Schlagwort: Fotobuch

Julia Runge: Basterland

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„Three Generations of Basterwomen“
Drei Generationen von Basterfrauen posieren für ein Familienportrait in den Bergen von Sam Khubis. Anlässlich der 100-Jahrfeier des Aufstandes gegen die deutsche Kolonialmacht tragen sie ihre besten handgenähten Kleider. Sam Khubis in Namibia, 8. Mai 2015

In Namibia hat Julia Runge ihre Abschlussarbeit an der Ostkreuzschule fotografiert und war damit, wie berichtet, einer der Gewinner des Popcap ’16. Schon als ich sie für „Fotopraxis mit Perspektive“ interviewte (Leseprobe), sprach sie von ihrem Plan, die sich selbst Baster nennende Ethnie in ihrer gefühlten zweiten Heimat Namibia zu fotografieren. Den Bildern sieht man an, dass Julia Runge wie schon bei früheren Aufenthalten mit den Porträtierten lebte und in die Hausarbeit eingebunden war. Weiterlesen

„Fotopraxis mit Perspektive“ ist erschienen!

Nun ist es fertig und portofrei über den Shop im Fotofeinkost Verlag ab sofort zu beziehen: „Fotopraxis mit Perspektive – 16 erfolgreiche Projekte und ihre Macher“.

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In einem 35seitigen Essay gehe ich der Frage nach, wie sich Fotografen am besten für die Zukunft rüsten – ganz praktisch gedacht, um weiterhin Geld zu verdienen.

Die Idee hinter dem Buch ist, genau zu gucken, wohin sich das fotografische Metier entwickelt und was jeder Einzelne den negativen Effekten der heutigen Bilderflut entgegensetzen kann, um auch weiterhin sein Glück mit und in der Fotografie zu finden.
Ein intensiveres Erleben und mehr Aufmerksamkeit für die Ergebnisse sind nur zwei der positiven Effekte von Fotoprojekten. Der Königsweg in der Fotografie im 21. Jahrhundert ist aus meiner Sicht die thematische Serie oder allgemeiner ausgedrückt: ein inhaltlich durchdachtes Fotoprojekt im Unterschied zum fototechnisch bestimmten Einzelfoto. Weiterlesen

Robert Rutöd: Less is more

In seinem ersten Fotoband demonstriert der Wiener Fotograf Robert Rutöd ein breites Spektrum menschlichen Treibens: man sieht in Essig eingelegte Erinnerungen, hört Hundegebell aus offener Brust oder beobachtet wie im Rahmen einer Prozession religiöse und verkehrstechnische Symbolik verschmilzt. Und wie es sich für einen echten Wiener gehört, fehlt auch das Morbide nicht. Die Fotos stehen in der klassischen Tradition der Street Photography und zwingen zum genauen Hinsehen. Dem oberflächlichen Betrachter wird der schwarze Humor des Fotografen oftmals verborgen bleiben. Das Buch kostet 44 Euro, mit Print 99 Euro.

Less Is More, Fotografien von Robert Rutöd, Text von Christine Dobretsberger
Hardcover, 104 Seiten, 47 Farbabbildungen, Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch, 22×22 cm, Oktober 2009, ISBN 978-3-8370-3549-0 www.rutoed.at

Maziar Moradi: Ich werde deutsch

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o.T., 2009, C-Print 60 x 75 cm

Maziar Moradi ist jetzt Mitte dreißig, spätestens im Alter von fünfzig Jahren  wird er einer der wenigen international bekannten Fotografen sein. Einer der besten ist er schon jetzt. Und zugleich der Beweis, dass die Legende vom unerkannten Künstler eben eines ist: eine Legende, die so viele als Rechtfertigung benutzen, sich nicht anzustrengen. Moradi hingegen arbeitet an großen und spannenden Projekten und zugleich an seiner Karriere. Das findet entsprechende Anerkennung: 2007 erhielt er den Otto-Steinert-Preis, im Jahr 2009 den Preis für Dokumentarfotografie der Wüstenrot Stiftung und die Stiftung Kunstfonds fördert sein Buch „1979“, das 2010 im Kehrer Verlag erscheinen wird, dazwischen ein Stipendium für die Serie „Ich werde deutsch“. Hinzu kommen Ausstellungen, Teilnahme an Festivals und natürlich, die Arbeit an den Fotoprojekten. Moradi studierte Kommunikationsdesign an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg und machte sein Diplom vor zwei Jahren im Schwerpunkt Fotografie bei Vincent Kohlbecher.

Als das Schah-Regime stürzte, war Maziar Moradi erst vier Jahre alt, trotzdem hinterließ dies einen tiefen Einschnitt in seinem Leben. Seine erste große Serie heißt deshalb schlicht „1979“. Weiterlesen

Speed-Dating für Fotografen

am Samstag auf der Buchmesse

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Charakteristisch für die Buchmesse an den Publikumstagen ist nicht nur das unwürdige Gedränge in den Hallen, sondern vor allem die Anwesenheit zahlreicher Manga- und Anime-Helden beziehungsweise deren Fans in Verkleidung. Hier posiert „Trinity Blood“ und unten „Cain“ ganz nah, damit die farbigen Kontaktlinsen zur Geltung kommen.

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Ein ganz anderes, und erstmaliges Spektakel auf der Buchmesse war der Gourmet-Bereich in Halle 5. Fotografen, die im Food-Sektor arbeiten, fanden dort eine Übersicht über internationale Buchproduktionen. Interessant ist zum Beispiel die Molekularküche, die durchaus neue Herausforderungen an die  fotografische Umsetzung mit sich bringt.

molekularDoppelseite aus dem Bestseller „Molekularküche“ von Thomas Vilgis im Tre Torri Verlag, Wiesbaden.

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Wie man seine Defizite mit Selbstironie und TV-Unterstützung in Vorzüge verwandelt und zum Marketing-Musterbeispiel avanciert, führt Koch und Entertainer Horst Lichter vor. 30 Minuten vor Beginn war die Showküche in Halle 5 von Fans umlagert und alle Sitzplätze belegt.

Der große Buchmessen-Nachwuchsfotografen-Event fand statt, wo sich am Tag vorher noch die Bildagenturen präsentiert hatten, im neu geschaffenen „Zentrum Bild“ in Halle 4.1.

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Von Professoren und Ute Noll handverlesene Fotografen sollten geladenen Gästen ihre Arbeiten präsentieren. Das hat insofern nicht geklappt, als die Verlagsvertreter nicht, oder zumindest nicht in ausreichender Gesamtzahl erschienen. So durfte jeder mal blättern und sich ein Urteil bilden über die Qualifikation der Absolventen an deutschen Hochschulen. Da immer nur einer gucken konnte, und die Fotografen Ellenbogen an Ellenbogen aufgereiht saßen, konnte ich viele, aber nicht alle Arbeiten ansehen, sondern bin in einer Art Springprozession von einem freien zum nächsten freien Platz gehüpft. Weiterlesen

Bilder von der Buchmesse

Eben von einem Kurzbesuch der Buchmesse zurück, hier ein paar Fotos aus der Halle 4.1, in der die Kunst- und Fotobuchverlage zu finden sind. Interessant und in diesem Jahr neu ist das Zentrum Bild, in dem an den Fachbesuchertagen, also bis Freitag, den 16.10.2009, Mitarbeiter oder gar Inhaber verschiedener Bildagenturen an jeweils einer schmalen Theke stehen. Natürlich sind die auf der Messe, um ihre Kundenkontakte zu pflegen, aber wer als Profi-Fotograf an der Zusammenarbeit mit Bildagenturen interessiert ist, hat hier sicherlich die Chance, ein kurzes persönliches Gespräch zu führen.

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Nicht besonders einladend, aber mit Internetanschluss: Das Zentrum Bild in Halle 4.1. Weiterlesen

Fotobuchmarkt im Wandel

Was Fotografen zum Publizieren eines Bildbandes wissen sollten

In wenigen Tagen beginnt in Frankfurt am Main die Buchmesse. Ein Anziehungspunkt auch für Fotografierende, denn es gibt kaum einen Fotografen, der seine Bilder nicht gerne zwischen zwei Buchdeckeln präsentiert und beim Buchhandel ausgelegt sähe. Warum aber scheitern die meisten beim Versuch, dies zu erreichen? Was sie vergessen: Ein Buch zu drucken, ist nicht das Problem, es zu verkaufen allerdings umso mehr. Deshalb sollte die erste Frage nicht sein: „Wie finde ich einen Verleger?“, sondern: „Wie vielen Leuten wird es 39,80 Euro oder gar deutlich mehr wert sein, mein Buch zu kaufen?“

Von der Druckerei direkt in den Ramsch?

Für Verleger war und ist der Fotobuchmarkt, zumal der begrenzte deutsche, ein Problemfall. Wer nicht selbst eine Druckerei besitzt, und das Verlegen als Herzensangelegenheit oder Prestigefrage betrachtet (wie Gerhard Steidl), kann sich leicht verkalkulieren. Die Produktionskosten für einen Bildband sind sehr hoch, die Abverkäufe schleppend. Bis ein Titel erscheint und überhaupt wahrgenommen wird, muss längst das neue Programm geplant und gepusht werden. Kaum ein Verlag kann sich folglich ausreichend um die Vermarktung eines einzelnen Titels kümmern. Die meisten Bildbände landen über kurz oder lang im Ramsch, d.h. die Preisbindung wird aufgehoben und das Buch ist zu einem Bruchteil des ursprünglichen Preises erhältlich, denn auch Lagerkosten schlagen beim Verlag zu Buche.
Wie viel Exemplare lassen sich überhaupt verkaufen? Im deutschsprachigen Raum kann man bei 1000 verkauften Exemplaren schon von einem Bestseller reden! Man druckt aber im Offsetdruck 2000 Exemplare, um einigermaßen wirtschaftlich produzieren zu können – also die späteren Paperbacks, Sonderausgaben oder Ramschexemplare gleich mit. Das ist vor allem zu berücksichtigen, wenn der Fotograf einen Vertrag unterschreibt, der ein prozentuales Honorar per zu vollem Preis verkauftem Exemplar vorsieht. Weiterlesen

Erwin Olaf in Darmstadt

Um den niederländischen Fotografen Erwin Olaf herrscht derzeit ein ziemlicher Hype. Wie schafft es ein Fotograf, so bekannt zu werden, und wie lange dauert es? Um das herauszufinden, muss man nur einen Vortrag von Erwin Olaf besuchen. In Darmstadt bestand im Rahmen der Darmstädter Tage der Fotografie die Gelegenheit, von ihm persönlich etwas über den Verlauf seiner Karriere zu erfahren. Abends war Erwin Olaf zudem im Fotografie Forum international in Frankfurt zu Gast.

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Präsentation der Arbeiten von Erwin Olaf in der Hauptausstellung der Darmstädter Tage der Fotografie 2009.

Die  Arbeiten von Erwin Olaf sind ja teilweise sehr speziell, aber er selbst kommt unkompliziert rüber. Dass er als junger Fotograf auf der Straße angesprochen wurde, ob er nicht ein Buch machen wolle, erzählt er. Und dass ihm das noch ein weiteres Mal passiert sei, und er das schon für normal hielt. Weiterlesen