Kategorie: Im Fokus

Aktuelle Bücher, Ausstellungen, Festivals

Michael Wolf fotografiert nicht mehr

Pressefoto Michael Wolf

Der 64-jährige Fotograf starb in den frühen Morgenstunden des letzten Donnerstags (25. April 2019) im Schlaf in seinem Apartment auf der Insel Cheung Chau in Hongkong, wie seine Frau Barbara Wolf der Deutschen Presse-Agentur berichtete.

Vom Journalismus in den Kunstmarkt

1954 in München geboren, wuchs er ab 1955 in den USA auf. Maßgeblich für seine Laufbahn war der Entschluss, 1973 aus Kalifornien nach Deutschland zu kommen, um bei Otto Steinert in Essen zu studieren. So eine Art Karrieregarant für Fotografen, zumindest im Rückblick. Nach seinem Examen 1977 arbeitete er zunächst als freier Fotograf für verschiedene Zeitschriften und Unternehmen.

Die Karriere von Michael Wolf bietet ein bewunderungswürdiges Exempel, wie der Weg vom Journalismus in den Kunstmarkt gelingen kann. 2012 hätte ich mich sehr gerne intensiv mit ihm für mein Buch „Fotografie mit Leidenschaft“ mit dem Untertitel „Vom Abbilden zum künstlerischen Ausdruck“ befasst und ihn ausführlich dazu befragen wollen. Vermeintlich aus Zeitgründen lehnte er das ab.

Pressemotiv von Michael Wolf, Frau hinter Glasscheibe

Michael Wolf, Tokyo Compression, Tokyo, 2010-2013 © Michael Wolf 2018

Wie bei anderen ehemaligen Steinert-Studenten, wollte ich mehr über die Prägung durch Steinerts Drill, aber auch über Wolfs familiären Hintergrund erfahren. Seine Frau Barbara wird als professionelle Bildredakteurin sicherlich direkten oder indirekten Einfluss gehabt haben. Oft ist eine solche Hinterfragung aber gar nicht gewünscht, denn zum Erfolg auf dem Kunstmarkt gehört eben auch eine gewisse Mystifizierung.

Zunächst wurde Wolf in der Bildbranche bekannt, als er 1981 mit Mark Izikowitz und Wolfgang Staiger die Fotoagentur Anthrazit gründete. Sechs Jahre später wurde er Mitglied und Gesellschafter bei der Bildagentur Visum. „Nach einem längeren Aufenthalt in Hongkong 1994 entschloss er sich ein Jahr später zur Übersiedelung in die damalige britische Kronkolonie und wurde Stern-Vertragsfotograf für Asien. Seit 1995 hat er mehrfach China für Fotoreportagen bereist“, heißt es im biografischen Eintrag beim Stern. 2003 endete dann die Magazinarbeit aus den bekannten Gründen (Krise der Printmagazine) und Wolf wandte sich freien Projekten zu.


Interview vom Anfang des Jahres mit hektischer Moderatorin.

2011 auf der Buchmesse: Die Bildbände von Michael Wolf „Tokyo Compression“ und „Real Fake Art“ bei Peperoni Books.

In Hongkong entstanden die bekannten seiner fotografischen Serien – abgesehen von „Tokyo Compression“, den vielfach publizierten Aufnahmen von Menschen in einer Bahnlinie zwischen den Tokyoter Vororten und dem Zentrum der Metropole.

Seinen Verleger und Freund Hannes Wanderer (Peperoni Books) hat er nicht lange überlebt. Mitten im Erfolg einer großen Retrospektive (Link zu den Deichtorhallen) und eines neuen Bildbandes im Schlaf aus dem Leben zu gehen, ist, seien wir ehrlich, eigentlich beneidenswert. Michael Wolf hätte man gewünscht, seinen Erfolg und seine Freude am Entdecken von Motiven noch viel länger genießen zu können.

Artikelbild (Startseite): Michael Wolf, Architecture of Density, Hong Kong, 2003-2014 © Michael Wolf 2018

Zurück zur Moderne: Wo das Bauhaus Schule machte

Bauhaus mit Baum

In der flachen Landschaft liegt Nebel über Wiesen und Äckern. Dicke grüne Kugeln hängen in den unbelaubten Bäumen. Misteln sind Halbschmarotzer. Nicht gut für den Baum, aber optisch attraktiv. Und um das schlichte Schöne geht es bei dieser Reise nach Dessau und Magdeburg.

Bauhaus mit Baum

Der Besuch des Bauhauses in Dessau stand schon seit meiner Studienzeit auf der Must-See-List, die damals noch nicht so und auch noch nicht „Bucketlist“ hieß. Das hundertjährige Jubiläum des Bauhauses 2019 war nun Anlass zur Reise nach Sachsen-Anhalt. 1919 in Weimar als staatliches Bauhaus gegründet, musste es dort 1925 aus politischen Gründen schließen. Unter den Städten, die das Bauhaus aufnehmen wollten, fiel die Wahl auf das aufstrebende Industriestädtchen Dessau, weil hier sowohl das Schulgebäude als auch die Wohnhäuser für die Lehrer (die Meisterhäuser) neu nach den Vorstellungen von Walter Gropius realisiert werden konnten. Zudem bestanden in Dessau unter anderem seit 1915 die Junkers Flugzeug- und Motorenwerke. Die Stahlrohrmöbel sind ohne Junkers gar nicht zu denken. Marcel Breuer entwickelte den berühmten und erfolgreichen Wassily-Sessel mit dem Schlossermeister Karl Körner in den Junkerswerken. Die Bestuhlung der Aula in Dessau ist ebenfalls von Flugzeugausstattungen inspiriert. Alles leicht und modern – auch heute noch.

Fotografien veröffentlichen verboten

Man besucht das Bauhaus im Rahmen einer Führung. Allerdings rechnete ich nicht damit, dass gegen Ende März Bauarbeiten noch in vollem Gange sind. Laufende Festivals schränken die Besichtigungsoptionen potenziell stark ein. Bei der Führung durchs Haupthaus konnte man normale Tourbereiche nicht sehen und schon gar nichts fotografieren. Obwohl es sich bei der Schule in Dessau um eine kommunale Einrichtung handelt und innen alles neu rekonstruiert ist, liegen die Rechte für das Haus bei den Erben von Walter Gropius, dem ersten Direktor in Dessau. Ihm folgten Hannes Meyer und Mies van der Rohe, der das Bauhaus nach seiner Schließung auf Antrag der NSDAP im August 1932 noch für einige Monate in Berlin als private Schule führte. Selbst für persönliche Aufnahmen braucht man eine kostenpflichtige Genehmigung und muss unterschreiben, die Fotos nicht im Internet zu veröffentlichen. Das ist nicht #moderndenken, sondern absurd.   

Die Meisterhäuser hinter Planen

Die zusätzliche Führung zu den Meisterhäusern war sehr enttäuschend. Obwohl erst 2008 saniert, waren die drei erhaltenen Meisterhäuser unter Planen verborgen und das ganze Gebiet im Kiefernwäldchen mehr Baustelle als Museum. Ab Ostern sei man dann besichtigungsbereit hieß es. Das neu erbaute Bauhaus-Museum in Dessau wird wohl erst im Herbst fertig gestellt.

Das Wohnhaus von Walter Gropius und das von Moholy-Nagy sind Neubauten. Man hat aber nur die Außenhülle aufgebaut, nicht das Haus als solches rekonstruiert. Ein wichtiger Part des Originals waren die Fenster zum Kiefernwald mit den Durchblicken von innen und den Spiegelungen von außen. Das fehlt nun völlig. Die ehemaligen Glasflächen sind matt und undurchsichtig, als Zeichen für die Wahrung und Markierung der Historie. Beide Häuser waren im Krieg zerstört worden und auf den Grundmauern des Gropius-Hauses mussten die Käufer des Grundstücks dann etwas ganz Hässliches bauen. Das ist nun zum Glück abgerissen und durch den kritischen Wiederaufbau ersetzt. Wenn die Planen fallen, sollte das Ensemble der weißen Kuben wieder in frischem Glanz erstrahlen.

Man kann im Bauhaus angeblich auch übernachten. In der Mensa essen auch. Aber das ist wirklich nur für jene zu empfehlen, die Kantinenessen gewohnt sind. 

Die Moderne im Dessau des 18. Jahrhunderts

Eine Fahrt nach Dessau sollte man möglichst mehrtägig planen. Knapp einen Tag braucht man für das Bauhaus. Da passt eventuell noch ein Besuch im Technikmuseum „Hugo Junkers“ rein (letzter Einlass 16 Uhr – habe es leider nicht angesehen).

Aus meiner Sicht lohnt sich auf jeden Fall die Kombination mit dem Besuch des Gartenreichs Dessau-Wörlitz. Auch dort war zur Saisoneröffnung die neue Georg Forster-Ausstellung im Schloss noch lange nicht fertig, aber im Park blühten auf den Wiesen die wilden Krokusse – und man konnte fotografieren!

Gartenreich Dessau-Wörlitz

Wiese mit Krokussen im Gartenreich Dessau-Wörlitz zum Frühlingsfest am 23. März 2019. Im Hintergrund das Gotische Haus.

Dessau-Wörlitz Figur am Wasser

Im wasserreichen englischen Landschaftsgarten am Schloss Wörlitz

Warum Park und warum dieser? Grün ist es auch anderswo, aber dieser Park bietet lebendige Bilder. Alles ist nach den idealen Landschaften in der Malerei der Renaissance angelegt. Die Wörlitzer Anlagen sind ein Gesamtkunstwerk mit Wasserflächen, alten Bäumen und architektonischen Elementen in den Sichtachsen. Ab 1764 ließ Leopold III Friedrich Franz von Anhalt-Dessau (1740-1817) den Landschaftsgarten im englischen Stil anlegen. Vorbild war Stourhead in Südengland, das er besucht hatte. Von Beginn an waren die Wörlitzer Gärten für jedermann frei zugänglich. Das kleine Fürstentum wurde zum  Reiseziel bedeutender Zeitgenossen wie Goethe und auch jenem Georg Forster, der mit Cook um die Welt gesegelt war und als der Mensch galt, der am meisten von der Welt gesehen hatte. Das Zeitalter der Aufklärung war eben auch modern. In Dessau kann man gleich zwei spannende UNESCO Welterbestätten besuchen. 2020 heißt es „20 Jahre Gartenträume“ in 50 historischen Parks.

Magdeburger Moderne – Das neue Bauen in der Elbestadt

Häuser mit Farbflächen

Madeburger Siedlung Reform, Bunte Strasse

Magdeburger Siedlungshäuser

Für Architekturinteressierte einen Abstecher wert ist die „Magdeburger Moderne“ in der Landeshauptstadt. Früher und konsequenter als andere deutsche Städte gab es unter dem sozialdemokratischen Bürgermeister modernen Wohnungsbau in der boomenden Industriestadt mit großer Wohnungsnot. 1921 wurde der Visionär Bruno Taut als Stadtbaurat in die Elbestadt berufen. Er entwickelte einen zukunftsweisenden Generalsiedlungsplan. Magdeburgs Arbeitersiedlungen galten in der Weimarer Republik in Gestalt, Funktion und Qualität als beispielhaft und die Stadthalle von Johannes Göderitz als ein Hauptwerk der klassischen Moderne. Zusammen mit dem Albinmüllerturm kündet sie von der „Stadt des neuen Bauwillens“.

Die Broschüre zur Magdeburger Moderne im Bauhaus Jubiläumsjahr zeigt Routen, die man mit dem Rad oder Auto abfahren kann.   

Erfolg als Fotograf 2019

In einem Buch über den Architekturfotografen Ezra Stoller gibt es das beeindruckende Bild, wie er auf einer LKW-Ladefläche mit Leitern ein Plateau für seine Großbildkamera gebaut hatte. Keine Ahnung, wie er da hinauf gekommen ist. Heute lösen Sie die große Übersicht weniger halsbrecherisch mit einer Drohne. Das macht bewußt: Es geht immer schneller, einen Auftrag auszuführen. Wer jetzt noch seine Zeit in Rechnung stellt, wird zusehends weniger verdienen.

Fotografen-Coaching 2019

Der Aufnahmeaufwand mag abnehmen, rasant wachsen jedoch die Anforderungen, aus Sicht der Kunden ein kompetenter und verlässlicher Anbieter visueller Lösungen zu sein. Dabei, dem Wandel in den beruflichen Anforderungen gerecht zu werden, möchte ich Fotografinnen und Fotografen 2019 noch besser unterstützen: Mit innovativen Honorarmodellen, Anleitung zur pointierteren Präsentation der eigenen Leistungen und dem Fokus auf Kundengewinnung und Kundenkommunikation. Dazu habe ich ein fünfwöchiges Coaching entwickelt, an dem man bequem von Zuhause aus teilnehmen kann.

Wer also seine Auftragslage zukünftig kontrollieren und den Wert seiner Arbeit statt der Zeit in Rechnung stellen möchte, sollte sich diese Seite genauer ansehen. Im Coaching geht es ab 7.2.2019 konzentriert um die oft als schwierig empfundenen Themen Kundengewinnung, Preisgestaltung und um eine Sache, die mir besonders wichtig ist, weil sie von allen unterschätzt wird: Das Schreiben von Angeboten. Was soll man da schon falsch machen? Ziemlich viel – ohne es zu merken.

Achtung: Beginn ist schon am 7.2.2019!

Es geht um Ihre Jobs, Ihre berufliche Perspektive, Ihren Erfolg als Fotograf 2019 und darüber hinaus!  Alle Informationen finden Sie hier: https://erfolg-als-fotograf.de/coaching/ Melden Sie sich gerne, falls Sie Fragen haben.

Frank Kunert: Memospiel „Kleinanzeigen“

Kunert zwei kartenpaare

Frank Kunert, den Fotografen und Baumeister skurriler Miniaturwelten, habe ich hier vor zehn Jahren erstmals vorgestellt und zuletzt über einen Besuch bei ihm berichtet. Sein in diesem Jahr erschienenes drittes Buch „Lifestyle“ wurde gerade mit dem Deutschen Fotobuchpreis in Silber ausgezeichnet. Und nun das! Ein Memospiel in Form und Haptik eines Aktenordners! Der Knaller für alle Kunert-Fans und Freunde von Legespielen.

Kunert Legespiel

Zu 36 seiner bekannten Motive hat Frank Kunert Anzeigentexte entworfen und schön gestaltet. Zu jeder Anzeige muss man das passende Bild finden, oder eben umgekehrt zum Bild die zugehörige Anzeige. Das ist durchaus anspruchsvoller als nur zwei gleiche Bilder aufzudecken wie bei Memory.

Kunert zwei Kartenpaare

Um Streitigkeiten unter Spielern aus dem Weg zu gehen, konsultiere man das beiliegende Booklet, in dem alle Bildpaare vorgestellt werden. Das Heft bietet auch ein gutes Intro für jene, die mit Frank Kunerts hintersinnigen kleinen Welten noch nicht so vertraut sind. Auch der Künstler und seine Arbeitsweise wird darin vorgestellt. Das Memospiel „Kleinanzeigen“ ist aus meiner Sicht ein originelles Weihnachtsgeschenk für Menschen mit Humor.
Kleinanzeigen Memospiel erschienen bei MeterMorphosen, 72 Karten im Langformat in der edlen Box, ISBN 978-3-934657-82-3, empfohlener Verkaufspreis 19,90 Euro über Ihre Buchhandlung oder direkt beim Fotografen.

Erfolg als Fotograf jetzt als E-Book

Cover E-Book

Würden Sie auch gerne Aufträge und neue Kunden fast wie auf Autopilot bekommen? Das ist gar nicht so schwierig, kostet nur etwas Überwindung. Sie sollten dazu nämlich einmal gründlich Ihre Business-Basics erarbeiten. Dabei unterstütze ich Sie seit 2002 in persönlichen Beratungsgesprächen und seit 2010 auch per Buch. So lange ist es her, dass die erste Ausgabe von „Erfolg als Fotograf – Wie man sein Können optimal präsentiert“ erschien. Seitdem hat es vielen Fotografierenden „die Augen geöffnet“, wie ich immer wieder bestätigt bekam. Und bestimmt auch zu weniger Sorgen und mehr Sicherheit bezüglich Selbstmarketing und Kundenkontakt verholfen.

HeutZitat aus Erfolg als Fotografe informieren sich Kunden schneller, kaufen (bzw. buchen Sie) aber bedächtiger. Da wird mehr verglichen und nach Argumenten geguckt als früher.

Wählerische Kunden

Erinnern Sie sich? Wenn Sie früher eine Reise gebucht haben, dann hatten Sie meist einen Prospekt mit ein bis drei winzigen Abbildungen des Hotels. Und trotzdem haben Sie sich entschieden. Heute erwarten Sie ein 360 Grad-Panorama und lesen wahrscheinlich erst einmal die Besprechungen auf unterschiedlichen Plattformen, bevor Sie ein Hotel oder auch nur ein Restaurant auswählen.

Diese Änderung in den Gewohnheiten hat gravierende Auswirkungen darauf, wie Sie sich online präsentieren sollten. Lange Ladezeiten, zu viele Bilder, aber kein Text (mithin fehlen dem Kunden Argumente, die für Sie sprechen!) sind ebenso ein Problem wie fehlende Referenzen – um nur diese Ihrem Business besonders abträglichen Punkte zu nennen.

Mehr solch Grundsätzliches und wie Sie es leicht optimieren können, erfahren Sie in meinem Workbook „Erfolg als Fotograf“, das nun auch zum Download im Format epub verfügbar ist. „Hören Sie auf, Fotos anzubieten!“ proklamiere ich etwas provokant im zweiten Buchkapitel, in dem ich auch erkläre, was ein Kostenvoranschlag enthält und wie die Situation für Seiteneinsteiger ist. Im dritten Kapitel geht es um Ihre Persönlichkeit als Kapital und wie Sie Ihr Profil erarbeiten. Wie Sie sichtbar werden, erläutere ich im Kapitel „Präsenz“ und bei „Präferenz“ geht es darum, wie Sie Kunden finden und binden. Gegen Ende arbeiten wir daran, wie Sie bekannter werden, aber auch, wie Sie mit Absagen umgehen. Das Buch schließt mit den 5 hartnäckigen Mythen, die Sie nun durchschauen.

Hier finden Sie weitere Infos samt einem Blick in das gedruckte Buch, dessen AuflZitat aus Erfolg als Fotografage sich zu Ende neigt.

Cover E-Book

Erhältlich zum Preis von 29,80 € nur auf Erfolg-als-Fotograf.de (klick aufs Bild). Inhaltlich ebenso umfangreich wie das über 200seitige gedruckte Buch zum Preis von 39,80 €.

 

Hannes Wanderer druckt nicht mehr

Hanes Wanderer Peperoni

Ein großer Verlust für die Fotografie

Am 11. September 2018 konnte man auf Facebook erfahren, dass Hannes Wanderer gestorben ist. Er war Verleger ungewöhnlicher Fotobücher (Peperoni Books), Drucker aus Passion, Inhaber eines Fotobuchladens in der Brunnenstraße in Berlin mit Onlinepräsenz namens 25Books – und Gauloises-Raucher.

Etliche Fotografinnen und Fotografen haben Wanderer viel zu verdanken. Mehr als nur das Publizieren eines Buches war es seine Verleger- und Herstellerkompetenz, seine Energie und sein rühriges Treiben, das deren Karriere beförderte. Er sah in den publizierten Fotoarbeiten etwas, das ihn ungeheuer begeisterte, und das er mit großem Enthusiasmus vertrat. Und dann meisterhaft zu Papier zu bringen verstand. Über 100 Bücher hat er verlegt, den Druck vorbereitet und überwacht.

Aufgewachsen in der Druckerei des Vaters in Bad Münder bei Hannover, waren die Geräusche (und Gerüche) der Offsetmaschine die Begleitmusik seiner Kindheit. Sein Bruder Jochen übernahm die seit 1899 bestehende Druckerei und baute sie zu einer führenden Adresse für Bildbände aus, während Hannes sich in Berlin niederließ und sich ab 2005 dem Verlegen von Fotobüchern widmete. Auf der Website der Druckerei Wanderer findet sich ein Beitrag zum 10jährigen Bestehen von Peperoni Books.

Hannes Wanderer, Buchmesse 2015

Hannes Wanderer auf seinem Buchmessestand 2015

„Dass Hannes Raubbau mit seiner Gesundheit trieb“, schreibt der Fotograf Andreas Trogisch, „sah jeder, der Augen hatte, was man ja gerade bei Fotografen voraussetzen kann. Für sie alle hat er gearbeitet, für ihre, unsere, meine Eitelkeit, in die Geschichte einzugehen mit einem Buch. Hannes ist auch für mich gestorben.“

Hannes Wanderers echte, nicht kommerziell, nicht strategisch ausgerichtete Begeisterung für Fotografie wird sehr fehlen.

Spielerische Ausstellungen in Madrid

Carta Blanca für Cristina de Middel zur PHotoESPAÑA 2018

Fotografin und Kuratorin Cristina de Middel schlecht beleuchtet

Cristina de Middel in der Ausstellung „Gran final mundial“ im Centro Cultural de la Villa, Madrid, vor einem Motiv von Prue Stent & Honey Long aus Australien.

Vor zwei Jahren hatte sie eine eigene Ausstellung im Centro Cultural de la Villa, in diesem Jahr durfte die 1975 in Alicante geborene Fotografin fünf Ausstellungen kuratieren. Dafür kehrte sie aus Lateinamerika nach Spanien zurück. Überhaupt ist die in Brasilien und in Mexiko Lebende eine der Rührigsten in der internationalen Fotoszene der letzten Jahre. Cristina de Middel ist überall, oder wie sie sagt, immer nur zwölf Stunden Flug vom nächsten Job entfernt.

Martin Parr war es, der ihr Projekt „Afronauts“, und damit sie selbst, international bekannt machte. Auf seinen Einfluß hin ist sie nun Nominee der berühmten Fotografenagentur Magnum. Und er ist auch ihr Co-Kurator bei der Ausstellung im Telefonica-Gebäude mit dem Titel „Player. Magnum Photographers come out to play“. Damit habe sie nun eine komplette Ausstellung in ihrer Magnum-Bewerbungsmappe, wie Cristina augenzwinkernd erklärte.

Innenansicht der Players-Ausstellung

Players, die Ausstellung mit Fotos der Agentur Magnum, ist aufgebaut wie ein Flipperautomat.

Foto aus der Players Ausstellung

Mein Favorit aus der Players-Schau ist dieses Motiv von Gueorgui Pinkhassov, London 1999.(Magnum Photos)

Bei einer Bildagentur, die laufend selbst Print-Verkäufe unter ein Motto stellt und bei der Andréa Holzherr als erfahrene Frau für die internationalen Ausstellungen verantwortlich ist, sollte es keine große Sache sein, eine solche Schau zusammenzustellen. Nun ja, bei der Menge an gutem Material und den zu berücksichtigenden Fotografenegos … Der Besucher ist jedenfalls angehalten, sich selbst durch die Ausstellung zu flippern.

Begin at the beginning, and go on till you come to the end: then stop.

Wie man „Spiel“ total theoretisch angehen kann, zeigt Kuratorin Hester Keijser aus den Niederlanden im CentroCentro Cibeles. Die bekannte Kuratorin wurde von Cristina eingeladen, eine der Ausstellungen zu übernehmen. Der obige Satz aus Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“ diente als Inspirationsquelle für Hesters Auswahl zeitgenössischer Fotografie, die sich – wie zu sehen ist – extrem weit von Fotografie entfernt.

Installation von Isabelle Wenzel, 1982 in Wuppertal geboren, die Artistin im doppelten Wortsinn ist. Ihre Arbeiten nennt sie „Performative Photographie“. Sie nimmt artistische Posen ein (siehe Bild im Hintergrund) und zeigt in Madrid ein Schachfeld als Referenz an „Alice in Wonderland“.

Ein schönes Beispiel sind die Stickbilder von Lana Mesic (1987 in Kroatien geboren, lebt in Rotterdam). Sie zeigen Londoner Banker, angefertigt nach einem Porträt, das sie am Ende eines Interviews aufnahm. Sie stickte so lange, wie das Interview dauerte. Eines der Porträts in der Serie ist daher nur angefangen.

Ein extremes Beispiel fürs Um-die-Ecke-denken oder „Des Kaisers neue Kleider“ liefert der Niederländer Jan van der Til (Jg. 1972). Statt Fotos hängte er lediglich ein A4-Blatt auf, das besagt, die Bilder seien aus Sicherheitsgründen entfernt worden. Er bekannte, über Typowahl, Text und Kontext wochenlang nachgedacht zu haben. Er möchte die Besucher der Ausstellung zum Nachdenken bringen. Wie interpretieren sie seinen Hinweis? Er wird es nicht erfahren! Kein Mensch wird den Zettel beachten, wäre mal meine Vermutung. Geschweige auf die Idee kommen, sich kompliziert auf die Webseite der Ausstellung zu begeben und dort die vielen Fragen zu finden, die er sich stellen soll.

Kuratorin Hester Keijser, Jan van der Til und rechts das Blatt: Konzeptkunst.

PHotoESPAÑA 2018: Gran final mundial

Bild aus der Ausstellung "Gran final mundial"

In Marrakesch fotografierte Hicham Benohoud „The Hole“, bei denen er Familien überredete, Löcher in ihre Wohnung zu schlagen und sich hineinzusetzen oder zu legen.

Überraschend und doch quasi bodenständig war die (schon ältere) Serie „The Hole“ des marokkanischen Künstlers Hicham Benohoud (Jg. 1968), die Cristina für die Gruppenschau „Gran final mundial“ im Centro Cultural ausgewählt hatte. Im Unterschied zu den sonst sehr verkopften Bildfindungen stecken hier reale Menschen in realen Löchern in ihrem eigenen Zuhause. Man sieht, dass Benohoud von der Bildhauerei kommt. Bei den Familien in Marrakesch rückte er mit Maurern, Fliesenlegern und Malern an, um nach dem Graben der Löcher alles wieder in einen ordentlichen Zustand zurückzuversetzen. (Das erfährt man allerdings erst bei der Internetrecherche aus einem französischen Artikel.) „Was die Akrobatik anbelangt“, erzählt er dort, „kam mir die Idee auf der Terrasse eines Cafés auf dem Platz Jemaa El-Fna: Eine Gruppe Akrobaten spielte vor einigen Touristen Nummern für ein paar Dirhams. Als ihre Show endete, bat ich sie, sie zu fotografieren, nicht in einem öffentlichen Raum, sondern Zuhause, mit ihren Verwandten, in ihrer Privatsphäre.“ Benohoud lebt in Casablanca und in Paris.

In „Gran final mundial“ wird mit der Referenz an die Fußball-WM gespielt und gedanklich der Idee gefolgt, bei Spielen im Erwachsenenalter ginge es ums Gewinnen, darum, der/die Beste zu sein. Sechs Vertreter aus sechs Kontinenten belegen das für die Kuratorin: Hicham Benohoud, Miguel Calderón, Ana Hell, Jason Fulford, Robert Zhao Renhui, Prue Stent & Honey Long (siehe auch meinen Instagram-Feed.)

Blick in die Ausstellung

„El mayor espectáculo del mundo“, Archive of Modern Conflict, Kurator: Kalev Erickson, London.

Die bestgemachte Ausstellung in Madrid

Beim Thema Spiel ist der Zirkus nicht weit. Oh je, Clowns! Die Ausstellung unter dem passenden Motto „The Greatest Show on Earth“ feiert mit Bildern aus einem umfangreichen, in London beheimateten Privatarchiv zugleich das 250ste Jubiläum des modernen Zirkus. Vorausgeschickt sei, dass mich weder historische Zeitungsfotos noch der Zirkus sonderlich interessieren. Aber diese Schau ist aus meiner Sicht die am besten zusammengestellte und präsentierte des diesjährigen Festivals.

Kurator Kalev Erickson arbeitet im Archive of Modern Conflict und ist mit Leidenschaft und ungeheuer viel visuellem Gespür an diese ziemlich heroische Aufgabe herangegangen. Mit Neugier fräste er sich durch die Unmengen an Material. Dabei gelang es ihm, dieses so zusammenzustellen, dass es selbst erklärend wird. Die Schichten der Bilder übereinander sind hier passend und lebendig. Die Entscheidungen, welche Bilder wandfüllend tapeziert werden sollen und welche kleiner besser wirken, waren sicher nicht einfach zu treffen. Er habe dann, obwohl das gar nicht abgesprochen war, am Ende noch Originale in Rahmen aufgehängt, erzählte er auf Nachfrage. Erickson hat in Madrid zur PhotoEspaña einen großartigen Job gemacht, vielleicht gerade, weil er nicht aus dem Kunst- und Ausstellungsbetrieb kommt.

Da quellen die Augen über bei so viel Bildmaterial, das in ein überzeugendes Wandlayout gebracht wurde.

Die dritte Ausstellung im Kulturzentrum bestreitet der 1962 in Nigeria geborene Fotograf Samuel Fosso mit Selbstporträts in den Rollen berühmter Persönlichkeiten, die im Laufe von vierzig Jahren entstanden. Seine Darstellung von Angela Davies ziert den Ausstellungskatalog des Festivals. Fosso war anwesend, ließ sich aber vor der Presse nicht blicken (ich sah ihn im Hotel beim Frühstück), sondern schickte seinen Kurator vor, Azu Nwagbogu, Gründer und Leiter des Fotofestivals von Lagos, Nigeria.

Blick in die Ausstellung mit Schwarzweißfotografien

Der elegante Senegal im Sala Goya des Circulo de Bellas Artes.

Der elegante Senegal

Unbedingt erwähnen muss ich beim Thema Afrika die wunderbare Ausstellung „El Senegal elegante“ mit 30 großen Abzügen von Porträts schöner Damen und Herren aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Aufgenommen von einem anonymen Fotografen aus und in Saint-Louis und zwar sowohl in den Wohnungen als auch im Freien. Das macht die Motive so viel sprechender als inszenierte Studioaufnahmen. 20 nicht bei einem Brand 1982 zerstörte Originale eines bekannten Studio-Fotografen mit dem Namen Mama Casset, gliedern sich im Sala Goya des Circulo de Bellas Artes an.

PHotoESPAÑA 2018 präsentiert vom 6. Juni bis 26. August 90 Ausstellungen mit Werken von 530 Künstlern und ein Programm von 21 professionellen und öffentlichen Aktivitäten, die an 80 Orten stattfinden.

Haubitz + Zoche: Modernistische Kinos und Kirchen in Südindien

modernistisches Kino, Indien

New Theatres, Trivandrum (2014) © Stefanie Zoche / VG Bildkunst

„Postkoloniale Erleuchtung“ heißt die Ausstellung der Arbeiten von Sabine Haubitz und Stefanie Zoche in Mannheim. ZEPHYR Raum für Fotografie zeigt vom 27. Mai bis 26. August 2018 Kirchen und Kinos in Südindien, die zwischen 1950 und 1970 in einer Spielart der modernistischen Architektur erbaut wurden. Sie entstanden, nachdem der Architekt Le Corbusier vom ersten Ministerpräsidenten des unabhängigen Indiens, Jawaharlal Nehru, den Auftrag erhalten hatte, Chandigarh zu gestalten, die neue Hauptstadt des Punjab.

PAX, modernistische Kirche in Indien

Our Lady of Miracles, Thoppumpady in Cochin (2014) © Stefanie Zoche / VG Bildkunst

Kino, Indien

Saptagiri, Hyderabad (2014) © Stefanie Zoche / VG Bildkunst

Modernistische Kirchen und eine reiche Kinokultur

Die Suche der beiden Künstlerinnen nach modernistischen Bauten begann 2010 in Keralas Hauptstadt Thiruvananthapuram im äußersten Süden Indiens. Auf drei Reisen in den Jahren 2010 bis 2014 dokumentierten Haubitz + Zoche diese Gebäude, deren Architektursprache man als eine hybride Moderne bezeichnen kann. Die Fotografien bezeugen eine reiche Kinokultur, die in Europa und Amerika schon verschwunden ist, und bald auch in Indien von Multiplexen verdrängt sein wird.
Die Arbeiten der 2014 tödlich verunglückten Sabine Haubitz und von Stefanie Zoche stehen in der Tradition deutscher Architekturfotografie mit ihrer formalen Strenge. Die Betrachter werden so zu vergleichendem Sehen animiert.

Kino, Indien

Alankar, Madurai (2014) © Stefanie Zoche / VG Bildkunst

Kirche, Indien

St. Anthony ́s Church, Peratta (2014) © Stefanie Zoche / VG Bildkunst

In der Ausstellung, die zum ersten Mal in Deutschland zu sehen ist, treffen die Serien der Kirchen und Kinos aufeinander. In beiden machen Haubitz + Zoche die Einflüsse verschiedener Kulturen und Epochen sichtbar und reflektieren so die dynamische Veränderung, die das Land prägt. Jenseits des Alltags scheinen Kinos wie Kirchen ihren jeweiligen Besuchern Orte ganz unterschiedlicher Erleuchtung anzubieten.

Eröffnung: Samstag, 26. Mai 2018, 19 Uhr
ZEPHYR – RAUM FÜR FOTOGRAFIE
Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim

Beitragsbild: St Joseph´s Chapel, Thuravoor (2014)
© Stefanie Zoche / VG Bildkunst

Falls Sie sich für modernistische Architektur interessieren, siehe auch diesen Beitrag.

August Sander Ausstellung in Paris

Kommen Sie in diesem Jahr nach Paris? Dann sollten Sie die bis zum 15. November 2018 laufende Ausstellung „Verfolgte/Verfolger, Menschen des 20. Jahrhunderts“ unbedingt einplanen. Sie wird ausgerichtet im Mémorial de la Shoah, der Gedenk- und Dokumentationsstätte für die Verfolgung der Juden in Frankreich. Ein unerwarteter Ort für eine Fotoausstellung mit Arbeiten von August Sander (1876-1964), zumal Sander kein Jude war. Aber ein sehr passender für seine Arbeiten aus der Zeit des Dritten Reiches und jene seines im kommunistischen Widerstand aktiven Sohnes Erich.

Frauenporträt von August Sander

August Sander, VI/44/5, Persécutée, Portfolio VI/44 — La Grande Ville, Persécutés, 1938. Tirage gélatino-argentique, 1990. © Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur – August Sander Archiv, Cologne; VG Bild-Kunst, Bonn; ADAGP, Paris, 2018. Courtesy of Gallery Julian Sander, Cologne and Hauser & Wirth, New York.

Antlitz der Zeit

Die Bilder aus „Menschen des 20. Jahrhunderts“, vor allem aus dem Kernteil „Antlitz der Zeit“, sind ein wichtiger Teil der deutschen Kulturgeschichte und daher weitgehend vertraut. „Diese Arbeit wurde für ihren ästhetischen Wert so lange gefeiert, dass die Leute etwas von der Schönheit der Bilder geblendet waren“, sagte Julian Sander, Ur-Enkel des Fotografen. Speziell in die Zeit hinein versetzt ein Brief, in dem Sander mitgeteilt wird, dass sein Buch „Antlitz der Zeit“ beschlagnahmt sei. Die Druckstöcke wurden vernichtet. Sanders Anspruch, Menschen aller Art und Schichten zu fotografieren, passte nicht in die nationalsozialistische Ideologie. Mit der Ausstellung „Persécutes / Persécuteurs“ legen die Kuratoren Sophie Nagiscarde und Marie-Edith Agostini den Fokus auf die politische und soziale Dimension der Sanderschen Arbeit. Ein dazugehöriger, berührender Aspekt ist das Verhältnis August Sanders zu seinem Sohn Erich.

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Bildhonorare 2018 – Nutzungsrechte in der Übersicht

Von Fotografen höre ich immer wieder, die Kunden würden sowieso alle Rechte am Bildmaterial verlangen. Ist das so? Oder ist es nicht oft Bequemlichkeit auf Seiten des Bildautors, alle Nutzungsrechte zur Disposition zu stellen? Da wurden von der eigenen Branche über Jahrzehnte Privilegien erkämpft, die heute oft ohne Not preisgegeben werden. Dann soll man sich über den Niedergang der Honorare bitte nicht wundern!

Die Sache mit den Nutzungsrechten ist – keine Frage – ein Auslaufmodell. Aber noch gibt es eben fotografische Bereiche und Aufgabenstellungen, in denen das Wissen über das, was man als Bildautor an Rechtenutzung aufschlagen kann, wirklich nützlich ist. Und wenn es das Wissen ist, wie viel für die ungefragte Verwendung von eigenem Bildmaterial eingeklagt werden kann. Die nachfolgend vorgestellte Publikation enthält nicht zufällig Werbeanzeigen von auf Copyright spezialisierten Rechtsanwälten.

Bildhonorare – Übersicht der marktüblichen Vergütungen für Bildnutzungsrechte

Die Mittelstandsgemeinschaft Foto-Marketing, kurz mfm, gibt eine neue Ausgabe ihrer bekannten Publikation Bildhonorare – Übersicht der marktüblichen Vergütungen für Bildnutzungsrechte heraus. Das Tabellenwerk wurde in Zusammenarbeit mit den großen deutschen Fotoverbänden komplett überarbeitet und an die neuen Entwicklungen in der Bildvermarktung angepasst. Die fortschreitende Verschiebung des Marktes von Print- zu vielfältigen Online-Bildnutzungen spiegelt sich in der neuen Ausgabe der Bildhonorare wider. Crossmediale Nutzungen und neue Anforderungen an Bildverwendungen prägen die aktuelle Darstellungsform der mfm-Publikation.

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Sigrid Neubert – Ausstellung in Berlin

Sigrid Neubert (*1927) ist eine der bekanntesten Architekturfotografinnen Deutschlands. Rund 30 Jahre lang arbeitete sie für bedeutende Architekturbüros und entwickelte dabei mit ihren kontrastreichen, die Strukturen der Bauten klar herausarbeitenden Aufnahmen einen eigenen Stil. Seit den 1970er-Jahren schuf sie ebenso eindrucksvolle Naturbilder, denen sie sich ab 1990 ausschließlich widmete.

BMW-Hauptverwaltung

Sigrid Neubert: Karl Schwanzer: BMW-Hauptverwaltung, München, Museum, 1972 © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek / Sigrid Neubert

1954 machte Sigrid Neubert an der Bayerischen Staatslehranstalt für Lichtbildwesen in München ihre Meisterprüfung. Nach einer Zeit als Werbefotografin für die Glas- und Keramikindustrie konzentrierte sie sich in der zweiten Hälfte der 1950er-Jahre ganz auf die Architekturfotografie. Stilistisch orientierte sie sich dabei zunächst an US-amerikanischen Vorbildern und entwickelte eine eigene, immer wieder durch atmosphärische Dichte und ungewöhnliche Perspektiven gekennzeichnete Bildsprache.

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Das Revival des Analogen

Analog war nie wirklich weg, galt aber ein Jahrzehnt lang als äußerst uncool. Nun sind es gerade die Jungen – Fotointeressierte unter 35 Jahren – die ihre große Freude am Analogen entdecken. Das hat bei ihnen klarerweise nichts mit Nostalgie zu tun, sondern ist Ausdruck zutiefst menschlicher Bedürfnisse und einer Veränderung unserer Werte. Je digitaler und hektischer unsere Welt wird, desto mehr wächst die Sehnsucht nach Muße und Berührung. Als wichtiger Wert, gar „Währung“, gilt heute die Aufmerksamkeit; als höchstes Gut: Zeit. Da sind insbesondere Fotografierende privilegiert. Sie können Zeit schenken, sogar anhalten, die Welt be-greifbar machen und dafür Aufmerksamkeit erhalten.

Ein Touchscreen-Bild ist nicht haptisch

Immer mehr Stunden am Tag schaut man auf ein Display. Beim Schreiben eines Textes, beim Lesen seiner digitalen Post, bei den Kontakten mit seinen Followern und Freunden auf Facebook. Autofahrer leitet das Display des Navis. Beim Fotografieren guckt man auf einen kleinen Monitor, bei der Bildbearbeitung auf einen großen. Und anschließend sitzen wir zur Entspannung vor dem Flatscreen im Wohnzimmer.
Seit Jahren shoppen wir online, aber ein Touchscreen ist kein Ersatz fürs Anfassen der Ware. Vor dem Kaufabschluss ist nicht mehr festzustellen, wie qualitätvoll ein Material ist. Fatalistisch gesprochen ist das ohnehin gleichgültig geworden, seit alles unter Kostendruck in China produziert wird.

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Patrick Willocq: Songs of the Walés

Bontongu, one of the last bantu walés, 2014, 109 x 145 cm, edition of 8

Das wichtigste Ereignis im Leben einer Pygmäen-Frau vom Stamm der Ekonda in der Demokratischen Republik Kongo ist die Geburt ihres ersten Kindes. Die junge Mutter wird „Walé“ genannt. Sie lebt mehrere Jahre in Abgeschiedenheit, getrennt von ihrem Ehemann, umsorgt von weiblichen Stammesmitgliedern und täglich eingerieben mit einem roten Puder aus Ngola Holz. Bei ihrer Rückkehr in die Stammesgemeinschaft berichtet sie von ihren Erfahrungen in Liedern und Tänzen, die sie in einer feierlichen Aufführung darbietet.

Als der gebürtige Franzose Patrick Willocq auf diese Feiern aufmerksam wurde, konstruierte er in einzigartiger Zusammenarbeit mit einigen Walés, ihren Clans, einem Ethno-Musikologen, einem Künstler und zahlreichen Kunsthandwerkern des Waldes aufwändige Szenenbilder, die von den Gesängen der Mütter der Ekonda inspiriert sind. Hier, mitten im Dschungel, fotografierte er die Frauen in inszenierten Bildern. Das Buch versammelt die zwischen 2013 und 2015 entstandenen Serien „I Am Walé“, „Respect Me“ und „Forever Walé“. Weiterlesen

Nützliches Wissen: Adobe Stock Visual Trends für 2018

Welche Themen und Ereignisse prägen uns als Menschen und Gesellschaft? Wie gehen wir damit um? Und welchen Blickwinkel hat die Kunst auf den gesellschaftlichen Wandel? Im zweiten Jahr geht Adobe Stock diesen Fragen nach und stellt in diesem Zuge die Adobe Stock Visual Trends 2018 vor.

Für wen ist es interessant?

Die folgende Aufstellung gibt Fotografierenden eine Vorstellung davon, welche Themen in den nächsten Monaten aktuell sind. Um sich beispielsweise bei Agenturen oder anderen Auftraggebern vorzustellen, kann es sinnvoll sein, sein Bildmaterial danach durchzusehen, ob man solche Trendthemen bedienen kann. Das muss natürlich zu dem passen, was man in Zukunft machen möchte. Und wer meint, in nächster Zeit Testshootings machen zu müssen, der orientiere sich dabei an den Visual Trends für 2018, um Aufmerksamkeit zu bekommen.

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Magazinvorstellung: IDEAT Contemporary Life

Das internationale Magazin für Interior Design und urbanen Lifestyle wurde 1999 in Paris von Laurent Blanc gegründet und ist in Frankreich Marktführer unter den gehobenen Wohnmagazinen. Jetzt liegt die zweite deutsche Ausgabe (Dezember bis Januar) vor. Diese wird von Bettina Billerbeck im Verlag Gruner + Jahr verantwortet. Das ca. 260 Seiten starke Einzelheft kostet 6,50 € und kann hier abonniert werden.

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Weihnachtsangebot: 2 Bücher 1 Preis


Jetzt ist DIE Gelegenheit, schöne und inspirierende Bücher über Fotografie zu erwerben. Da Sie nur eines der beiden Bücher zahlen und das andere quasi kostenlos dazu bekommen, ist das ein günstiger Weg zu schönen Geschenken. Denken Sie an Ihre Assis und Praktikanten! Oder ergänzen Sie Ihre eigene Bibliothek. (Das Weihnachtswochenende wird sehr lang! Viel Zeit, zu lesen!)

Durch „Fotografie mit Leidenschaft“ werden Sie eine völlig neue Sichtweise auf das gewinnen, was künstlerische Fotografie sein kann. Zeitgenössische Fotografie-Superstars wie Andreas Gursky und Taryn Simon oder William Eggleston und Robert Frank werden von mir ebenso besprochen wie historische Größen: Henri Cartier-Bresson, Richard Avedon, August Sander oder Eugene Atget. Allein im Kapitel „Von der Reportage zum Kunstmarkt“ treffen Sie auf weitere spannende zeitgenössische Fotograf*innen wie Mazier Moradi, Peter Bialobrzeski, Massimo Vitali, Olaf Otto Becker, Andreas Meichsner, Ilja C. Hendel, Shizuka Yokomizo, Ralf Peters und Thomas Demand.
Kurzum, es war super aufwändig, die Bildrechte für den Abdruck zu bekommen, und daher werde ich den Titel nicht mehr auflegen, wenn er vergriffen ist – und kann ihn leider auch nicht als E-Book anbieten. Greifen Sie daher jetzt zu!

„Fotopraxis mit Perspektive“: Das Buch hätte ich gerne gehabt, als ich anfing, mich ernstlich fürs Fotografieren zu interessieren. 99% aller Bücher über Fotopraxis orientieren sich am technisch ausgerichteten Handwerk. Wer sagt etwas darüber, wie man Themen findet, die einen wirklich selbst interessieren und die auch für die Bildbetrachter von Bedeutung sind? Wo steht, wie man das konkret umsetzt? Und damit als Hobbyist glücklicher wird oder als kommerzieller Fotograf sich und anderen etwas nicht-kommerzielles Gutes tun kann?
Ich habe sie befragt, zum Beispiel Abenteuer-Fotografin Ulla Lohmann, jetzt gerade in allen Medien. Kai Löffelbein, dessen Bildband bei Steidl leider immer noch nicht erschienen ist. Carlos Spottorno, der gerade mit „Der Riss“ eine neue innovative Publikationsform für seine Arbeiten gefunden hat. Seinerzeit Newcomer Patrick Willocq, der seitdem zahlreiche Ausstellungen und Publikationen vorweisen kann. Und andere mehr.

Seien Sie gespannt auf das Abenteuer Fotografie!

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Sonderpreis zu Weihnachten für 2 Bücher

Reportage neu gedacht: Der Riss

Die deutsche Ausgabe ist im Avant-Verlag, Berlin, erschienen.

Neue Fotobücher wirken heutzutage wie eine Bilderflut mit Buchdeckeln. Und auch wenn sich jeder einzelne Autor und jeder Verlag sicherlich große Mühe gibt: Es ist schwierig, aus der großen Zahl der Neuerscheinungen herauszustechen und Begeisterung zu entfachen. Einem aber gelingt dies nun schon zum zweiten Mal: Dem in Madrid lebenden Europäer Carlos Spottorno. Mit dem viel beachteten PIGS im Stil des Wirtschaftsmagazins The Economist zum Thema südliches Europa wurde er 2013 bekannt.* Jetzt legte er zusammen mit dem Journalisten Guillermo Abril ein Werk vor, das wirklich originell ist: Der Riss – eine Reportage in der Form und Aufmachung einer Graphic Novel. Insgesamt nichts weniger als genial gemacht.

Schon als „normale“ Reportage wäre das Material überwältigend. In der Präsentation als Bilderstory erschließen sich aber einige Facetten mehr: Man erfährt in erster Linie viel über Europas Außengrenzen und tatsächliche, inzwischen historische Vorfälle im Zusammenhang einer längeren Entwicklung. Die zurückhaltende Berichterstattung offenbart auch einiges über die Arbeit von Spottorno und Abril unter wahrlich abenteuerlichen Umständen. Die Reportagen im Auftrag der Zeitschrift El Pais Semanal begannen in Melilla, gingen weiter auf Lampedusa, führten die beiden in die Ukraine und schließlich bis in den Norden Finnlands. Weiterlesen

Zu Besuch im Wunderland von Frank Kunert

Die Beschreibung, wie er zu finden sei, klang schon wie aus seinen Bildern: Das Haus mit den grünen Fensterläden gegenüber von einem kleinen Spielplatz. Das Museum Boppard hat Frank Kunert eine sehr schöne Ausstellung eingerichtet. Grund genug an den Rhein zu fahren, um ihn und seine Bildwelt zu besuchen.

Frank Kunert vor dem Eröffnungsbild seiner Ausstellung Wunderland

Alles selbst gebaut! Der Künstler in seiner Ausstellung im Museum Boppard, die bis zum 28. Januar 2018 zu sehen ist.

Im obigen Bild gestaltete Kunert, der gebürtige Frankfurter, eine Referenz an seinen neuen Wohnort. Boppards berühmtester Sohn ist Michael Thonet, ein Tischler, der um 1840 das Bugholzverfahren entwickelte. Der österreichische Staatskanzler Metternich meinte, in Boppard würde er arm bleiben, er solle doch nach Wien kommen. Daher verbindet man die Thonet-Stühle mit Wiener Caféhauskultur. Das ist also der Hintergrund zu obigem Bild, für das Kunert Stuhlminiaturen im Museumsshop erstand. So weit, so praktisch, aber unkunertsch. Für die bessere Bildwirkung polsterte er die kleinen Stühlchen, bearbeitete und lackierte sie neu. Und natürlich ist der Boden im Bild nicht nur handgemalt, sondern für die plastische Wirkung mit einem zahnärztlichen Instrument im Kachelmuster geritzt. Das erklärt, warum die Erschaffung eines neuen Wunderland-Motivs etliche Wochen in Anspruch nimmt. Weiterlesen