Peter Braunholz: Fotografische Wirklichkeiten

Gerade frisch erschienen ist der Bildband „Fotografische Wirklichkeiten“ von Peter Braunholz im Kehrer Verlag (140 Seiten, 39,90 Euro). In den vergangenen Jahren hat sich der 1963 geborene Bildautor zu einem international vielfach ausgestellten und sehr präsenten deutschen Fotokünstler entwickelt.

Im Vorfeld der Buchveröffentlichung hatte ich Gelegenheit, mit Peter Braunholz ein Interview für das Magazin Fine Art Printer zu führen, das in der aktuellen Ausgabe (2/17) nachlesbar ist. Zur Buchproduktion fragte ich ihn:

Welchen Stellenwert hat diese Bildbandveröffentlichung für Sie? Auch unter dem Aspekt, dass für solch eine Buchproduktion in der Regel eine größere finanzielle Investition erforderlich wird.

Peter Braunholz: „Nun liegen aus über fünfzehn Jahren Arbeiten vor, da kommt die Veröffentlichung  für mich zum richtigen Zeitpunkt. Der Prozess der Buchproduktion ist spannend und lehrreich zugleich: Welche Bilder sollen in jedem Fall hinein? Welche können wir weglassen? Wie muss der Ablauf aussehen? Arbeiten, die mir bislang nicht so bedeutsam erscheinen, bekommen vielleicht in einem Buch einen ganz anderen Stellenwert. Welche Rolle spielt die internationale Veröffentlichung für das Design?

Dass ich den Kehrer Verlag und Gérard Goodrow, den früheren Direktor der Art Cologne, für das Projekt gewinnen konnte, freut mich in mehrfacher Hinsicht: Kehrer ist ein renommierter, auf Fotokunst spezialisierter Verlag, und Gérard Goodrow ein ausgewiesener Fotokunst-Kenner und hervorragender Autor, der zudem zweisprachig arbeitet. Er kennt meine Arbeit, wir hatten im letzten Jahr im Rahmen meiner Einzelausstellung in der Galerie Anja Knoess in Köln einen Artist Talk, der übrigens auch als Film bei YouTube zu sehen ist. In puncto Marketing soll das Buch natürlich auch ein Instrument sein, Interesse für meine Arbeit zu wecken. Das Programm des Kehrer Verlags wird von Fachleuten und Liebhabern beachtet. Das Buch wird in „meinen“ Galerien ausliegen, bei Ausstellungen und Messen, in Buchhandlungen. Es kam schon öfter vor, dass Sammler Arbeiten sozusagen direkt aus dem Katalog gekauft haben. Erfreulich wäre, wenn das Buch auch helfen kann, interessante Ausstellungsprojekte anzustoßen. Ganz besonders dankbar  bin ich den Sammlern und Freunden, die das Projekt finanziell unterstützt haben. Ohne sie wäre es für mich nicht möglich gewesen, das Buch so rasch auf den Weg zu bringen.“

Bildband Peter Braunholz Doppelseite Topophilia

Doppelseite der Serie „Topophilia“

Peter Braunholz Monolith-Doppelseite

Doppelseite „Monolith“, Norwegen 2015

Peter Braunholz Bildband

Schön gelöst: Der Textblock, sonst am Ende eines Bildbandes, ist hier in der Mitte und trennt zwei unterschiedliche Werkgruppen.

Peter Braunholz: Chinese Dreams, Suzhou 2013

Mehr über Peter Braunholz auf seiner Website. Folgen Sie ihm in den digitalen sozialen Netzwerken.

Bildfreigabe für persönliche Fotoprojekte

Die Bildfreigabe gehört zum Fotografieren

In meinem E-Book „Wer fotografiert hat mehr vom Leben“ sporne ich dazu an, persönliche Fotoprojekte zu fotografieren. Darauf kam bisher schon großartiges Feedback. Angeregt durch die Berichte per E-Mail möchte ich heute das Thema der Bildfreigabe ansprechen.

Das ist, wie Sie wahrscheinlich wissen, juristisch vermintes Gebiet. Und vielen macht das Angst. Meines Wissens ist es bisher nicht grundsätzlich verboten, überhaupt zu fotografieren. Erst recht nicht, wenn Sie das einvernehmlich mit den Personen oder Grundstückseigentümern tun – was bei einem persönlichen Projekt die Voraussetzung ist. (Sonst wäre es flüchtiges Knipsen.)

Gerade beim Arbeiten an einer Fotoserie steht für den Hobbyfotografen eine Veröffentlichung erst einmal nicht zur Debatte, zumindest nicht im Sinne einer kommerziellen Verwertung, wie dies bei Berufsfotografinnen und -Fotografen der Fall ist. Einschränkend muss man aber sagen, dass jede Art von Foto schneller in den sozialen Netzwerken hochgeladen wird, als man sich über die Konsequenzen im Klaren ist.

Bevor man also so richtig loslegt, sollte man sich über drei Punkte klarwerden.

Behalten Sie die Kontrolle über Ihre Bilddaten – so gut es geht

Ein Leser schrieb mir, er wolle allen Beteiligten hoch aufgelöste Daten (zum Dank) zur Verfügung stellen. Davon kann ich nur dringend abraten, nach dem Motto „Weg is weg“. Sie wissen nicht, was mit den Daten passiert. Und mal nur angenommen, Sie haben großen Erfolg mit Ihrem Projekt. Dann können Sie keine Prints mehr verkaufen, weil die ja dann „jeder“ printen kann. Wenn Sie den Beteiligten Bildmaterial aushändigen wollen, dann verwenden Sie eine geringe Auflösung, wie beispielsweise 1280 px / 72 dpi. Durchaus angebracht wäre es auch, den eigenen Namen unten mit ins Bild zu setzen – das vor allem, weil die meisten Empfänger die Fotos anschließend bei Facebook hochladen. Dabei werden sie voraussichtlich nicht Ihren Namen nennen, was ärgerlich ist und eine Urheberrechtsverletzung. Denken Sie zudem daran, die IPTC-Daten auszufüllen. Das geht beispielsweise in Photoshop. (Googeln Sie „IPTC Metadaten“, wenn Sie nicht wissen, was das ist.)

Das juristische Minenfeld beginnt, wenn Sie das Material veröffentlichen

So lange Sie nur für sich fotografieren, kein Model engagieren und keine kommerzielle Verwertung anstreben, bleibt alles im grünen Bereich. Gleichwohl rate ich dringend zur Vorsorge.
Der Vorzug des Projektes ist, dass man meist an einem überschaubaren Ort mit einer überschaubaren Anzahl an Personen zu tun hat. Man kann also erst einmal miteinander sprechen und Vertrauen aufbauen, bevor man den Beteiligten Schriftliches unter die Nase hält. Ein Vertrag in Form eines „Model Release“, wie er für kommerzielle Zwecke notwendig ist, wirkt sehr abschreckend. Vor allem, wenn Sie vorher behauptet haben, Sie würden nur für sich fotografieren. Lassen Sie sich stattdessen eine einfache schriftliche Bestätigung geben. Darin sollte stehen, dass derjenige mit einer eventuellen Veröffentlichung (im Unterschied zur kommerziellen Verwertung) seines Porträts einverstanden ist.

Öffnet PDF, als Vorlage für Ihre Anpassung.

Da die meisten Leute inzwischen Smartphones mit sich führen, können diese sich die Freigabe abfotografieren. Selbstverständlich geht das Freigeben auch komplett digital. Für Berufsfotografen gibt es Apps wie „Easy Release“. Das ist praktisch, wenn man die Bildfreigabe auf Englisch benötigt.

Wie halten Sie es mit der Namensnennung?

Wenn Sie bei einer Veröffentlichung der Bilder den Namen der Porträtierten beziehungsweise Abgebildeten nennen, wirkt das seriös auf den Betrachter. Er weiß dann, dass Sie sich mit den Personen wirklich befasst und sie womöglich über einen längeren Zeitraum fotografiert haben. Zu analogen Zeiten war das ganz unproblematisch. Heute muss man sich Gedanken machen – für die Abgebildeten gleich mit. Nennen Sie online den vollen Namen, ist die Person über Google leicht auffindbar. Manche möchten das, andere wollen lieber anonym bleiben. Ein Kompromiss ist das Nennen nur des Vornamens. Überlegen Sie gut, wie Sie das handhaben wollen. Fragen Sie die Fotografierten! Als Fotografierender übernehmen Sie Verantwortung.

Ausdrücklich möchte ich betonen, keine Juristin zu sein und keinen juristischen Rat geben zu wollen. Ich verweise gerne auf die einschlägige Literatur zum Thema. Mir ist nur ein Anliegen, dass Hobbyfotografen nicht blauäugig Personen fotografieren, ohne sich über deren Haltung zur Veröffentlichung des Bildes zu informieren und sich deren Kontaktdaten geben zu lassen, um sie später zwecks Genehmigung erreichen zu können. Hat derjenige Ihnen unterschrieben, mit einer Veröffentlichung (zum Beispiel auf Ihrer Website) einverstanden zu sein, sorgt das für klare Verhältnisse und dient Ihrer Beruhigung. Und bitte denken Sie daran, sich bei Minderjährigen die Einwilligung der Eltern einzuholen.

Ninette Niemeyer fotografiert eine alte Dame

„Mit großem Interesse habe ich Ihr wirklich wunderbar geschriebenes E-Book gelesen“, schrieb mir Ninette Niemeyer nach der Lektüre von „Wer fotografiert hat mehr vom Leben“ und sandte mir ihrerseits einen kleinen Bildband in Form eines PDFs. Der Titel ihrer Serie über eine 96 Jahre alte Dame, die alleine in ihrem Haus lebt, lautet:

„Der liebe Gott will mich noch nicht”

Die Bildautorin hat an der Uni in Hannover Architektur studiert und viele Jahre als Architektin gearbeitet. „Irgendwann kam die Erstellung von Webseiten hinzu. In der Zeit bin ich von der analogen zur digitalen Fotografie gekommen und begann, mich intensiv mit künstlerischer Fotografie und der Erstellung von Serien auseinander zu setzen. Mein Thema ist der Mensch mit seinen Geschichten, seiner Unergründlichkeit und seiner Verrücktheit“, sagt Frau Niemeyer, die in Bergisch Gladbach lebt. Weiterlesen

Städel Ausstellung: Die Becher-Klasse

Die Becher-Klasse
Ausstellung Die Becher-Klasse

Ausstellungsansicht Raum Andreas Gursky, Foto: Städel Museum

In einer umfassenden Überblicksausstellung widmet sich das Städel Museum in Frankfurt am Main vom 27. April bis 13. August 2017 der Becher-Klasse. Rund 200 Fotografien sind zu sehen von Andreas Gursky, Candida Höfer, Axel Hütte, Tata Ronkholz, Thomas Ruff, Jörg Sasse, Thomas Struth sowie von den weniger prominent gewordenen Studenten Volker Döhne und Petra Wunderlich. Die Ausstellung mit dem Haupttitel „Fotografien werden Bilder“ konzentriert sich mithin auf die Studentinnen und Studenten der frühen Jahre der Becher-Klasse, die 1976 mit Höfer, Döhne, Hütte und Struth beginnen und 1987/1988 mit dem Abschluss des Studiums von Gursky und Sasse enden.

Dokumentarische Fotos von Trinkhallen

Die Ausstellung im Anbau des ehrwürdigen Kunstmuseums Städel führt über zwei Etagen. Man beginnt unten mit den frühen Arbeiten, die noch deutlich unter dem Einfluss der Lehrer vielfach klein, schwarzweiß und dokumentarisch abbildend sind. „Dem Ansatz lag folgende Auffassung zugrunde: Wenn Stil und Produktion des Fotografen neutralisiert würden, würden die Aufnahmen unvoreingenommen und gleichgewichtig erscheinen, und die Fotografie könnte als unparteiisches Mittel der Beobachtung anerkannt werden“, schreibt Alexander Alberro in seinem überaus lesenswerten Katalogbeitrag. Und weiter heißt es dort: „Tata Ronkholz‘ sachliche, aus fixen Kamerapositionen erstellte Aufnahmen von Trinkhallen und kleinen Läden, Volker Döhnes und Axel Hüttes unpersönliche Bilder industrieller Architektur und banaler Elemente der urbanen Infrastruktur sowie Petra Wunderlichs Detailansichten von Kirchenfassaden suggerieren oberflächlich ein Verlangen, Orte und Einrichtungen aus dem Zeitraum von Mitte bis Ende des 20. Jahrhunderts zu katalogisieren und auf unbestimmte wissenschaftliche Art zu klassifizieren. Das perfekte Licht, das ihre Werke auszeichnet, deutet zudem die gleiche unerschöpfliche Geduld an, die in den Arbeiten der Bechers zutage tritt.“ (S. 21-22)

Andreas Gursky (*1955) Pförtner, Passkontrolle, 1982 (2007) Tintenstrahldruck, 43,2 x 52,5 cm Leihgabe des Künstlers / Courtesy Sprüth Magers © Andreas Gursky / VG Bild-Kunst, Bonn 2017 / Courtesy Sprüth Magers Berlin London Die Nutzung der Fotos im Internet ist nur für einen Zeitraum von einem Jahr zulässig,

Tata Ronkholz (1940–1997) Trinkhalle, Düsseldorf, Hermannstraße 31, 1978 Silbergelatine-Abzug auf Barytpapier, 41,2 x 51,2 cm Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur, Köln/Dauerleihgabe der Sparkasse KölnBonn © Tata Ronkholz, Nachlassverwaltung Van Ham Art Estate 2017

Schon früh wurde auch mit Farbe gearbeitet. Candida Höfer fotografierte 1979 auf Diamaterial Türken und türkische Läden. Die Bilder werden in der Ausstellung als Projektion gezeigt. Sie sagt von sich, sie könne schlecht dirigieren und habe sich daher zunehmend auf leere Räume konzentriert. Der Wartesaal Köln III von 1981 mit kleinen Personen entstand noch während des Studiums und ist eine Art Übergangsbild. Ende der Neunzigerjahre entstanden die berühmten Bilder der menschenleeren Bibliotheken.

Candida Höfer (*1944) Bibliothèque Nationale de France Paris XIII 1998, 1998 Chromogener Farbabzug, 155 x 215 cm Art Collection Deutsche Börse, Deutsche Börse Photography Foundation © Candida Höfer, Köln; VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Systematische Erforschung fotografischer Techniken

Die Ausstellung erlaubt, die unterschiedlichen Entwicklungen zu erkennen, die im fotografischen Standpunkt der Bechers ihren Ursprung hatten, sich aber buchstäblich meilenweit davon entfernten. Waren die Motive anfangs noch in der Region zu finden, so fliegen die Fotografinnen und Fotografen bald in alle möglichen Teile der Welt, um ihre Sujets zu finden. Globalisierung und Digitalisierung schlagen sich unmittelbar in der Bildproduktion nieder. Der wichtigste Aspekt war aber, dass unter dem Einfluss der Postmoderne das Verhältnis zum Medium grundsätzlich hinterfragt wurde. So „erweiterte die Becher-Schule das sorgfältige Augenmerk, das die Bechers auf Schärfentiefe, Belichtungszeit, Bildeinstellung usw. legten, um eine Analyse der fotografischen Konstruktion von Realität. Das Ergebnis war eine systematische Erforschung fotografischer Techniken und Vorgehensweisen, von denen einige solche Aspekte wie den des Maßstabs oder der Farbe betrafen.“ (Alberro, S. 25)
Die großen Formate, mit denen man „die Düsseldorfer“ gemeinhin verbindet, „zielen auf eine Erfahrung von Räumlichkeit, indem sie die Bilder selbst zu einem Ereignis im Raum werden lassen. Das mehr als vier Meter breite Tableau eines Pariser Wohnblocks lässt sich nicht im Vorübergehen rezipieren, muss aber sehr wohl – vor und zurück, hin und her – im Gehen betrachtet werden.“ (Steffen Siegel, S. 171)
Und auch diese (nicht ganz unproblematische) Entwicklung ist zu erkennen: Vom Seriellen zum musealen Einzelbild (das jedoch wiederum Teil einer Serie sein kann).

Ausstellung Die Becher Klasse

Ausstellungsansicht Raum Thomas Struth, Foto: Städel Museum

Eine große Ausstellung, so spannend wie schön gehängt und ganz gewiss einen Besuch in Frankfurt am Main wert. Wer sich einstimmen möchte oder nicht reisen kann, findet online ein toll gemachtes Digitorial. Es gibt zudem einen etwas unangenehm werblichen Film über die Ausstellung.

Die Becher-Klasse – Der Katalog

Der Katalog aus dem Hirmer Verlag ist auf jeden Fall eine lohnende Anschaffung. Falls man diese ohnehin plant, wäre es sehr empfehlenswert, den auch haptisch angenehmen Ausstellungskatalog nicht erst nach dem Besuch zu erwerben, sondern ihn vorher zu lesen (bei schönem Wetter geht das auch am Mainufer gegenüber dem Museum!). Die Lektüre hilft dabei, nicht nur zu realisieren, was auf den Bildern zu sehen ist, sondern auch die durch sie repräsentierte Entwicklung in der Geschichte der Fotografie besser zu erfassen. Antwort auf die Frage, warum die erste Generation (es gab insgesamt 87 Becher-Studenten!) weltberühmt wurde, findet man eher durch die Lektüre als beim Betrachten der Exponate.
Katalog „Fotografien werden Bilder – Die Becher-Klasse“ mit 256 Seiten und ca. 178 Abbildungen, mit einem Vorwort von Philipp Demandt, Essays von Alexander Alberro, Jana Baumann, Martin Engler und Steffen Siegel, 34,90 Euro (Museumsausgabe), Buchhandelsausgabe 45 Euro.

staedelmuseum.de
Öffnungszeiten: Di, Mi, Sa, So + Feiertage 10.00–18.00 Uhr, Do + Fr 10.00–21.00 Uhr, montags geschlossen
Sonderöffnungszeiten: 1.5., 10.00–18.00 Uhr; 25.5., 10.00–18.00 Uhr; 4.6., 10.00–18.00 Uhr; 5.6., 10.00–18.00 Uhr; 15.6., 10.00–18.00 Uhr
Eintritt: 14 Euro, ermäßigt 12 Euro, Familienkarte 24 Euro; freier Eintritt für Kinder unter 12 Jahren; Kartenvorverkauf: tickets.staedelmuseum.de

Artikelbild:
Jörg Sasse (*1962)
7341, 1996
Chromogener Farbabzug, 93 x 150 cm, DZ BANK Kunstsammlung im Städel Museum
© Jörg Sasse; VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Verwandte Artikel:
Besprechung der Gursky-Ausstellung im Haus Lange, 2009
Besprechung der Thomas Struth-Ausstellung in Düsseldorf, 2011

Fotografie ist (k)ein Hobby

Sonnenuntergang fotografierende Hobbyfotografen

Hobbyfotografen wünschen sich oft nichts sehnlicher als in die „Profi-Liga aufzusteigen“. Das Sehnen des Hobbyisten nach Profitum hat in unserem Sprachraum Tradition – und wird zur Umsatzsteigerung von der Fotobranche kräftig gefördert. Ist der Status als Möchtegern-Berufsfotograf wirklich so erstrebenswert? Wie wäre es, das Fotografieren als etwas zu betrachten, mit dem man sich etwas Gutes tut? Als Inspiration zum Umdenken habe ich ein E-Book geschrieben, das Sie sich gerne kostenlos downloaden können. Es heißt: „Wer fotografiert hat mehr vom Leben“.

Zum Download

Ich behaupte darin: Die Kamera ist ein Talisman, ein glückbringender Gegenstand.
Warum haben Sie die Zauberkraft Ihrer Kamera bisher nicht wahrgenommen? Weil es dafür keinen sichtbaren Schalter gibt, sondern einen im Kopf.

Ein Plädoyer für das Fotografieren ohne kommerzielle Absichten

Das Dilemma ist nämlich, dass die Fotografie in den Köpfen der Hobbyfotografen fest als Handwerk verankert ist. Das Fotografieren selbst wird nicht als typisches Hobby verstanden! Ein Hobby betreibt man aus Freude an der Sache; es schluckt meistens viel Geld und Zeit, löst aber grundsätzlich keinen Renditegedanken aus. Die Fotografie hingegen steht immer im Zeichen eines möglichen Überwechselns in die kommerzielle Anwendung.

Sie denken an einen „Return of Investment“, wenn Sie Fotoausrüstung anschaffen. Wenn Sie damit etwas verdienen, sind Sie – oder Ihre bessere Hälfte – geneigt, über den Kauf eines neuen Objektivs oder des A2-Druckers mit 12 Tinten hinwegzusehen. Hingegen wird bei der Anschaffung eines Aufsitzrasenmähers niemand erwarten, Sie sollten ein Nebengewerbe als Platzwart anmelden.
Wer Uhren sammelt, will damit keinen Laden oder ein Auktionshaus eröffnen. Wer Golf oder Tennis spielt, sucht Geselligkeit gewürzt mit leichten sportlich-mentalen Herausforderungen. Und wer seinen Garten pflegt und gestaltet, will nicht Gärtner werden, sondern die Aussicht genießen.

Der Drang in die Kommerzialisierung hängt eng zusammen mit der Einordnung der Fotografie als Handwerk. Natürlich ist sie unter anderem ein Handwerksberuf. Jedoch wird der handwerkliche Teil des Verfahrens mit dem technischen Fortschritt im 21. Jahrhundert immer bedeutungsloser.

Hobbyfotografen meinen: „Das kann ich auch!“

Für Hobbyfotografen ist dieses Klammern am Handwerklichen schon immer eine Sackgasse gewesen. Sie streben danach, so gut zu sein wie ein Werbe-, Mode- oder Architekturfotograf. Was sie in ihren eigenen Augen leicht erreichen – weil sie das Produkt absolut setzen, losgelöst von jeder Bedingung, der ein Berufsfotograf stets unterliegt. Zeitdruck, Budgetdiskussionen und Kundenwünsche kommen in der Welt der Hobbyfotografie ebenso wenig vor wie Architekturaufträge bei schlechtem Wetter.

Erfolgserlebnisse bezogen auf ein einzelnes, losgelöstes Produkt befördert die Illusion des Amateurs, im täglich härter werdenden Fotobusiness Fuß fassen zu können. Und indem er der Werbe-, Mode-, oder Hochzeitsfotografie nacheifert, bleibt der Amateur ein Möchtegern-Profi.
Verhinderter Berufsfotograf zu sein ist kein schöner Dauerzustand, oder?
Was passiert: Der Hobbyfotograf erledigt kostenlos kommerzielle Fotoaufträge. Berufsfotografen die Arbeit wegzunehmen und die Preise zu ruinieren, geschieht meist nicht in böser Absicht, zeugt aber von wenig Umsicht. Gutverdiener oder Pensionäre sollten am besten überhaupt nicht kommerziell fotografieren!

Werden Sie beispielsweise gefragt, eine Hochzeit abzulichten, dann überlegen Sie noch einmal gut, ob das wirklich so schmeichelhaft ist. Sehen Sie es realistisch: Das Hochzeitspaar will das Fotografenhonorar sparen und kann den Wert professioneller Fotografie offenbar nicht würdigen. Sie wären gerne Gast. Doch Sie werden zum Dienstleister ernannt und sollen arbeiten, während alle anderen feiern. (Lassen die Brautleute eigentlich ihre Hochzeitstorte von der Mutti backen?)

Fotografieren Sie, was Ihnen am Herzen liegt – nicht kommerziell, wohl aber anspruchsvoll.

Hören Sie nicht auf innere oder äußere Stimmen, die das Geldverdienen mit der Kamera soufflieren. Denken Sie an die vielen Dinge, die Sie handwerklich erledigen, ohne dass Ihnen Geld in den Sinn käme. Niemand erwartet, Sie sollten mit dem Kochen Kohle machen, mit Rasenmähen und Heckestutzen Ihr Haushaltsgeld aufbessern oder einen Baumarkt eröffnen, nur weil Sie sich samstags immer beim Obi rumdrücken.

Ohne kommerzielle Hintergedanken zu fotografieren, kann das Leben hingegen unglaublich bereichern. Statt sich am Handwerk zu orientieren und immer neue technische Finessen der kommerziellen Fotografie ohne Anwendungsbezug zu erlernen, propagiere ich die Orientierung an der Arbeitsweise freier Fotografen. Und ich vertrete das Erlernen technischer Fähigkeiten passend zu dem, was man umsetzen möchte. Das heißt nicht, die Messlatte läge nicht hoch, was das einzelne Projekt betrifft. Aber sie liegt sozusagen quer zu der im Amateurbereich üblichen.

Die handwerkliche Perfektion sollte statt Selbstzweck wieder Mittel zum Zweck werden. Gefragt ist in erster Linie eine Aussage:
Was hat das, was Sie ablichten, mit Ihnen zu tun?
Warum ist es gut, das zu fotografieren?
Was zeigt die Serie neu oder anders als das, was wir bisher schon wussten?
Wagen Sie den Schritt von der kommerziell-handwerklich orientierten Fotografie zur künstlerisch-dokumentarisch inspirierten Arbeitsweise?
Wagen Sie den Schritt vom Einzelbild zur Serie? Vom schönen, technisch raffinierten Bild zum schönen, ausdrucksvollen Bild?

Wenn Sie Lust haben, Ihr Leben zu bereichern und dazu ganz einfach Ihre wahrscheinlich umfangreiche Fotoausrüstung ernsthaft einzusetzen, dann lassen Sie sich inspirieren von „Wer fotografiert hat mehr vom Leben“. Über den Klick auf den Button geht’s zum Download des PDFs mit 43 Seiten.

Zum Download

Artikelbild: © Martina Mettner, Sonnenuntergang über Tokio (Zum Schmunzeln)

Der eigene Bildband

Ein Bildband mit den eigenen Fotos ist so lange ausschließlich eine wunderbare Art der Bildpräsentation, wie man die Auflage klein hält. Sucht man mit seiner Arbeit die Öffentlichkeit, investiert mithin ziemlich viel Geld in den Druck, sollte man vorzugsweise schon zu Beginn überlegen, wer das Buch kaufen würde. Und sich auch vorab mental rüsten, mit der Downside des Publizierens umzugehen: Mit negativen oder gar nicht erfolgenden Buchbesprechungen, mit großen Stapeln unverkaufter Bücher im Lager, mit dem Verramschen des guten Stückes zum Schleuderpreis. Das gehört nämlich auch alles zum Alltag des Autors, wird aber gerne verschwiegen. Lassen mich also ein paar sachdienliche Fragen stellen.

Wozu überhaupt einen Bildband veröffentlichen?

Dazu sollte man sich die Frage ehrlich beantworten, ob es nur um das Gefühl geht, etwas publiziert zu haben. Dazu würden nämlich 20 bis 50 Exemplare reichen, die man an Friends & Family oder an seine Kunden verteilt. Oder gibt es eine echte Nachfrage nach dem Inhalt/dem Künstler, die eine Auflage von 500 bis 2.000 Exemplaren rechtfertigt? Um die Menschen zu erreichen, die sich für den Inhalt interessieren, muss man sehr viel Arbeit investieren. Und zwar höchstselbst und möglichst lange andauernd. Es wäre ein Traum, wenn das der Verlag leisten könnte. Aber ein Verlag ist kein Grand Hotel mit dreimal so viel Personal wie Gästen.

Wozu dient der Bildband?

Vor der Digitalisierung war der Bildband wichtig zur Information. Wollte man beispielsweise in ein Land oder in eine Metropole reisen, schaute man in einen Bildband, um vorab etwas zu sehen. Heute guckt man sich bei Google Earth die Stadt ungeschönt an, und bei Airbnb wie die Leute dort wohnen. Bei YouTube gibt es zudem Videos, in denen man Details über Streetfood, Strand oder das Nachtleben vorab betrachten kann.

Vor der Digitalisierung brauchte man monografische Bildbände, um sich über die Arbeit eines Künstlers zu informieren, vor allem, weil man nicht alle Ausstellungen ansehen kann. Heute ist die Website des Fotografen das optimale Medium, Serien und Projekte zu präsentieren. Und wenn der Bildautor das richtig macht, indem er zu den Bildern Text verwendet, sorgt diese Website ganz von alleine für die Verbreitung der Arbeiten.

Wozu also zusätzlich einen Bildband gestalten? Okay, wegen des Ruhms. Ob die Veröffentlichung eines Bildbandes jene Anerkennung des Kulturbetriebs nach sich zieht, auf die man spekuliert, ist höchst unsicher. Das hängt davon ab wie interessant und originell das Bildmaterial ist sowie von dem Einsatz, den man hinter der Kamera und hinter dem Buch leistet.

Ganz sicher kann man vom Bildband als einer der wichtigen Präsentationsformen in der Fotografie ausgehen. Daher möchte ich diese nun näher beleuchten und hinsichtlich des Verwertungskontextes auf meinen immer noch gültigen Beitrag von 2009 verweisen.

Was ist beim Bildband als Präsentationsform ausschlaggebend?

Wenn also Information keine besondere Rolle mehr spielt, was bleibt dann übrig? Darüber machen sich leider viel zu wenig Buchproduzenten ernsthafte Gedanken. Gerade weil die traditionelle Hauptaufgabe entfällt, ist es umso wichtiger, dem Buch eine Binnenspannung zu geben, also an einer Dramaturgie zu feilen. Nun werden genau das die meisten Fotografen durchaus für sich in Anspruch nehmen. Aber leider, leider haben sie oftmals nicht an den Betrachter gedacht, der die Bilder ja zum ersten Mal sieht. Und meist kann der Erstbetrachter kaum etwas davon nachvollziehen, was dem Fotografen so selbstverständlich ist. Der Fotograf war dabei, als das Bild gemacht, nachbearbeitet und ausgewählt wurde. Dem Bildbandbetrachter fehlt diese Vertrautheit völlig. Er muss sich erst in eine fremde Bildwelt hineindenken.

Bildband Ruecken

Kann ein nackter Rücken beim Bildband entzücken? (Im Regal eher nicht.)

Soll es ein Buch werden, wäre es extrem hilfreich, wenn die Serie von vornherein ein überzeugendes Konzept hätte. Nimmt man die Präsentationsform Fotobuch ernst, muss es sich durch mehr auszeichnen als durch einen bedruckten Pappdeckel um die Bilder und einen Text von Klaus Honnef zur Einführung. Einzelbilder in bunter Reihenfolge – das ist einfach nicht mehr zeitgemäß.

1. Buchmodell Villa Kunterbunt

(„Ich mach‘ mir die Welt, wie sie mir gefällt …“) Hauptmerkmal des Editings: Statt den Betrachter durch ein Thema zu leiten, durchmischt der Fotograf das Bildmaterial, wahrscheinlich damit „Abwechslung“ entsteht. Klar, er kennt ja die Motive. Aber bei allen, die das Bildmaterial zum ersten Mal sehen, wird er eher Unverständnis erzeugen. Was will der Autor uns mit der Bildabfolge sagen? Besonders problematisch wird es, wenn beispielsweise zwei oder drei Motive, die sichtlich am gleichen Ort zu gleichen Lichtverhältnissen aufgenommen wurden, im Bildband verteilt werden.

Auf der einen Seite fordern die Bildautoren ein, man möge genau hinsehen und ihre Arbeit würdigen, auf der anderen halten sie dann den Betrachter für zu oberflächlich, als dass es ihm auffalle? Was ist das für eine seltsame Logik? Würde man die Motive nacheinander bringen oder als visuell spektakuläres Triptychon, hätte der Betrachter viel mehr Chancen, zu begreifen, was den Fotografen daran fasziniert hat oder worum es ihm dabei ging.

Aber Achtung: die Rede ist von zwei, maximal drei Motiven, nicht vom Modell:

2. Das Karussell

Eine Motivgruppe, endlos variiert. Das kann großartig werden, wenn es typologisch angelegt ist. Dem Betrachter erschließen sich dann über den Vergleich die minimalen Differenzen, die er sonst nicht sehen würde. Prominentes Beispiel sind die Industrie-Typologien der Bechers, aktueller die Typologien (Menschenaffen, Schulhöfe) von James Mollison. Da dreht man gerne noch einmal eine Runde, und guckt den Band wieder von vorne an.

Unfassbar langweilig sind hingegen Bücher, die auf diesen streng typologischen Ansatz verzichten und trotzdem Bilder aneinander reihen, bei denen das Motiv immer ähnlich aufgebaut ist. Viele Fotografen verwenden ganz intuitiv stets einen ähnlichen Bildaufbau. Wenn sie beim Bildbandlayout zudem gänzlich auf Überraschungen verzichten, wird es optisch langweilig. Oft auch geistig. Den Betrachter zu unterfordern ist gerade in der Kunst keine gute Idee. Warum sollte man einen Bildband kaufen, wenn er weder visuelles Vergnügen verspricht noch intellektuell fordert? Um den Fotografen zu ehren? Im Ernst? Das war im 19. und 20. Jahrhundert vielleicht noch so.

3. Talking Heads

Eine relativ häufig anzutreffende Form ist das Foto (meist ein Porträt) in Kombination mit einer Aussage des Porträtierten. Da fragt man sich natürlich zunächst kritisch, ob hier wenig aussagestarke Fotos mithilfe von Text aufgepäppelt werden sollen. Das muss nicht unbedingt so sein. Es kann sich um ein schwierig zu visualisierendes Thema handeln, wie bei „Phone Sex“ von Philip Toledano. Den Porträtierten sieht man ihre Tätigkeit nicht unbedingt an. Der Buchtitel wäre ein guter Hinweis zur Ausdeutung der Bilder. Durch die Interviewfragmente wird der journalistisch/dokumentarische Charakter betont und natürlich auch die Präsentationsform Buch gut genutzt.

Ein Buch verbindet man in erster Linie mit Text. Dass man auch Fotografien lesen kann, ist als Kulturpraktik leider nicht sehr entwickelt – was Fotografen häufig ignorieren.

Stand des renommierten amerikanischen Fotobuchverlags Aperture auf der Frankfurter Buchmesse.

Was beim eigenen Bildband ideal wäre

Die Buchform ernst genommen haben natürlich schon viele Fotografen. William Klein beispielsweise vor allem mit der Kombination aus Grafik und Schwarzweißbildern, die aus den Seiten den Betrachter anspringen. Robert Frank mit „The Americans“ ist sicher DAS prominente Beispiel, an dem sich bis heute Fotografen abarbeiten. Über mehr solcher spannender Fotografen-Bildbände schreibe ich in „Fotografie mit Leidenschaft“. (Das fällt nur deswegen nicht so direkt ins Auge, weil die Verlage tatsächlich untersagt haben, die Buchcover abzudrucken.)

Für die Präsentation im Buch gilt es eine eigene Form zu finden, die Bilder so zu sequenzieren, dass der Betrachter sich einen Reim auf Auswahl und Abfolge machen kann. Es sollte Überraschungen geben, wenn vielleicht auch nur auf der Layoutebene. Zum Beispiel wäre es abwechslungsreicher, wenn nicht jedes Bild rechts steht neben einer weißen Seite, sondern ab und an auch die linke Seite „bespielt“ wird. Zugleich sollte man natürlich darauf achten, dass Beispielsweise ein Grafiker nicht aus grafischen Gründen ausgerechnet die Abbildung eines detailreichen Motivs verkleinert. Für ein Thumbnail muss man gegebenenfalls ein plakativeres Bild finden. Die richtige Auswahl und Abfolge (gemeinsam) zu bestimmen, macht ja die Arbeit, aber auch die Freude aus.

Ein Plädoyer für die Bildunterschrift

Auch ist es leider eine verbreitete Unsitte, den Betrachter gerade bei komplexen Themen ganz ohne aussagestarke Bildunterschrift zu lassen. Selbst wenn ein Bild für sich sprechen kann, ergibt sich durch den Hinweis auf Ort und Umstände eventuell noch eine tiefere oder weitere Bedeutung. Das sollte man nicht außer Acht lassen.
Ob das Gelobhudel am Anfang des Buches jemand liest, sei einmal dahin gestellt, aber die Bildunterschriften werden immer gelesen, ganz automatisch. Es macht also Sinn, diesen Lesereflex für sich zu nutzen. Man könnte sogar so weit gehen, in den Bildunterschriften etwas zu behaupten, das durch das Motiv selbst gar nicht gedeckt wird – einfach um den Betrachter zum Nachdenken über die Glaubwürdigkeit von Fotografie anzuregen oder um auf etwas außerhalb des Bildausschnitts zu verweisen.

Auch nicht vergessen werden sollten die biografischen Angaben oder überhaupt Wissenswertes zum Fotografen. Solch ein Buch ist auch eine Maßnahme der Eigenwerbung. Meist sogar in erster Linie. Daher sollte man dazu stehen und sich als Bildautor vorstellen.


Fragen Sie gerne nach einer persönlichen Beratung für Ihr Projekt – je früher desto besser kann ich Sie unterstützen und ermutigen, das Optimale zu erreichen.

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Die eigene analoge Fotovergangenheit

Frühjahrsinventur nenne ich es, wenn an einem Wochenende sämtliche Schränke durchforstet werden. Seit ich in einem großen Haus lebe, ist mir dies ein besonderes Anliegen. Das haben wir nämlich mit einer Vielzahl von Einbauschränken gekauft. Und auf magische Weise dehnt sich der eigene Besitzstand aus wie Hefeteig – so lange, bis auch der letzte Wandschrank gefüllt ist.
In einigen Oberschränken liegt quasi meine Vergangenheit in erschütterndem Zustand: Fotos über Fotos. Es sind stapelweise beschriftete Agfa- und Ilfordkartons mit Prints aus dem eigenen Labor. Natürlich lagern sie in den Papierkartons nicht archivfest. Das macht jedoch nichts, denn ich gucke sie ohnehin nicht an. Und niemand wird sich je dafür interessieren.

Analoge Fotos in Kartons

Kann das also alles weg?

Darin sind nicht die besten Bilder, sondern die zweite Wahl und Testprints. Stichproben würden mich in dem Urteil nur bestärken, dass entweder das Motiv banal ist oder der Print misslungen. Womöglich trifft beides zu. Aber kann man seine alten, mühevoll geprinteten, aufwendig luftgetrockneten und geglätteten Motive einfach in die blaue Tonne entsorgen? Ich meine: selbst!?
Das ist aber noch nicht alles. Es gibt eine Ansammlung etwa zehn Jahre alter Labortüten mit Farbprints. Will man in die Tüten reinsehen? Nein, besser nicht. Es würde einen doch nur mit dem konfrontieren, was man im Urlaub so zusammenknipst. Hinzu kommen die vielen Dias! Leider funktioniert mein Leica Projektor nicht mehr. Das wäre kein Hinderungsgrund, denn natürlich ist es kein Problem, seine analogen Fotos digitalisieren zu lassen.

Aber: Macht das Digitalisieren der analogen Fotos Sinn?

Als Beschäftigungstherapie ist das Scannen okay. Und bestimmt ist es lehrreich, die alten Schätzchen anzugucken und sich zu überlegen, was davon in die Gegenwart übertragen werden soll – und was nicht. Aber nicht jeder möchte seine Zeit damit zubringen, die eigene visuelle Vergangenheit aufzuarbeiten. Ich ganz sicher nicht. Heute ist nicht nur die digitale Technik ausgereift, man hat durch Photoshop und Lightroom ganz andere Ansprüche an die Bildbearbeitung als früher.

Also: Analoge Fotos ignorieren und neu produzieren?

Vielleicht gerade weil ich mich schon mein Leben lang mit der Fotografie befasse, bin ich streng oder zumindest realistisch; aber zugleich so sentimental wie jeder andere.
Derzeit wird ja so einiges an Fotografie wieder ausgegraben und groß ausgestellt, was ich schon zur Zeit seiner Entstehung bedenklich fand oder ganz einfach grässlich. So mancher mag da denken: Na, so was grobkörnig Schwarzweißes aus den wilden Siebzigern habe ich auch im Keller, wenn nicht besser. Das ist dummerweise meist ein Trugschluss.

Es gibt das menschliche Phänomen, den eigenen Sachen mehr Wert zuzusprechen als denen von anderen. Das fängt an beim Verkauf einer DVD mit einem Spielfilm auf Ebay („Nur ein Euro?“) bis hin zum Verkauf von Größerem wie dem Auto oder gar dem Haus. Dabei klaffen die eigene Wertvorstellung und die des Käufers mehrstellig auseinander.
Die emotionale Bindung erzeugt auch hinsichtlich der eigenen Fotos ein inneres Bild, das mit dem realen Print oft nur wenig gemein hat.

Diese emotionale „Linsentrübung“ ist es übrigens auch, die so manchen besser davon abhalten sollte, seine Fotos der letzten Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, nachträglich auf einer eigenen Webseite zu publizieren. Ist es wirklich klug, seine kameratechnischen „Jugendsünden“ öffentlich zu machen? Oder, noch kostenintensiver, sie in einer nennenswerten Auflage in einem Buch drucken zu lassen? „Not good!“ wie Happy Quinn sagen würde.

Meine Entscheidung heißt: Aus sentimentalen Gründen (und so lange Platz ist), hebe ich meine fotografische Vergangenheit unarchiviert auf. Vor Jahren fasste ich einmal den Entschluss, aus den Farbfotos nachträglich Themen zusammenzustellen. Das gab ich schnell auf. Warum?

Die zukünftigen Fotos werden immer besser sein als die bisherigen

1. Aus mehr oder minder sinnfrei geknipsten Motiven kann man nachträglich nichts Sinnhaftes gestalten.
2. Viel Arbeit, wenig Freude und die Frage: Wer soll sich das ansehen wollen?
3. Das Leben ist kurz. Ich will Neues sehen und lernen.
4. Aktuell ist man von seinen Fotos stets begeistert. Aber die besseren Fotos werden immer die sein, die man noch machen wird!
5. Meine einzig wertvollen und mir wichtigen Fotoarbeiten sind, jene, die ich im Rahmen eines mehrjährigen Fotoprojektes aufgenommen habe. (Und ein paar kleinere thematische Projekte.)

Was meinen Sie: Soll man seine analogen Knipsbilder aufheben? Was machen Sie mit Ihren analogen Schätzen?

Mehr Tipps für Ihre erste Fotoausstellung

Fortsetzung des vorherigen Beitrags.

7. Einzelbilder? Serien?
Fassen Sie Einzelbilder für eine Fotoausstellung in Gruppen zusammen. Geben Sie diesen sinnvolle, aussagekräftige Namen, vor allem wenn Sie diese auf Ihrer Website veröffentlichen. Das erhöht die Chance Ihrer Werke, via Google gefunden zu werden. Legen Sie Wert darauf, dass jedes Bild für sich gesehen wird, dann präsentieren Sie diese auch entsprechend in je individueller Größe und Rahmung. Den Charakter der Serie betonen Sie durch gleiche Rahmungen.

8. Niemand will Urlaubsfotos sehen!
Sie wissen es, ich weiß es: Die meisten Fotos werden auf Reisen aufgenommen. Das ist nur dann kein Problem, wenn es ein durchgängiges, interessantes Thema als Klammer gibt. Fehlt dieses, wie meist bei Hobbyfotografen, dann sollte zumindest die Bezeichnung der Serie keinen Rückschluss darauf zulassen, dass die Bilder quasi hobbymäßig entstanden sind. Vermeiden Sie also „Kuba | Island | Namibia“. Konzentrieren Sie sich auf Inhalte statt auf Beiläufiges.

9. Lustig geht gar nicht
Wichtig: Vermeiden Sie interpretierende Bildunterschriften. Ob jemand in einer Gesteinsformation ein Gesicht oder einen Elefanten erkennen möchte, sollte ihm überlassen bleiben. Auch Humor hat in Bildunterschriften nichts verloren. Was der eine lustig findet, veranlasst den anderen, die Augen zu rollen.

Fotoausstellung im Gasteig, München

Wolfgang Strassl hat seine erste Ausstellung bis 7. April 2017 in München im Gasteig.

Fotoausstellung im Gasteig

Das große Plakat mit dem Titel lenkt die Besucher in die Ausstellung. Der schwarze Hintergrund gibt den 1 x 1,50 Meter großen Bildern einen ruhigen Hintergrund.

10. Konzept statt Klischee
Das Beste wäre, Sie arbeiten von vorne herein mit einem Konzept! So gelingt es nebenbei, visuelle Klischees zu vermeiden. Um nach Abschluss der Arbeit mit dieser in Erscheinung treten zu können, müssen Sie erläutern können, was Sie mit welcher Absicht umgesetzt haben. Nachträglich Bedeutung in etwas hineinzulegen, wo keine gedacht war, führt immer zu schrecklicher Hirnakrobatik; zu Texten, die kein Mensch lesen möchte. Merke: Wo keine Intention war, kann man keine schlüssige hineindichten. Der Galerist aber braucht die Motivationsgeschichte des Autors, um die Bilder verkaufen zu können. Sie brauchen das Grundkonzept, um eine Pressemitteilung für Ihr Buch oder die Ausstellung schreiben (lassen) zu können.

11. Liefern Sie eine gute Story über sich!
Die Geschichte, die Sie über sich selbst erzählen müssen, sollte knapp, aber interessant sein. Und auf keinen Fall sollten Kameramarken darin vorkommen! Meine Story ist beispielsweise, dass ich mich schon in der Oberstufe bei der Schülerzeitung nicht zwischen Schreiben und Fotografieren entscheiden konnte, sondern beides gleich spannend fand. Später, parallel zum Studium, entschied ich mich für den Kompromiss, über Fotografie zu schreiben. Kurz und knapp. Beachten Sie, dass ich dabei weder sage, was ich studiert habe, noch womit ich mein Geld verdiene. Das heißt: Sie müssen gar nicht preisgeben, was genau Sie tun. Sie können von Ihrem gegebenenfalls unkünstlerischen Brotberuf sogar ablenken. Durch eine knappe, geschickte Story vermeiden Sie die Nachfrage.

Je mehr Energie Sie in eine Fotoausstellung stecken, desto mehr Anerkennung kommt dabei raus

12. Aufwand lohnt!
Zu den wichtigen Beobachtungen, die ich als weisen Rat weitergeben kann, gehört vor allem jene: Aufwand lohnt! Je aufwendiger Ihr Fotoprojekt angelegt ist, desto größer ist Ihre Chance, dafür und damit wahrgenommen zu werden. Das heißt umgekehrt: Die Chance, für Fotos, die man konzeptlos auf Reisen aufgenommen hat, von Bildprofis gelobt zu werden, liegt bei Nullkommanull. Haben Sie Spaß an Ihren Island-, Namibia- oder Venedigfotos, aber ersparen Sie sich den Frust, dafür außerhalb des Amateur-Workshop-Zirkels Anerkennung zu bekommen.

Wenn Sie ernstlich auf den Kunstmarkt wollen, dann inszenieren Sie, arrangieren Sie, machen Sie das Unmögliche zum Bild. Am besten derzeit auch noch in 3D beziehungsweise haptisch-plastisch oder im Retro-Trend. Schauen Sie sich im Frühjahr auf der PhotoLondon um, im Herbst auf der Unseen in Amsterdam oder auf der ParisPhoto. Sie werden über Vieles, das Sie sehen, den Kopf schütteln – vor allem über die Preise. Vergleichen Sie nie, was Sie produzieren, mit den etablierten Klassikern. Schauen Sie sich an, was Ihre Zeitgenossen ausstellen. Fragen Sie den Galeristen nach dem Fotografen und hören Sie gut zu, was er erläutert. Nutzen Sie diese Erfahrung für sich!

Mehr über Fotokunst und den Kunstmarkt finden Sie in meinem Buch „Fotografie mit Leidenschaft“.

Tipps für Ihre erste Ausstellung

Ein Ladenbesitzer in Ihrem Ort oder eine öffentliche Einrichtung hat Ihnen angeboten, Ihre fotografischen Arbeiten zu zeigen. Da können Sie natürlich nicht „Nein“ sagen; obwohl es riskant sein kann, mit seinen Erstlingswerken an die Öffentlichkeit zu gehen. Womöglich befassen Sie sich jedoch schon lange mit der Fotografie und suchen jetzt Anerkennung auf dem Ausstellungssektor – gar auf dem „Kunstmarkt“. Aus Erfahrung kann ich sagen: Je kürzer man fotografiert oder sich mit dem Gedanken an Öffentlichkeit befasst, desto blauäugiger ist man. Wie Sie bestimmt wissen, hat man jedoch nur eine Chance auf einen guten ersten Eindruck. Das ist besonders für jene zu bedenken, die sich beruflich anderweitig bereits einen Namen gemacht haben. Sie sollten berücksichtigen, dass es professionelle Maßstäbe nicht nur im eigenen Berufsfeld gibt, sondern auch im Bereich Kunst und Kultur.

Eine Ausstellung kann auch im Freien stattfinden – hier in Innsbruck.

Ein erster wichtiger Rat vorab wäre, sich niemals mit drei, vier, fünf Erfolgreichen zu vergleichen. Die „Big Names“, von denen man mal gehört oder gelesen hat, befinden sich quasi in einem Paralleluniversum. Seien Sie realistisch und freuen Sie sich über jede Form von Anerkennung. Egal wo Ihre erste Ausstellung stattfinden wird, Sie treten damit ins Licht der Öffentlichkeit und sollten vorab folgende potenzielle Fettnäpfchen beseitigen. Das gilt natürlich auch, bevor Sie zu einer Portfolio-Review auf einem der vielen Festivals aufbrechen.

Erste Ausstellung oder Portfolio-Review: So erhöhen Sie Ihre Chancen beim Fachpublikum

1. Hände weg von Kreativ-Domains
Vermeiden Sie kreative Begriffsfindungen für eine Fotografen-Website. Einprägsame Begriffskombinationen (wie bei mir „fotofeinkost“) funktionieren bei Blogs, aber nicht für eine Website, auf der Sie „Werke“ präsentieren. Die erste Wahl ist stets, den eigenen Namen zu verwenden; ganz schlicht mit einem Bindestrich in zwischen Vor- und Zunamen. Achten Sie bitte auch darauf, dass die Domain nicht nach Fotogeschäft klingt: Bei „Photo-Mueller“ denkt man an Passfotos, nicht an Ausstellungen.

2. Ist es Kunst?
Verzichten Sie auf Begriffe wie „Kunst“ oder „Kunstwerk“. Warum? Weil es gerade für einen Anfänger anmaßend wirkt, sich selbst so zu etikettieren. Das Urteil, ob es als Kunst gesehen wird, sollte man stets anderen überlassen. Von jemandem, der sich selbst als „Künstler“ bezeichnet, nimmt man meist an, er sei Hobbykünstler. Auch „Art“ heißt „Kunst“, „Fine Art“ gar „Bildende Kunst“, also eigentlich die klassischen Bereiche wie Malerei und Bildhauerei. Der Begriff „Fine Art Fotografie“ ist als Genre verbreitet. Man sollte ihn daher nur verwenden, wenn man genau dieses Genre bedient.

3. Zitate gehören ins Poesiealbum
Benutzen Sie auf Ihrer Webseite keine Zitate, ob von Hermann Hesse oder Richard Avedon spielt keine Rolle. Das ist eine Verlegenheitslösung. Und so sieht es auch aus. Überlegen Sie sich selbst einen klugen Satz zu Ihrer Arbeit. Das interessiert dann auch den Leser. Der Besucher Ihrer Website möchte nämlich etwas über Sie erfahren.

4. Technik ist nicht gleich Stil
Geben Sie nie öffentlich an, mit welcher Kamera oder mit welchem Drucker Sie arbeiten. Weil Maler auch nicht den Hersteller ihrer Farbe angeben? Nein, weil es darum geht, was Sie machen und was Sie sich dabei gedacht haben. Und nicht darum, welche Technik zur Anwendung kam. Gerade bei der Fine-Art-Fotografie bewegen Sie sich zwischen Skylla und Charybdis, also zwischen der Imitation malerischer Effekte auf der einen Seite und der reinen Technikanwendung als Stilmittel auf der anderen.

Ausstellung in einem Fotobuchladen: Serie der berühmten Fotografin Cristina de Middel bei La Fabrica, Madrid

Gewußt wie: Bilder signieren

5. Signieren Sie diskret
Sie können gerne Ihre Bilder signieren. Profis signieren meist auf der Rückseite – oft mit Bleistift. Und zwar dort, wo auf der Frontseite ein weißer Rand gelassen wurde, der hinterher unter dem Passepartout verschwindet. Es ist nämlich nie ganz ausschließen, dass sich die Schrift durchdrückt. Das möchte man natürlich nicht im Motiv haben. Zur Signatur gehört außer der Unterschrift auch der Bildtitel beziehungsweise die Serie und ein Datum.

6. Eine Auflage bestimmen
In der Signatur oder überhaupt irgendwo eine Auflage anzugeben, wenn man noch nie ein Bild verkauft hat, ist unnötig. Wird man hingegen von einem Galeristen gefragt, ist wichtig, eine Auflage anzugeben und dann auch einzuhalten. Üblich ist derzeit bei renommierten Fotokünstlern eine Auflage von 5 Exemplaren. Das sollte dem Laien noch einmal klar machen, wie limitiert die Absatzchancen generell sind.

Fortsetzung folgt am 30. März 2017

FOAM Paul Huf Award 2017

Romain Mader (Jg. 1988) aus der Schweiz heißt der Gewinner des 11. Foam Paul Huf Awards. Für den Preis bewerben können sich Fotografinnen und Fotografen unter 35 Jahren. Er ist mit 20.000 Euro dotiert und mit einer Einzelausstellung im Foam Fotografiemuseum in Amsterdam. Romain Maders Arbeit wurde aus 100 nominierten Portfolios aus 25 Ländern ausgewählt. Die ironisch-humorvolle Serie handelt davon, wie er eine Braut sucht in der fiktiven Stadt „Ekatarina“ – so auch der Name der Serie.

Centro de la Imagen Mexiko City

Innen Centro Imagen

Mit Lateinamerika, speziell Mexiko, verbindet sich eine große fotografische Tradition. Mir fallen vor allem Fotografinnen ein wie die historischen Tina Modotti, Lola Álvarez Bravo oder die zeitgenössischen Klassiker Graciela Iturbide und Flor Garduño, die in einem meiner Bücher vertreten sind. Nun war ich endlich in Mexiko City und dort auch im Centro de la Imagen. Wie schon im letzten Beitrag berichtet, lief gerade die Biennale der Fotografie.

Hier möchte ich Sie einfach mitnehmen und Ihnen einen Eindruck vermitteln, wie es dort aussieht.

Fassade Centro de la Imagen

Plaza de la Ciudadela im Centro Histórico von Mexiko City. Der Gebäudekomplex vom Anfang des 18. Jahrhunderts beherbergte einst die erste Tabakfabrik, Real Fábrica de Tabaco de la Nueva España. „Zitadelle“ wurde das Gebäude genannt, weil es so militärisch wirkte. Nach einer ziemlich wechselvollen Geschichte zog hier 1994 das Zentrum für Fotografie ein.

Eingangssituation Centro Imagen

Von der Metrostation Balderas geht man eine Art Flohmarkt entlang. Der Eingang ist dieses schmale Gittertor zwischen den Ständen.

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[Bewegtbild] Ivan Manriquez: TJ-SD Installation

Im Centro de la Imagen in Mexiko City läuft noch bis 12. März 2017 die XVII Bienal de la Fotografia. Dort sah ich die Video-Installation von Iván Manríquez aus Monterrey, Nuevo León, Mexiko (Beitragsbild). Ich fand sie visuell sehr beeindruckend. Sie bearbeitet zudem das durch die Wahl von Trump zum Präsidenten der USA in der Weltöffentlichkeit derzeit viel beachtete Thema der Grenze zwischen Mexiko und den USA. Genauer gesagt geht es um die beiden Städte Tijuana und San Diego, die wirtschaftlich eng miteinander verflochten sind. Auf der Basis von Satellitenbildern und statistischen Daten schuf Manríquez seine Visualisierung, der er den englischen Titel „Borderline“ gab. 1986 in La Paz, Baja California Sur, geboren, studierte er zunächst Elektrotechnik am Monterrey Institute of Technology, wechselte dann aber zu den Audiovisuellen Künsten an der Autonomen Universität von Nuevo Leon.

Video zum Thema mexikanisch-amerikanische Grenze

This project has its origin in the analysis of satellite images taken in the boundaries between Mexico and the United States. From this perspective I can observe the concept of frontier while the images evoke the imaginary attributed to the region. My work is a reflection on current political activity in contemporary societies and how technology has influenced it through the use of various devices and media languages.

As part of this project, TJ-SD is a video installation consisting of a series of graphs projected simultaneously on a LED board and a television screen, corresponding to numerical data related to the border region between Tijuana and San Diego. The number of inhabitants, the area codes, the postal codes, the time zones and the length of this border are displayed on the board; while the video shows a constant reconfiguration of the pixels that make up the satellite image of the place.

The whole project is entitled „Borderline“. It referres to two concepts: to borderline as a personality disorder, a mental condition characterized by an extremely polarized mood. And to the dividing and imaginary line that limits two or more regions.

Iván Manríquez Website

[Bewegtbild] Jürgen Scriba: Timelaps

Zeitraffer wie sie J. Scriba versteht
Martina Mettner: Am Anfang stand nicht die Fotografie, sondern ein Physikstudium.

Jürgen Scriba: Was auch sinnvoll ist, weil es einem grundsätzlich beibringt, akribisch Sachverhalte zu erkunden. Egal, ob man nun Halbleiterstrukturen untersucht oder eine Kamera benutzt – als Messinstrument, um zu verstehen, wie bestimmte Sachen funktionieren. Ich habe auch schon oft Menschen fotografiert, mich ihnen aber immer über die Situation und den Raum genähert.

Menschen als Strukturmuster, nicht als Individuen.

Ich habe zum Beispiel das Paternoster-Projekt in einer Versicherung gemacht, wo ich eine Situation erzeuge, indem ich die Kamera aufbaue und den Leuten sage, an der Stelle werdet ihr fotografiert. Mich interessieren immer die Menschen in ihrem Verhalten an einem bestimmten Ort, ob das nun der Hamburger Flughafen oder der Berliner Hauptbahnhof oder ein Museum in München ist. Das ist schon eine Laborsituation. Gerade bei dem Paternoster-Projekt habe ich als Fotograf eigentlich gar keine Funktion, da die Kamera automatisch auslöst, wenn der Paternoster in einer bestimmten Position ist. Die Leute wissen, wann und wo sie fotografiert werden und haben dadurch eine rudimentäre Kontrolle. Ich habe keine Kontrolle darüber, was sie machen und interagiere auch nicht. Ich war total verblüfft, welch tolle Porträts dabei herauskommen. Gerade in der strengen Struktur der Montage wird für mich das Individuum besonders sichtbar.
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[Bewegtbild] Alexander Schneider über seine Multimediashow

Sumpfohreule Multimediashow

Topqualifiziert für eine riesige Aufgabe, die er sich selbst gestellt hat, war Mag. Alexander Schneider aus Perg in Oberösterreich. Er fotografierte gut vier Jahre entlang der 1.200 Kilometer langen Grenze Österreichs zu seinen Nachbarländern. Wo einst der „Eiserne Vorhang“ war, entwickelte sich ein einzigartiges Naturgebiet, dessen Artenvielfalt und Schönheit der pensionierte Biologielehrer nicht nur fotografisch preist, sondern für deren Erhalt und Schutz er sich aktiv einsetzt. Was als Fotoidee für die Ausfüllung des Ruhestands begann, entwickelte sich eher ungeplant zu einem Großprojekt. Zum umfangreichen Bildband gesellte sich bald eine Multimediapräsentation, die ihm neben Vortragsabenden in Österreich, Slowenien, Tschechien und Bayern auch Einladungen zu Messen oder Veranstaltungen von Fotoclubs einbringt. Alexander Schneider ist nämlich in Fotoclubkreisen ohnehin bekannt als Obmann des vielfach prämierten Perger Fotoclubs.

Beschreiben Sie bitte, wie Ihre Multimediashow aufgebaut ist und abläuft.
Buchcocer, Multimedia

Oder zu AMAZON

Da ich die Show jetzt schon beinahe fünfzigmal gezeigt habe, bin ich froh, dass ich sie vollautomatisch digitalisiert habe, also mit Musik und einer eigenen Sprecherin. Auch wenn live speaking authentischer rüberkommt, ist es so eine sichere Angelegenheit. Man ist ja nicht jeden Tag rhetorisch gleich gut drauf. Die Show wurde mit Wings Platinum gestaltet, die Technik hat mich, Gott sei Dank, noch nie in Stich gelassen!
Zum Aufbau: Ich versuche, über jeden Teilabschnitt in einer textlastigeren Einleitung zu informieren, um dann mit Musik und passendem Sound die geeignete Stimmung zu erzeugen (fließendes Wasser, Vogelstimmen und Musik, oft übereinander gelegt). Der O-Ton war nicht geeignet wegen der Nebengeräusche (Wind, Autos). Bei der Musik versuchte ich, authentisch zu sein (Smetana im Böhmerwald, Haydn in Hainburg, Toni Stricker am Neusiedlersee mit Pusztamelodien). Sonst liebe ich Klassik und Romantik: Ruhige Landschaften und Chopin.
Meist mache ich bei der Hälfte eine Pause, um mit den Gästen über persönliche Erfahrungen, Naturschutzthemen oder fototechnische Fragen zu diskutieren. Und natürlich weise ich auf das Buch hin, das ich bei den Veranstaltungen verkaufe.
Eine neue Erfahrung mache ich gerade in Tschechien. Ein junger, engagierter Tscheche übersetzt dort simultan, ich reduziere dann den Ton.

Wie ist die Resonanz der Zuschauer? Was hören Sie von denen?

Die Besucherzahlen pro Veranstaltung reichen von 15 bis 130. In kleinen Randgemeinden mit bäuerlicher Bevölkerung kamen oft wenig Besucher. Es waren aber immer Landwirte dabei, die überlegten, ihre Grundstücke für den Zweck des Naturschutzes zur Verfügung zu stellen. Oft ist es mühsame Überzeugungsarbeit, manchmal aber doch ein ideeller Erfolg. In der Uni Wien, im Botanischen Garten Linz und in anderen Städten kamen jeweils über 100 Zuschauer.

Sumpfohreule Multimediashow

Alexander Schneider, Sumpfohreule am Neusiedler See, aus: Am Grünen Band Österreichs


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Fotograf Kai Löffelbein über Bewegtbild

Bewegtbild (Screenshot Hidden Hong Kong)
Martina Mettner: Gerne würde ich mit Ihnen die Erweiterung der Fotografie in Richtung Bewegtbild besprechen. Sie haben diese wunderbare Arbeit über die Cage People in Hongkong veröffentlicht, bei der Sie mittels Ton, Überblendungen und ein wenig Bewegtbild einen sehr lebendigen Eindruck erzielen, obwohl es eigentlich fast nur Stehbilder sind.

Kai Löffelbein: Ich liebe die Kraft der Fotografie. Als Fotograf einer Multimediaproduktion setze ich Bewegtbilder nur dann ein, wenn sie dort meiner Meinung nach Sinn ergeben. Multimediale Geschichten unterscheiden sich in der Aufbereitung und auch im Produktionsprozess von der „reinen“ Fotografie. Multimedia ist ein weiteres Werkzeug, das uns Fotografen an die Hand gegeben wurde, um Geschichten auf eine andere Art erzählen zu können. Durch die Möglichkeit, Interviews zu führen, Texte einzubauen, Statistiken aufzubereiten, Musik und O-Ton zu verwenden, lassen sich Informationen vermitteln, die in Fotos so nicht enthalten sind.
Multimedia bietet mir Raum, mich künstlerisch in mehreren Dimensionen ausleben. Alleine eine gute Multimedia zu machen, ist eine große Herausforderung. Man braucht ganz viel Zeit, denn man kann nicht alles gleichzeitig tun. Als erstes fotografiere ich und mache Videos, wenn ich dies passend finde. Dann führe ich Interviews und nehme alle möglichen Geräusche auf, die ich später eventuell verwenden kann. Allein für die O-Töne bin ich tagelang durch Hongkong gelaufen.

Hidden Hong Kong

Wie kamen Sie auf das Thema?

Anfang 2012 habe ich einen Fernsehbeitrag über die Cage People gesehen. Vielleicht war das auf Al Jazeera, die senden gute Dokumentationen. Diese unglaublich beengten Wohnverhältnisse fand ich visuell sehr spannend, Metropolen ziehen mich ohnehin an. Diese Menschenmassen, diese klaustrophobische Stimmung. Man sieht diese Käfige nicht, wenn man durch Hongkong läuft, sondern nur riesige Fassaden, und hinter jedem Fenster gibt es so viele Schicksale.

Wie sind Sie an die Leute herangekommen?

Ich habe mit SOCO zusammengearbeitet, einer Hilfsorganisation, die Menschen in schwierigen Wohnsituationen betreut und die mir in Hongkong viele Türen geöffnet hat. Wenn man mit einer NGO zusammenarbeitet, heißt dass aber auch, dass man sich dem Alltag der NGO anpassen muss. Viele Dinge laufen anders ab, als wenn man alleine und dem eigenem Zeitplan verpflichtet arbeitet.

Das vollständige Interview lesen Sie im Buch "Fotopraxis mit Perspektive" (19,80 €)

Oder zu AMAZON

Lassen Sie uns über das Licht sprechen. Das ist bei Ihnen ja oft auch Thema innerhalb des Motivs oder auch speziell bei der Multimediaarbeit, wo flackerndes Kellerlicht oder Neonreklamen über Stehbildern erscheinen. Arbeiten Sie überhaupt mit Kunstlicht?

Nein, ich arbeite nicht mit Kunstlicht, außer wenn ich Porträts fotografiere. Sonst nehme ich das vorhandene Licht. Das macht für mich einen Großteil der Stimmung und des Bildes aus. Die Lichtstimmung kann beim Betrachter Emotionen, die ich übertragen will, auslösen.
Man sieht, dass Sie sensibel mit optischen Phänomenen wie Licht, Dunkel, Rauch umgehen.
Das ist für mich auch extrem wichtig. Bei allem journalistischen Inhalt geht es ja immer um Bilder; meine sollen auch Schönheit und Poesie besitzen, Emotionen transportieren, ohne plakativ zu sein. Ob mir das immer gelingt, weiß ich nicht.

Gibt es zum Schluss noch einen Tipp, den Sie weitergeben können?

Ich mag gut vorbereitete, gut durchdachte, intelligente Projekte. Es ist essenziell wichtig, sorgfältig zu recherchieren, bevor man irgendwohin fliegt. Trotzdem sollte man auch nicht ewig überlegen: Was gab es schon und was nicht? Hat nicht Fotograf XY so etwas Ähnliches gemacht? Wer könnte meine Geschichte kaufen? Ich finde: Einfach mal anfangen.

Kai Löffelbein, Jahrgang 1981, studierte zunächst in Berlin Politikwissenschaft und später Fotojournalismus und Dokumentarfotografie an der FH Hannover. Seit 2007 arbeitet er als freier Fotograf für Magazine. Ein Bildband über sein großes Thema Elektroschrott ist seit längerer Zeit bei Steidl angekündigt.

Ute Eskildsen zum Geburtstag

Als Ute Eskildsen 2012 in den so genannten Ruhestand ging, verschwand eine verlässliche und kompetente Konstante aus einer kulturellen Institution, die sie selbst zur wichtigen Größe in der Fotografie gemacht hatte. Das Museum Folkwang Essen steht in der heutigen Wahrnehmung der Kunstszene weltweit auch und in besonderer Weise für die Fotografie.

Verbundenheit mit dem legendären Otto Steinert

Ute Eskildsen begann ihre Laufbahn 1972 als Assistentin von Otto Steinert an der Folkwang Hochschule, nachdem sie dort zunächst selbst Ende der 1960er Fotografie studiert und später praktiziert hatte. Im George Eastman Haus in Rochester/USA – der damals führenden Institution im professionellen Umgang mit Fotografie – sammelte sie als Volontärin in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre wichtige Erfahrungen.

Fritz Kempe: Die junge Kuratorin Ute Eskildsen, 1980
Silbergelatine-Abzug. Neuerwerbung Museum Folkwang, Essen
© Nachlass Fritz Kempe, Hamburg

Diese sollten ihr Ende 1978 helfen, die nach Otto Steinerts Tod gegründete Fotografische Sammlung am Museum Folkwang als modellhafte Sammlung für Fotografie in Deutschland und Europa aufzubauen – modellhaft im Sinne der Erschließung, Sammlung und Vermittlung historischer und zeitgenössischer Fotografie.
Kuratoren wählen aus, ohne eine wertende Meinung zu pflegen, daher lässt sich auch Ute Eskildsens vielseitige Ausstellungstätigkeit nicht auf einen Stil, Geschmack oder eine Haltung reduzieren. Sie öffnet das modernistische Fotografie-Verständnis von Otto Steinert und seine spätere Ausrichtung auf den Bildjournalismus hin zu einer Fotografie der Autoren, die durch ihre Eigenwilligkeit ihrer Sichtweise überzeugten; etwa Robert Frank, dem sie unter anderem die Ausstellung „Hold Still – Keep Going“ widmete.

Einsatz für Fotografinnen

Mit der Rekonstruktion der legendären Stuttgarter Werkbund-Ausstellung „Film und Foto“ von 1929 gelang ihr 1979 der erste Paukenschlag, gefolgt von einer großen Retrospektive der Subjektiven Fotografie der 1950er Jahre als einer ersten globalen fotografischen Bewegung (1985) und der großen Schau „Fotografieren hieß Teilnehmen“ zu den Fotografinnen der Weimarer Republik (1993). Gerade der Beitrag von Fotografinnen zur Geschichte und Gegenwart des Mediums lag Ute Eskildsen – Kuratorin in einer von Männern dominierten Kunstwelt – besonders am Herzen. Neben den Pionierinnen des Mediums förderte sie auch zeitgenössische Vertreterinnen wie Susan Meiselas, Rineke Dijkstra, Helen Chadwik, Jo Spence, Hellen van Meene, Clare Strand und viele andere mehr.
Neben ihrer Sammel- und Ausstellungstätigkeit schuf sie zudem wichtige Strukturen, wie etwa 1982 das Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stipendium für Zeitgenössische deutsche Fotografie, das um 2000 mit einem weiteren Stipendium zur Förderung des Kuratoren-Nachwuchses auf dem Feld der Fotografie erweitert wurde.

Heute wird Ute Eskildsen 70 Jahre alt. fotofeinkost gratuliert.

Ute Friederike Schernau: Plastic Tales

IKEATÜTE

„Ute Friederike Schernau beschäftigt sich in ihren Fotografien mit den Ambivalenzen, die das Material Plastik in der Welt von und mit Kindern entfaltet. Forschend beobachtet sie die diffusen Erscheinungsbilder, in denen es ihr im Alltag begegnet. Sie erkundet die Wirkung seiner punktuellen Abwesenheit und lässt es an anderen Stellen sichtbar werden, wo es auf den ersten Blick verborgen bleiben sollte. Sie sortiert winzige Plastikpartikel, deren ursprüngliche Funktion längst nicht mehr nachzuvollziehen ist, lässt den Betrachter einen kurzen Moment der Ratlosigkeit erleben, wenn er oder sie das themengebende Material auf einem Bild nicht sofort ausfindig machen kann und macht sich mit ihren beiden Söhnen Matteo und Janno auf die Suche nach der ‚magischen’ Seite, die dieses Material (nicht nur) in den Augen von Kindern zu entfalten in der Lage ist. Plastik erscheint hier als Material, das sowohl die ‚Hardware’ zum selbst vergessenen, kindlichen Tagtraum liefert und damit dem Fantastischen einen Platz in der Wirklichkeit verschafft, der es auch den Erwachsenen ermöglicht, dem wilden Bricolagieren der kindlichen Gestalter zu folgen, als auch als unerwünschter Eindringling, dem es immer wieder gelingt, die eigene Sichtbarkeit zu minimieren oder eine allzu freundliche Form anzunehmen, bei der ein ‚Nein!’ keine Option mehr zu sein scheint.“ Nina Spöttling-Metz

LEGO

MASKE

LUFTPOLSTERFOLIE

WACKELAUGEN

NARZISSE

Ute Friederike Schernau, 1978 geboren in Essen, studierte Fotografie an der FH Bielefeld bei Professorin Katharina Bosse, Diplom 2007. Sie lebt in Münster, fotografiert für Magazine und arbeitet an freien künstlerischen Projekten wie diesem. Unter anderem ist sie Mitinitiatorin der Mompreneurs-Gruppe in Münster. Seit ich 2001 den Bildband Mutterblicke / In Their Mother’s Eyes herausgegeben habe, freue ich mich besonders zu sehen, wie zeitgemäße Konzepte von Mutterschaft und Kunstwollen umgesetzt werden. Sie schrieb mir: „Ich habe im letzten Jahr gemeinsam mit meinen Söhnen und dem Grafiker Sebastian Schneider aus Köln ein Buchprojekt realisiert: „Plastictales“. Erzählerisch setzen wir uns darin mit Plastik auseinander, ein Material, das derzeit unseren Planeten überschwemmt.“ Zum Buchteaser.

Gewidmete Plastik-Geschichten

Sie gibt ihrem Buchprojekt eine Widmung an ihre Jungs mit, darin heißt es: „Es liegt mir fern, euch mit diesen teils unorthodoxen Kinderbildern bloßzustellen. Dazu seid ihr vermutlich auch zu sehr an die Welt der Inszenierung, der Kunst und des Spiels gewöhnt. Vielmehr ging es ja um das Thema ‚Plastik‘ oder darum, wie schwer es ist, mit der Komplexität dieser globalen Welt und ihren Begleiterscheinungen umzugehen.“

Bildpräsentation: Das Blätter-PDF

Beim Thema Bildpräsentation denken die meisten an Galerien auf ihrer Website. Die sind ideal, wenn man Einzelbilder zeigt (Werbefotografie, Porträts). Aber schon bei einem umfangreicheren Fotoprojekt ist es selten optimal, alle Fotografien in gleicher Größe zu präsentieren – und womöglich ohne Begleittext oder Bildunterschriften.

Präsentieren Sie doch neben Ihrem Portfolio auch einmal eine thematische Zusammenstellung! Bieten Sie Ihren Kunden an, sich diese Vorschläge downzuloaden und aufzubewahren. Ideal hierfür ist das PDF – vor allem seit Google den Text in PDFs ausliest und diese bei der Suche anzeigt. Mit ansprechend zusammengestellten PDFs erhöhen Sie massiv Ihre Präsenz im Netz.

PDFs sind super für die Akquise

PDF’s kennen Sie und haben Sie vielleicht auch schon einmal aus Ihrem Bildmaterial kreiert: kleine Reportagen von einer Reise; Bilder von einer Messe, die Sie für Kunden aufbereiten; spezielle Aufnahmetechniken, die Sie neu anbieten möchten; eine Querauswahl aus Ihrem Bildbestand, die genau auf Ihre Zielgruppe ausgerichtet ist.

Die Frage, die sich stellt, ist ja stets: Wie macht man es so, dass es gut aussieht? Das betrifft einerseits das Layout, andererseits die Technik. Blätter-PDFs sind ziemlich angesagt, zumal wenn man seine Bildstrecke oder ein gedrucktes Editorial auf dem iPad zeigt.

Meine Layouts entstehen alle in InDesign. Ich benutze noch eine ältere Version, in der sich zwar Blätter-PDFs einfach generieren lassen, aber nur als Flash-Datei. Und das ist inzwischen ja völlig sinnlos, weil es nicht auf Mobilgeräten funktioniert. Der Vorteil wäre, dass man sein PDF bei sich selbst hosten kann. Das ist aus meiner Sicht auch ein gewichtiges Argument für das klassische, dann aber nicht blätterbare PDF.

Umwandeln von PDFs in Blätter-PDFs: kostenlos

Eine schon lange etablierte Alternative ist die Plattform Issuu.com, auf der ich beispielsweise Leseproben aus meinen Büchern eingestellt habe. Das sieht so aus. In der Basisversion ist Issuu kostenlos. Die komfortablere, werbefreie Version schlägt aber mit 35 USD monatlich zu Buche.

Deutlich aktueller hinsichtlich Medienintegration und besser auf Mobilgeräten lesbar scheint mir Yumpu.com aus der Schweiz zu sein. Für WordPress gibt es ein Plugin, das sich bei mir auf dem üblichen Weg gar nicht, sondern nur per FTP installieren ließ. Nach der Aktivierung und Eingabe des API-Keys konnte ich erfolgreich die PDF-Datei über das Plugin hochladen. Aber weder in der Menüleiste noch in der Liste funktioniert „Insert Shortcode“. Mit anderen Worten: Das Plugin ist nutzlos. Ich musste mir einen Embedcode auf der Yumpu-Website suchen. Und dann der Schock: Alle Fotos haben Pseudoschatten und -Glanz. Das mag für einen Aktionsprospekt vom Discounter ideal sein. Für meine Fotos möchte ich das nicht. Und für Ihre auch nicht.

Probieren Sie es selbst aus. Bei Yumpu gibt es einen kostenlosen Account sowie einen werbefreien für 8 Euro pro Monat. Hinzu kommen Bezahloptionen, sein Produkt in einen Kiosk einzustellen. Diese Optionen sowie die weiteren auf dem Markt verfügbaren Angebote richten sich an Publisher, die Magazine herausgeben und digital verbreiten wollen. Sie sind entsprechend hochpreisig.

Layouten ohne Vorkenntnisse

Wer kein professionelles Layoutprogramm auf dem Rechner hat, und wer überhaupt wenig Erfahrung mit dem Layouten mitbringt, sollte sich Papermine ansehen. Das in Florenz ansässige Unternehmen gibt verschiedene Templates vor. Man kann das PDF direkt darin erstellen, neuerdings auch eines importieren. Für Ungeübte sind Templates ein deutlich einfacherer Weg zu professionellen Ergebnissen. Immerhin werden bei Papermine die Bilder nicht durch plastische Effekte ruiniert.

Für die Anmeldung eines kostenlosen Probemonats muss man seine Kreditkartendaten angeben. Eine Fortsetzung kostet dann stolze 19 Euro pro Monat. Kündigt man vor Ende des Probemonats, ist das erstellte Booklet zwar nicht verloren, aber nicht mehr sichtbar. Eine kleinliche Regelung.

Open larger view

In 10 Minuten zum eigenen Booklet?

Zeitintensiv ist auf jeden Fall die Bildauswahl. Sie sollte unbedingt vorher getroffen und in einem Ordner in der entsprechenden Pixelbreite abgelegt sein. Kommt man auf die Idee, ein Video zu integrieren, stößt man schnell an Grenzen, beziehungsweise wäre gezwungen, das Video in einem anderen Programm erst einmal auf die zulässige Größe zu stutzen. Mir hat das Hochladen ohnehin zu lange gedauert. Das mag aber an meinem Telekom-Country-DSL liegen. Ich habe dann im Phnom Penh-Booklet einen YouTube-Link gesetzt.

Denken Sie daran, Text zu integrieren, sonst hat Google kein Futter und der potenzielle Interessent weiß nicht, was ihm diese Bildpräsentation sagen soll. Ich habe auf weiterführende Angaben verzichtet, weil ich mit meinen PDFs nichts verkaufen will.

Wer mit der Fotografie sein Geld verdient, dem sei aber dringend angeraten, im PDF zur eigenen Website zu verlinken und gleich vorne die Kontaktdaten einzufügen. Sinnvoll wäre es zudem, anzugeben, was Sie anzubieten haben. Ein Satz wie: „Auch für Ihr Unternehmen realisiere ich gerne eine solche Reportage“, macht beispielsweise klar, dass Sie nicht Ihre abgebildeten Fotos verkaufen, sondern Aufträge annehmen wollen.

Ein Wort noch zu den gewerblich tätigen Fotografen, also jenen im B2C-Geschäft: Das ist eine super Sache für Hochzeiten oder Events. Sie können Ihren Kunden ein Booklet anbieten, das diese auf ihrer Facebookseite integrieren können – und dort für Sie werben! Da sind dann die monatlich zu zahlenden Beiträge durchaus gut investiert.

Welche Erfahrungen machen Sie mit der PDF-Bildpräsentation?

Nach dem Ausprobieren verschiedener Anbieter kehre ich zurück zum klassischen PDF, das ich auf meinen eigenen Server hochladen kann. Was finden Sie besser: Klassische PDFs oder solche mit Blätterfunktion? Kennen Sie einen Anbieter, mit dem Sie gute Erfahrungen gemacht haben?

Nachtrag vom 14.1.2017: Was ich leider selbst vor lauter Design und Textkorrektur bei meinen selbstgehosteten PDFs vergessen habe und nun noch nachholen muss: Das Ausfüllen der Metadaten (PDF – Eigenschaften). Bitte denken Sie daran.

HINWEIS auf meinen Workshop mit Gerhard Hagen zur Architekturfotografie / Fotografie urbaner Landschaften. Das Ergebnis lässt sich in solch einem PDF präsentieren.