Kategorie: Fotoprojekte

Manfred Sickmann: Spargelernte

Spargelernte

Flinke Helfer bei der Spargelernte

„Seit ersten März 2017 bin ich nun Rentner. Schon im letzten Jahr war klar, dass ich diesen Lebensabschnitt mit einem Fotoprojekt beginnen möchte“, schrieb mir Manfred Sickmann aus Baden-Württemberg als Reaktion auf meinen Mai-Newsletter. „Vielen Dank zunächst für Ihre vielen hervorragenden Anregungen, die ich aus Ihren Büchern Fotografie mit Leidenschaft und Fotopraxis mit Perspektive – wie auch dem Paper Wer fotografiert hat mehr vom Leben (kostenloser Download) bekommen habe. Großes Lob für Ihre klaren, differenzierten und sehr kompetenten Texte.

Seit 2008 fotografiere ich ernsthaft und leidenschaftlich alles mögliche – mit mäßiger Zufriedenheit. Immer auf der Suche nach der eigenen Bildsprache, die ich aber bis heute nicht wirklich gefunden habe. Von dem hohen Anspruch, so gut wie die Profis zu sein, habe ich – auch Dank Ihrer Anregungen – Abschied nehmen können. Seitdem gehe ich mein Hobby sehr viel entspannter an. Und dann war bei Ihren Anregungen ja noch der Aspekt „Projekt“. Das hat mir von Anfang an eingeleuchtet. Die Zeit, meine Ideen umzusetzen, hat mir aber während meiner Tätigkeit als Arbeitstherapeut in der Psychiatrie gefehlt.

Mein langjähriger Kontakt zu einem Spargelanbauer in meiner Nähe ermutigte mich im vergangenen Jahr dort anzufragen, ob ich in der Saison 2017 die „Spargelmacher“ fotografieren dürfe. Morgen, Sonntag den 7.5.2017, werde ich im Regen mit Schirm auf dem Acker meinen fotografischen Mann stehen.“

Das fand ich beeindruckend und blieb mit Manfred Sickmann seit Mai in Kontakt. Sein Spargelernte-Projekt ist ein tolles Beispiel für meine These, man habe mit einem Fotoprojekt mehr vom Leben. Es ist kein einfaches Sujet, aber es ist zeitlich begrenzt, was sehr gut ist. Es hat den Vorteil an einem Ort zu sein (der Spargel kann nicht weglaufen!). Das gibt dem Fotografierenden die Möglichkeit einer eigenen Zeiteinteilung. Manfred Sickmann hat sich ganz auf die Feldarbeit konzentriert und dabei sind ihm unter anderem sehr stimmungsvolle (Gegenlicht-) Aufnahmen gelungen.

Ich habe Manfred Sickmann zu seinen Erfahrungen befragt.

Spargelernte

Im Morgenlicht

Grünspargel, Spargelernte

Grünspargel im Abendlicht

Spargelernte Baden-Württemberg

„Spargelspinne“

Wie entstand die Idee, beim Spargelbauern zu fotografieren?

Ich war bis zu meiner Berentung über 30 Jahre lang im Gemüsebau tätig. So hatte ich einen fachlichen Bezug. Vom Spargelhof Rauer hole ich seit Jahren meinen Spargel. Es war eine gewisse Beziehung entstanden, auf die ich aufbauen konnte. Mein Wunsch ist es immer schon gewesen, Menschen zu fotografieren. Es war aber klar, dass ich das nicht als Streetfotograf oder Portraitist, sonden nur in einem Kontext machen kann. Die Idee, mit einem fotografischen Projekt die eigene Fotografie weiterzuentwickeln – wie es am deutlichsten in Ihren Schriften thematisiert wird – hat mich von Anfang an sehr überzeugt. Die Aussicht auf den Ruhestand ab März 2017 hat 2016 zu der Planung für das Projekt „Die Spargelmacher“ geführt.

Wann fingen Sie an, zu fotografieren? Wie oft und wie lange sind Sie jeweils bei der Spargelernte gewesen?

In der Saison 2016 habe ich angefragt und das grundsätzliche Okay bekommen. Im Januar 2017 hatte ich ein Vorgespräch mit Silvia und Peter Rauer, in dem ich mich, mein Anliegen, mein Konzept, meine Ausrüstung und gedruckte Bildbeispiele aus meiner fotografischen Arbeit vorgestellt habe. Auf meinen Wunsch hin habe ich Ende März 2017 drei Tage und Ende April, nach Eintreffen der rumänischen Erntehelfer, noch mal einen ganzen Tag mitgearbeitet, um etwas Stallgeruch zu schnuppern, die Menschen kennen zu lernen und mich selber und mein späteres Fotografieren vorzustellen. Erst dann habe ich angefangen, richtig zu fotografieren. Insgesamt war ich an 31 Tagen auf dem Feld und auf dem Hof, jeweils zwischen einer und vier Stunden.

Arbeiter bei der Spargelernte

Laurentiu bei der Ernte am Spargeldamm

Spargelbauer

Chef Peter Rauer bei der Ernte

Spargelernte im Regen

Chefin Silvia Rauer im Regen

Entsprach Ihre fotografische Tätigkeit dort Ihren Erwartungen? Gab es Überraschungen?

Spargelernte-Werkzeug

Werkzeug nach dem Regen

Mein Ziel war es, die Menschen bei der Arbeit auf unterschiedliche Weise zu portraitieren. Ich hatte allerdings nicht bedacht, dass bei allen Arbeiten in der Spargelernte die Menschen meistens nach unten schauen. Um Gesichter bei der Arbeit zu fotografieren, musste ich also sehr nah ran. Da ich den Helfern nicht gleich zu Beginn meine Kamera direkt unter die Nase halten wollte, habe ich zunächst mit langen Brennweiten fotografiert, bin dann immer näher ran und habe schließlich über das Klappdisplay meiner OM-D direkt am Damm von unten nach oben fotografiert. Da meine Ausrüstung nicht staub- und spritzwassergeschützt ist, musste ich mir für die Regentage etwas überlegen. Ich bin schließlich mit dem Regenschirm und der leichten OM-D im strömendem Regen und Matsch zwischen den Spargeldämmen unterwegs gewesen – was für eine gewisse Erheiterung unter den Helfern sorgte.

Wie entwickelte sich Ihr Verhältnis zu den Protagonisten?

Alexandru in einer Pause

Das Verhältnis zu Silvia und Peter Rauer war von Anfang an wunderbar unkompliziert. Mir standen fast alle Türen offen. Und da ich beide nach fast jedem Fototag mit ein paar Bildern für Homepage und Facebook an meiner Fotografie teilhaben ließ, war auch die Skepsis, ob ichs wohl kann und recht mach, schnell verflogen. Mit jedem einzelnen einheimischen Helfer habe ich das Gespräch gesucht, mein Tun erklärt, das Einverständnis eingeholt und immer mal wieder Bilder auf dem Display gezeigt. Zu den rumänischen Helfern war es schwieriger, den Kontakt herzustellen, da sie weder Deutsch noch Englisch sprachen. Bis auf einen: Mit Octavian konnte ich mich in Englisch und Deutsch unterhalten. Der Austausch über unsere Lebensgeschichten und die Begeisterung für den Badmintonsport führte rasch zu einem fast freundschaftlichen Verhältnis. Er vermittelte meine Fotografie seinen rumänischen Landsleuten. Bei allen Helferinnen und Helfern habe ich die ganze Zeit hindurch große Akzeptanz für meine Arbeit erfahren.

Abdämmen und Nachlese

Wie geht es weiter? Ist das Projekt für Sie jetzt beendet?

Die Spargelernte ist nun vorbei. Die Arbeit auf dem Spargelfeld geht aber bis Oktober weiter. Düngung, Feldpflege und Vorbereitungen für die Saison 2018 stehen als nächstes an. Mein Fotoprojekt werde ich mit den letzten Arbeiten in diesem Jahr beenden. Noch geht es also weiter. Mein nächstes Projekt ist zudem schon in Vorbereitung.

Ninette Niemeyer fotografiert eine alte Dame

„Mit großem Interesse habe ich Ihr wirklich wunderbar geschriebenes E-Book gelesen“, schrieb mir Ninette Niemeyer nach der Lektüre von „Wer fotografiert hat mehr vom Leben“ und sandte mir ihrerseits einen kleinen Bildband in Form eines PDFs. Der Titel ihrer Serie über eine 96 Jahre alte Dame, die alleine in ihrem Haus lebt, lautet:

„Der liebe Gott will mich noch nicht”

Die Bildautorin hat an der Uni in Hannover Architektur studiert und viele Jahre als Architektin gearbeitet. „Irgendwann kam die Erstellung von Webseiten hinzu. In der Zeit bin ich von der analogen zur digitalen Fotografie gekommen und begann, mich intensiv mit künstlerischer Fotografie und der Erstellung von Serien auseinander zu setzen. Mein Thema ist der Mensch mit seinen Geschichten, seiner Unergründlichkeit und seiner Verrücktheit“, sagt Frau Niemeyer, die in Bergisch Gladbach lebt. Weiterlesen

[Bewegtbild] Jürgen Scriba: Timelaps

Zeitraffer wie sie J. Scriba versteht
Martina Mettner: Am Anfang stand nicht die Fotografie, sondern ein Physikstudium.

Jürgen Scriba: Was auch sinnvoll ist, weil es einem grundsätzlich beibringt, akribisch Sachverhalte zu erkunden. Egal, ob man nun Halbleiterstrukturen untersucht oder eine Kamera benutzt – als Messinstrument, um zu verstehen, wie bestimmte Sachen funktionieren. Ich habe auch schon oft Menschen fotografiert, mich ihnen aber immer über die Situation und den Raum genähert.

Menschen als Strukturmuster, nicht als Individuen.

Ich habe zum Beispiel das Paternoster-Projekt in einer Versicherung gemacht, wo ich eine Situation erzeuge, indem ich die Kamera aufbaue und den Leuten sage, an der Stelle werdet ihr fotografiert. Mich interessieren immer die Menschen in ihrem Verhalten an einem bestimmten Ort, ob das nun der Hamburger Flughafen oder der Berliner Hauptbahnhof oder ein Museum in München ist. Das ist schon eine Laborsituation. Gerade bei dem Paternoster-Projekt habe ich als Fotograf eigentlich gar keine Funktion, da die Kamera automatisch auslöst, wenn der Paternoster in einer bestimmten Position ist. Die Leute wissen, wann und wo sie fotografiert werden und haben dadurch eine rudimentäre Kontrolle. Ich habe keine Kontrolle darüber, was sie machen und interagiere auch nicht. Ich war total verblüfft, welch tolle Porträts dabei herauskommen. Gerade in der strengen Struktur der Montage wird für mich das Individuum besonders sichtbar.
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Fotograf Kai Löffelbein über Bewegtbild

Bewegtbild (Screenshot Hidden Hong Kong)
Martina Mettner: Gerne würde ich mit Ihnen die Erweiterung der Fotografie in Richtung Bewegtbild besprechen. Sie haben diese wunderbare Arbeit über die Cage People in Hongkong veröffentlicht, bei der Sie mittels Ton, Überblendungen und ein wenig Bewegtbild einen sehr lebendigen Eindruck erzielen, obwohl es eigentlich fast nur Stehbilder sind.

Kai Löffelbein: Ich liebe die Kraft der Fotografie. Als Fotograf einer Multimediaproduktion setze ich Bewegtbilder nur dann ein, wenn sie dort meiner Meinung nach Sinn ergeben. Multimediale Geschichten unterscheiden sich in der Aufbereitung und auch im Produktionsprozess von der „reinen“ Fotografie. Multimedia ist ein weiteres Werkzeug, das uns Fotografen an die Hand gegeben wurde, um Geschichten auf eine andere Art erzählen zu können. Durch die Möglichkeit, Interviews zu führen, Texte einzubauen, Statistiken aufzubereiten, Musik und O-Ton zu verwenden, lassen sich Informationen vermitteln, die in Fotos so nicht enthalten sind.
Multimedia bietet mir Raum, mich künstlerisch in mehreren Dimensionen ausleben. Alleine eine gute Multimedia zu machen, ist eine große Herausforderung. Man braucht ganz viel Zeit, denn man kann nicht alles gleichzeitig tun. Als erstes fotografiere ich und mache Videos, wenn ich dies passend finde. Dann führe ich Interviews und nehme alle möglichen Geräusche auf, die ich später eventuell verwenden kann. Allein für die O-Töne bin ich tagelang durch Hongkong gelaufen.

Hidden Hong Kong

Wie kamen Sie auf das Thema?

Anfang 2012 habe ich einen Fernsehbeitrag über die Cage People gesehen. Vielleicht war das auf Al Jazeera, die senden gute Dokumentationen. Diese unglaublich beengten Wohnverhältnisse fand ich visuell sehr spannend, Metropolen ziehen mich ohnehin an. Diese Menschenmassen, diese klaustrophobische Stimmung. Man sieht diese Käfige nicht, wenn man durch Hongkong läuft, sondern nur riesige Fassaden, und hinter jedem Fenster gibt es so viele Schicksale.

Wie sind Sie an die Leute herangekommen?

Ich habe mit SOCO zusammengearbeitet, einer Hilfsorganisation, die Menschen in schwierigen Wohnsituationen betreut und die mir in Hongkong viele Türen geöffnet hat. Wenn man mit einer NGO zusammenarbeitet, heißt dass aber auch, dass man sich dem Alltag der NGO anpassen muss. Viele Dinge laufen anders ab, als wenn man alleine und dem eigenem Zeitplan verpflichtet arbeitet.

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Lassen Sie uns über das Licht sprechen. Das ist bei Ihnen ja oft auch Thema innerhalb des Motivs oder auch speziell bei der Multimediaarbeit, wo flackerndes Kellerlicht oder Neonreklamen über Stehbildern erscheinen. Arbeiten Sie überhaupt mit Kunstlicht?

Nein, ich arbeite nicht mit Kunstlicht, außer wenn ich Porträts fotografiere. Sonst nehme ich das vorhandene Licht. Das macht für mich einen Großteil der Stimmung und des Bildes aus. Die Lichtstimmung kann beim Betrachter Emotionen, die ich übertragen will, auslösen.
Man sieht, dass Sie sensibel mit optischen Phänomenen wie Licht, Dunkel, Rauch umgehen.
Das ist für mich auch extrem wichtig. Bei allem journalistischen Inhalt geht es ja immer um Bilder; meine sollen auch Schönheit und Poesie besitzen, Emotionen transportieren, ohne plakativ zu sein. Ob mir das immer gelingt, weiß ich nicht.

Gibt es zum Schluss noch einen Tipp, den Sie weitergeben können?

Ich mag gut vorbereitete, gut durchdachte, intelligente Projekte. Es ist essenziell wichtig, sorgfältig zu recherchieren, bevor man irgendwohin fliegt. Trotzdem sollte man auch nicht ewig überlegen: Was gab es schon und was nicht? Hat nicht Fotograf XY so etwas Ähnliches gemacht? Wer könnte meine Geschichte kaufen? Ich finde: Einfach mal anfangen.

Kai Löffelbein, Jahrgang 1981, studierte zunächst in Berlin Politikwissenschaft und später Fotojournalismus und Dokumentarfotografie an der FH Hannover. Seit 2007 arbeitet er als freier Fotograf für Magazine. Ein Bildband über sein großes Thema Elektroschrott ist seit längerer Zeit bei Steidl angekündigt.

Wer fotografiert hat mehr vom Leben

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Wie Sie mittels Ihrer Kamera Ihren Alltag bereichern und Reisen intensiver erleben können, lesen Sie im E-Book „Wer fotografiert hat mehr vom Leben“.

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Fotografieren Sie gerne? Wollten Sie in Ihrer Jugend Fotograf/in werden? Siegte die Vernunft über die Wunschvorstellung und Sie fragen sich bis heute, wie es wohl wäre, so richtig in die Fotografie einzutauchen?

Haben Sie den Gedanken, Ihr Leben aktiver zu gestalten? Leben Sie alleine und wären gerne mehr in Kontakt mit realen Personen? Sind Sie schüchtern? Würden Sie gerne zwanglos üben, andere anzusprechen und leichter Kontakte herzustellen, um Ihre beruflichen und sozialen Chancen zu verbessern?

Ist Ihr Leben hektisch? Mangelt es Ihnen an kleinen Fluchten aus dem Alltag? An Möglichkeiten, sich zu entschleunigen, ohne dazu wochenlang in Urlaub zu fahren? Wollen Sie etwas Beeindruckendes nur für sich tun? Etwas, das Sie fordert und beglückt, aber kein Sport ist?

Haben Sie das Bedürfnis, Dinge zu erforschen oder Länder zu bereisen und darüber etwas mitzuteilen? Suchen Sie nach neuen Wegen beim Reisen? Wie gut kennen Sie überhaupt Ihre Umgebung? Denken Sie, Achtsamkeit wäre wichtig, aber Sie müssten dafür mit dem Meditieren anfangen?

Wollten Sie schon immer der Held /die Heldin einer eigenen Geschichte sein?
Dann legen Sie jetzt los! Ich behaupte nämlich:

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In meinem aktuellen E-Book wende ich mich an Hobbyfotografen, die ihr Leben bereichern und zugleich fotografisch ein höheres Level erreichen möchten. Das ist vielleicht nicht bequem, kann aber ziemlich glücklich machen. Bildlich gesprochen möchte ich Sie vom fotografischen Fast Food zum hausgemachten Schmorbraten verführen. Haben Sie Lust, etwas Gehaltvolles entstehen zu lassen? Dann lesen Sie mehr über das Wie. Das E-Book im PDF-Format biete ich in der derzeitigen Version kostenlos an. Tragen Sie sich ein und erhalten Sie das E-Book (PDF) sowie monatlich eine Nachricht über neue Artikel und weitere Anregungen. Den Newsletter können Sie natürlich jederzeit ganz einfach abbestellen.

Robbins/Becher: Displacements

Bis zum 11. September 2016 ist im Rahmen der Photo España im Museo ICO in Madrid eine große Retrospektive des Fotografenpaares Andrea Robbins und Max Becher zu sehen. Seit Mitte der Neunziger entstanden Arbeiten, die Topoi oder kulturell aufgeladene Versatzstücke, vor allem architektonischer Art behandeln. Die Serie „Bavarian by Law“, 1995/96 dokumentiert einen amerikanischen Ort, der aus touristischen Gründen bavarisiert wurde. „The East’s West“ zeigt europäisch anmutende Siedlungen in Asien – bis hin zum „Nachbau“ von Paris – und „Global Village“ entführt in eine Armensiedlung, dazu dienend, Spenden für die Dritte Welt zu sammeln.
Die erste getuschelte Frage der Kollegen in der Ausstellung war: „Warum die hellblauen Bilderrahmen?“ Weil die bei der Serie „770“ für die Farbe Israels stehen, wie mir Max Becher erklärte, und sie sich immer für zum Thema farbig passende Rahmen entscheiden. Das hat in der Ausstellung den Vorteil, dass sich die einzelnen Serien leicht voneinander trennen lassen, ist aber bei dominanten Rahmenfarben etwas ablenkend.

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Susan Meiselas: Carrying the Past, Forward

Verfolgung, Vertreibung, Flucht, Verlust von Heimat und Familie – die amerikanische Fotojournalistin Susan Meiselas (*1948) dokumentiert seit Jahrzehnten Themen, die derzeit die Schlagzeilen beherrschen. Mit ihren Arbeiten präsentiert das Fotografie Forum Frankfurt einen multimedialen Dialog über Orte und Menschen, die fortwährend von Zwangsmigration durch Krieg, Gewalt oder ökonomische Umstände betroffen sind. Susan
Meiselas ist bekannt für ihren besonderen dokumentarischen Stil und ihr visuelles Storytelling: Die Magnum-Fotografin ergänzt ihre Fotografien vielfach mit Interviews, handgemachten Erinnerungsbüchern, Filmen, Projektionen und Archivmaterialien. Collagenartig hält sie so historische Ereignisse fest – und zugleich die damit verbundenen Schicksale von Menschen.

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Christiane Birr: Wissensspeicher

Vom Papier zu digitalen Daten

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Das Langzeitprojekt von Workshopteilnehmerin Christiane Birr spürt dem medialen Wandel nach, ausgehend von der Faszination alter Bücher und deren Konservierung zu ihrer Übersetzung in das digitale Universum, in denen neue Leser sie erwarten. Sie schreibt dazu:

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Christine Pfeffer: „Du fehlst!“

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Unfallkreuze als private Gedenkstätten im öffentlichen Raum

Sie markieren einen Ort, an dem ein Mensch verstorben ist – nach einem Verkehrsunfall, einem Herzinfarkt, einer Gewalttat, einem Blitzschlag oder einem anderen, nicht vorhersehbaren Ereignis. Unfallkreuze im öffentlichen Raum verweisen ganz konkret auf ein Memento mori: Der von Angehörigen liebevoll ausgestaltete Ort des Sterbens bezeugt, dass der Tod jeden zu jeder Zeit in unserer Alltagswelt treffen kann – nicht nur an besonderen Orten wie in Krankenhäusern, in Altenheimen und in Hospizen; nicht nur nach langer Krankheit oder im hohen Alter. Anders als auf Friedhöfen, die man bewusst zu bestimmten Anlässen betritt, werden wir mit diesen Todessymbolen nicht selten unerwartet konfrontiert: Plötzlich sehen wir eines am Straßenrand und erkennen, dass es auch uns treffen kann …

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Jessica Fulford-Dobson: Skate Girls of Kabul

Copyright © 2015 Skate Girls Of Kabul by Jessica Fulford-Dobson

Copyright © 2015 Skate Girls Of Kabul by Jessica Fulford-Dobson

Am 4. Dezember 2015 wird bei Pavlovs Dog, einer Galerie in Berlin, eine Ausstellung über ein wirklich großartiges Fotoprojekt eröffnet. Inzwischen mehrfach mit Preisen bedacht, zeigt die Initiative der Londoner Porträtfotografin Jessica Fulford-Dobson einmal mehr, dass sich der Einsatz für ein originelles persönliches Projekt lohnt: großartige Bilder, viel internationale Aufmerksamkeit. In der Pressemitteilung der Galerie heißt es: Weiterlesen

Wolfgang Strassl: East Jerusalem Landscapes

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The Wall, here as a fence with military road, near the expansion of the Giv’at Ze’ev settlement. The Palestinian towns of Beituniya and Ramallah are on the the hilltop in the distance.

(Scroll for English text.)

Jerusalem steht mehr denn je im Brennpunkt des Nahost-Konflikts. Dabei sind es insbesondere die von Israel besetzten Gebiete in Ostjerusalem und der umliegenden Westbank, wo die humanitären Auswirkungen dieses Konflikts ihre Spuren und Narben nicht nur bei den Menschen, sondern auch in der urbanen Landschaft hinterlassen haben. Es ist ein karges, im gleißenden Licht oft monochrom wirkendes Land am Rande der judäischen Wüste, um das hier seit Jahrzehnten gerungen wird. Die palästinensische Bevölkerung und die israelischen Siedler leben hier nebeneinander, unter grundverschiedenen Lebensbedingungen, in feindlicher Nachbarschaft und voneinander abgeschottet durch Mauern und Stacheldrahtzäune. Weiterlesen

FOG Plattform und Magazin für Dokumentarfotografie

Jetzt noch schnell beim Crowdfunding beteiligen oder später Mitglied werden. FOG soll eine unabhängige, publizistische Non-Profit-Plattform werden, deren Inhalte regelmäßig im Internet sowie als Magazin veröffentlicht werden. Die Projekte setzen sich aus Fotoessays, Reportagen, Interviews, Multimedia-Features und Dokumentarfilmen zusammen. Durch ein Abonnement-System soll eine innovative Finanzierungsform für dokumentarische Projekte entstehen.

In Erweiterung der heutigen Markt- und Verwertungslogiken sowohl im Journalismus als auch in der Kunst, möchte FOG multimediale Arbeiten an der Schnittstelle des dokumentarischen und künstlerischen fördern und präsentieren. Sie wollen dabei die Aufmerksamkeit auf Themen richten, die in der Schnelllebigkeit des Massenjournalismus keinen Platz haben. So werden beispielsweise Reportagefotografien im Web durch Interviews, Filmaufnahmen und Texte zu einer Multimedia-Arbeit ergänzt. Dadurch entsteht eine für das Internet optimierte Erzählweise, die den Betrachter für dokumentarische Arbeiten begeistern soll.

twitter.com/FOGPlatform
facebook.com/fog.platform

Andreas Meichsner: Auf Herz und Nieren

Toaster im TÜV-Test. Aus der prämierten Serie von Andreas Meichsner

Heute Morgen wurden die diesjährigen Gewinner des PUNKT-Preises bekannt gegeben: Andreas Meichsner erhält den Preis in der Kategorie Foto für seine Serie „Auf Herz und Nieren“. Mit dem Preis für Technikjournalismus und Technikfotografie PUNKT prämiert acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften seit 2005 herausragende Text- und Bildbeiträge. Die Sparten und das Stipendium sind mit jeweils 5.000 Euro dotiert. Die Preisverleihung findet im Rahmen der acatech Festveranstaltung am 16. Oktober in Berlin statt.
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Ursula Müller: Was bleibt?

Gibt es Zufälle? Vielleicht nicht. Auf jeden Fall gibt es immer wieder Fotografinnen und Fotografen zu entdecken, die großes Potenzial haben, aber (noch) wenig bekannt sind. Ursula Müllers Webseite fand ich zufällig bei der Vorbereitung auf einen Vortrag, den ich am 19. April in Zürich hielt. Ihre Fotoarbeit „Was bleibt?“ berührt mich sehr. Endlich einmal keine „Position“, die vertreten wird, sondern eine gefühlvolle Auseinandersetzung mit dem Leben einer Frau über Achtzig, mit dem, was von ihr zu sehen bleibt, wenn sie gegangen ist.

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René Zieger: B wie Berlin

"Auf dem Dach des neuen Kreuzberger Zentrums, einem recht gewöhnungsbedürftigen Bau aus den späten Sechzigern. Bekannt auch als das Möbel Olfe Haus."

Manchmal sieht man, ohne danach zu suchen, die Arbeiten eines Fotografen und ist spontan interessiert. So ging es mir mit René Zieger, der gerade mit seiner Arbeit über den Braunkohleabbau in Ostdeutschland, „Retired Soil“, auf einer relativ neuen Plattform für spannende dokumentarische Fotoprojekte präsentiert wird. Sie heißt sinngerweise Emerge (mit einem Accent an einer Stelle, an der man es nicht versteht), und ist definitiv zur Beobachtung empfohlen.

René Zieger wurde 1980 in Dresden geboren. Von 2003 bis 2010 studierte er Fotografie an der HTW Berlin bei Prof. Manfred Paul. Seine Abschlussarbeit „Retired Soil“ wird im Frühjahr diesen Jahres erstmals außerhalb Berlins zu sehen sein (31. März bis 24. Juni 2012 in Ulm). „Während des Studiums habe ich in der Agentur Ostkreuz gearbeitet, welche mich seit 2007 als Archivfotograf vertritt“, berichtet der Fotograf. „Zurzeit arbeite ich mit Hilfe eines Stipendums der VG Bildkunst an einem neuen Projekt über den Goldbergbau in Rumänien.“

Für die Veröffentlichung hier auf Fotofeinkost fiel die Wahl auf eine 24-Stunden-Berlin-Geschichte. Sie überzeugt durch die Beschränkung auf einen Kiez, nämlich den um das Kottbusser Tor in Kreuzberg, in dem der Fotograf auch selbst lebt. Diese Vertrautheit spiegelt sich in den Aufnahmen. Zudem wählte René Zieger just diesen Teil von Berlin, „weil das Gemisch an unterschiedlichen Leuten und verschiedenster Architektur wohl auch für Berliner Verhältnisse einzigartig ist.“  Da steht das Detail für das Ganze und hebt diese kleine Serie aus den üblichen Berlin-Fotos weit heraus. Auf mehr und Neues von René Zieger darf man gespannt sein.

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Michel Campeau: Darkrooms, Robert Morat Galerie

Michel Campeau: Darkrooms

In der Galerie Robert Morat in Hamburg läuft noch bis zum 29. Oktober 2011 eine Ausstellung mit den Arbeiten des kanadischen Fotografen Michel Campeau. Dieser hat in Dunkelkammern  fotografiert und viele werden denken, auf die Idee hätten sie auch kommen können. Wer die analoge Fotografie im eigenen Labor aktiv betrieben hat, wird sicherlich ein wenig sentimental beim Anblick von Campeaus Serie. Es ist ein Verdienst, dass er die Gerüche und Improvisationskunst, die Chemiereste und die in der Luft liegende künstlerische Inspiration des Laboranten so wunderbar eingefangen hat. Martin Parr machte den 1948 geborenen und in Montreal lebenden Fotografen durch die Publikation der Arbeiten in einem Bildband bei Nazraeli Press international bekannt.

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Serhiy Voloshyn: Verbindung

Vor einigen Tagen erhielt ich eine Email, die so endete: „Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, worum genau ich Sie bitte.“ Ich sah mir die beigefügten Straßenporträts an, die teilweise ungewöhnlich intensiv waren, was mich spontan begeisterte. Serhiy Voloshyn ist als Fotograf ein Rohdiamant. Er ist noch ungeübt in der Bildauswahl, aber er hat, was entscheidend ist, ein Gefühl für Themen und Menschen. Das lässt ihn viele Anfängerfehler gar nicht erst machen. Zum Beispiel den, die Technik überzubewerten oder sich an einer amateurigen Ästhetik zu orientieren, die wiederum auf oftmals hilflose Weise die kommerzielle Fotografie imitiert.

Ich bin auf Ihre Internetseite übrigens schon vor vier Jahren gestoßen und sie war für mich eine große Hilfe, um anzufangen. Alleine die zehn Photographen, die sie aufgeführt haben, die man als erstes kennen lernen sollte, sind eine geniale Hilfe. Dann die Ratschläge in Konzepten, Projekten zu arbeiten, nicht ins Ausland oder zu exotischen Orten auf der Suche nach schönen Fotos zu gehen, sondern in eigener Umgebung zu arbeiten und viele andere sind Gold wert. Ich danke Ihnen dafür herzlich.

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Edward Burtynsky: OIL

© Edward Burtynsky, courtesy Stefan Röpke, Köln + Nicholas Metivier, Toronto

Shipbreaking # 13, Chittagong, Bangladesh, 2000 © Edward Burtynsky, courtesy Stefan Röpke, Köln + Nicholas Metivier, Toronto

Es fängt mit dem Ende an – dem Abwracken der Öltanker in Bangladesch, an einem der gefährlichsten, aber für den Außenstehenden auch visuell aufregendsten Arbeitsplatz der Welt. Der Fotograf Edward Burtynsky (geb. 1955) zeigt eine surreal anmutende Kombination aus Landschaft und Architektur im Sonnenuntergang. Das Motiv ziert die Einladungskarte und das Plakat der kleinen, äusserst feinen Ausstellung, mit der die Altana Kulturstiftung in Bad Homburg vor den Toren Frankfurts aufwartet. Die erste Einzelausstellung des international bekannten kanadischen Fotografen in einem Museum, dem schick renovierten Sinclair-Haus, ist noch bis zum 10. April 2011 zu sehen.

SOCAR Oil Fields # 3, Baku, Azerbaijan, 2006 © Edward Burtynsky, courtesy Stefan Röpke, Köln + Nicholas Metivier, Toronto

SOCAR Oil Fields # 3, Baku, Azerbaijan, 2006 © Edward Burtynsky, courtesy Stefan Röpke, Köln + Nicholas Metivier, Toronto

Oil Refineries #23, Oakville, Ontario, Canada, 1999 © Edward Burtynsky, courtesy Stefan Röpke, Köln + Nicholas Metivier, Toronto

Oil Refineries #23, Oakville, Ontario, Canada, 1999 © Edward Burtynsky, courtesy Stefan Röpke, Köln + Nicholas Metivier, Toronto

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