Schlagwort: Architekturfotografie

Haubitz + Zoche: Modernistische Kinos und Kirchen in Südindien

modernistisches Kino, Indien

New Theatres, Trivandrum (2014) © Stefanie Zoche / VG Bildkunst

„Postkoloniale Erleuchtung“ heißt die Ausstellung der Arbeiten von Sabine Haubitz und Stefanie Zoche in Mannheim. ZEPHYR Raum für Fotografie zeigt vom 27. Mai bis 26. August 2018 Kirchen und Kinos in Südindien, die zwischen 1950 und 1970 in einer Spielart der modernistischen Architektur erbaut wurden. Sie entstanden, nachdem der Architekt Le Corbusier vom ersten Ministerpräsidenten des unabhängigen Indiens, Jawaharlal Nehru, den Auftrag erhalten hatte, Chandigarh zu gestalten, die neue Hauptstadt des Punjab.

PAX, modernistische Kirche in Indien

Our Lady of Miracles, Thoppumpady in Cochin (2014) © Stefanie Zoche / VG Bildkunst

Kino, Indien

Saptagiri, Hyderabad (2014) © Stefanie Zoche / VG Bildkunst

Modernistische Kirchen und eine reiche Kinokultur

Die Suche der beiden Künstlerinnen nach modernistischen Bauten begann 2010 in Keralas Hauptstadt Thiruvananthapuram im äußersten Süden Indiens. Auf drei Reisen in den Jahren 2010 bis 2014 dokumentierten Haubitz + Zoche diese Gebäude, deren Architektursprache man als eine hybride Moderne bezeichnen kann. Die Fotografien bezeugen eine reiche Kinokultur, die in Europa und Amerika schon verschwunden ist, und bald auch in Indien von Multiplexen verdrängt sein wird.
Die Arbeiten der 2014 tödlich verunglückten Sabine Haubitz und von Stefanie Zoche stehen in der Tradition deutscher Architekturfotografie mit ihrer formalen Strenge. Die Betrachter werden so zu vergleichendem Sehen animiert.

Kino, Indien

Alankar, Mandurai (2014) © Stefanie Zoche / VG Bildkunst

Kirche, Indien

St. Anthony ́s Church, Peratta (2014) © Stefanie Zoche / VG Bildkunst

In der Ausstellung, die zum ersten Mal in Deutschland zu sehen ist, treffen die Serien der Kirchen und Kinos aufeinander. In beiden machen Haubitz + Zoche die Einflüsse verschiedener Kulturen und Epochen sichtbar und reflektieren so die dynamische Veränderung, die das Land prägt. Jenseits des Alltags scheinen Kinos wie Kirchen ihren jeweiligen Besuchern Orte ganz unterschiedlicher Erleuchtung anzubieten.

Eröffnung: Samstag, 26. Mai 2018, 19 Uhr
ZEPHYR – RAUM FÜR FOTOGRAFIE
Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim

Beitragsbild: St Joseph´s Chapel, Thuravoor (2014)
© Stefanie Zoche / VG Bildkunst

Falls Sie sich für modernistische Architektur interessieren, siehe auch diesen Beitrag.

Robbins/Becher: Displacements

Bis zum 11. September 2016 ist im Rahmen der Photo España im Museo ICO in Madrid eine große Retrospektive des Fotografenpaares Andrea Robbins und Max Becher zu sehen. Seit Mitte der Neunziger entstanden Arbeiten, die Topoi oder kulturell aufgeladene Versatzstücke, vor allem architektonischer Art behandeln. Die Serie „Bavarian by Law“, 1995/96 dokumentiert einen amerikanischen Ort, der aus touristischen Gründen bavarisiert wurde. „The East’s West“ zeigt europäisch anmutende Siedlungen in Asien – bis hin zum „Nachbau“ von Paris – und „Global Village“ entführt in eine Armensiedlung, dazu dienend, Spenden für die Dritte Welt zu sammeln.
Die erste getuschelte Frage der Kollegen in der Ausstellung war: „Warum die hellblauen Bilderrahmen?“ Weil die bei der Serie „770“ für die Farbe Israels stehen, wie mir Max Becher erklärte, und sie sich immer für zum Thema farbig passende Rahmen entscheiden. Das hat in der Ausstellung den Vorteil, dass sich die einzelnen Serien leicht voneinander trennen lassen, ist aber bei dominanten Rahmenfarben etwas ablenkend.

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Die Vibes von Sihanoukville, Kambodscha

Um es gleich zu sagen: Sihanoukville ist keine Reise wert, allenfalls für Partypeople am Strand oder Wohlhabende in einer Luxusenklave wie dem Independent Hotel, in dem schon Jackie Kennedy logierte. Luxuriös mit gläsernem Aufzug runter zum Beach mit Blick auf die vorgelagerten Inseln. Optisch irritierend ist, wenn in der Lobby ein Mann mit Wampe und offenem Hemd herumläuft, wie die Parodie auf den typischen Touri. Von unseren finnisch-österreichischen Begleitern sachkundig gleich als Finne verdächtigt, von denen sich neben Russen viele im Hotel aufhalten. Auf dem alten, wunderbar geschwungenen Pool des Hotels, der auch zur goldenen Zeit in den Sechzigern gebaut wurde, teilen sich vier Gänse zwei Junge. Es gab Zeiten, da diente der Pool, oben mit Bambusstangen gesichert, als Gefängnis.

Der alte Pool des Idependent Hotel in Sihanoukville

Der alte Pool des Idependent Hotel in Sihanoukville.

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Die Villen von Kep in Kambodscha

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Die größte und schönste Villa liegt in den Hügeln – hier im Morgenlicht fotografiert.

„Kep sur mer“ nannten es die Franzosen, die hier eine Art französische Riviera nachbauten – mit faszinierenden modernistischen Villen. Die Bewohner wurden vertrieben oder von den Roten Khmer ermordet, die Dächer stürzten ein, das Hausinnere verrottete in der Regenzeit. Heute gehören die Grundstücke Immobilienspekulanten, die ein weiteres Steigen der ohnehin schon absurd hohen Preise abwarten. Einen Wert in den Bauten der „New Khmer Architecture“ sehen leider nur wenige. Im Land selbst herschen andere Sorgen als das Erbe der kurzen goldenen Zeit in Kambodscha in den fünfziger und sechziger Jahren zu bewahren.

Kep-Villa

So sieht sie von der rückwärtigen Seite aus.

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In Phnom Penh

Reiseblog, 30. Dezember 2014: Ankunft in Kambodscha

Kaum ist man auf Reisen, verliert man das Gefühl für Ort und Zeit. Dies trifft umso mehr zu, wenn man aus dem verschneiten Taunus nach Indochina fliegt – was exotisch und ein wenig nach „Tim und Struppi“-Abenteuer klingt. Diese Zeit- und Ortlosigkeit brachte die Aufschrift auf der Glasfassade des Hotels in Phnom Penh schön auf den Punkt: „We are expecting a White Christmas“. Drinnen Christbaumdeko und draußen etwa 35 Grad. Mit Blick auf einen Markt, auf dem ganz frische halbtote Tiere verkauft werden. Gleich am ersten Tag, nach einer fehlenden Nacht, ging es ins Nationalmuseum. Ein durchwehter Ort mit Khmer-Skulpturen, vielen Schulklassen und ältlichen Vitrinen.

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Das luftige Nationalmuseum in Phnom Penh, in dem einige der Skulpturen stehen, die in Angkor fehlen. (Die anderen sind im Musée Guimet in Paris!)

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Im Hintergrund: Schulklasse zwischen Vitrinen.

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„Fotopraxis mit Perspektive“ ist erschienen!

Nun ist es fertig und portofrei über den Shop im Fotofeinkost Verlag ab sofort zu beziehen: „Fotopraxis mit Perspektive – 16 erfolgreiche Projekte und ihre Macher“.

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In einem 35seitigen Essay gehe ich der Frage nach, wie sich Fotografen am besten für die Zukunft rüsten – ganz praktisch gedacht, um weiterhin Geld zu verdienen.

Die Idee hinter dem Buch ist, genau zu gucken, wohin sich das fotografische Metier entwickelt und was jeder Einzelne den negativen Effekten der heutigen Bilderflut entgegensetzen kann, um auch weiterhin sein Glück mit und in der Fotografie zu finden.
Ein intensiveres Erleben und mehr Aufmerksamkeit für die Ergebnisse sind nur zwei der positiven Effekte von Fotoprojekten. Der Königsweg in der Fotografie im 21. Jahrhundert ist aus meiner Sicht die thematische Serie oder allgemeiner ausgedrückt: ein inhaltlich durchdachtes Fotoprojekt im Unterschied zum fototechnisch bestimmten Einzelfoto. Weiterlesen

Juliane Eirich

Juliane Eirich kommt viel rum, ist aber keine Reisende, sondern das, was ein Fotograf sein sollte: neugierig, gespannt auf andere Menschen und andere Kulturen und vor allem auf deren Häuser. Die 1979 in München geborene Fotografin, die an der Fachakademie für Fotodesign in München ihre formale Ausbildung 2003 abschloss, lebte schon in New York und Honolulu und wohnt derzeit in Seoul, Südkorea. Das Besondere an Juliane Eirich ist, dass sie in der Fremde fotografiert, ohne Reisefotos zu machen, dass sie sich auf Architektur spezialisiert, ohne der klassischen Architekturfotografie zu folgen, und dass ihre Fotos ziemlich grafisch und abstrakt anmuten, ohne ins Langweilig-Leblose zu kippen – was nicht einfach ist. Ein wenig hilft, dass sie nachts fotografiert, das ist ein Stilmittel, das allzu selten einmal angewendet wird, und hier zu einer schönen Perfektion gelangt. Hinzu kommt als ganz wesentlicher Faktor des Gelingens, dass sich Juliane Eirich mit den Motiven nicht nur (oder nicht mehr nur) optisch auseinandersetzt, sondern inhaltlich. Dank eines DAAD-Stipendiums kam sie nach Seoul. „Ich habe“, schreibt sie aus Südkorea, „damit ein Jahr bei Professor Ahn Sang-Soo an der Hong-Ik Universität studiert und dabei meine eigenen Fotoprojekte verwirklicht. Das Bild, das ich mitschicke, ist von meinem Thema Dogil Maeul, dem deutschen Dorf in Südkorea.“

Juliane Eirich erläutert zu ihrem Projekt: Im Jahr 1960 zogen Tausende von südkoreanischen Krankenschwestern und Minenarbeitern nach Deutschland. Monat für Monat schickten sie Geld nach Hause und schoben so den Aufschwung der damals armen Heimat an. Weiterlesen