Kategorie: Wer fotografiert …

Reisetipps für Tokio 2020

Blick auf den Fuji

Japan ist faszinierend und generell sehr fotogen. Als Fotofan fühlt man sich dort gleich Zuhause und ist mit seiner Kamera nicht der/die einzige. Es wird vielerorts durchaus noch mit richtigen Kameras samt Teleobjektiv geknipst. In großen Kamerastores kann man sich zwischen den aufgebauten Stativen durchschlängeln und untermalt von lauter Werbung die neuesten Modelle von Sony, Canon und Nikon in die Hand nehmen. Japan, das ist ja nun einmal das Mutterland der Fotografie – oder zumindest der Fototechnik.

Wie ist Japan als Reiseland?

Großartig! Nirgendwo sonst kann man sich bei völliger Fremdheit zugleich so sicher fühlen. Man muss nicht ernstlich mit Diebstählen, Überfällen oder unpünktlichen Zügen rechnen. Praktischerweise sind Bahn- und U-Bahnstationen auch in lateinischen Schriftzeichen bezeichnet. In den Großstädten ist das Standard. Wenn es um die Verpflegung geht, gibt es die Wachsmodelle im Schaufenster, auf die man zeigen kann, und vermehrt auch englischsprachige Speisekarten. Das Serviceniveau ist sehr hoch. Die Japaner sind leise, schüchtern, freundlich und sehr, sehr hilfsbereit.

Ist Tokio teuer?

Die Lebenshaltungskosten sind extrem hoch, jedoch für Reisende ist es nicht teurer als der Aufenthalt in einer europäischen Metropole. Aus meiner Erfahrung würde ich Tokio für gefühlt günstiger und reeller halten als beispielsweise London, definitiv, was die Übernachtungspreise und das Essen angeht. Man kann sich sehr gut und günstig verpflegen. Eine sättigende Portion Ramen oder Soba gibt es zwischen fünf und zehn Euro. Man muss im Lokal keine teuren Getränke mitbestellen. Überall gibt es kostenlos Eiswasser oder Tee dazu. Trinkgelder sind verpönt. Das schont die Reisekasse. Restaurants findet man in den oberen Etagen von Shoppingcentern und Kaufhäusern in großer Auswahl. Sie sind nahezu immer spezialisiert. Man sollte sich also in der Gruppe/Familie einig sein, ob man Suppe oder Sushi oder beispielsweise „italienisch“ essen möchte.

Überall mit dem Nötigsten versorgt

Snacks, Getränke und Geldautomaten gibt es in den kleinen Supermärkten (Combini) wie Family Mart, Lawson oder Seven Eleven. Hier versorgen sich die Einheimischen. Etwas spät habe ich entdeckt, dass der Kaffee dort nicht nur günstiger, sondern auch viel besser ist als bei Starbucks oder der japanischen Variante Doutor (nämlich frisch gemahlen und in stark erhältlich). Man zahlt an der Kasse, bekommt einen Becher und geht damit an die Kaffeemaschine.

Blick auf den Fuji

Erst bei meinem 5. Japanbesuch gelang es mir, den Fuji zu sehen. An einem klaren Tag ist er vom Tokioter Rathaus aus sichtbar. Das „Tokyo Metropolitan Government Building“ bietet einen tollen Rundblick auf die Stadt. Morgens gleich bei Öffnung dort zu sein lohnt. Es kann lange Warteschlangen geben.

Eintritte können hochpreisig sein. Das trifft vor allem auf die neuesten Trends zu, bei denen sich zudem die Massen drängen. Ganz wunderbare Erlebnisse wie der Rundblick auf Tokio vom 45. Stock des Rathauses kosten nichts oder, wie der Eintritt in den Shinjuku Gyoen, nur Kleingeld.

Platz im Koffer lassen: Sie sind im Shopping-Paradies

Zu den Attraktionen ohne Eintritt zähle ich unbedingt Kaufhäuser wie „Takashimaya“ oder für alle Manga- und Character-Fans, Nakano Broadway. Ein Must in Tokio ist (für mich zumindest) der Besuch bei „Tokyu Hands“. DIY und Haushalt, eben vieles, bei dem man staunen kann, was es hier gibt.

Japan ist ein Shoppingparadies. Die Läden bieten alles, aber eben nicht alle Konfektion in hierzulande üblichen Konfektionsgrößen. Zierliche Personen können endlich mal nach Herzenslust Klamotten shoppen.
Sehr viel Spaß zum Stöbern machen die 100-Yen-Läden, die preislich unseren 1-Euro-Shops entsprechen. Auf Straßenebene findet sich „We Can Do“, besser sind jedoch „Daiso“ und „Seria“ auf höheren Etagen. „3 Coins“ ist eine 300-Yen-Shop-Kette. Gezielt solche Läden zu finden, ist jedoch schwierig. Bei der Überfülle an Shops vom Untergrund bis in die oberen Etagen hilft auch Google Maps nicht wirklich weiter.

Hase im Schaufenster

Es gibt seltsame Dinge zu sehen wie diese Hasendeko in einem Boutique-Schaufenster (in Kyoto).

Was ist bei der Reiseplanung für Japan zu beachten?

Der wichtigste Tipp für reisende Paare: Auch wenn Sie Zuhause gerne eng kuscheln, buchen Sie in Japan besser Twin Rooms, idealerweise den „Superior Twin“. Dann bekommen Sie nämlich zwei Betten und ein Zimmer, in das auch Ihre Koffer mit hineinpassen. Bucht man ein Doppelzimmer, steht darin potenziell nur ein 120-cm-Bett statt zwei. Man könnte es für ein Einzelzimmer halten, mit dem Unterschied, dass zwei Kopfkissen nebeneinander auf der Matratze liegen. Und wenn ich sage, dass Sie in einem Doppelzimmer aller Voraussicht nach den/die Koffer nicht aufklappen können, dann glauben Sie das ruhig. Für Japan, speziell für Tokio, nutzen Sie am besten einen Koffer mit vier Rollen und Deckel. Koffer, die in der Hälfte aufklappen, erzeugen ein Platzproblem. (Zur Erläuterung: Man kann die Koffer in der Regel nicht auspacken, weil gar keine Schränke oder Kommoden im Zimmer sind.)

Standardmäßig gibt es in den Hotelzimmern Zahnbürsten und viele andere Necessaire-Artikel, Shampoo und Conditioner, aber selten Bodylotion. Leere Kühlschränke, die Sie aus den Convenience Stores selbst bestücken, sowie Wasserkocher, sind (nach meiner Erfahrung) ebenfalls Standard. Ich empfehle das Mitnehmen von Teebeuteln, vor allem, wenn man Kräutertee trinken möchte. Es gibt in Tokio alles zu kaufen, aber Teebeutel unterschiedlicher Geschmacksrichtungen eben nicht. So wie es (verschärft gesagt) beim Essen nur die Geschmacksrichtung Sojasauce gibt, selten Wasabi, ist Tee immer Grüntee, selten Schwarztee.

Die Toiletten sind meistens Hightech mit Bedienleiste

Was es übrigens auch gar nicht gibt, sind mehrlagige Papiertaschentücher. Man schneutzt sich in Japan auch nicht öffentlich. Die quasi überall vorhandenen super sauberen Toiletten kann man als Reisende nicht genug loben. Sie haben viele Funktionen, unter anderem spielen sie Geräusche ab, damit das eigene nicht nebenan gehört wird.

Papierhandtücher gibt es nie, inzwischen aber meist Lufttrockner. Traditionell hat man ein kleines Handtuch selbst dabei. Außer einem kleinen Mikrofasertuch ist auch das Mitführen von „Tempelsocken“ zu empfehlen − nicht für Tokio, aber für Kyoto unbedingt. Die Böden in den Schreinen sind glatt und kalt, Stoppersocken zum Überziehen wirklich eine Wohltat.

Achten Sie in Tokio darauf, dass die nächste U-Bahn-Haltestelle vom Hotel aus eine ist, an der mehrere Linien halten. Wenn Sie nur zwei, drei Tage bleiben, suchen Sie sich ein Zimmer in Shinjuku. Da sind Sie gleich im großen Gewühle. Ich hatte dieses Mal eines in Akasaka ausgewählt, wobei ich nicht wusste, dass es sich um ein ehemaliges Rotlichtviertel handelt, in dem sich heute kleine Restaurants aneinanderreihen. Sehr angenehm fand ich auch Ueno als Standort, vor allem, wenn man im Park zur Kirschblütenzeit fotografieren und die Museen besuchen möchte.

Zur Fortbewegung ist es nützlich, eine IC Karte zu benutzen, die in Tokio meist von „Suica“ oder „Pasmo“ ist. Man kann sie schon in Deutschland bestellen und dann an Automaten mit Bargeld immer wieder aufladen. Die Rückgabe der Karten am Reiseende verlangt allerdings mehr Geduld als ich aufzubringen bereit wäre. Für die zwei, drei Euro stelle ich mich nicht endlos in einer Schlange mit Railpass-Inhabern an. Ist noch Guthaben auf den Karten, bezahlt man einfach im Combini damit oder am Getränkeautomaten.

Möchten Sie ins Ghibli-Museum?

Ghibli Museum

Das Ghibli Museum in Mitaka – Ein Mekka für Anime-Fans.

Sie wissen nicht, was das ist? Dann wollen Sie es auch nicht besuchen! Man kann vor Ort keine Karten bekommen, sondern muss diese Monate im Voraus zum doppelten Preis in Deutschland besorgen. Was ich getan habe. Als wir dann dort ankamen, war das Museum brechend voll. Und so großartig wie die Animationsfilme des Studio Ghibli sind, so enttäuschend fand ich das Museum. Das ist eher eine Hundertwasser-Hommage als eine an Hayao Miyazaki. Und für Kinder gibt es wirklich nur den Katzenbus. Kein Wunder, dass sich alle im Merch-Shop drängten. Und selbst da fand ich zufällig auf dem Weg zu einem Restaurant am folgenden Tag einen besser sortierten und weniger vollen namens Benelic im Venus Shoppingcenter auf Odaiba.

Das Ghibli Museum liegt in Mitaka. Wir haben es mit einem Besuch im Edo-Tokio Open Air Architectural Museum verbunden, erreichbar mit der gleichen Bahnlinie (JR Chuo Line), drei Stationen nach Mitaka. Man kann Mitaka auch mit dem Besuch von Nakano Broadway kombinieren, Nakano liegt ebenfalls an der Strecke. Das Freilichtmuseum bietet eine große Fülle an Fotomotiven, inklusive eines historischen Fotoateliers, in dem man sich (kostenlos!) mit seinem eigenen Smartphone fotografieren lassen kann.

Apropos Bahnreisen in Japan

Die Koffer passen nicht in den Shinkansen! Auf dem  Flug dürfen Sie bei JAL zweimal 23 Kilo mitnehmen, aber unterwegs im Schnellzug nur Handgepäck! Rucksäcke gehen in Japan gar nicht, die gelten als Belästigung der Mitmenschen. Tagesrucksäcke müssen vor der Brust getragen werden. Zu Reisen ist einfach, viele kaufen sich vorab einen Japan Railpass. Damit sich der Railpass lohnt, muss man ständig auf Achse sein. Spätestens jeden zweiten Tag den Ort zu wechseln, um im nächsten Ort die überlaufenen Sehenswürdigkeiten abzuhaken, ist einfach nicht mein Fall. Ich war einmal zwei Wochen am Stück nur in Tokio und habe nicht geschafft, alles anzusehen (und zu fotografieren), was mich interessiert hätte.

In Kyoto gibt es Kimonos

Erst recht Kyoto: 1600 Tempel, 400 Schreine und über 30 spektakuläre Gärten. Und das in einer Millionenstadt mit endlosen Shoppingoptionen. Da wird einem nicht langweilig. Zudem ist dort kimonomäßig deutlich mehr los! Kyoto ist die vielleicht einzige moderne Stadt der Welt mit gelebter Geschichte. Geschäfte, Gärten, Tempel bestehen seit über mehr als 400 Jahren unverändert bis heute. Jugendliche kleiden sich am Wochenende traditionell, weil sie das cool finden. Im Unterschied zu meinem letzten Besuch in Kyoto 2012 haben sich die Touristen (vornehmlich aus anderen asiatischen Ländern) von sieben auf über 28 Millionen vermehrt und mit ihnen die Kimonoverleihstationen. Da wird nun viel für Instagram posiert oder vermutlich eher für TikTok.

Kyoto Uferansicht

Das ist eine Touristin, die mir einen guten Vordergrund abgab für die Ansicht des Kamogawa-Ufers in Kyoto.

Kein GPS-Signal

Zum ersten Mal war ich im November/Dezember 2019 mit japanischer Simkarte ausgerüstet, also mit Google Maps unterwegs. Das ist für Fußgänger jedoch noch nicht wirklich ausgereift. Und auch Busverbindungen, die in Kyoto angezeigt werden, sind mit Vorsicht zu genießen. Am meisten genervt hat bei mir die Zeitverzögerung, mit der Positionsänderungen angezeigt wurden. Manchmal hieß es auch: „Kein GPS Signal“. So genial wie ich es finde, überall online zu sein: Es lenkt leider auch vom direkten Erleben ab, wenn man aufs Display schaut und sich fragt, warum sich der Punkt nicht bewegt oder warum man hier an der Mauer nicht links abbiegen kann, obwohl Google das so vorgibt. Mit anderen Worten: Man meint, man braucht die Satellitennavigation,

Frau fegt Treppe

Im historischen Stadtteil Gion (in Kyoto) wimmelt es natürlich vor Touristen. Gleichwohl kann man auch noch solche Motive finden.

kam aber früher auch gut ohne aus.

Was man nicht wirklich auf dem Radar hat, sind die weiten Strecken, die man zu Fuß zurücklegt. Alles ist riesiger und weiter entfernter als wir es gewohnt sind. Schon eine U-Bahn-Station ist so groß wie die Strecke zwischen zweien bei uns. Da am falschen Ausgang raus, und man ist in einer ganz anderen Gegend als beabsichtigt. Zum Glück ist Tokio nicht New York. Hier ist alles ungefährlich. Frauen können angstfrei selbst nachts alleine durch die Stadt gehen. Sehr entspannend.

Gute Schuhe sind das A und O

Und Sneaker sind nicht die erste Wahl für ein Land, in dem man die Schuhe beim Betreten von Räumen auszieht. Regenfest sollten die Schuhe auch unbedingt sein, denn wenn es regnet, dann heftig.

Ich rate zur vorsorglichen Mitnahme von Blasenpflastern, es sei denn, Sie legen auf die Erfahrung wert, das Problem in einer Drogerie vorzutanzen. Man ist dort sehr bemüht, Sie zu verstehen. Mit Englisch kommt man selten weiter. Aber keine Sorge, das klappt alles auch mit Zeichensprache und expressiver Mimik.

Warum Gärten aufs Programm gehören

Sie interessieren sich nicht für Gärten? Auch nicht für Landschaft? Ich fahre wegen der Gärten nach Japan. Tokio ist an sich eine Reise wert, keine Frage. Aber ich möchte doch behaupten, dass die großen, oft jahrhundertealten  Gärten die Essenz des Dortseins vermitteln. Das sind die bekannten Zen-Gärten ebenso wie die Edo-Wandelgärten oder auch Parks wie der riesige Shinjuku Gyoen − da vor allem der japanische Teil. Zur Kirschblütenzeit ist auch Ueno Park ein Must-see.

Gartenansicht

Koishikawa Korakuen mit dem Tokio Dome im Hintergrund und als Spiegelung. Der Garten lohnt zu jeder Jahreszeit einen Besuch, der Eintritt zu dem über 70.000 m² großen Areal mitten in Tokio kostet nur 2,50 Euro.

In Tokio empfehle ich, wenigstens zwei klassische Gärten anzusehen: Koishikawa Korakuen am Tokyo Dome. Dort gibt es sozusagen im Hintergrund den zusätzlich eigenartigen Kontrast zwischen dem ältesten Wandelgarten in Tokio (1669 vollendet) und einem angrenzenden Vergnügungspark. Der zweite Garten ist Rikugien, um 1700 entstanden, und besonders bekannt für seine Herbstlaubfärbung (die 2019 leider nicht so schön ausfiel wie erhofft).

Rikugien

Die Bastmatten an den Bäumen sind für oder gegen Insekten, die Schnüre, die dekorativ über empfindlichen Bäumen angebracht werden, sollen Schneebruch verhindern. Rigugien Garten, Tokio November 2019

Landschaft ist ja immer gestaltet (sonst hieße es Natur), aber in Japan wird sie nach eigenen ästhetischen und traditionellen Prinzipien idealisiert. Man muss gar nicht verstehen, welchen Symbolgehalt eine Steinsetzung hat oder wissen, welche Küstenlinie hier nachempfunden wurde. Man kann den Garten einfach genießen, innerlich zur Ruhe kommen und diese klug gestalteten Bilder aus Steinen, Wasser und Pflanzen auf sich wirken lassen.

Im Unterschied zu französischen Gärten, die flach sind und Macht demonstrieren sollen, ist der japanische Garten immer dreidimensional und feiert die Natur. Mit jedem Schritt bieten sich andere Aussichten und Perspektiven. Das ist doch das, was man als Fotografierender besonders zu schätzen weiß, oder? Schöne Motive in Hülle und Fülle, Bilder, die zu jeder Tages- und Jahreszeit anders sind und gleichwohl seit vierhundert Jahren in ihrer Grundstruktur unverändert. Für mich ist der Aufenthalt in diesen Gärten „in Japan sein“.

Live aus Japan habe ich einige Bilder auf Instagram gepostet: https://www.instagram.com/martina_mettner/

Es gibt Berichte von früheren Reisen:

In Tokio: Thomas Demand und Nobuyoshi Araki

Zuhause bei meiner Kamera 2010

Zuhause bei meiner Kamera

Manfred Sickmann: Das Antlitz des Anderen

Ehemalige Synagoge

Das Missionieren bezüglich anspruchsvoller Fotoprojekte für Privatiers wie Berufsfotografen hatte ich aus Mangel an Resonanz und Zeit eigentlich schon aufgegeben. Aber dann kam eine E-Mail, die zeigt, es war nicht wirkungslos: „weil Ihr Grundgedanke über das Glück, mittels Kamera seine Umgebung intensiver zu erleben und Ihre Bücher mir den Weg geebnet haben, mich fotografisch zu entwickeln, möchte ich Ihnen ein paar Eindrücke von meiner Ausstellung in der ehemaligen Synagoge in Kippenheim zuschicken. Über ein Jahr lang habe ich mehr als 100 Portraits fotografiert, wunderbare Begegnungen mit Bekannten und Fremden gehabt, und auch bei der konkreten Ausstellungsvorbereitung viel und zum Teil unverhoffte professionelle Unterstützung erhalten. Alles mündete in eine sehr gut besuchte und atmosphärisch dichte Vernissage.“
Ein großartiges Beispiel für Engagement, das ich gerne hier vorstelle. Und wenn Ihnen der Bildautor, der dieses Mal auch den Text verfasste, bekannt vorkommt, dann weil er hier vor zwei Jahren schon einmal mit einer fotografischen Arbeit vorgestellt wurde, der Spargelernte.
Ehemalige Synagoge Weiterlesen

Fishmann: Das blaue Zimmer – Bilder mit selbstgebauter Kamera

Christoph Fischer nennt sich „Fishmann – Der Lochkameramann“. „Als eifriger Leser all Ihrer Bücher, finde ich jetzt Ihre Newsletter nicht weniger spannend und zum Nachdenken anregend“, schrieb er mir auf den letzten zum Thema „Flow“.

Lochkameraaufnahme Rabe

Der Flow stellt sich bei mir auf unterschiedliche Art und Weise ein und ist mal mehr, mal weniger ausgeprägt.
Ich stelle jedoch fest, so wie Sie es auch schreiben, alleine und ungestört entwickelt er sich besser. Oft höre ich ein Zitat, Sprüche oder sehe etwas, dann kann es passieren, dass ich Tage, ja sogar Wochen mit Gedanken daran durch den Kopf herumlaufe, bis sich eine Idee verfestigt.

So bin ich letztes Jahr hingegangen und habe eine Serie von Stillleben angefangen, welche bei Leibe noch nicht beendet ist. Es fing damit an, ein Miniaturzimmer zu bauen, eigentlich eine simple Holzkiste, der Boden aus einer alten Pallette, mit einem Fenster und einer Tür. Da ich nur noch blaue Farbe im Keller hatte, wurden die Wände mit blauer Farbe gestrichen, daher der Name der Serie „Das blaue Zimmer“. Eigentlich Unsinn. Da ich Schwarzweißfilm benutze, sieht man es nicht.

Allerlei Gegenstände sind mir bis dato ins Zimmer gekommen. Fundstücke, eigens dafür gebaute oder halt das, was sich zu Hause befand. Es kommt auch vor, dass ich zuerst eine, wie ich meine, passende Kamera baue, mit welcher die Idee dann umgesetzt wird; auch ein Bestandteil meiner Entschleunigung, meines Flows. Das kann dann mal fünf Monate dauern, aber es hetzt mich ja keiner, wenn ich es selbst nicht tue. Das versuche ich auch in Form von Workshops zum Lochkamerabau an Teilnehmer weiterzugeben.

Weiterlesen

Warum Sie Ihre Fotos besser nicht Kunst nennen

10 Tipps für Hobbyfotografen, die ausstellen oder ein Buch veröffentlichen möchten

1. Für eine Fotografen-Website wählen Sie besser keine einprägsamen Begriffskombinationen (wie bei mir „fotofeinkost“). Das funktioniert bei Blogs, aber nicht für eine Website, auf der Sie „Werke“ präsentieren. Die erste Wahl ist stets, den eigenen Namen zu verwenden; ganz schlicht mit einem Bindestrich in zwischen Vor- und Zunamen. Achten Sie bitte auch darauf, dass die Domain nicht nach Fotogeschäft klingt: Bei „Photo-Mueller“ denkt man an Passfotos, nicht an Ausstellungen.

2. Vermeiden Sie immer Begriffe wie „Kunst“ oder „Kunstwerk“. Warum? Weil es uninformiert wirkt, sich selbst so zu etikettieren. Das Urteil, ob es als Kunst gesehen wird, sollte man stets anderen überlassen. Von jemandem, der sich selbst als „Künstler“ bezeichnet, nimmt man meist an, er sei Hobbykünstler. Auch „Art“ heißt „Kunst“, „Fine Art“ gar „Bildende Kunst“, meint also eigentlich die klassischen Bereiche wie Malerei und Bildhauerei. Der Begriff „Fine Art Fotografie“ ist als Genre verbreitet. Man sollte ihn daher nur verwenden, wenn man genau dieses Genre bedient.

Weiterlesen

Manfred Sickmann: Spargelernte

Spargelernte

Flinke Helfer bei der Spargelernte

„Seit ersten März 2017 bin ich nun Rentner. Schon im letzten Jahr war klar, dass ich diesen Lebensabschnitt mit einem Fotoprojekt beginnen möchte“, schrieb mir Manfred Sickmann aus Baden-Württemberg als Reaktion auf meinen Mai-Newsletter. „Vielen Dank zunächst für Ihre vielen hervorragenden Anregungen, die ich aus Ihren Büchern „Fotografie mit Leidenschaft“ und „Fotopraxis mit Perspektive“ – wie auch dem Paper „Wer fotografiert hat mehr vom Leben“(kostenloser Download Startseite) bekommen habe. Großes Lob für Ihre klaren, differenzierten und sehr kompetenten Texte.

Seit 2008 fotografiere ich ernsthaft und leidenschaftlich alles mögliche – mit mäßiger Zufriedenheit. Immer auf der Suche nach der eigenen Bildsprache, die ich aber bis heute nicht wirklich gefunden habe. Von dem hohen Anspruch, so gut wie die Profis zu sein, habe ich – auch Dank Ihrer Anregungen – Abschied nehmen können. Seitdem gehe ich mein Hobby sehr viel entspannter an. Und dann war bei Ihren Anregungen ja noch der Aspekt „Projekt“. Das hat mir von Anfang an eingeleuchtet. Die Zeit, meine Ideen umzusetzen, hat mir aber während meiner Tätigkeit als Arbeitstherapeut in der Psychiatrie gefehlt.

Weiterlesen

Bildfreigabe für persönliche Fotoprojekte

Die Bildfreigabe gehört zum Fotografieren

In meinem E-Book „Wer fotografiert hat mehr vom Leben“ (siehe Startseite) sporne ich dazu an, persönliche Fotoprojekte zu fotografieren. Darauf kam bisher schon großartiges Feedback. Angeregt durch die Berichte per E-Mail möchte ich heute das Thema der Bildfreigabe ansprechen.

Das ist, wie Sie wahrscheinlich wissen, juristisch vermintes Gebiet. Und vielen macht das Angst. Meines Wissens ist es bisher nicht grundsätzlich verboten, überhaupt zu fotografieren. Erst recht nicht, wenn Sie das einvernehmlich mit den Personen oder Grundstückseigentümern tun – was bei einem persönlichen Projekt die Voraussetzung ist. (Sonst wäre es flüchtiges Knipsen.)

Gerade beim Arbeiten an einer Fotoserie steht für den Hobbyfotografen eine Veröffentlichung erst einmal nicht zur Debatte, zumindest nicht im Sinne einer kommerziellen Verwertung, wie dies bei Berufsfotografinnen und -Fotografen der Fall ist. Einschränkend muss man aber sagen, dass jede Art von Foto schneller in den sozialen Netzwerken hochgeladen wird, als man sich über die Konsequenzen im Klaren ist.

Bevor man also so richtig loslegt, sollte man sich über drei Punkte klarwerden.

Weiterlesen

Ninette Niemeyer fotografiert eine alte Dame

„Mit großem Interesse habe ich Ihr wirklich wunderbar geschriebenes E-Book gelesen“, schrieb mir Ninette Niemeyer nach der Lektüre von „Wer fotografiert hat mehr vom Leben“ und sandte mir ihrerseits einen kleinen Bildband in Form eines PDFs. Der Titel ihrer Serie über eine 96 Jahre alte Dame, die alleine in ihrem Haus lebt, lautet:

„Der liebe Gott will mich noch nicht”

Die Bildautorin hat an der Uni in Hannover Architektur studiert und viele Jahre als Architektin gearbeitet. „Irgendwann kam die Erstellung von Webseiten hinzu. In der Zeit bin ich von der analogen zur digitalen Fotografie gekommen und begann, mich intensiv mit künstlerischer Fotografie und der Erstellung von Serien auseinander zu setzen. Mein Thema ist der Mensch mit seinen Geschichten, seiner Unergründlichkeit und seiner Verrücktheit“, sagt Frau Niemeyer, die in Bergisch Gladbach lebt. Weiterlesen