Fotografin hatte sie ja schon ein Honorar erhalten und konnte jetzt ein kleines Zusatzgeschäft abschließen.

NutzwertIch gebe den Rat, dabei nicht ans Machen, sondern ans Bewirken zu denken. Was heißt das? Statt seine Kalkulation danach auszurichten, wie viel Arbeitsaufwand oder Zeit man investiert, sollte man immer, besonders aber in einem solchen Fall, berücksichtigen, welchen Nutzen der Kunde daraus zieht.

Möglichkeit 1: Der porträtierte Winzer möchte die Fotos von sich und der Familie für private Zwecke. Er erwartet, dass die Fotografin ihm die Bilddaten schickt. Das ist im privaten Umgang normal, wäre aber für einen Berufsfotografen eine wenig professionelle Verfahrensweise. Eine gute Alternative ist, den Kauf von hochwertig gedruckten Prints anzubieten. Falls er keinen Wert auf Fotoabzüge legt und eher nichts /nur wenig zahlen würde, man den Kontakt aber pflegen möchte, würde ich ein Motiv oder zwei runterrechnen und mit einem Wasserzeichen (Name/Domain des Fotografen) versehen schicken. Da solche Fotos sicherlich umgehend in den sozialen Netzwerken kursieren, sollte man das unbedingt als Werbemöglichkeit für sich nutzen. Damit hat man dann eine klassische Win-Win-Situation: Der Porträtierte kann mit den Fotos bei den anderen Winzern angeben und die möchten sich dann hoffentlich auch von der Fotografin ablichten lassen.

Möglichkeit 2: Der porträtierte Unternehmer will die Fotos kommerziell nutzen. Dann muss man für sich überlegen, ob das Bildmaterial beispielsweise so gut und umfangreich ist, dass er sich einen Auftrag zum Fotografieren einer Imagekampagne/-broschüre einsparen möchte. Hier gilt es natürlich, den Wert der Fotos entsprechend anzusetzen, um sich so weit wie möglich für den Auftrag zu entschädigen, den man andernfalls womöglich bekommen würde. Man verlange also einen reellen Preis. Alles andere schadet nur: dem eigenen Ansehen, dem der Fotografie und der Einkommensentwicklung in der Branche.

Tipp: Das Thema Nutzungsrechte ist nach wie vor aktuell! Man sollte sich also immer (am besten schriftlich per E-Mail) erkundigen, welcher Verwendungszweck vorgesehen ist, und danach den Preis ansetzen.

Mehr praktische Tipps und strategische Orientierung in der aktuellen gerade neu eintreffenden Version meines Buches „Erfolg als Fotograf„.

 

Mehr verdienen ohne fiese Akquise

Wie man sich mit seinem Bildmaterial erfolgreich präsentiert

Werden Sie von Ihren Lieblingskunden gebucht? Ist Ihr Umsatz so hoch wie Sie geplant haben? Falls nicht und Sie auf fiese Kalt-Akquise keine Lust haben, sollten Sie dieses Tagesseminar besuchen.
Was genau bieten Sie eigentlich an? Spricht Ihre Website die Kunden an, die Sie erreichen möchten? Nutzen Sie Social Media zur Kundenbindung und -Findung?
Wie Sie Ihre individuellen Möglichkeiten optimieren und welchen verbreiteten Irrtümern Sie nicht erliegen sollten, erläutere ich nach drei spannenden Seminaren im Sommer, nun einmal im Herbst, am 28. Oktober 2015 von 10 bis 17 Uhr mit anschließendem Networking bis 18 Uhr bei mir im Haus. Teilnehmerzahl 4 bis 6. Gebühr: 300 Euro (zzgl. 57,00 Euro USt.) Getränke und Verpflegung inklusive.

Ihr Update 2015 – für mehr Aufträge

In einem Impulsvortrag wird unter anderem angesprochen
• wie sich die Beurteilung von Fotografie verändert hat
• welche Konsequenzen sich daraus für den einzelnen Fotografen ergeben
• warum ein individuelles Profil dringend notwendig ist

Wie werden Sie wahrgenommen? Jeder Teilnehmer erhält ein Feedback zu seiner Website und Tipps zur Optimierung. Berücksichtigt wird dabei unter anderem, ob das Business eher lokal oder international ist, ob gewerblich, journalistisch oder eher künstlerisch. Die wichtigsten Aspekte zeitgemäßen Selbstmarketings werden anhand dieser Praxisbeispiele aus dem Teilnehmerkreis erläutert.
• Wozu die Website wirklich da ist
• Wie Sie potenzielle Kunden interessieren und binden
• Wie Sie in Kontakt bleiben

Die Veranstaltung richtet sich an Fotografinnen und Fotografen, und ist eine sinnvolle Vorbereitung zur Aktualisierung des Internetauftritts. Dabei ist die wichtigste Frage nämlich nicht: Welche Bilder zeige ich?, sondern: Wen möchte ich als Kunden gewinnen?

Die Pluspunkte des Seminars:
• Der individuelle Rat, den Sie bekommen.
• Sie können fragen, was Sie immer schon wissen wollten. Im Seminar wird kein Programm abgespult, sondern flexibel besprochen, was für Sie wichtig ist.
• Sie sparen Kosten für Portfolios und Webseiten, die schön aussehen, aber nicht für Sie arbeiten, und investieren Ihre Zeit zielgerichtet in Ihren Erfolg.
Das ist zu bedenken: Um optimal zu profitieren, sollten Sie das Besprochene möglichst bald umsetzen.

Termin: Mittwoch, 28. Oktober 2015, ab 10 Uhr
Kosten: 357,00 Euro inkl. USt., inklusive Verpflegung während der Veranstaltung.

Anreise zum Veranstaltungsort in Aarbergen (Taunus) möglichst mit dem PKW. Problemlos Parken auf leerer Anwohnerstraße. (Busverbindung nur ab Wiesbaden.) Sehr preisgünstige Übernachtungsmöglichkeiten in der Umgebung verfügbar.

„Erfolg als Fotograf“ aktualisierte Ausgabe

Wie Sie Ihr Können optimal präsentieren, steht in dem bewährten Ratgeber „Erfolg als Fotograf“, der in Kürze in einer vollständig überarbeiteten Ausgabe erscheint. Von einigen schon sehnsüchtig erwartet (und in der Zwischenzeit zu hohen Preisen gehandelt), konnte ich den Titel nicht, wie schon angekündigt, im Mai neu auflegen. Aufgrund von Vorträgen, Workshops und Beratungen gab es fürs Aktualisieren und Überarbeiten unversehens nach dem Frühjahr in eine längere Zwangspause. Aber nun ist es in der Druckerei! Damit es ganz deutlich wird, dass diese dritte Auflage durchgängig überarbeitet wurde, bekommt sie nicht nur eine neue ISBN, sondern das Umschlagleinen auch eine etwas andere Farbe: statt grau wird es nun rauchblau. Und wie das mit schönen Materialien manchmal der Fall ist, müssen wir auf das Leinen ein wenig warten. Aber am 22. September 2015 soll das fertige Buch ausgeliefert werden. Vorbestellen können Sie es gerne ab sofort. Freuen Sie sich auf praktische Ratschläge und konkrete Textvorschläge für die schriftliche Kommunikation mit Ihren Kunden. Weiterlesen

Wertschätzung von Fotografien

blumeGestern morgen saß ich im Wartezimmer des Hausarztes und wartete auf die Blutabnahme. Nüchtern und folglich leicht unterzuckert blättere ich durch die Brigitte. Nicht durch die aktuelle Ausgabe. Lesezirkel, halt. Und was sehe ich? Den Super-Tipp, die Leserin möge sich doch einen Screenshot printen statt sich das Foto zu kaufen. Es dreht sich um künstlerische Fotos von einem Fotografen, der von seiner Arbeit leben muss.
Mir geht es dabei nicht um die juristische Frage, ob das rechtens ist oder nicht – und wahrscheinlich hätte ich nicht den Begriff „Copyright“ verwenden sollen. Aber man twittert halt spontan und ist textumfänglich ja recht eingeschränkt.
Mir geht es um die mangelnde Wertschätzung von Fotografien und der Arbeit von Fotografen. (Wobei das für viele kreative Bereiche gleichermaßen gilt.)
Screenshot an der Wand? Echt jetzt? (Ist Lumas kein Werbekunde bei G+J?)

privatkopie

„Privatkopie“ kenne ich nur bei Musik-CDs: da bleibt immerhin die Qualität erhalten! Aber bei einem Screenshot ist im Zweifel die Reputation des Künstlers betroffen.

Mich stört einfach die Selbstverständlichkeit, mit der hier dazu aufgefordert wird, über die Arbeit von anderen frei zu verfügen. Gilt das auch umgekehrt? Was wäre, wenn man Beiträge aus der (werbefinanzierten!) Brigitte auf seinem privaten Blog postet – von mir aus als buy acrobat xi pro Screenshot? Mir fällt überhaupt auf, dass Angestellte (= Menschen, die ein regelmäßiges Einkommen für selbstverständlich halten), oft ziemlich großzügig mit der Arbeit von Freiberuflern umgehen. Rechtfertigt der Umstand, dass man seine Arbeit gerne erledigt, bereits die Erwartung, man habe sie kostenlos zur Verfügung zu stellen? Ist das die neue Umdeutung des Begriffs „Freiberufler“?

Fotografie ist heute nichts Besonderes mehr, so wie zu analogen Zeiten, sondern alltäglich. Und es ist mir klar, dass, wer mit der Kamera als Smartphonezubehör aufwächst, Fotografie als künstlerischen Ausdruck oder auch als Handwerk nicht zu schätzen weiß. Den Digital Natives kann man das nicht vorwerfen. Aber ist es nicht beängstigend, wenn in einem Traditionsblatt wie der Brigitte solch ein Tipp veröffentlicht wird – nicht in der Bastelecke, wohlgemerkt, sondern bei der Kurzvorstellung der Arbeiten des Fotografen!

Ich publiziere das Fundstück hier jedoch nicht, um das Magazin anzuprangern, sondern einzig und allein als Symptom und Menetekel für freie Kreative: JEDE/R muss jetzt darauf achten, sich nicht unter Wert zu präsentieren. Auch das ist unter anderem Thema in meinen Vorträgen, Texten, Workshops: Jeder Einzelne in der Fotografie muss sich um die Wertschätzung für seine Arbeit aktiv bemühen, zum Beispiel durch Erläuterungen über den Wert des handwerklichen Könnens dem Kunden gegenüber.

Ganbatte kudasai!

3D-Portrait-Service in Osaka gestartet

030_FY2015_LUMIX_3D_Photo_LabJetzt geht’s los! Fotografie bewegt kennen wir ja schon, aber jetzt auch in 3D. Panasonic meldet:
Mit 120 LUMIX GH4 Kameras und einer neu entwickelten 3D-Scan-Technologie hat Panasonic in seinem Osaka-Center einen 3D Portrait-Service gestartet.
„3D-PHOTO Lab“ heißt ein neuer Service im Showroom des Panasonic-Centers in Osaka. Das System arbeitet mit 120 LUMIX GH4 Kameras, dem Top-Modell der LUMIX DSLM-Reihe. Sie erfassen die in der Mitte eines kreisförmigen Stativsystems platzierten Objekte, seien es Menschen oder Gegenstände, rundum aus allen Blickwinkeln. Dank der synchronen Belichtung aller Kameras mit einer kurzen 1/1000s ist auch die Aufnahme bewegter Motive möglich. Ein Computer generiert dann aus den Einzelbildern per Software ein hochaufgelöstes dreidimensionales Bild, das von einem 3D-Printer als sehr detaillierte Figur in den Originalfarben plastisch ausgedruckt werden kann.
Panasonic Japan sieht einen Markt für 3D-Portraits bei zahlreichen Anlässen, etwa bei Feierlichkeiten wie Geburtstagen, Hochzeiten und Jubiläen, aber auch in Werbung, Industrie, Wissenschaft und Kunst. Zu einem möglichen kommerziellen Einsatz des Systems äußerte sich Panasonic Japan aber noch nicht.

Mehr Aufträge ohne fiese Akquise

Wie man sich mit seinem Bildmaterial erfolgreich präsentiert

Werden Sie von Ihren Lieblingskunden gebucht? Ist Ihr Umsatz so hoch wie Sie geplant haben? Falls nicht und Sie auf fiese Kalt-Akquise keine Lust haben, sollten Sie dieses Tagesseminar besuchen.
Wussten Sie schon, dass Ihre Website von Google auf Mobilgeräten seit Neuestem eventuell gar nicht mehr angezeigt wird? Nutzen Sie Social Media zur Kundenbindung und -Findung? Spricht Ihre Website die Kunden an, die Sie erreichen möchten?
Wie Sie Ihre individuellen Möglichkeiten optimieren und welchen verbreiteten Irrtümern Sie nicht erliegen sollten, erläutert Photoconsultant Dr. Martina Mettner.
3 Termine stehen zur Wahl: 14. Juli, 6. August und 9. September 2015 jeweils von 10 bis 17 Uhr mit anschließendem Networking bis 18 Uhr im Haus der Referentin im Taunus. Mindestteilnehmerzahl 6, höchstens 8. Gebühr: 250 Euro (zzgl. 47,50 Euro USt.) Getränke und Verpflegung inklusive. Gruppentermine bitte anfragen.

Ihr Update 2015 – für mehr Aufträge ab Herbst

In einem Impulsvortrag wird unter anderem angesprochen
• wie sich die Beurteilung von Fotografie verändert hat
• welche Konsequenzen sich daraus für den einzelnen Fotografen ergeben
• warum ein individuelles Profil dringend notwendig ist

Wie werden Sie wahrgenommen? Jeder Teilnehmer erhält ein Feedback zu seiner Website und Tipps zur Optimierung. Berücksichtigt wird dabei unter anderem, ob das Business eher lokal oder international ist, ob gewerblich, journalistisch oder eher künstlerisch. Die wichtigsten Aspekte zeitgemäßen Selbstmarketings werden anhand dieser Praxisbeispiele aus dem Teilnehmerkreis erläutert.
• Wozu die Website wirklich da ist
• Wie Sie potenzielle Kunden interessieren und binden
• Wie Sie in Kontakt bleiben
Das Seminar ist der ideale Einstieg, um im Sommer, wenn die Auftraggeber ohnehin in Urlaub sind, am eigenen Profil zu arbeiten: Für mehr Aufträge ab Herbst 2015.

fotofeinkost-seminar

Die Seminarräume, in denen es neben Foto auch Feinkost gibt: Fotofeinkost Dr. Martina Mettner.

Die Veranstaltung richtet sich an kreative Selbstständige, an Fotografinnen und Fotografen, Illustratoren, Designer, und ist eine sinnvolle Vorbereitung zur Aktualisierung des Internetauftritts. Dabei ist die wichtigste Frage nämlich nicht: Welche Bilder zeige ich?, sondern: Wen möchte ich als Kunden gewinnen?

Die Pluspunkte des Seminars:
• Der individuelle Rat, den Sie bekommen.
• Sie können fragen, was Sie immer schon wissen wollten. Im Seminar wird kein Programm abgespult, sondern flexibel besprochen, was für Sie wichtig ist.
• Sie sparen Kosten für Portfolios und Webseiten, die schön aussehen, aber nicht für Sie arbeiten, und investieren Ihre Zeit zielgerichtet in Ihren Erfolg.
Das ist zu bedenken: Um optimal zu profitieren, sollten Sie das Besprochene möglichst bis zum Beginn der Businesssaison umsetzen.

3 Termine zur Wahl:
Dienstag, 14. Juli 2015, 10 Uhr bis 17 Uhr. Bis 18.00 zusätzlich Zeit für Fragen und Networking.
Donnerstag, 6. August 2015, 10 Uhr bis 17 Uhr. Offene Runde bis 18 Uhr.
Mittwoch, 9. September 2015, 10 bis 17 Uhr. Weitere Fragen und Gespräche bis 18 Uhr.

Kosten: 297,50 Euro inkl. USt., inklusive Verpflegung während der Veranstaltung.

Anreise zum Veranstaltungsort in Aarbergen (Taunus) möglichst mit dem PKW. Parkplätze ausreichend vorhanden. (Busverbindung nur ab Wiesbaden.)

Jetzt die Fotografie retten!

Für eine Veröffentlichung im Magazin Photonews 1/2015 habe ich meine Sorge um die Zukunft des honorierten Fotografierens formuliert. Fotografen sollten aufhören, auf Aufträge zu warten. Wer heute von der Fotografie leben will, muss selbst aktiv werden – und zwar viel mehr als noch vor zwei, drei Jahren.

Warum sollte man eine Ausdrucksform retten müssen, die doch anscheinend gerade höchste Anerkennung genießt? Weil dies nur für den Kulturbetrieb zutrifft. Von der Präsenz der Fotografie in Museen, Galerien, Auktionen, Festivals, können die aktuell Fotografierenden nur eingeschränkt profitieren. Sicher: Es gibt mehr Stipendien und Fördergelder (für unter Dreißigjährige!). Aber Preisgelder und Kunstmarktverkäufe können kaum ausgleichen, was an Einnahmen aus Bildrechten oder Magazinveröffentlichungen weg bricht.
Mit einer Zeitverzögerung von gut zehn Jahren schlägt jetzt die Veränderung des Metiers durch die Digitalisierung vor allem in der kommerziellen Fotografie zu Buche. Zu analogen Zeiten war der Kunde von der Leistung und Beurteilung der Arbeit durch den Fotografen abhängig. Es wurde so lange geshootet, bis der Fotograf der Ansicht war, man habe das „jetzt im Kasten“. Beim Tethered Shooting heute entscheidet der Kunde, wann es gut ist. Das verändert das Verhältnis Fotograf – Kunde grundsätzlich. Der Auftraggeber ist deutlich weniger abhängig vom Können des Fotografen und lässt daher vielfach den Preis entscheiden. „Kollegen“, die keine Hemmungen haben, jeden vernünftigen Honorarsatz zu unterbieten, treiben die Preisspirale in rasantem Tempo nach unten. Beim Auftraggeber wird dadurch zwangsläufig der Eindruck manifestiert, die Fotografie wäre als Dienstleistung wenig wert. Na bravo!
Fotografierende können die sich drastisch verändernden Rahmenbedingungen, die durch die digitale Gesellschaft vorgegeben werden, nicht ändern. Aber sie könnten endlich aufwachen. Erschütternd ist, wenn selbst junge Fotografinnen und Fotografen mit der Kamera noch die Vorstellung von einem lukrativen Broterwerb in Werbung, Mode oder Editorial wie im 20. Jahrhundert verbinden und mit dem Anspruch auf Erfolg imprägniert werden.

Wird die Fotografie das Radio des 21. Jahrhunderts?

Das historisch überholte, aber überwiegend praktizierte Muster im Fotografenberuf ist: Jeder hält sich für am besten und die Mappe beziehungsweise Fotos für wichtig, wartet auf Rückrufe, Lob und Aufträge. Allen Fotografen, die das Glück hatten, in einem Umfeld zur Kamera gegriffen zu haben, in dem ihre Bildbeträge noch rar und wertvoll waren, sei der Stolz auf ihr Werk gegönnt. Es jetzt noch als Idealbild an Jüngere zu vermitteln, macht denen die Nase lang nach etwas, das es in der globalen Informationsgesellschaft mit digitalen sozialen Netzwerken nie mehr geben wird. Das vermeintliche Recht, mit dem, was man gerne tun und was einem leicht fällt, gutes Geld zu verdienen, ist für immer dahin.
Besonders für alle jenseits der Vierzig ist es daher enorm wichtig, diese angestammte Anspruchshaltung zu hinterfragen – vor allem, um sich nicht selbst weiterhin unglücklich zu machen. Nicht der potenzielle Kunde muss aktiv werden, sondern der Fotograf proaktiv. Pragmatisch mit dem eigenen Bildmaterial umzugehen wäre eine professionelle Haltung. Dem mit Fotos zugeschütteten Bildkäufer/Kunden/Kurator sind die Fotografien Mittel zum Zweck. Er oder sie wird davor keine Andacht abhalten. Falls doch: Hey, super!
Die Website so umzustrukturieren, dass ein Interessent weiß, was dort speziell angeboten wird, würde zu mehr Interesse von Auftraggebern führen. Dazu muss man zunächst selbst wissen, für wenn man gerne arbeiten würde. Und da liegt auch schon die Ursache des Übels: Die meisten denken, gut zu fotografieren, reiche. Und der Kunde müsse das doch sehen, wie begabt sie seien. Schön wär’s. Man muss es selbst vermitteln.
Ist die Fotografie überhaupt noch zu retten? Oder wird die Fotografie das Radio des 21. Jahrhunderts? Ob die zeitgenössische Kamerakunst sukzessive vom bewegten Bild abgelöst wird, muss sich noch erweisen. Sicher ist im Moment, dass der Fotografenberuf auf der Kippe steht – und es Fotografinnen und Fotografen selbst bestimmen, ob sie sich schwerfällig auf der Seite der Wippe aufhalten, die nach unten kracht, oder aktiv auf der Seite positionieren, die schwungvoll nach oben geht. Glück auf!

Weiterführende Lektüre mit Lösungsvorschlägen und Praxisbeispielen: Martina Mettner, Fotopraxis mit Perspektive, Fotofeinkost Verlag, 39,80 €

Die Fotografie wird weiblicher

„Trends in der Bildsprache“ lautet gerne der Wunsch an mich, einen Vortrag zu halten. Ich weiß nicht, was Bildsprache genau sein soll. Sie? Ich halte das für ein Ersatzwort: Es wird meist benutzt, wenn man nicht weiß, wie man es präzise ausdrücken soll. Oft ist damit einfach eine Aufnahmetechnik gemeint, manchmal ein Postproduction-Look. Wenn schon, müsste „Bildsprache“ etwas viel Umfassenderes bezeichnen. In diesem Sinne könnte man sicherlich feststellen, dass es einen Trend zu einer weiblicheren Bildsprache gibt. Der existiert völlig unabhängig vom Geschlecht des Fotografierenden. Aber da heute, am 8. März, Weltfrauentag ist, liegt mir daran, Fotografinnen zu ermutigen, die innere Prinzessin, Dekorateurin, Modedesignerin, Tier- und Pflanzenliebhaberin oder Mutti von der Leine zu lassen. Und überhaupt jedem zuzurufen: Orientiert euch nicht mehr an der Werbefotografie der Neunziger! Plastik-Looks und Werberkategorien auf der Website (Fashion, People, Transportation) sind so was von langweilig und passé! Es gibt neue Bereiche, neue Möglichkeiten, auf sich aufmerksam zu machen. Legt los! Es wird Frühling!

Maloja Screenshot

Maloja Screenshot

Die Welt ist hart. In der fotografischen Idealwelt wird in klarer Bergluft gecampt und puristisch hell gewohnt.

Stets neugierig, beobachte ich die Trends, die sich beispielsweise im Zeitschriftenmarkt abzeichnen. Magazine werden verspielter, haptischer, als Gegengewicht zum Lesen am Display. Einer der Trendsetter ist das Indie „Travel & Lifestyle“ Magazin CEREAL aus Großbritannien. In Deutschlands Großverlagen werden Magazine entwickelt, die verschiedene Papiersorten enthalten sowie Kärtchen zum Heraustrennen und weitere Bastelangebote. Auch inhaltlich wird zunehmend eine Runde Kakao am Lagerfeuer ausgeschenkt. Parallel ist Mode ein verwandter Ausdruck gesellschaftlicher Trends. Und der heißt „weich“. Stoffe werden weicher, Kleidung fällt wieder lockerer, selbst bei Schuhen sind bequeme Sneakers stärker im Trend als spitze Stöckel. Optische Trends finden sich beim H+M-Ableger „& other Stories„. Eine aktuelle Kampagne fotografierte Stephen Shore (67, einer der ersten künstlerischen Farbfotografen) mit den Töchtern von Meryl Streep. Führend im Outdoorbereich hinsichtlich der Anmutung ist das Label Maloja: ein zeitgenössisches Look & Feel, das so viel weicher und weiblicher geworden ist. Wobei das keine Geschlechterdifferenzierung meint. Auch die Maloja-Kampagne wird von Männern fotografiert, von den KME-Studios in Rosenheim. Es geht darum, dass sich auf der Ausdrucksebene neben hart und glatt (z. B. Modefotografie mit Schlagschatten) nun vermehrt weich und zart als Alternative durchsetzt. Weil Achtsamkeit und Nachhaltigkeit eben ihren optischen Ausdruck nicht in stark angeblitzten Szenerien finden, sondern eher in der Nahansicht eines fragilen Wiesenblümchens oder eines Naturpanoramas im Morgengrauen. Übrigens keineswegs in den gesättigten Farben der traditionellen Naturfotografie, sondern zarter, weicher, entsättigter, unaufgeregter vor allem. „Outdoor Lifestyle“ heißt das Stichwort. Fotografinnen mit Sportsgeist und körperlicher Fitness (die man braucht, um in den Bergen zu shooten!) oder solche mit Deko-Talent sind hier ganz klar gefragt, sich dieses bewußt zu machen und karrieretechnisch zur Geltung zu bringen.
(Ex-)Hochzeitsfotografinnen und -Fotografen sind da aus meiner Sicht durchaus für diese kommerzielle Weiterentwicklung gut vorbereitet, wenn sie sich intensiv mit dem befasst haben, was bei der Hochzeitsfotografie wesentlich ist: Eine für einen Tag vollkommen idealisierte Welt ins Bild zu rücken. Viel Erfolg!

Hochzeitsfotografie in Hanoi

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Hochzeitsfotograf in Aktion am Hoan Kiem See in Hanoi, Vietnam.

Statt sogenannter Sehenswürdigkeiten fotografiere ich auf Reisen lieber an kleinen oder größeren Themen oder Motivsträngen entlang. Sehe ich Fotografen, kann ich schon aus beruflichen Gründen nicht widerstehen, sie bei der Arbeit abzulichten. An den fotogenen Orten, an denen man sich als Reisender herumtreibt, trifft man naturgemäß in erster Linie auf Hochzeitsfotografen. So erging es mir kürzlich in Hanoi, wo ich im French Quarter das Hotel Metropole anschaute, und unversehens stand davor ein Brautpaar – und noch eines, und über die Straße kam schon das dritte. Noch nie habe ich so viele Brautpaare auf so engem Raum für Fotografen posieren sehen. Weiterlesen

5 Mythen, die Sie als Fotograf/in durchschauen sollten

In den Beratungsgesprächen, die ich mit Fotografinnen und Fotografen führe, begegnen mir immer wieder die gleichen Vorstellungen als schwer erschütterliche Gewissheiten. Fünf habe ich nachfolgend aufgeführt.

1. Ein eigenes Fotostudio zu haben wirkt seriös.

Speziell Berufswechsler unterliegen dem Glauben, das Einrichten eines Studios mache aus ihnen einen „richtigen“ Fotografen. Lust auf ein Studio zu haben, ist nur zu verständlich. Leider stehen die Kosten in keiner vernünftigen Relation zum Nutzen. Tipp: Wenn Sie einen Arbeitsraum benötigen, mieten Sie sich einen Büroraum an, eventuell in einer Bürogemeinschaft. Der ist günstiger und setzt Sie nicht so unter Druck, im Studio zu fotografieren. (Was eigentlich?)

2. Die digitale Mittelformatkamera muss sein.

Noch so eine Methode, sich zu verschulden. Es mag das Selbstbewusstsein stärken, eine Hasselblad zu besitzen. Aber die Kamera ist schwer, langsam und teuer. Für was genau brauchen Sie die wirklich? Tipp: Wenn Sie denken, die Kunden nehmen Sie nur mit Hasselblad ernst, dann posen Sie mit einer aus dem Rent für das Profilfoto auf Ihrer Website. Das erfüllt den gleichen Zweck und Sie können nachts ruhig schlafen.

3. Man fängt am besten mit Hochzeiten an, und arbeitet sich dann zur Businessfotografie hoch.

Privatkunden und Businesskunden sind zwei Welten mit eigenen Regeln und Erfahrungen, die man jeweils machen muss. Hochzeiten können als Einkommensquelle funktionieren, wenn man gut ist und sich wirklich engagiert. Vom Privatkundengeschäft rate ich ansonsten ab. Tipp: Überlegen Sie, wie viele private Porträtkunden im Monat kommen müssten, um einen Umsatz von mindestens 3.000 Euro zu erzielen (bei 150 Euro pro Auftrag sind das 20 Kunden!) und ob das realistisch ist.

4. Man braucht ein vielseitiges Portfolio, um sich als Fotograf/in vorzustellen.

Fotografen meinen zeigen zu müssen, dass sie alles können, was ein Kunde potenziell verlangen könnte – und packen das, was alle anderen auch so ähnlich zeigen, in eine feine Ledermappe. Besser wäre es, an einer Serie zu arbeiten, die wirklich außergewöhnlich ist und die bei den Betrachtern in Erinnerung bleibt. Der fotografierende Universalist ist out, der kreative Experte gefragt.

5. Man lernt Models kennen und verdient viel Geld mit wenig Arbeit.

In dieser Legende steckt ein Körnchen (historische!) Wahrheit. Es gibt auch Leute, die den Lotto-Jackpot gewinnen. Die Chance steht bei 1 zu 140 Millionen. Der Beruf des Fotografen ist schön, aber das Einkommen unsicher und ohne extrem viel Arbeit geht als Selbstständiger ohnehin gar nichts. Tipp: Wer in oder nach einer Anstellung darüber nachdenkt, in die Fotografie zu wechseln, sollte sich diese vorzugsweise als Hobby bewahren und zur Sicherung des Lebensstandards nach einer festen Tätigkeit Ausschau halten.

Ihre Begeisterung für die Fotografie möchte ich damit nicht schmälern, aber Sie wissen ja: Illusionen zahlen Ihnen auch 2015 nicht die Miete. Erfolgreich sind Sie als Person und durch das, was Sie zu sagen oder zu zeigen haben. Folgen Sie also nicht vermeintlich bewährten Berufsregeln; seien Sie individuell und bieten Sie kreative Lösungen an. 

Dieser Beitrag wurde zuerst als Newsletter für die Leser des Buches „Erfolg als Fotograf“ versandt. Wenn auch Sie regelmäßig etwa zehn Mal pro Jahr informiert werden möchten, tragen Sie sich einfach in das Newsletter-Formular im Seitenfeld ein.