Schlagwort: Bangladesch

Roger Richter: The Power of Dignity

Roger Richter aus Wiesbaden studierte Fotografie bei Prof. Dr. Hans Puttnies in Darmstadt und wenn er innehält, wundert er sich selbst ein wenig, wie aus ihm ein Auftragsfotograf mit einem großen Studio werden konnte. Ein Element seines Erfolges ist sicherlich, dass er wirklich liebt, was er tut und im Handwerklichen ein Perfektionist ist. Und weil er von der Ausbildung her nicht vom Kommerz, sondern von der Kunst kommt, fallen seine freien Arbeiten denn auch wirklich beeindruckend aus. Jetzt ist im Kamphausen-Verlag ein großer zweisprachiger Band mit seinen Arbeiten unter dem Titel The Power of Dignity – Die Kraft der Würde: The Grameen Family erschienen. Das Thema sind Armut und deren Überwindung durch die Mikro-Kredite der Grameen Bank, initiiert von Friedens-Nobelpreisträger Professor Muhammad Yunus. Der schreibt in seinem Vorwort zum Buch: „Dieser wunderbare Bildband … macht die Menschen, die bis heute noch immer in Armut leben, in ihrer tief bewegenden Würde sichtbar. … Die Armen haben Namen, Pläne und ihre Erfolgsgeschichten sind erstaunlich.“

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„The Power of Dignity“ hat ein Thema; auf fotografische Aspekte wird gar nicht eingegangen. Quasi ergänzend befragte ich deshalb Roger Richter zu seiner Arbeit in Bangladesch. (Zusätzlich zu den Abbildungen der Doppelseiten gibt es hier 13 käufliche Motive zu sehen.)

Statt Urlaub zu machen, fotografieren Sie für internationale Organisationen in Asien, wo sich diese für die Überwindung von Armut, Krankheit und Analphabetentum einsetzen. Weiterlesen

Erika Bialowons und Roger Richter in Wiesbaden

Rede zur Ausstellungseröffnung von Roger Richter und Erika Bialowons am 14. September 2007 im Rahmen der Wiesbadener Fototage

Als Fotoexpertin begegne ich vielen Fotografen, befasse mich mit Fotografien und halte mich auch für technisch aufgeschlossen. Trotzdem kommt es mir immer noch extrem surreal vor, dass Menschen Telefone benutzen, um Fotos zu machen.

Mitte der Zwanzigerjahre schrieb Lazlo Moholy-Nagy, ein Künstler, der im Zusammenhang mit dem Bauhaus und dem Neuen Sehen bekannt ist: „Nicht der Schriftunkundige, sondern der Fotografieunkundige wird der Analphabet der Zukunft sein“.

Gewissermaßen hat sich diese Prophezeiung erfüllt, denn fast jeder kann nahezu jederzeit ein Foto machen und versenden. Der technische Fortschritt hat jedoch zu einer rasanten Entwertung traditioneller fotografischer Genres geführt. Die klassische Reportagefotografie ist längst tot und die Pressefotografie röchelt vernehmlich seit ihr jedermann als „Bild-Reporter“ Konkurrenz macht. Immer mehr Magazine werden gefüllt mit billigen Amateurbildern und schlechten Paparazzifotos von Prominenten.

Um sich gegen die Massenproduktion abzusetzen, müssen Fotografen heute und in Zukunft mehr Talent haben, sich mehr anstrengen und ihr Handwerk perfekt beherrschen. Sie kennen ja wahrscheinlich alle den Mythos der Available Light-Fotografie à la Cartier-Bresson: Leica umgehängt und mal nett durch Paris geschlendert … das war einmal. Heute ist die Lichtregie immens wichtig geworden. Vom Fotografen wird erwartet, dass er die totale Kontrolle hat – drinnen und draußen. Da Fotografen sowieso Kontrollfreaks sind, kommt ihnen das ja auch irgendwie entgegen. Weiterlesen