Manfred Sickmann: Das Antlitz des Anderen

Ehemalige Synagoge

Das Missionieren bezüglich anspruchsvoller Fotoprojekte für Privatiers wie Berufsfotografen hatte ich aus Mangel an Resonanz und Zeit eigentlich schon aufgegeben. Aber dann kam eine E-Mail, die zeigt, es war nicht wirkungslos: „weil Ihr Grundgedanke über das Glück, mittels Kamera seine Umgebung intensiver zu erleben und Ihre Bücher mir den Weg geebnet haben, mich fotografisch zu entwickeln, möchte ich Ihnen ein paar Eindrücke von meiner Ausstellung in der ehemaligen Synagoge in Kippenheim zuschicken. Über ein Jahr lang habe ich mehr als 100 Portraits fotografiert, wunderbare Begegnungen mit Bekannten und Fremden gehabt, und auch bei der konkreten Ausstellungsvorbereitung viel und zum Teil unverhoffte professionelle Unterstützung erhalten. Alles mündete in eine sehr gut besuchte und atmosphärisch dichte Vernissage.“
Ein großartiges Beispiel für Engagement, das ich gerne hier vorstelle. Und wenn Ihnen der Bildautor, der dieses Mal auch den Text verfasste, bekannt vorkommt, dann weil er hier vor zwei Jahren schon einmal mit einer fotografischen Arbeit vorgestellt wurde, der Spargelernte.
Ehemalige Synagoge

Die Entstehung meines Fotoprojektes „Das Antlitz des Anderen – eine fotografische Litanei für Respekt und Zuversicht“

Ende 2017 verspürte ich den Impuls, eine Fotoserie mit Menschen zu realisieren. Der Ansatz war zunächst ein persönlicher – nämlich über die Fotografie die Beziehung zu meinen Freunden und Bekannten zu pflegen. Fototechnisch hatte ich die Vorstellung, Gesichter vor schwarzem Hintergrund darzustellen. Ein bekanntes fotografisches Vorgehen, bei dem die Kamera so eingestellt wird, dass bei Tageslicht ein Dunkelbild entsteht und unter Einsatz eines Blitzes nur das Gesicht der portraitierten Person korrekt belichtet wird. Weiterlesen

Michel Campeau: „Photography Saved My Life“

Dunkelkammer in Niger

Die Leidenschaft von Michel Campeau gilt der analogen Fotografie. Er re-konstruiert Fotografiegeschichte und Geschichten hinter Fotografien, berichtet von der Bildproduktion vor dem digitalen Rausch und von ihrem Weiterleben. Vom 13.07.–22.09. 2019 zeigt das Fotografie Forum Frankfurt das facettenreiche Prinzip des Künstlers aus Montreal.

Besessen von der Fotografie – das ist Michel Campeau seit mehr als 40 Jahren. Zeit seines Schaffens hat der kanadische Künstler und Sammler (geboren 1948 in Montreal) das Medium Fotografie ergründet, hat die subjektiven und narrativen Aspekte der Arbeit vor und mit der Kamera untersucht. Campeau umkreist das Fotografieren mit großer Leidenschaft und immer neuen Fragen: Wie und warum fotografieren wir? Wie hat die Fotografie unseren Blick auf uns selbst beeinflusst? Was ist vom Analogen auch im digitalen Zeitalter noch aktuell und wirksam?

Ohne Titel 7953, Niamey, Niger, 2005–2009.
Aus der Serie »Darkroom« (2005–2010) © Michel Campeau

The Donkey That Became a Zebra: Darkroom Stories

präsentiert verschiedene Werkgruppen von Michel Campeau, die seine Passion und sein lebendiges Spiel mit der Fotografie vor Augen führen. Im Fokus der von Celina Lunsford kuratierten Ausstellung steht Campeaus oft augenzwinkerndes Prinzip: Er re-konstruiert Fotografiegeschichte und Geschichten hinter Fotografien, mit eigenen Bildern und mit denen anderer. Beispiel dafür ist die Serie „Rudolph Edse. An Unintentional Autobiography“. Bei einer seiner Online-Suchen nach Amateurfotografien konnte Michel Campeau den gesamten Fotonachlass des gebürtigen deutschen und 1945 in die USA emigrierten Raketenforschers Rudolph Edse erwerben. Privat hatte Edse sein Familienleben in der amerikanischen Vorstadt mit dem Fotoapparat festgehalten, in gekonnt komponierten und perfekte Idylle suggerierenden Bildern. 70 dieser Aufnahmen stellte Campeau neu zusammen – quasi zu einer alternativen Familienbiografie, wie sie nach seiner Vorstellung auch hätte verlaufen können. Ein Teil davon ist in Frankfurt zu sehen.

Michel Campeau: Gestures and Rituals of the Darkroom

Mit Herz und Seele der analogen Fotografie beschäftigt sich Michel Campeau in seinen Arbeiten über die Dunkelkammer. Seit 2003 reist der Künstler um die Welt, um die letzten „Transiträume“ fotografischer Schöpfung, wie er sie nennt, zu fotografieren und die unterschiedlichen Ausstattungen dieser mit der Digitalisierung entbehrlich gewordenen Werkstätten zu zeigen. Die Magie und den Rausch der Räume, in denen einst mithilfe von Chemikalien auf Silbergelatinepapier fotografische Meisterwerke entstanden, lässt Campeau wiedererstehen in seiner Serie „Gestures and Rituals of the Darkroom“.

Michel Campeau

Michel Campeau vor einem Selbstbildnis als junger Mann und als Kind (analoge Collage)

Ähnlich einem Soziologen und zugleich als Künstler nähert sich Michel Campeau der von ihm so geschätzten analogen Fotografie. Aus immer neuen Blickwinkeln erzählt er von den technischen Möglichkeiten, vom Zauber, aber auch von der Willkür der Bildproduktion vor dem digitalen Rausch. In Zeiten von Fake News und Photoshop gibt er uns zu bedenken, dass es immer schon anders gewesen sein könnte, als die Bilder behaupten. So mag für ein Erinnerungsfoto aus einem Esel ein Zebra werden. Doch Campeau öffnet uns die Augen für diese ewige Illusion der Fotografie: „Nevertheless, an image is not reality, and a donkey is not a zebra.”

Text: Fotografie Forum Frankfurt, Video und Foto mit Michel Campeau: Martina Mettner

Michael Wolf fotografiert nicht mehr

Pressefoto Michael Wolf

Der 64-jährige Fotograf starb in den frühen Morgenstunden des letzten Donnerstags (25. April 2019) im Schlaf in seinem Apartment auf der Insel Cheung Chau in Hongkong, wie seine Frau Barbara Wolf der Deutschen Presse-Agentur berichtete.

Vom Journalismus in den Kunstmarkt

1954 in München geboren, wuchs er ab 1955 in den USA auf. Maßgeblich für seine Laufbahn war der Entschluss, 1973 aus Kalifornien nach Deutschland zu kommen, um bei Otto Steinert in Essen zu studieren. So eine Art Karrieregarant für Fotografen, zumindest im Rückblick. Nach seinem Examen 1977 arbeitete er zunächst als freier Fotograf für verschiedene Zeitschriften und Unternehmen.

Die Karriere von Michael Wolf bietet ein bewunderungswürdiges Exempel, wie der Weg vom Journalismus in den Kunstmarkt gelingen kann. 2012 hätte ich mich sehr gerne intensiv mit ihm für mein Buch „Fotografie mit Leidenschaft“ mit dem Untertitel „Vom Abbilden zum künstlerischen Ausdruck“ befasst und ihn ausführlich dazu befragen wollen. Vermeintlich aus Zeitgründen lehnte er das ab.

Pressemotiv von Michael Wolf, Frau hinter Glasscheibe

Michael Wolf, Tokyo Compression, Tokyo, 2010-2013 © Michael Wolf 2018

Wie bei anderen ehemaligen Steinert-Studenten, wollte ich mehr über die Prägung durch Steinerts Drill, aber auch über Wolfs familiären Hintergrund erfahren. Seine Frau Barbara wird als professionelle Bildredakteurin sicherlich direkten oder indirekten Einfluss gehabt haben. Oft ist eine solche Hinterfragung aber gar nicht gewünscht, denn zum Erfolg auf dem Kunstmarkt gehört eben auch eine gewisse Mystifizierung.

Zunächst wurde Wolf in der Bildbranche bekannt, als er 1981 mit Mark Izikowitz und Wolfgang Staiger die Fotoagentur Anthrazit gründete. Sechs Jahre später wurde er Mitglied und Gesellschafter bei der Bildagentur Visum. „Nach einem längeren Aufenthalt in Hongkong 1994 entschloss er sich ein Jahr später zur Übersiedelung in die damalige britische Kronkolonie und wurde Stern-Vertragsfotograf für Asien. Seit 1995 hat er mehrfach China für Fotoreportagen bereist“, heißt es im biografischen Eintrag beim Stern. 2003 endete dann die Magazinarbeit aus den bekannten Gründen (Krise der Printmagazine) und Wolf wandte sich freien Projekten zu.


Interview vom Anfang des Jahres mit hektischer Moderatorin.

2011 auf der Buchmesse: Die Bildbände von Michael Wolf „Tokyo Compression“ und „Real Fake Art“ bei Peperoni Books.

In Hongkong entstanden die bekannten seiner fotografischen Serien – abgesehen von „Tokyo Compression“, den vielfach publizierten Aufnahmen von Menschen in einer Bahnlinie zwischen den Tokyoter Vororten und dem Zentrum der Metropole.

Seinen Verleger und Freund Hannes Wanderer (Peperoni Books) hat er nicht lange überlebt. Mitten im Erfolg einer großen Retrospektive (Link zu den Deichtorhallen) und eines neuen Bildbandes im Schlaf aus dem Leben zu gehen, ist, seien wir ehrlich, eigentlich beneidenswert. Michael Wolf hätte man gewünscht, seinen Erfolg und seine Freude am Entdecken von Motiven noch viel länger genießen zu können.

Artikelbild (Startseite): Michael Wolf, Architecture of Density, Hong Kong, 2003-2014 © Michael Wolf 2018

Zurück zur Moderne: Wo das Bauhaus Schule machte

Bauhaus mit Baum

In der flachen Landschaft liegt Nebel über Wiesen und Äckern. Dicke grüne Kugeln hängen in den unbelaubten Bäumen. Misteln sind Halbschmarotzer. Nicht gut für den Baum, aber optisch attraktiv. Und um das schlichte Schöne geht es bei dieser Reise nach Dessau und Magdeburg.

Bauhaus mit Baum

Der Besuch des Bauhauses in Dessau stand schon seit meiner Studienzeit auf der Must-See-List, die damals noch nicht so und auch noch nicht „Bucketlist“ hieß. Das hundertjährige Jubiläum des Bauhauses 2019 war nun Anlass zur Reise nach Sachsen-Anhalt. 1919 in Weimar als staatliches Bauhaus gegründet, musste es dort 1925 aus politischen Gründen schließen. Unter den Städten, die das Bauhaus aufnehmen wollten, fiel die Wahl auf das aufstrebende Industriestädtchen Dessau, weil hier sowohl das Schulgebäude als auch die Wohnhäuser für die Lehrer (die Meisterhäuser) neu nach den Vorstellungen von Walter Gropius realisiert werden konnten. Zudem bestanden in Dessau unter anderem seit 1915 die Junkers Flugzeug- und Motorenwerke. Die Stahlrohrmöbel sind ohne Junkers gar nicht zu denken. Marcel Breuer entwickelte den berühmten und erfolgreichen Wassily-Sessel mit dem Schlossermeister Karl Körner in den Junkerswerken. Die Bestuhlung der Aula in Dessau ist ebenfalls von Flugzeugausstattungen inspiriert. Alles leicht und modern – auch heute noch.

Fotografien veröffentlichen verboten

Man besucht das Bauhaus im Rahmen einer Führung. Allerdings rechnete ich nicht damit, dass gegen Ende März Bauarbeiten noch in vollem Gange sind. Laufende Festivals schränken die Besichtigungsoptionen potenziell stark ein. Bei der Führung durchs Haupthaus konnte man normale Tourbereiche nicht sehen und schon gar nichts fotografieren. Obwohl es sich bei der Schule in Dessau um eine kommunale Einrichtung handelt und innen alles neu rekonstruiert ist, liegen die Rechte für das Haus bei den Erben von Walter Gropius, dem ersten Direktor in Dessau. Ihm folgten Hannes Meyer und Mies van der Rohe, der das Bauhaus nach seiner Schließung auf Antrag der NSDAP im August 1932 noch für einige Monate in Berlin als private Schule führte. Selbst für persönliche Aufnahmen braucht man eine kostenpflichtige Genehmigung und muss unterschreiben, die Fotos nicht im Internet zu veröffentlichen. Das ist nicht #moderndenken, sondern absurd.   

Die Meisterhäuser hinter Planen

Die zusätzliche Führung zu den Meisterhäusern war sehr enttäuschend. Obwohl erst 2008 saniert, waren die drei erhaltenen Meisterhäuser unter Planen verborgen und das ganze Gebiet im Kiefernwäldchen mehr Baustelle als Museum. Ab Ostern sei man dann besichtigungsbereit hieß es. Das neu erbaute Bauhaus-Museum in Dessau wird wohl erst im Herbst fertig gestellt.

Das Wohnhaus von Walter Gropius und das von Moholy-Nagy sind Neubauten. Man hat aber nur die Außenhülle aufgebaut, nicht das Haus als solches rekonstruiert. Ein wichtiger Part des Originals waren die Fenster zum Kiefernwald mit den Durchblicken von innen und den Spiegelungen von außen. Das fehlt nun völlig. Die ehemaligen Glasflächen sind matt und undurchsichtig, als Zeichen für die Wahrung und Markierung der Historie. Beide Häuser waren im Krieg zerstört worden und auf den Grundmauern des Gropius-Hauses mussten die Käufer des Grundstücks dann etwas ganz Hässliches bauen. Das ist nun zum Glück abgerissen und durch den kritischen Wiederaufbau ersetzt. Wenn die Planen fallen, sollte das Ensemble der weißen Kuben wieder in frischem Glanz erstrahlen.

Man kann im Bauhaus angeblich auch übernachten. In der Mensa essen auch. Aber das ist wirklich nur für jene zu empfehlen, die Kantinenessen gewohnt sind. 

Die Moderne im Dessau des 18. Jahrhunderts

Eine Fahrt nach Dessau sollte man möglichst mehrtägig planen. Knapp einen Tag braucht man für das Bauhaus. Da passt eventuell noch ein Besuch im Technikmuseum „Hugo Junkers“ rein (letzter Einlass 16 Uhr – habe es leider nicht angesehen).

Aus meiner Sicht lohnt sich auf jeden Fall die Kombination mit dem Besuch des Gartenreichs Dessau-Wörlitz. Auch dort war zur Saisoneröffnung die neue Georg Forster-Ausstellung im Schloss noch lange nicht fertig, aber im Park blühten auf den Wiesen die wilden Krokusse – und man konnte fotografieren!

Gartenreich Dessau-Wörlitz

Wiese mit Krokussen im Gartenreich Dessau-Wörlitz zum Frühlingsfest am 23. März 2019. Im Hintergrund das Gotische Haus.

Dessau-Wörlitz Figur am Wasser

Im wasserreichen englischen Landschaftsgarten am Schloss Wörlitz

Warum Park und warum dieser? Grün ist es auch anderswo, aber dieser Park bietet lebendige Bilder. Alles ist nach den idealen Landschaften in der Malerei der Renaissance angelegt. Die Wörlitzer Anlagen sind ein Gesamtkunstwerk mit Wasserflächen, alten Bäumen und architektonischen Elementen in den Sichtachsen. Ab 1764 ließ Leopold III Friedrich Franz von Anhalt-Dessau (1740-1817) den Landschaftsgarten im englischen Stil anlegen. Vorbild war Stourhead in Südengland, das er besucht hatte. Von Beginn an waren die Wörlitzer Gärten für jedermann frei zugänglich. Das kleine Fürstentum wurde zum  Reiseziel bedeutender Zeitgenossen wie Goethe und auch jenem Georg Forster, der mit Cook um die Welt gesegelt war und als der Mensch galt, der am meisten von der Welt gesehen hatte. Das Zeitalter der Aufklärung war eben auch modern. In Dessau kann man gleich zwei spannende UNESCO Welterbestätten besuchen. 2020 heißt es „20 Jahre Gartenträume“ in 50 historischen Parks.

Magdeburger Moderne – Das neue Bauen in der Elbestadt

Häuser mit Farbflächen

Madeburger Siedlung Reform, Bunte Strasse

Magdeburger Siedlungshäuser

Für Architekturinteressierte einen Abstecher wert ist die „Magdeburger Moderne“ in der Landeshauptstadt. Früher und konsequenter als andere deutsche Städte gab es unter dem sozialdemokratischen Bürgermeister modernen Wohnungsbau in der boomenden Industriestadt mit großer Wohnungsnot. 1921 wurde der Visionär Bruno Taut als Stadtbaurat in die Elbestadt berufen. Er entwickelte einen zukunftsweisenden Generalsiedlungsplan. Magdeburgs Arbeitersiedlungen galten in der Weimarer Republik in Gestalt, Funktion und Qualität als beispielhaft und die Stadthalle von Johannes Göderitz als ein Hauptwerk der klassischen Moderne. Zusammen mit dem Albinmüllerturm kündet sie von der „Stadt des neuen Bauwillens“.

Die Broschüre zur Magdeburger Moderne im Bauhaus Jubiläumsjahr zeigt Routen, die man mit dem Rad oder Auto abfahren kann.   

Erfolg als Fotograf 2019

In einem Buch über den Architekturfotografen Ezra Stoller gibt es das beeindruckende Bild, wie er auf einer LKW-Ladefläche mit Leitern ein Plateau für seine Großbildkamera gebaut hatte. Keine Ahnung, wie er da hinauf gekommen ist. Heute lösen Sie die große Übersicht weniger halsbrecherisch mit einer Drohne. Das macht bewußt: Es geht immer schneller, einen Auftrag auszuführen. Wer jetzt noch seine Zeit in Rechnung stellt, wird zusehends weniger verdienen.

Fotografen-Coaching 2019

Der Aufnahmeaufwand mag abnehmen, rasant wachsen jedoch die Anforderungen, aus Sicht der Kunden ein kompetenter und verlässlicher Anbieter visueller Lösungen zu sein. Dabei, dem Wandel in den beruflichen Anforderungen gerecht zu werden, möchte ich Fotografinnen und Fotografen 2019 noch besser unterstützen: Mit innovativen Honorarmodellen, Anleitung zur pointierteren Präsentation der eigenen Leistungen und dem Fokus auf Kundengewinnung und Kundenkommunikation. Dazu habe ich ein fünfwöchiges Coaching entwickelt, an dem man bequem von Zuhause aus teilnehmen kann.

Wer also seine Auftragslage zukünftig kontrollieren und den Wert seiner Arbeit statt der Zeit in Rechnung stellen möchte, sollte sich diese Seite genauer ansehen. Im Coaching geht es ab 7.2.2019 konzentriert um die oft als schwierig empfundenen Themen Kundengewinnung, Preisgestaltung und um eine Sache, die mir besonders wichtig ist, weil sie von allen unterschätzt wird: Das Schreiben von Angeboten. Was soll man da schon falsch machen? Ziemlich viel – ohne es zu merken.

Achtung: Beginn ist schon am 7.2.2019!

Es geht um Ihre Jobs, Ihre berufliche Perspektive, Ihren Erfolg als Fotograf 2019 und darüber hinaus!  Alle Informationen finden Sie hier: https://erfolg-als-fotograf.de/coaching/ Melden Sie sich gerne, falls Sie Fragen haben.

Foodfotografie: Feast for the Eyes

Martin Paar Foto

Martin Parr: New Brighton (Hot Dog Stand), 1983–85; from Feast for the Eyes (Aperture, 2017) ©Martin Parr/Magnum Photos

„Feast for the Eyes“ zeigt die reiche Geschichte der Foodfotografie – nicht nur in der künstlerischen, sondern auch in der kommerziellen und wissenschaftlichen Fotografie und im Fotojournalismus. Von der Alltäglichkeit des Hot-Dog-Stands von Martin Parr bis zum allegorischen Stillleben von Laura Letinsky, von Roger Fentons umfangreichen Essensdisplays aus dem 19. Jahrhundert bis zu den Kochbüchern der sechziger Jahre.

Aufgrund der vielfältigen Formen, der Bedeutung von Nahrung, und der Tatsache, dass sie leicht verfügbar ist, wurde sie zu einem vielfach fotografierten Motiv. Das Interesse am Thema Food nahm in den letzten Jahren eher noch zu. Durch das Teilen von Fotos auf Social-Media-Plattformen wie Instagram, Snapchat, Facebook und Twitter ist die Fotografie gar Teil des kulinarischen Erlebnisses geworden.

Bei den Motiven der Ausstellung handelt es sich selten nur um Nahrungsmittel. Essen kann einen Lebensstil oder eine Nation repräsentieren, Hoffnung oder Verzweiflung, Hunger oder Überfluß.

Foodfotografie

©Ouka Leele: Peluqueria, Limones, 1979

Foodfotografie? The Story of Food in Photography

Die Ausstellung untersucht anhand von drei Themen, wie Nahrung dargestellt wird und welche Bedeutung sie haben kann. Für „Still Life“ bildet eines der beliebtesten Genres der Malerei den Ausgangspunkt. Die Fotos zeigen, wie die Künstler vom Genre inspiriert wurden, und wie sich dieses im Laufe der Zeit verändert hat. „Around the Table“ schaut auf das Ritual, das rund ums Essen stattfindet. Darüber hinaus befasst sich dieser Abschnitt auch mit kultureller Identität, die sich in Lebensmitteln widerspiegelt. Schließlich zeigt „Playing with Food“, was mit Lebensmitteln passiert, wenn Humor, Spaß und Ironie ins Spiel kommen. Zusätzlich zu den Fotos werden eine Reihe von Kochbüchern gezeigt. Die Bücher geben den Bildern an der Wand eine zusätzliche visuelle Geschichte und liefern einen Kontext.

#fishy #donut #divers #thingsarequeer, December 1, 2015  © Joseph Maida

Mit Fotografien von:

Nobuyoshi Araki, Guy Bourdin, Imogen Cunningham, Roe Ethridge, Marion Faller und Hollis Frampton, Rotimi Fani Kayode, Roger Fenton, Peter Fischli und David Weiss, Nan Gordon, Rinko Kawauchi, Russell Lee, Laura Letinsky, Vik Muniz, Nickolas Muray, Martin Parr, Martha Rosler, Ed Ruscha, Cindy Sherman, Stephen Shore, Edward Steichen, Paul Beach, Wolfgang Tillmans, Lorenzo Vitturi, Tim Walker, Andy Warhol, Weegee, Edward Weston, Hank Willis Thomas und vielen anderen.

Feast for the Eyes – The Story of Food in Photography: organisiert von der Aperture Foundation, New York, kuratiert von Susan Bright und Denise Wolff. Eröffnung am 20. Dezember 2018 um 17.30 Uhr. Die Ausstellung läuft bis 3. März 2019 im Foam Fotomuseum Amsterdam.

Frage an Sie: Fotografieren Sie (Ihr) Essen? Welches Food-Motiv ist für Sie ein Augenschmaus?

Frohe Feiertage mit leckeren Menüs wünscht Ihnen Martina Mettner

Frank Kunert: Memospiel „Kleinanzeigen“

Kunert zwei kartenpaare

Frank Kunert, den Fotografen und Baumeister skurriler Miniaturwelten, habe ich hier vor zehn Jahren erstmals vorgestellt und zuletzt über einen Besuch bei ihm berichtet. Sein in diesem Jahr erschienenes drittes Buch „Lifestyle“ wurde gerade mit dem Deutschen Fotobuchpreis in Silber ausgezeichnet. Und nun das! Ein Memospiel in Form und Haptik eines Aktenordners! Der Knaller für alle Kunert-Fans und Freunde von Legespielen.

Kunert Legespiel

Zu 36 seiner bekannten Motive hat Frank Kunert Anzeigentexte entworfen und schön gestaltet. Zu jeder Anzeige muss man das passende Bild finden, oder eben umgekehrt zum Bild die zugehörige Anzeige. Das ist durchaus anspruchsvoller als nur zwei gleiche Bilder aufzudecken wie bei Memory.

Kunert zwei Kartenpaare

Um Streitigkeiten unter Spielern aus dem Weg zu gehen, konsultiere man das beiliegende Booklet, in dem alle Bildpaare vorgestellt werden. Das Heft bietet auch ein gutes Intro für jene, die mit Frank Kunerts hintersinnigen kleinen Welten noch nicht so vertraut sind. Auch der Künstler und seine Arbeitsweise wird darin vorgestellt. Das Memospiel „Kleinanzeigen“ ist aus meiner Sicht ein originelles Weihnachtsgeschenk für Menschen mit Humor.
Kleinanzeigen Memospiel erschienen bei MeterMorphosen, 72 Karten im Langformat in der edlen Box, ISBN 978-3-934657-82-3, empfohlener Verkaufspreis 19,90 Euro über Ihre Buchhandlung oder direkt beim Fotografen.

Rebecca Sampson: Apples for Sale

Die erste Einzelausstellung der deutsch-amerikanischen Künstlerin Rebecca Sampson findet vom 2. November bis 16. Dezember 2018 im Foam Fotografiemuseum Amsterdam statt. Sampsons Arbeit ist eine fotografische Studie über das tägliche Leben indonesischer Hausangestellter in Hongkong. Mit wenig Freizeit oder persönlichem Freiraum konstruieren diese Arbeitsmigranten eine parallele Identität mithilfe von Social-Media-Kanälen. Fernab von Zuhause und in einer völlig weiblichen Subkultur entwickeln die Frauen eine mehrdeutige sexuelle Identität. Sampson porträtiert diese Bevölkerung in einer vielschichtigen multimedialen Erzählung, bestehend aus Dokumentarfotografie, Social-Media-Filmmaterial und Text.

kostümierte Haushälterinnen

Beauty queen contestants waiting for the recognition of the jury – housemaids on their day off in Hong Kong, 2016

Über 300.000 ausländische Hausangestellte arbeiten und leben in Hongkong. Die große Mehrheit kommt aus Indonesien und den Philippinen. Diese Frauen arbeiten normalerweise zwölf Stunden am Tag, sechs Tage in der Woche, unter erschreckenden Beschäftigungsbedingungen. Obwohl sie offiziell Anspruch auf einen freien Tag in der Woche haben, wird dieses Gesetz in der Praxis oft nicht beachtet. Diese Frauen schlafen auf einer Matratze neben der Waschmaschine, in der Küche oder unter der Treppe. Oft fehlt ihnen der private Raum, um ihre knappe Freizeit zu verbringen. Bei einem Besuch in Hongkong im Jahr 2013 beobachtete Sampson, wie Hunderte von Arbeitsmigranten – die einen Tag lang quasi obdachlos waren – ihre Sonntage in den Parks und öffentlichen Bereichen der Stadt zubrachten. Die Fotografin begleitete sie zu Schönheitswettbewerben, in Nachtclubs, zu inszenierten Hochzeiten und in aufwendig dekorierte Mietcontainer, wo die wenigen Glücklichen, die es sich leisten können, ihren freien Sonntag verbringen.

Toilettenküche

Preparing dinner in the toilet/kitchen 5 sqm apartment shared by 2 housemaids in Hong Kong, 2017

Aufgrund des Mangels an persönlichem Freiraum und im starren Korsett ihrer täglichen Hausaufgaben eingesperrt, suchen viele Frauen in sozialen Medien nach Trost, wo sie ein umfangreich ausgearbeitetes Alter Ego pflegen. Für diese Frauen bieten Fotografien ein starkes (und oftmals das einzige) Mittel, um ein gewisses Maß an Autonomie zu erhalten. Das gegenseitige Streben nach Intimität und (sexueller) Identität wird weitgehend online in Form von Fotos und Videos ausgedrückt, die in sozialen Medien geteilt werden.

Sehnsucht nach Zweisamkeit und Familie

Sampson sammelte Selfies von Hausangestellten, die als Comic-Helden oder Popstars verkleidet waren, sowie private Videos ihrer täglichen Arbeitsumgebung und Fotos ihrer improvisierten Schlafbereiche. Es ist eine Welt, die von Gender-Fluidität und einer eindeutig lesbischen „Subkultur“ geprägt ist, die die Fotografin unter anderem der Unmöglichkeit zuschreibt, eine heterosexuelle Beziehung oder ein Familienleben in einer ausschließlich weiblichen Gemeinschaft aufrechtzuerhalten, sowie die Einsamkeit und Sehnsucht nach einer Verbindung, die unter solch isolierten Lebensbedingungen ganz logisch ist. Sampson dokumentierte Traumhochzeiten zwischen Hausangestellten – die als Prinzessin gekleidete Braut, die andere als der Bräutigam – und stellte „Familien“ dar, bestehend aus jungen Mädchen und Tomboys, die sich liebevoll um ihre Puppen kümmern, als ob sie ihre Kinder wären.

Werbefoto

Smiling photos, displaying all fingers intact, photograph of Indonesian agency promotional material, 2016

Die von Sampson und von den Hausangestellten selbst gemachten Porträts bilden einen scharfen Kontrast zu den Passfotos, die den Antragsformularen beigefügt sind, die Sampson dadurch erhalten konnte, dass sie sich als potenzieller Arbeitgeber ausgab. Die Künstlerin stellte die von der Agentur bereitgestellten Fotos – gehorsam lächelnde Damen mit Schürze – und den Text „Apples for Sale“ – den Bildern voran, die diese Arbeiterinnen in den sozialen Medien gepostet hatten. Die Diskrepanz zwischen der konstruierten Typologie der Musterhaushälterin und den Bildern ihrer verzweifelten Versuche, dem trüben Alltag zu entfliehen, wirft die Frage auf, welches der beiden Bilder am weitesten von der Realität entfernt ist.

Park in Hongkong

Gathering of Indonesian housemaids on their day off, Victoria Park, Hong Kong, 2017

Rebecca Sampson (Deutschland, 1984) studierte Fotografie an der Ostkreuzschule in Berlin. Ihre Arbeiten wurden international gezeigt und waren 2018 Teil der Ausstellung „Gute Aussichten Deluxe“ in den Deichtorhallen / Haus der Photographie, Hamburg. Rebecca Sampson ist die zweite Empfängerin des Florentine Riem Vis Grant, der zum Gedenken an Florentine Riem Vis (1959-2016) gegründet wurde. Das Stipendium wird jährlich mit dem Ziel vergeben, junge fotografische Talente bei der Entwicklung ihrer künstlerischen Karriere zu unterstützen. In diesem Jahr erschien auch Sampsons erstes Buch „Apples for Sale“ im Kerber Verlag. Die Fotografin lebt und arbeitet in Berlin.

Credits all images: from the Series „Apples for Sale“, 2016-17 ©Rebecca Sampson
The research for the project Apples for Sale was funded by the Robert Bosch Stiftung in cooperation with the Literarisches Colloquium Berlin and within the context of the program Grenzgänger China–Deutschland.

Erfolg als Fotograf jetzt als E-Book

Cover E-Book

Würden Sie auch gerne Aufträge und neue Kunden fast wie auf Autopilot bekommen? Das ist gar nicht so schwierig, kostet nur etwas Überwindung. Sie sollten dazu nämlich einmal gründlich Ihre Business-Basics erarbeiten. Dabei unterstütze ich Sie seit 2002 in persönlichen Beratungsgesprächen und seit 2010 auch per Buch. So lange ist es her, dass die erste Ausgabe von „Erfolg als Fotograf – Wie man sein Können optimal präsentiert“ erschien. Seitdem hat es vielen Fotografierenden „die Augen geöffnet“, wie ich immer wieder bestätigt bekam. Und bestimmt auch zu weniger Sorgen und mehr Sicherheit bezüglich Selbstmarketing und Kundenkontakt verholfen.

HeutZitat aus Erfolg als Fotografe informieren sich Kunden schneller, kaufen (bzw. buchen Sie) aber bedächtiger. Da wird mehr verglichen und nach Argumenten geguckt als früher.

Wählerische Kunden

Erinnern Sie sich? Wenn Sie früher eine Reise gebucht haben, dann hatten Sie meist einen Prospekt mit ein bis drei winzigen Abbildungen des Hotels. Und trotzdem haben Sie sich entschieden. Heute erwarten Sie ein 360 Grad-Panorama und lesen wahrscheinlich erst einmal die Besprechungen auf unterschiedlichen Plattformen, bevor Sie ein Hotel oder auch nur ein Restaurant auswählen.

Diese Änderung in den Gewohnheiten hat gravierende Auswirkungen darauf, wie Sie sich online präsentieren sollten. Lange Ladezeiten, zu viele Bilder, aber kein Text (mithin fehlen dem Kunden Argumente, die für Sie sprechen!) sind ebenso ein Problem wie fehlende Referenzen – um nur diese Ihrem Business besonders abträglichen Punkte zu nennen.

Mehr solch Grundsätzliches und wie Sie es leicht optimieren können, erfahren Sie in meinem Workbook „Erfolg als Fotograf“, das nun auch zum Download im Format epub verfügbar ist. „Hören Sie auf, Fotos anzubieten!“ proklamiere ich etwas provokant im zweiten Buchkapitel, in dem ich auch erkläre, was ein Kostenvoranschlag enthält und wie die Situation für Seiteneinsteiger ist. Im dritten Kapitel geht es um Ihre Persönlichkeit als Kapital und wie Sie Ihr Profil erarbeiten. Wie Sie sichtbar werden, erläutere ich im Kapitel „Präsenz“ und bei „Präferenz“ geht es darum, wie Sie Kunden finden und binden. Gegen Ende arbeiten wir daran, wie Sie bekannter werden, aber auch, wie Sie mit Absagen umgehen. Das Buch schließt mit den 5 hartnäckigen Mythen, die Sie nun durchschauen.

Hier finden Sie weitere Infos samt einem Blick in das gedruckte Buch, dessen AuflZitat aus Erfolg als Fotografage sich zu Ende neigt.

Cover E-Book

Erhältlich zum Preis von 29,80 € nur auf Erfolg-als-Fotograf.de (klick aufs Bild). Inhaltlich ebenso umfangreich wie das über 200seitige gedruckte Buch zum Preis von 39,80 €.

 

Hannes Wanderer druckt nicht mehr

Hanes Wanderer Peperoni

Ein großer Verlust für die Fotografie

Am 11. September 2018 konnte man auf Facebook erfahren, dass Hannes Wanderer gestorben ist. Er war Verleger ungewöhnlicher Fotobücher (Peperoni Books), Drucker aus Passion, Inhaber eines Fotobuchladens in der Brunnenstraße in Berlin mit Onlinepräsenz namens 25Books – und Gauloises-Raucher.

Etliche Fotografinnen und Fotografen haben Wanderer viel zu verdanken. Mehr als nur das Publizieren eines Buches war es seine Verleger- und Herstellerkompetenz, seine Energie und sein rühriges Treiben, das deren Karriere beförderte. Er sah in den publizierten Fotoarbeiten etwas, das ihn ungeheuer begeisterte, und das er mit großem Enthusiasmus vertrat. Und dann meisterhaft zu Papier zu bringen verstand. Über 100 Bücher hat er verlegt, den Druck vorbereitet und überwacht.

Aufgewachsen in der Druckerei des Vaters in Bad Münder bei Hannover, waren die Geräusche (und Gerüche) der Offsetmaschine die Begleitmusik seiner Kindheit. Sein Bruder Jochen übernahm die seit 1899 bestehende Druckerei und baute sie zu einer führenden Adresse für Bildbände aus, während Hannes sich in Berlin niederließ und sich ab 2005 dem Verlegen von Fotobüchern widmete. Auf der Website der Druckerei Wanderer findet sich ein Beitrag zum 10jährigen Bestehen von Peperoni Books.

Hannes Wanderer, Buchmesse 2015

Hannes Wanderer auf seinem Buchmessestand 2015

„Dass Hannes Raubbau mit seiner Gesundheit trieb“, schreibt der Fotograf Andreas Trogisch, „sah jeder, der Augen hatte, was man ja gerade bei Fotografen voraussetzen kann. Für sie alle hat er gearbeitet, für ihre, unsere, meine Eitelkeit, in die Geschichte einzugehen mit einem Buch. Hannes ist auch für mich gestorben.“

Hannes Wanderers echte, nicht kommerziell, nicht strategisch ausgerichtete Begeisterung für Fotografie wird sehr fehlen.

Wolfgang Strassl: Oktoberfest

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Strassl, Oktoberfest

In seiner Jugend ging man, sagt der gebürtige Münchener Wolfgang Strassl, noch in Alltagskleidung aufs Oktoberfest. Lediglich einige Leute vom Land erschienen in Tracht. Heute kleiden sich viele eigens für den Besuch des Oktoberfestes mit Lederhosen und kariertem Hemd, die Frauen mit Dirndln ein. Letztere sind so populär, dass sie sogar als Discounterware hergestellt werden.

Strassls Bilder zeigen konsequent aus der Draufsicht das bayerisch Uniformierte und die drangvolle Enge. Sie geben Gelegenheit, in aller Ruhe – also auch ohne Blasmusik – die Menschen zu studieren. Die Buchform ist daher für diese Bildserie ideal. Angereichert wird das Bucherlebnis durch die Kombination der Fotografien mit Auszügen aus einem Text des amerikanischen Autors Thomas Wolfe über seinen Besuch auf dem Oktoberfest von 1928.

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Strassl-Oktoberfest-6Wolfgang Strassl hat seine Eindrücke und seine Motivation für dieses Fotoprojekt in seinem Vorwort formuliert.

Vorwort des Fotografen zum Bildband Oktoberfest

Ein Bierzelt auf dem Oktoberfest ist nicht nur ein Ort, an dem bayerisches Bier ausgeschenkt wird und eine bayerische Blaskapelle aufspielt. Das auch, doch vielmehr noch entsteht dort jedesmal, wenn es gegen Abend zu etwas voller wird, ein ganz außergewöhnlicher sozialer Raum, in dem Menschen unterschiedlichster Herkunft zusammenkommen und zueinander finden. Wie von einer unsichtbaren Hand geführt unterwerfen sie sich alle ganz natürlich den dort anscheinend herrschenden bayerischen Sitten und Gebräuchen. Schon vorher kostümieren sie sich ohne Not in einer ihnen oft völlig unbekannten, zumindest aber ungewohnten bayerischen Tracht, rücken dann freiwillig viel enger zusammen, als sie es sich sonst gefallen lassen würden, trinken mehr Bier als sie vertragen, was sonst auch nicht ihre Art ist, singen mit, auch wenn sie es nicht so recht können und verstehen, und prosten selbst wildfremden Tischnachbarn freundschaftlich zu. Es entsteht so aber jedesmal wie durch höhere Fügung eine ganz eigenartige, heiter gelöste bis ausgelassene Stimmung und eine friedvoll glückselige Atmosphäre der allseitigen Verbrüderung, in der sich jede Fremdheit und alle draußen bestehenden sozialen Unterschiede verflüchtigen. So stellt sich dann, zumindest für den Augenblick, dieses ebenfalls dem Bayerischen zugeschriebene Lebensgefühl ein, bei dem man mit sich und der Welt zufrieden ist.

In meinen Fotografien zeichne ich ein Bild dieser einzigartigen Menschenmenge und versuche etwas von der Atmosphäre und Stimmung einzufangen, die für mich in Worten nicht zu fassen ist. Der amerikanische Schriftsteller Thomas Wolfe, der das Oktoberfest im Herbst 1928 zum ersten Mal besuchte, hat seine Erlebnisse dagegen auf beeindruckende Weise in Worte gefasst. In seiner Erzählung aus dem gleichen Jahr zeichnet er ebenfalls ein Bild des für ihn so fremdartigen Treibens, von dem er angezogen und gleichzeitig abgestoßen war und dessen Faszination er auch selbst erlegen ist.

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Das 185. Oktoberfest in München geht vom 22. September bis 7. Oktober 2018.

Wolfgang Strassls drittes Buch mit 120 Seiten ist im Allitera Verlag zum Preis von 29,90€ erschienen.

Die Serie East Jerusalem Landscapes, die unter dem Titel „Homeland“ im Kerber Verlag erschien, ist hier vorgestellt. 

Spielerische Ausstellungen in Madrid

Carta Blanca für Cristina de Middel zur PHotoESPAÑA 2018

Fotografin und Kuratorin Cristina de Middel schlecht beleuchtet

Cristina de Middel in der Ausstellung „Gran final mundial“ im Centro Cultural de la Villa, Madrid, vor einem Motiv von Prue Stent & Honey Long aus Australien.

Vor zwei Jahren hatte sie eine eigene Ausstellung im Centro Cultural de la Villa, in diesem Jahr durfte die 1975 in Alicante geborene Fotografin fünf Ausstellungen kuratieren. Dafür kehrte sie aus Lateinamerika nach Spanien zurück. Überhaupt ist die in Brasilien und in Mexiko Lebende eine der Rührigsten in der internationalen Fotoszene der letzten Jahre. Cristina de Middel ist überall, oder wie sie sagt, immer nur zwölf Stunden Flug vom nächsten Job entfernt.

Martin Parr war es, der ihr Projekt „Afronauts“, und damit sie selbst, international bekannt machte. Auf seinen Einfluß hin ist sie nun Nominee der berühmten Fotografenagentur Magnum. Und er ist auch ihr Co-Kurator bei der Ausstellung im Telefonica-Gebäude mit dem Titel „Player. Magnum Photographers come out to play“. Damit habe sie nun eine komplette Ausstellung in ihrer Magnum-Bewerbungsmappe, wie Cristina augenzwinkernd erklärte.

Innenansicht der Players-Ausstellung

Players, die Ausstellung mit Fotos der Agentur Magnum, ist aufgebaut wie ein Flipperautomat.

Foto aus der Players Ausstellung

Mein Favorit aus der Players-Schau ist dieses Motiv von Gueorgui Pinkhassov, London 1999.(Magnum Photos)

Bei einer Bildagentur, die laufend selbst Print-Verkäufe unter ein Motto stellt und bei der Andréa Holzherr als erfahrene Frau für die internationalen Ausstellungen verantwortlich ist, sollte es keine große Sache sein, eine solche Schau zusammenzustellen. Nun ja, bei der Menge an gutem Material und den zu berücksichtigenden Fotografenegos … Der Besucher ist jedenfalls angehalten, sich selbst durch die Ausstellung zu flippern.

Begin at the beginning, and go on till you come to the end: then stop.

Wie man „Spiel“ total theoretisch angehen kann, zeigt Kuratorin Hester Keijser aus den Niederlanden im CentroCentro Cibeles. Die bekannte Kuratorin wurde von Cristina eingeladen, eine der Ausstellungen zu übernehmen. Der obige Satz aus Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“ diente als Inspirationsquelle für Hesters Auswahl zeitgenössischer Fotografie, die sich – wie zu sehen ist – extrem weit von Fotografie entfernt.

Installation von Isabelle Wenzel, 1982 in Wuppertal geboren, die Artistin im doppelten Wortsinn ist. Ihre Arbeiten nennt sie „Performative Photographie“. Sie nimmt artistische Posen ein (siehe Bild im Hintergrund) und zeigt in Madrid ein Schachfeld als Referenz an „Alice in Wonderland“.

Ein schönes Beispiel sind die Stickbilder von Lana Mesic (1987 in Kroatien geboren, lebt in Rotterdam). Sie zeigen Londoner Banker, angefertigt nach einem Porträt, das sie am Ende eines Interviews aufnahm. Sie stickte so lange, wie das Interview dauerte. Eines der Porträts in der Serie ist daher nur angefangen.

Ein extremes Beispiel fürs Um-die-Ecke-denken oder „Des Kaisers neue Kleider“ liefert der Niederländer Jan van der Til (Jg. 1972). Statt Fotos hängte er lediglich ein A4-Blatt auf, das besagt, die Bilder seien aus Sicherheitsgründen entfernt worden. Er bekannte, über Typowahl, Text und Kontext wochenlang nachgedacht zu haben. Er möchte die Besucher der Ausstellung zum Nachdenken bringen. Wie interpretieren sie seinen Hinweis? Er wird es nicht erfahren! Kein Mensch wird den Zettel beachten, wäre mal meine Vermutung. Geschweige auf die Idee kommen, sich kompliziert auf die Webseite der Ausstellung zu begeben und dort die vielen Fragen zu finden, die er sich stellen soll.

Kuratorin Hester Keijser, Jan van der Til und rechts das Blatt: Konzeptkunst.

PHotoESPAÑA 2018: Gran final mundial

Bild aus der Ausstellung "Gran final mundial"

In Marrakesch fotografierte Hicham Benohoud „The Hole“, bei denen er Familien überredete, Löcher in ihre Wohnung zu schlagen und sich hineinzusetzen oder zu legen.

Überraschend und doch quasi bodenständig war die (schon ältere) Serie „The Hole“ des marokkanischen Künstlers Hicham Benohoud (Jg. 1968), die Cristina für die Gruppenschau „Gran final mundial“ im Centro Cultural ausgewählt hatte. Im Unterschied zu den sonst sehr verkopften Bildfindungen stecken hier reale Menschen in realen Löchern in ihrem eigenen Zuhause. Man sieht, dass Benohoud von der Bildhauerei kommt. Bei den Familien in Marrakesch rückte er mit Maurern, Fliesenlegern und Malern an, um nach dem Graben der Löcher alles wieder in einen ordentlichen Zustand zurückzuversetzen. (Das erfährt man allerdings erst bei der Internetrecherche aus einem französischen Artikel.) „Was die Akrobatik anbelangt“, erzählt er dort, „kam mir die Idee auf der Terrasse eines Cafés auf dem Platz Jemaa El-Fna: Eine Gruppe Akrobaten spielte vor einigen Touristen Nummern für ein paar Dirhams. Als ihre Show endete, bat ich sie, sie zu fotografieren, nicht in einem öffentlichen Raum, sondern Zuhause, mit ihren Verwandten, in ihrer Privatsphäre.“ Benohoud lebt in Casablanca und in Paris.

In „Gran final mundial“ wird mit der Referenz an die Fußball-WM gespielt und gedanklich der Idee gefolgt, bei Spielen im Erwachsenenalter ginge es ums Gewinnen, darum, der/die Beste zu sein. Sechs Vertreter aus sechs Kontinenten belegen das für die Kuratorin: Hicham Benohoud, Miguel Calderón, Ana Hell, Jason Fulford, Robert Zhao Renhui, Prue Stent & Honey Long (siehe auch meinen Instagram-Feed.)

Blick in die Ausstellung

„El mayor espectáculo del mundo“, Archive of Modern Conflict, Kurator: Kalev Erickson, London.

Die bestgemachte Ausstellung in Madrid

Beim Thema Spiel ist der Zirkus nicht weit. Oh je, Clowns! Die Ausstellung unter dem passenden Motto „The Greatest Show on Earth“ feiert mit Bildern aus einem umfangreichen, in London beheimateten Privatarchiv zugleich das 250ste Jubiläum des modernen Zirkus. Vorausgeschickt sei, dass mich weder historische Zeitungsfotos noch der Zirkus sonderlich interessieren. Aber diese Schau ist aus meiner Sicht die am besten zusammengestellte und präsentierte des diesjährigen Festivals.

Kurator Kalev Erickson arbeitet im Archive of Modern Conflict und ist mit Leidenschaft und ungeheuer viel visuellem Gespür an diese ziemlich heroische Aufgabe herangegangen. Mit Neugier fräste er sich durch die Unmengen an Material. Dabei gelang es ihm, dieses so zusammenzustellen, dass es selbst erklärend wird. Die Schichten der Bilder übereinander sind hier passend und lebendig. Die Entscheidungen, welche Bilder wandfüllend tapeziert werden sollen und welche kleiner besser wirken, waren sicher nicht einfach zu treffen. Er habe dann, obwohl das gar nicht abgesprochen war, am Ende noch Originale in Rahmen aufgehängt, erzählte er auf Nachfrage. Erickson hat in Madrid zur PhotoEspaña einen großartigen Job gemacht, vielleicht gerade, weil er nicht aus dem Kunst- und Ausstellungsbetrieb kommt.

Da quellen die Augen über bei so viel Bildmaterial, das in ein überzeugendes Wandlayout gebracht wurde.

Die dritte Ausstellung im Kulturzentrum bestreitet der 1962 in Nigeria geborene Fotograf Samuel Fosso mit Selbstporträts in den Rollen berühmter Persönlichkeiten, die im Laufe von vierzig Jahren entstanden. Seine Darstellung von Angela Davies ziert den Ausstellungskatalog des Festivals. Fosso war anwesend, ließ sich aber vor der Presse nicht blicken (ich sah ihn im Hotel beim Frühstück), sondern schickte seinen Kurator vor, Azu Nwagbogu, Gründer und Leiter des Fotofestivals von Lagos, Nigeria.

Blick in die Ausstellung mit Schwarzweißfotografien

Der elegante Senegal im Sala Goya des Circulo de Bellas Artes.

Der elegante Senegal

Unbedingt erwähnen muss ich beim Thema Afrika die wunderbare Ausstellung „El Senegal elegante“ mit 30 großen Abzügen von Porträts schöner Damen und Herren aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Aufgenommen von einem anonymen Fotografen aus und in Saint-Louis und zwar sowohl in den Wohnungen als auch im Freien. Das macht die Motive so viel sprechender als inszenierte Studioaufnahmen. 20 nicht bei einem Brand 1982 zerstörte Originale eines bekannten Studio-Fotografen mit dem Namen Mama Casset, gliedern sich im Sala Goya des Circulo de Bellas Artes an.

PHotoESPAÑA 2018 präsentiert vom 6. Juni bis 26. August 90 Ausstellungen mit Werken von 530 Künstlern und ein Programm von 21 professionellen und öffentlichen Aktivitäten, die an 80 Orten stattfinden.

Haubitz + Zoche: Modernistische Kinos und Kirchen in Südindien

modernistisches Kino, Indien

New Theatres, Trivandrum (2014) © Stefanie Zoche / VG Bildkunst

„Postkoloniale Erleuchtung“ heißt die Ausstellung der Arbeiten von Sabine Haubitz und Stefanie Zoche in Mannheim. ZEPHYR Raum für Fotografie zeigt vom 27. Mai bis 26. August 2018 Kirchen und Kinos in Südindien, die zwischen 1950 und 1970 in einer Spielart der modernistischen Architektur erbaut wurden. Sie entstanden, nachdem der Architekt Le Corbusier vom ersten Ministerpräsidenten des unabhängigen Indiens, Jawaharlal Nehru, den Auftrag erhalten hatte, Chandigarh zu gestalten, die neue Hauptstadt des Punjab.

PAX, modernistische Kirche in Indien

Our Lady of Miracles, Thoppumpady in Cochin (2014) © Stefanie Zoche / VG Bildkunst

Kino, Indien

Saptagiri, Hyderabad (2014) © Stefanie Zoche / VG Bildkunst

Modernistische Kirchen und eine reiche Kinokultur

Die Suche der beiden Künstlerinnen nach modernistischen Bauten begann 2010 in Keralas Hauptstadt Thiruvananthapuram im äußersten Süden Indiens. Auf drei Reisen in den Jahren 2010 bis 2014 dokumentierten Haubitz + Zoche diese Gebäude, deren Architektursprache man als eine hybride Moderne bezeichnen kann. Die Fotografien bezeugen eine reiche Kinokultur, die in Europa und Amerika schon verschwunden ist, und bald auch in Indien von Multiplexen verdrängt sein wird.
Die Arbeiten der 2014 tödlich verunglückten Sabine Haubitz und von Stefanie Zoche stehen in der Tradition deutscher Architekturfotografie mit ihrer formalen Strenge. Die Betrachter werden so zu vergleichendem Sehen animiert.

Kino, Indien

Alankar, Madurai (2014) © Stefanie Zoche / VG Bildkunst

Kirche, Indien

St. Anthony ́s Church, Peratta (2014) © Stefanie Zoche / VG Bildkunst

In der Ausstellung, die zum ersten Mal in Deutschland zu sehen ist, treffen die Serien der Kirchen und Kinos aufeinander. In beiden machen Haubitz + Zoche die Einflüsse verschiedener Kulturen und Epochen sichtbar und reflektieren so die dynamische Veränderung, die das Land prägt. Jenseits des Alltags scheinen Kinos wie Kirchen ihren jeweiligen Besuchern Orte ganz unterschiedlicher Erleuchtung anzubieten.

Eröffnung: Samstag, 26. Mai 2018, 19 Uhr
ZEPHYR – RAUM FÜR FOTOGRAFIE
Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim

Beitragsbild: St Joseph´s Chapel, Thuravoor (2014)
© Stefanie Zoche / VG Bildkunst

Falls Sie sich für modernistische Architektur interessieren, siehe auch diesen Beitrag.

DSGVO – Ist die wichtig?

Büroschränke mit Akten

Haben Sie eine eigene Website? Fotografieren Sie Personen und veröffentlichen Sie die Bilder? Tja, dann ist das wichtig. Aber kein Grund zur Panik.

Gestern kam eine Pressemitteilung zu einer Fotoausstellung (wird hier am 24.5.18 veröffentlicht). Die ausstellende Künstlerin hat eine Website. Jedoch eine ohne Impressum, wie es nach dem Telemediengesetz vorgeschrieben ist. Zudem wäre es ja auch klug, für Interessenten oder Auftraggeber anzugeben, wo in der Republik man zu erreichen ist. Wer nicht einmal auf dem aktuellen Stand ist, sollte nun aufwachen. Denn am 25. Mai 2018 gelten die verschärften Bedingungen der Datenschutzgrundverordnung für ganz Europa.

Menschen fotografieren = Speichern personenbezogener Daten

Fotografen sollte das ganz besonders interessieren, denn sie speichern personenbezogene Daten mit der Kamera und sie betreiben wahrscheinlich auch eine Website. Damit haben sie schon zwei gute Gründe, sich mit dem Thema zu befassen. Vor allem jene, die sich bisher großzügig über die gesetzlichen Vorgaben hinwegsetzen.

Anhand dieser Checkliste können Sie prüfen, welche Maßnahmen Sie ggf. bis zum 25. Mai erledigt haben sollten.

Büroschränke mit Akten

Datenaufbewahrung in einem Büro in Phnom Penh, Kambodscha. Foto: mm

Wer meinen Erfolg-als-Fotograf-Newsletter abonniert hat, bekam schon Mitte April eine Aufstellung mit den wichtigsten Artikeln zum Thema. Hier der Link zur letzten Folge einer Artikelreihe von Rechtsanwalt David Seiler, die für Sie interessant sein könnte.

Inzwischen erschienen ist ein bei der ganzen Aufregung hilfreicher Artikel von Rechtsanwalt Dr. Carsten Ulbricht über das Halbwissen zur DSGVO, das online verbreitet wird.

Es schlägt einmal mehr die Stunde der Juristen! Ich finde, Fotografie/Mediengestaltung sollte zukünftig im Doppelstudium mit Jura angeboten werden!

Aber ich finde auch: Wir schärfen durch diese Vorgaben unsere Sensibilität dafür, an welchen Stellen beispielsweise die eigene Website Daten an Google oder einen anderen Dienst weiterleitet. Darauf muss man entweder hinweisen oder, vielleicht besser noch, so weit als möglich verzichten.

Die Verhältnismäßigkeit wahren

Nachtrag vom 9. Mai 2018: Eben fand ich auf Facebook diesen Artikel. Der fasst die Lage für Fotografen ganz gut zusammen, verfällt aber auch der allgemeinen Panikmache vor allem in Bezug auf die Höhe der Bußgelder. „Wer sich also bemüht, die Vorgaben bestmöglich zu erfüllen, braucht auch keine unverhältnismäßigen Bußgelder zu befürchten“, heißt es hier bei RA Carsten Ulbricht.

Es wird im Moment so getan, als habe es nicht immer schon ein Recht am Bild oder ein Telemediengesetz gegeben und ganz plötzlich würden Fotografen bis zum Gehtnichtmehr reglementiert. Die DSGVO steht seit zwei Jahren an und keinen der Fotografenverbände hat es geschert.

Ich bin keine Juristin. Ich bin Photoconsultant und berate Fotografinnen und Fotografen schon seit Jahren dahingehend, diese nun noch problematischer gewordenen Arbeitsbereiche Presse- und Eventfotografie zu verlassen und ihren Schwerpunkt auf lukrativere fotografische Tätigkeiten zu verlegen. Und zu der im oben zitierten Artikel angesprochenen Hochzeitsfotografie: Da könnte ich Ihnen verraten, wie Sie Dank DSGVO Ihren Umsatz deutlich erhöhen können.

Mit den Veränderungen müssen wir leben. Lassen wir uns aber bitte nicht von ihnen einschüchtern!

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Können Sie natürlich jederzeit wieder abbestellen. Macht aber selten jemand.

August Sander Ausstellung in Paris

Kommen Sie in diesem Jahr nach Paris? Dann sollten Sie die bis zum 15. November 2018 laufende Ausstellung „Verfolgte/Verfolger, Menschen des 20. Jahrhunderts“ unbedingt einplanen. Sie wird ausgerichtet im Mémorial de la Shoah, der Gedenk- und Dokumentationsstätte für die Verfolgung der Juden in Frankreich. Ein unerwarteter Ort für eine Fotoausstellung mit Arbeiten von August Sander (1876-1964), zumal Sander kein Jude war. Aber ein sehr passender für seine Arbeiten aus der Zeit des Dritten Reiches und jene seines im kommunistischen Widerstand aktiven Sohnes Erich.

Frauenporträt von August Sander

August Sander, VI/44/5, Persécutée, Portfolio VI/44 — La Grande Ville, Persécutés, 1938. Tirage gélatino-argentique, 1990. © Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur – August Sander Archiv, Cologne; VG Bild-Kunst, Bonn; ADAGP, Paris, 2018. Courtesy of Gallery Julian Sander, Cologne and Hauser & Wirth, New York.

Antlitz der Zeit

Die Bilder aus „Menschen des 20. Jahrhunderts“, vor allem aus dem Kernteil „Antlitz der Zeit“, sind ein wichtiger Teil der deutschen Kulturgeschichte und daher weitgehend vertraut. „Diese Arbeit wurde für ihren ästhetischen Wert so lange gefeiert, dass die Leute etwas von der Schönheit der Bilder geblendet waren“, sagte Julian Sander, Ur-Enkel des Fotografen. Speziell in die Zeit hinein versetzt ein Brief, in dem Sander mitgeteilt wird, dass sein Buch „Antlitz der Zeit“ beschlagnahmt sei. Die Druckstöcke wurden vernichtet. Sanders Anspruch, Menschen aller Art und Schichten zu fotografieren, passte nicht in die nationalsozialistische Ideologie. Mit der Ausstellung „Persécutes / Persécuteurs“ legen die Kuratoren Sophie Nagiscarde und Marie-Edith Agostini den Fokus auf die politische und soziale Dimension der Sanderschen Arbeit. Ein dazugehöriger, berührender Aspekt ist das Verhältnis August Sanders zu seinem Sohn Erich.

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Bildhonorare 2018 – Nutzungsrechte in der Übersicht

Von Fotografen höre ich immer wieder, die Kunden würden sowieso alle Rechte am Bildmaterial verlangen. Ist das so? Oder ist es nicht oft Bequemlichkeit auf Seiten des Bildautors, alle Nutzungsrechte zur Disposition zu stellen? Da wurden von der eigenen Branche über Jahrzehnte Privilegien erkämpft, die heute oft ohne Not preisgegeben werden. Dann soll man sich über den Niedergang der Honorare bitte nicht wundern!

Die Sache mit den Nutzungsrechten ist – keine Frage – ein Auslaufmodell. Aber noch gibt es eben fotografische Bereiche und Aufgabenstellungen, in denen das Wissen über das, was man als Bildautor an Rechtenutzung aufschlagen kann, wirklich nützlich ist. Und wenn es das Wissen ist, wie viel für die ungefragte Verwendung von eigenem Bildmaterial eingeklagt werden kann. Die nachfolgend vorgestellte Publikation enthält nicht zufällig Werbeanzeigen von auf Copyright spezialisierten Rechtsanwälten.

Bildhonorare – Übersicht der marktüblichen Vergütungen für Bildnutzungsrechte

Die Mittelstandsgemeinschaft Foto-Marketing, kurz mfm, gibt eine neue Ausgabe ihrer bekannten Publikation Bildhonorare – Übersicht der marktüblichen Vergütungen für Bildnutzungsrechte heraus. Das Tabellenwerk wurde in Zusammenarbeit mit den großen deutschen Fotoverbänden komplett überarbeitet und an die neuen Entwicklungen in der Bildvermarktung angepasst. Die fortschreitende Verschiebung des Marktes von Print- zu vielfältigen Online-Bildnutzungen spiegelt sich in der neuen Ausgabe der Bildhonorare wider. Crossmediale Nutzungen und neue Anforderungen an Bildverwendungen prägen die aktuelle Darstellungsform der mfm-Publikation.

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Fishmann: Das blaue Zimmer – Bilder mit selbstgebauter Kamera

Christoph Fischer nennt sich „Fishmann – Der Lochkameramann“. „Als eifriger Leser all Ihrer Bücher, finde ich jetzt Ihre Newsletter nicht weniger spannend und zum Nachdenken anregend“, schrieb er mir auf den letzten zum Thema „Flow“.

Lochkameraaufnahme Rabe

Der Flow stellt sich bei mir auf unterschiedliche Art und Weise ein und ist mal mehr, mal weniger ausgeprägt.
Ich stelle jedoch fest, so wie Sie es auch schreiben, alleine und ungestört entwickelt er sich besser. Oft höre ich ein Zitat, Sprüche oder sehe etwas, dann kann es passieren, dass ich Tage, ja sogar Wochen mit Gedanken daran durch den Kopf herumlaufe, bis sich eine Idee verfestigt.

So bin ich letztes Jahr hingegangen und habe eine Serie von Stillleben angefangen, welche bei Leibe noch nicht beendet ist. Es fing damit an, ein Miniaturzimmer zu bauen, eigentlich eine simple Holzkiste, der Boden aus einer alten Pallette, mit einem Fenster und einer Tür. Da ich nur noch blaue Farbe im Keller hatte, wurden die Wände mit blauer Farbe gestrichen, daher der Name der Serie „Das blaue Zimmer“. Eigentlich Unsinn. Da ich Schwarzweißfilm benutze, sieht man es nicht.

Allerlei Gegenstände sind mir bis dato ins Zimmer gekommen. Fundstücke, eigens dafür gebaute oder halt das, was sich zu Hause befand. Es kommt auch vor, dass ich zuerst eine, wie ich meine, passende Kamera baue, mit welcher die Idee dann umgesetzt wird; auch ein Bestandteil meiner Entschleunigung, meines Flows. Das kann dann mal fünf Monate dauern, aber es hetzt mich ja keiner, wenn ich es selbst nicht tue. Das versuche ich auch in Form von Workshops zum Lochkamerabau an Teilnehmer weiterzugeben.

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Sigrid Neubert – Ausstellung in Berlin

Sigrid Neubert (*1927) ist eine der bekanntesten Architekturfotografinnen Deutschlands. Rund 30 Jahre lang arbeitete sie für bedeutende Architekturbüros und entwickelte dabei mit ihren kontrastreichen, die Strukturen der Bauten klar herausarbeitenden Aufnahmen einen eigenen Stil. Seit den 1970er-Jahren schuf sie ebenso eindrucksvolle Naturbilder, denen sie sich ab 1990 ausschließlich widmete.

BMW-Hauptverwaltung

Sigrid Neubert: Karl Schwanzer: BMW-Hauptverwaltung, München, Museum, 1972 © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek / Sigrid Neubert

1954 machte Sigrid Neubert an der Bayerischen Staatslehranstalt für Lichtbildwesen in München ihre Meisterprüfung. Nach einer Zeit als Werbefotografin für die Glas- und Keramikindustrie konzentrierte sie sich in der zweiten Hälfte der 1950er-Jahre ganz auf die Architekturfotografie. Stilistisch orientierte sie sich dabei zunächst an US-amerikanischen Vorbildern und entwickelte eine eigene, immer wieder durch atmosphärische Dichte und ungewöhnliche Perspektiven gekennzeichnete Bildsprache.

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