Fotos sind nicht umsonst

Die Wertschätzung für Fotografie zu fördern, ist mir ein Anliegen. Keiner meiner Vorträge oder Workshops kommt ohne dieses Thema aus. Fotografinnen und Fotografen können und müssen selbst etwas dafür tun, dass unser Lieblingsmedium nicht unter die Räder kommt. Fotografien klären auf, erweitern den Horizont, verkaufen Produkte. Sie können eine ästhetische/künstlerische Bereicherung sein. All dies sind Aspekte, die es zu berücksichtigen gilt.

Ganz klar hat sich aber durch das Internet nicht nur die Masse an verfügbarem Bildmaterial, sondern auch unsere Einstellung zu Inhalten geändert. Heute ist es möglich, sich jederzeit und überall kostenlos informieren zu können. Es ist zu einem moralischen Wert geworden, sein Wissen zu teilen, ohne dafür eine monetäre Gegenleistung zu erhalten. Und obwohl ich parallel gegen Honorar schreibe, veröffentliche ich die Beiträge auf fotofeinkost kostenlos. Ich arbeite aber an einem kostenlosen Artikel nicht kürzer. Im Gegenteil, online ist beispielsweise nicht nur das Bildmaterial herauszusuchen, sondern auch aufzubereiten. All dies kostet Zeit, unbezahlte Zeit.

Fotografien erweitern den Horizont

Sind Fotografien visuelles Wissen?

Darf man sie kostenlos hergeben? Oder ruiniert man damit einen Beruf? Bevor ich auf zwei konträre Positionen verlinke, möchte ich folgendes Unterscheidungsmerkmal zu bedenken geben: Es kommt auf den Gebrauchswert an. Ein Großteil der heute vor allem mit Smartphones produzierten Fotos hat keinen kommerziellen Gebrauchswert. Sie dienen dem Teilhabenlassen. Das „Sharen“ gab es vor einem Jahrzehnt noch so gut wie gar nicht. Ebenso wenig wie das massenhafte Veröffentlichen von Bild und Text zu nicht-kommerziellen Zwecken, zum Beispiel auf Blogs oder in Social-Media-Kanälen.

Wir sind in einer Übergangszeit, in der die tradierte Vorgehensweise der Honorierung nach der kontrollierten Auflage eines Mediums nur noch selten funktioniert, weil es online weder Auflagen noch fest umrissene Verbreitungsgebiete gibt. Aber es ist auch noch nichts wirklich Verlässliches an dessen Stelle getreten. Magazine, die sich durch Anzeigen finanzieren, wollen plötzlich nichts mehr oder nur sehr wenig für den Abdruck von Fotos zahlen – Fotos, die ihr komplettes Erscheinungsbild bestimmen! Das ist ein großes Übel. Ebenso die Verwendung von Fotos für Werbezwecke ohne dafür ein angemessenes Honorar zu zahlen, nur weil sie ursprünglich jemand aus Liebhaberei gemacht hat oder als freie Arbeit. So manche Zeitgenossen scheinen zu meinen, das Internet sei ein Selbstbedienungsladen. Generell ist das ungefragte Verwenden von Fotos oder Text für welche Zwecke auch immer ein Verstoß gegen das Copyright.

Umsonst, aber nicht vergebens?

Sind also Plattformen, auf denen man Fotos kostenlos bekommen kann, die Lösung? Wer seine Bilder dort einstellt, verzichtet immerhin wissentlich auf sein Copyright. Unsplash (beispielsweise) bietet sich all jenen, die stolz sind, wenn ihre Fotos verwendet werden, aber damit kein Geld verdienen wollen, als eine solche Plattform an. Mikael Cho erläutert seine Denkweise und seine Meinung zur Zukunft der Fotografie und den Wert von kostenlosen Fotos in einem längeren Beitrag (englisch, Danke an Robert Kneschke für den Hinweis darauf). In erster Linie geht es um Aufmerksamkeit und Beziehungen, also um die neuen Währungen neben dem Geld.

If someone needs a photo for a presentation that will only be seen by a few co-workers, they don’t have a budget for photography. If they can’t use a free photo for that, they are not hiring someone. And there is no relationship created. But by finding a photo on Unsplash, a relationship begins. When they need to hire a photographer for a shoot, they’re more likely to go back to the place that fulfills that need. We’re trying to make it so these relationships connect back to the Unsplash contributor that inspired them.

Geldbündel

Bild by Vitaly on Unsplash

#fotossindwertvoll

Es ist aber das eine, Bildmaterial kontrolliert zu veröffentlichen oder zur Verfügung zu stellen (was man ja auch durch Posts bei Facebook und Instagram tut). Etwas anderes ist, wenn Bilder „geklaut“ werden. Die Unsicherheit von Amateuren, die nicht wissen, dass sie gegen die unerlaubte Nutzung ihres Bildmaterials vorgehen können und sollen, greift die Hamburger Bildredakteurin und Fotografin Sandra Schink in ihrem Blogbeitrag „Liebe Hobbyfotografen! Bitte werdet Semi-Profis“ auf:

Gerade stolpere ich wieder über eine Debatte, die mich seit Jahren verfolgt. In einer Gruppe für Fotografie-Einsteiger fragt ein Hobbyfotograf verunsichert, ob er etwas dagegen tun kann, dass ein Campingplatz ungefragt sein Foto für eine Werbebroschüre benutzt hat.

Das kann er natürlich, Stichworte: Urheberrechte, Nutzungsrechte, Honorierung nach MFM-Liste, doppelte Honorierung wegen unterlassener Namensnennung, etc. Aber um die rechtlichen Details soll es hier gar nicht gehen. Ich war schockiert über das geballte Unwissen, das sich in den Antworten anderer Diskussionsteilnehmer widerspiegelte. Zum Beispiel, dass der Hobbyfotograf selber schuld sei, denn er habe das Bild ja frei verfügbar ins Internet gestellt. Ich war aber auch schockiert darüber, dass es Menschen gibt, die zwar selbst fotografieren, es aber für einen Frevel halten, wenn ein Fotograf seine Rechte als Urheber gewahrt wissen will. Die den Wert ihrer eigenen Fotos so sehr gering schätzen, dass sie dankbar sind für jede Form Aufmerksamkeit, die ihnen zuteil wird – und sei es ein honorarfreier Abdruck ohne Fotocredit.
Das muss aufhören. (Sie können den Beitrag hier weiterlesen.)

Nicht aufs Honorar verzichten!

Mir ist es ein Anliegen, dass Sie darüber nachdenken, was für einen Gebrauchswert Ihr Bildmaterial hat und wie Sie mit Ihrem Bildmaterial seriös umgehen. Bekanntermaßen bin ich sehr dafür, dass Hobbyfotografen inhaltlich fotografieren (zum E-Book) und nicht auf die kommerzielle Fotografie schielen. Je besser sie aber frei arbeiten, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass das Bildmaterial in den Fokus von Verwendern gerät. Bei einer kommerziellen Nutzung durch Dritte steht Ihnen ein Honorar zu. Bitte verzichten Sie nicht darauf, weil Sie auf das Geld nicht angewiesen sind. Berufsfotografen sind es. Wenn Amateure aus Unkenntnis den Markt noch weiter kannibalisieren, dann sägen sie auch immer den Ast ab, auf dem viele von ihnen lieber sitzen möchten als im Bürosessel.

Am Ende seines Beitrages sagt Mikael Cho:

Dinge werden sich verändern. Gegen Veränderung können wir uns nicht wehren, egal wie sehr die heutige Welt uns nutzt. Wir stehen vor der gleichen Tatsache, der jeder Künstler und jedes Geschäft sich stellen muss: Was wir heute anbieten, wird schließlich veraltet sein. Wir können beschließen, uns darüber aufzuregen oder verstehen, dass es unvermeidlich ist und uns weiter anpassen.

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10 Kommentare

  1. Pingback: Liebe Hobbyfotografen! Bitte werdet alle Semi-Profis! | Sandra Schink

  2. Liebe Martina,
    danke fürs Verlinken und aufgreifen. Ich finde die Diskussion und das Bewusstmachen des Thema sehr wichtig und bin froh, dass andere Aspekte mit eingebracht werden.

    Unsplash-User, die Fotos zur Verfügung stellen in der Hoffnung potentielle zahlende Kunden zu bekommen, sind nicht die Zielgruppe die ich meine, denn die sind sich ja des Wertes Ihrer Bilder bewusst. Es ist ja quasi eine Marketingmaßnahme.

    Problematisch finde ich aber die Einstellung „Ach, ich bin doch nur Hobbyfotograf, mein Foto ist ja kein Profifoto und deshalb nichts (nicht so viel) wert. Und ich freu mich doch über Aufmerksamkeit, selbst wenn nicht mal mein Name genannt wird.“

    Das ist das Signal für jeden „Selbstbediener“ nach dem Motto: „Die wollen es doch nicht anders!“ ;)

    • Dr. Martina Mettner

      Das sehe ich ganz genau so! Ich hatte erst vor einiger Zeit einen Klienten, der ganz am Ende der Beratung berichtete, sein eigener Vater biete seine fotografische Arbeit kostenlos an. Auch so nach dem Motto: Ich mach’s ja gerne! Unfassbar, oder?

    • Für mich nicht ganz so unfassbar, da ich jahrelang durch die VIEW Fotocommunity mit Amateuren gearbeitet habe und ihre Grundmotivation der Liebe zu Fotografie, Kreativität, technische Möglichkeiten etc. verstehe.

      Ich habe damals auch immer um faire Wettbewerbsbedingungen und Wertschätzung der Fotos durch die Redaktion gekämpft, eben weil sowohl VIEW und stern von den Amateuren partizipiert haben, als auch die Fotografen durch die Auszeichnungen/Referenzen die sie dadurch erhielten, dass ihre Fotos in (eigenen!) Fotostrecken gezeigt wurden.

      Die Hobbyfotografie ist meines Erachtens aber das einzige Hobby, bei dem die Hobbyisten ihre geschaffenen Werke einfach ohne Ausgleich verschenken, auch wenn sie erheblich in Ausrüstung , Software, Workshops investiert haben. Vielleicht, weil das Ergebnis digital ist. Vielleicht macht digital beliebig?

      Kein anderer Hobby-Künstler würde seine Werke permanent einfach so verschenken, obwohl er vielleicht nicht mehr für Material und Weiterbildung bezahlt hat, als ein Hobbyfotograf. Jeder würde immer versuchen zumindest seine Materialkosten wieder rein zu bekommen. Aber alles was man anfassen kann scheint ohnehin „wertvoller“ wahrgenommen zu werden, als digitale Bilder und verkauft sich in der entsprechenden Zielgruppe, die diese Arbeit wertschätzt, auch besser…

    • Dr. Martina Mettner

      Habe gerade einen Artikel über Haptik für ein Print-Magazin abgeliefert!

  3. Mir fehlt da ein wichtiger Aspekt, der in Diskussionen über Urheberrechte, free-use und dergleichen immer wieder übersehen wird, was Urheberrechte – neben Geld – nämlich auch bedeuten und gewährleisten ist: Kontrolle darüber, was mit meinen Fotos passiert.

    Und diese Kontrolle nicht aufzugeben gehört zur Verantwortung des Urhebers. Gegenüber sich selbst aber auch gegenüber Dritten.

    Wer ein Foto von Dirk Bach macht und das dann mit einer CC-Lizenz die bei Namensnennung alles erlaubt bei wikipedia einstellt, weil er Dirk Bach und wikipedia mag, der kann ein böses Erwachen erleben, wenn er sein Bild anläßlich von Bachs Tod unter der Überschrift „Jetzt brennt er in der ewigen Homo-Hölle“ auf der Website von Schwulenhassern findet. Natürlich mit dem Namen des Fotografen neben dem Bild, wie das die CC-Lizenz verlangt.

    Das solche Dinge den Abgebildeten schaden ist selbsterklärend, aber natürlich schadet sowas auch schnell dem Fotografen.

    • Dr. Martina Mettner

      Vielen Dank für den Hinweis und das anschauliche praktische Beispiel. Gerade wenn man Menschen abbildet, trägt man Verantwortung. Es ist gut, dass Sie das anfügen und herausstellen.

  4. Hallo zusammen,

    ich stimme dem Tenor des Beitrages zu, aber ich sage auch: das wird man nicht mehr zurückdrehen können. Erst vor 2 Tagen bin ich über ein Forumsbeitrag gestolpert, in dem ein stolzer Hobby-Fotograf mit Stolz geschwellter Brust kommunizierte, dass er Fotos von einem Städtchen der entsprechenden Gemeinde (kostenlos) zur Verfügung gestellt hat, die diese Bilder nun auf ihrer Website präsentierte….

    Gegen diesen Trend kann man nicht angehen, das wird weiterhin einfach geschehen.

    Für Profis bleibt nur eines: sich ein Themenfeld zu suchen, wo ein Hobbyfotograf von obigem Kaliber keinen Fuß auf den Boden kriegt: weil er die Erfahrung nicht hat, weil er die Spielregeln nicht kennt, weil er das Können nicht hat.

    Diese Felder gibt es auch heute noch, sogar etliche. Aber es ist auch eine Tatsache, dass man für eine nette Städteansicht, für ein 08-15 Produktfoto oder für ein drittklassiges Hochzeitsfoto keinen Profi-Könner mehr braucht.

    War „früher“ wirklich besser? Da hat der Hochzeitsfotograf für sein drittklassiges Bild noch richtiges Geld aufrufen können. Das ist heute nicht mehr so. Richtiges Geld wird nur noch gezahlt, wenn es um zweit- oder möglichst erstklassiges Material in einem passenden Markt geht und das vom Kunden auch als solches erkannt und gewürdigt wird.

    Manchmal frage ich mich, welche Zeit die wirklich bessere war/ist….

    Viele Grüße
    Christian Ahrens

    • Mich würde in dem Zusammenhang interessieren, ob die Gemeinde tatsächlich rechtssicher die Nutzungsrechte beim Hobbyfotografen eingeholt hat.
      Manchmal scheinen mir da Hobbyfotografen ohne Wissen um die rechtlichen Grundlagen von „Hobbykunden“ ohne Wissen um die rechtlichen Grundlagen ausgenutzt zu werden.

      Andere Überlegung:
      Ist das überhaupt zukunftssicher zu handeln? Kann der Hobbyfotograf eine ohne Gegenleistung erteilte Nutzungsgenehmigung nicht jederzeit zurückrufen?

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