Schlagwort: Fotoprojekt

Robbins/Becher: Displacements

Bis zum 11. September 2016 ist im Rahmen der Photo España im Museo ICO in Madrid eine große Retrospektive des Fotografenpaares Andrea Robbins und Max Becher zu sehen. Seit Mitte der Neunziger entstanden Arbeiten, die Topoi oder kulturell aufgeladene Versatzstücke, vor allem architektonischer Art behandeln. Die Serie „Bavarian by Law“, 1995/96 dokumentiert einen amerikanischen Ort, der aus touristischen Gründen bavarisiert wurde. „The East’s West“ zeigt europäisch anmutende Siedlungen in Asien – bis hin zum „Nachbau“ von Paris – und „Global Village“ entführt in eine Armensiedlung, dazu dienend, Spenden für die Dritte Welt zu sammeln.
Die erste getuschelte Frage der Kollegen in der Ausstellung war: „Warum die hellblauen Bilderrahmen?“ Weil die bei der Serie „770“ für die Farbe Israels stehen, wie mir Max Becher erklärte, und sie sich immer für zum Thema farbig passende Rahmen entscheiden. Das hat in der Ausstellung den Vorteil, dass sich die einzelnen Serien leicht voneinander trennen lassen, ist aber bei dominanten Rahmenfarben etwas ablenkend.

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Terra Armenia von Erol Gurian

Nur noch wenige Tage – bis zum 25. Mai 2015 – ist seine Ausstellung in München im Gasteig (Aspekte Galerie im 2. OG) zu sehen. Der Fotojournalist Erol Gurian porträtierte Diaspora-Armenier in den USA, Frankreich, Libanon und Deutschland und zeigt ihre Herzensorte in Armenien. Diese Bildpaare werden ergänzt durch Anekdoten von besonderen Begegnungen und Ereignissen. Die Abgebildeten erzählen, was sie mit diesen Orten verbindet und warum sie ihnen wichtig sind; zum Beispiel Ardag Geokjian, 15 Jahre, aus Anjar im Libanon, dessen Lieblingsort der Platz der Republik in Eriwan ist.

Ardag Geokjian, 15 Jahre, Schüler. Anjar, Libanon, 2014. Aus "terra arMEnia", www.terraarmenia.com

Ardag Geokjian, 15 Jahre, Schüler. Anjar, Libanon, 2014. Aus „terra arMEnia“

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„Fotopraxis mit Perspektive“ ist erschienen!

Nun ist es fertig und portofrei über den Shop im Fotofeinkost Verlag ab sofort zu beziehen: „Fotopraxis mit Perspektive – 16 erfolgreiche Projekte und ihre Macher“.

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In einem 35seitigen Essay gehe ich der Frage nach, wie sich Fotografen am besten für die Zukunft rüsten – ganz praktisch gedacht, um weiterhin Geld zu verdienen.

Die Idee hinter dem Buch ist, genau zu gucken, wohin sich das fotografische Metier entwickelt und was jeder Einzelne den negativen Effekten der heutigen Bilderflut entgegensetzen kann, um auch weiterhin sein Glück mit und in der Fotografie zu finden.
Ein intensiveres Erleben und mehr Aufmerksamkeit für die Ergebnisse sind nur zwei der positiven Effekte von Fotoprojekten. Der Königsweg in der Fotografie im 21. Jahrhundert ist aus meiner Sicht die thematische Serie oder allgemeiner ausgedrückt: ein inhaltlich durchdachtes Fotoprojekt im Unterschied zum fototechnisch bestimmten Einzelfoto. Weiterlesen

Gleiche Chancen für alle Fotografierenden

Vorwort zu: „Wie man ein großartiger Fotograf wird – Wegweiser in eine Fotopraxis mit Zukunft“. Das erste Fotofeinkost-Buch ist leider nicht mehr lieferbar.

In der Fotografie dreht sich viel um die Entwicklung neuer Kameramodelle und den Vergleich ihrer Leistungsfähigkeit. In diesem Buch geht es stattdessen um die Entwicklung des Fotografierenden, um fotografische Arbeitsweisen, die dem Kamerabesitzer ungeheure Möglichkeiten eröffnen, aber auch um solche, die in eine Sackgasse führen. Es ist wichtig, sich klarzumachen, was Fotografie heute bedeutet – und nicht weiter überholten Mustern aus dem vergangenen Jahrhundert zu folgen. So stammt zum Beispiel die Unterscheidung zwischen Amateur und Profi noch aus den Zeiten der Handwerksverordnung. Heute ist als Unterscheidung wichtiger, ob man die Fotografie kommerziell, also als Dienstleister, oder frei, also als Hobbyist oder Künstler, ausübt.

Mit dem Beginn des 21. Jahrhunderts veränderte sich die Situation der Fotografie grundlegend – durch digitale Technologien und das Internet. Fotografisches Fachwissen ist heute frei verfügbar und der Bildermarkt durch die weltweite Zugänglichkeit für Jedermann demokratisiert. Da an jedem Ort zu jeder Zeit Menschen fotografieren und diese Fotos online verfügbar machen können, leben wir in einem Zeitalter der Augenzeugenschaft. Die digitale Präsenz von Informationen führt zu einem starken Schrumpfen der klassischen Erwerbsbereiche von Fotografen, die sich im 20. Jahrhundert ausschließlich auf die Print-Medien bezogen: Reportage-, Editorial-, Mode-, Werbefotografie.
War und ist für den Druck das Stehbild nach wie vor zwingend, gewinnen „moving stills“, bewegte Bilder, in digitalen Publikationen rasch an Bedeutung. Diese weit reichenden Veränderungsprozesse zwingen dazu, die fotografische Praxis zu überdenken. Das gilt insbesondere für alle, die sich weiter entwickeln wollen, die Fotografie studieren oder als Beruf ausüben (möchten). Sich jetzt noch an den Ideen und fotografischen Idealen des vergangenen Jahrhunderts zu orientieren, wäre für sie besonders fatal.

Die gute Nachricht ist: Jeder überall auf der Welt hat heute die Chance, sich zu einem großartigen Fotografen zu entwickeln – und als solcher auch entdeckt zu werden. Man muss jedoch wissen, worauf es in der Fotografie ankommt. Und eben darüber sind irrige, weil überholte Ansichten vorherrschend. Auf viele sich aufdrängende Fragen gibt es in diesem Band nicht immer angenehme, aber klare, hilfreiche Antworten. Natürlich kann niemand die Zukunft voraussagen. Es ist aber durchaus möglich, Tendenzen zu erkennen und Schlussfolgerungen daraus zu ziehen.

Mit einer gewissen Atemlosigkeit hastet der Fotografierende den Neuheiten  der Fotoindustrie hinterher, getrieben von der Idee technischer Perfektionierung. Dieses Buch möchte erreichen, dass Sie innehalten und sich mit den Fotos statt mit der Kamera befassen; dass Sie sich überlegen, welche Arbeitsweise zu Ihnen passt statt zu Ihrer Ausrüstung, und dass Sie, statt immer wieder das Equipment auszutauschen, anfangen, interessantere Fotos zu machen. Fotografieren ist ein Abenteuer und zwar im Idealfall ein ganz und gar individuelles. Was ich hier erkläre ist also nicht, was und wie man dieses fotografieren soll, sondern wie man sich einen Rahmen schafft, in dem man auf einem völlig anderen Niveau fotografieren kann. Die Voraussetzung, um so zu fotografieren, dass man selbst damit glücklich wird und anderen etwas Neues zeigt, ist nicht eine besonders kostspielige Kameraausrüstung, sondern, dass man etwas zu zeigen und zu sagen hat.Etwas über die Struktur fotografischer Arbeit zu wissen, eröffnet jedem eine bessere Chance, ein großartiger Fotograf oder eine großartige Fotografin zu werden.

Der fotografischen Praxis theoretisch auf die Spur zu kommen, war mir schon immer ein Anliegen. Bereits meine Diplomarbeit handelte von der Amateurfotografie als Ausdrucksmittel und Wirklichkeitserfassung“. 1987 erschien mein erstes Buch, „Die Autonomisierung der Fotografie“, für das ich mehrstündige Interviews mit freien Fotografen geführt und deren Arbeitsweise untersucht hatte. Das freie Fotoprojekt ist, so viel war mir klar, der Königsweg, sich als Fotograf zu entwickeln und zu etablieren. Seitdem habe ich mit einigen hundert Fotografen gearbeitet. Dabei hat sich immer wieder bestätigt, wie wichtig die Arbeit an Serien ist.

Die Anleitungen in diesem Band sind eine gute Möglichkeit, zu testen, ob der eigene Enthusiasmus fürs Fotografieren – fürs Fotostudium, für den Fotografenberuf
– groß genug ist, bevor weit reichende Entscheidungen hinsichtlich Ausbildung oder Jobwechsel getroffen werden. Nicht-kommerzielle Fotoprojekte sind eine tolle Erfahrung für jeden Fotografierenden, in jedem Alter. Es ist verblüffend, festzustellen, dass die Grenzen, die man sich selbst auferlegte, ganz leicht überwunden werden können und man viel bessere Fotos macht.

Um zu zeigen: „Seht her, es geht ganz leicht“, ist dieses Buch mit eigenem Fotomaterial illustriert und berichtet über die Durchführung von Projekten aus erster Hand. „Wie man ein großartiger Fotograf wird“ soll animieren, sich das zu gönnen, was mit Fotografie so oft verbunden und so selten eingelöst wird: Die Freiheit, sich zu verwirklichen, und das schöne Gefühl, etwas erkannt und erreicht zu haben. Das gelingt nur selten bei der „Motivsuche“, sehr oft jedoch durch ein kleineres oder größeres Fotoprojekt. Statt ziellos durch die Realität zu knipsen, schafft man sich einen Rahmen, setzt Anfang, Mitte und Ende. Statt Motive zu suchen, findet man sie. Statt Fotos zu machen, wie es sie bereits im Überfluss gibt, fotografiert man das, wozu es einen persönlichen Bezug gibt, womit man sich auskennt, worin man sich einfühlen kann. So entstehen Unikate. Wer etwas zu sehen und mitzuteilen hat, wird auch Aufmerksamkeit bekommen. Aus dem intensiven persönlichen Erleben, das oft erfordert, die eigenen Grenzen auszuloten, entstehen Fotografien, wie sie geschätzt und gesucht werden, Bilder, die auch in Zukunft gebraucht werden – ob still oder bewegt.

Paul Foster von Getty Images sagte im August 2009:
„Es gibt ein Überangebot einer bestimmten Art von Bild, das bislang als gut genug eingeschätzt wurde. Aber es gibt einen Mangel an wirklich unverwechselbaren
Bildern. Diese unverwechselbare Fotografie wird sich durchsetzen.“
Und in „Wie man ein großartiger Fotograf wird“ steht, wie man sie macht. Jetzt!

Robert Rutöd: Less is more

In seinem ersten Fotoband demonstriert der Wiener Fotograf Robert Rutöd ein breites Spektrum menschlichen Treibens: man sieht in Essig eingelegte Erinnerungen, hört Hundegebell aus offener Brust oder beobachtet wie im Rahmen einer Prozession religiöse und verkehrstechnische Symbolik verschmilzt. Und wie es sich für einen echten Wiener gehört, fehlt auch das Morbide nicht. Die Fotos stehen in der klassischen Tradition der Street Photography und zwingen zum genauen Hinsehen. Dem oberflächlichen Betrachter wird der schwarze Humor des Fotografen oftmals verborgen bleiben. Das Buch kostet 44 Euro, mit Print 99 Euro.

Less Is More, Fotografien von Robert Rutöd, Text von Christine Dobretsberger
Hardcover, 104 Seiten, 47 Farbabbildungen, Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch, 22×22 cm, Oktober 2009, ISBN 978-3-8370-3549-0 www.rutoed.at

Maziar Moradi: Ich werde deutsch

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o.T., 2009, C-Print 60 x 75 cm

Maziar Moradi ist jetzt Mitte dreißig, spätestens im Alter von fünfzig Jahren  wird er einer der wenigen international bekannten Fotografen sein. Einer der besten ist er schon jetzt. Und zugleich der Beweis, dass die Legende vom unerkannten Künstler eben eines ist: eine Legende, die so viele als Rechtfertigung benutzen, sich nicht anzustrengen. Moradi hingegen arbeitet an großen und spannenden Projekten und zugleich an seiner Karriere. Das findet entsprechende Anerkennung: 2007 erhielt er den Otto-Steinert-Preis, im Jahr 2009 den Preis für Dokumentarfotografie der Wüstenrot Stiftung und die Stiftung Kunstfonds fördert sein Buch „1979“, das 2010 im Kehrer Verlag erscheinen wird, dazwischen ein Stipendium für die Serie „Ich werde deutsch“. Hinzu kommen Ausstellungen, Teilnahme an Festivals und natürlich, die Arbeit an den Fotoprojekten. Moradi studierte Kommunikationsdesign an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg und machte sein Diplom vor zwei Jahren im Schwerpunkt Fotografie bei Vincent Kohlbecher.

Als das Schah-Regime stürzte, war Maziar Moradi erst vier Jahre alt, trotzdem hinterließ dies einen tiefen Einschnitt in seinem Leben. Seine erste große Serie heißt deshalb schlicht „1979“. Weiterlesen

Heimatland Schweiz

Im vergangenen Oktober war Ursula Sprecher zusammen mit Andi Cortellini Fotografen des Monats – mit einer Serie über die Menschen in Vereinen rund um Basel. Jetzt gibt es einen Bildband, der uns die Schweiz in wunderbaren Landschaftsaufnahmen nahe bringt. Die Schweiz, wohl gemerkt, nicht Heidiland. Fotografiert hat Ursula Sprecher mit Julian Salinas. Buchvernissage ist am 9. November in der Galerie Walter Keller in Zürich, Oberdorfstr. 2. Die Buchausstellung dauert bis zum 18. November 2009, Öffnungszeiten: Do & Fr 12 – 18 Uhr, Sa 12 – 17 Uhr oder auf Anfrage. kellerkunst.com

Mein spontanes Lieblingsfoto ist auf Seite 83, aber es gibt viel mehr spannende Motive, zumal die beiden etwas machen, das ich sehr schätze: Sie fotografieren belebte Landschaften.

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Hardcover gebunden, 168 Seiten, 69 Farbbilder, 25 x 33cm, TRUCE Verlag ISBN: 978-3-033-02150-1, CHF 68.- / EUR 45.- Erhältlich im Buchhandel oder unter www.truce.ch

Speed-Dating für Fotografen

am Samstag auf der Buchmesse

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Charakteristisch für die Buchmesse an den Publikumstagen ist nicht nur das unwürdige Gedränge in den Hallen, sondern vor allem die Anwesenheit zahlreicher Manga- und Anime-Helden beziehungsweise deren Fans in Verkleidung. Hier posiert „Trinity Blood“ und unten „Cain“ ganz nah, damit die farbigen Kontaktlinsen zur Geltung kommen.

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Ein ganz anderes, und erstmaliges Spektakel auf der Buchmesse war der Gourmet-Bereich in Halle 5. Fotografen, die im Food-Sektor arbeiten, fanden dort eine Übersicht über internationale Buchproduktionen. Interessant ist zum Beispiel die Molekularküche, die durchaus neue Herausforderungen an die  fotografische Umsetzung mit sich bringt.

molekularDoppelseite aus dem Bestseller „Molekularküche“ von Thomas Vilgis im Tre Torri Verlag, Wiesbaden.

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Wie man seine Defizite mit Selbstironie und TV-Unterstützung in Vorzüge verwandelt und zum Marketing-Musterbeispiel avanciert, führt Koch und Entertainer Horst Lichter vor. 30 Minuten vor Beginn war die Showküche in Halle 5 von Fans umlagert und alle Sitzplätze belegt.

Der große Buchmessen-Nachwuchsfotografen-Event fand statt, wo sich am Tag vorher noch die Bildagenturen präsentiert hatten, im neu geschaffenen „Zentrum Bild“ in Halle 4.1.

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Von Professoren und Ute Noll handverlesene Fotografen sollten geladenen Gästen ihre Arbeiten präsentieren. Das hat insofern nicht geklappt, als die Verlagsvertreter nicht, oder zumindest nicht in ausreichender Gesamtzahl erschienen. So durfte jeder mal blättern und sich ein Urteil bilden über die Qualifikation der Absolventen an deutschen Hochschulen. Da immer nur einer gucken konnte, und die Fotografen Ellenbogen an Ellenbogen aufgereiht saßen, konnte ich viele, aber nicht alle Arbeiten ansehen, sondern bin in einer Art Springprozession von einem freien zum nächsten freien Platz gehüpft. Weiterlesen

Fotobuchmarkt im Wandel

Was Fotografen zum Publizieren eines Bildbandes wissen sollten

In wenigen Tagen beginnt in Frankfurt am Main die Buchmesse. Ein Anziehungspunkt auch für Fotografierende, denn es gibt kaum einen Fotografen, der seine Bilder nicht gerne zwischen zwei Buchdeckeln präsentiert und beim Buchhandel ausgelegt sähe. Warum aber scheitern die meisten beim Versuch, dies zu erreichen? Was sie vergessen: Ein Buch zu drucken, ist nicht das Problem, es zu verkaufen allerdings umso mehr. Deshalb sollte die erste Frage nicht sein: „Wie finde ich einen Verleger?“, sondern: „Wie vielen Leuten wird es 39,80 Euro oder gar deutlich mehr wert sein, mein Buch zu kaufen?“

Von der Druckerei direkt in den Ramsch?

Für Verleger war und ist der Fotobuchmarkt, zumal der begrenzte deutsche, ein Problemfall. Wer nicht selbst eine Druckerei besitzt, und das Verlegen als Herzensangelegenheit oder Prestigefrage betrachtet (wie Gerhard Steidl), kann sich leicht verkalkulieren. Die Produktionskosten für einen Bildband sind sehr hoch, die Abverkäufe schleppend. Bis ein Titel erscheint und überhaupt wahrgenommen wird, muss längst das neue Programm geplant und gepusht werden. Kaum ein Verlag kann sich folglich ausreichend um die Vermarktung eines einzelnen Titels kümmern. Die meisten Bildbände landen über kurz oder lang im Ramsch, d.h. die Preisbindung wird aufgehoben und das Buch ist zu einem Bruchteil des ursprünglichen Preises erhältlich, denn auch Lagerkosten schlagen beim Verlag zu Buche.
Wie viel Exemplare lassen sich überhaupt verkaufen? Im deutschsprachigen Raum kann man bei 1000 verkauften Exemplaren schon von einem Bestseller reden! Man druckt aber im Offsetdruck 2000 Exemplare, um einigermaßen wirtschaftlich produzieren zu können – also die späteren Paperbacks, Sonderausgaben oder Ramschexemplare gleich mit. Das ist vor allem zu berücksichtigen, wenn der Fotograf einen Vertrag unterschreibt, der ein prozentuales Honorar per zu vollem Preis verkauftem Exemplar vorsieht. Weiterlesen

Taryn Simon talks

Ein wunderbares Fundstück: Taryn Simon spricht über ihre Fotoarbeiten. Sie ist aus meiner Sicht eine der wichtigsten und spannendsten Fotografen der Gegenwart. Und, wie man sieht, extrem professionell. Sicher hat Sie das Konzept Ihrer Arbeiten schon oft präsentiert, trotzdem ist ihre Souveränität doch bewunderns- und nachahmenswert.
Zum Hintergrund sollte man wissen, dass die 1975 geborene amerikanische Fotografin für Magazine fotografiert, aber nicht in der Magazin-, sondern in der Konzeptfotografie zu verorten ist. Die basiert auf der Konzeptkunst. Idee der Konzeptkunst ist ja, dass das Konzept an die Stelle der eigentlichen Kunstproduktion tritt. Fünfzig Jahre später und in der Fotografie ist es oft nur noch unverständliches verbales Geschwurbel zu öden Fotos. Es gibt aber auch positive Beispiele wie eben Taryn Simon, die schon im Museum für Moderne Kunst in Frankfurt mit Ihrem Projekt „An American Index of the Hidden and Unfamiliar“ ausgestellt wurde.

Die Fotos treten als eher unpersönliche Sachaufnahmen auf, beklemmend wird das Ganze in der Gesamtschau und verständlich überhaupt nur durch die Texte, die geradezu lexikalisch das Bild erläutern. Ein wirklicher Schocker sind zudem die Fotos der zu Unrecht Verurteilten, die sehr viel über Wahrnehmung, das amerikanische Justizsystem, aber auch über das Engagement der Fotografin aussagen.

Wenn das Video nicht funktioniert, hier ein Link zur TED-Seite oder zu  YouTube.

Champions fotografiert von Bernhard Moosbauer

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Freitag, 18. September, 2009, 19-22 Uhr eröffnet im Raum für Fotografie, Bergstraße 19, in Berlin die Ausstellung „Champions“ des Fotografen Bernhard Moosbauer. Porträts einmal anders, nämlich von prämierten Pudeln, und schwarzweiß. Im Einleitungstext zur Ausstellung wird erklärt, warum Pudel eine so seltsam erscheinende Schur tragen: Weiterlesen

Carlos Alvarez Montero: M (wie Michoacan)

carlos-alvarez-montero7Der Fotograf Carlos Alvarez Montero stammt aus Mexico City, er lebt und arbeitet derzeit in New York und in seiner Geburtsstadt. In seiner fotografischen Arbeit befasst er sich mit dem Verhältnis von äußerer Erscheinung und Identitätsbildung. Er ist der Ansicht, man sollte Menschen nach ihrem Auftreten und Äußeren beurteilen, da sich darin Hinweise für das finden, was im Kopf einer Person vorgeht. Monteros beeindruckende Arbeiten wurden bereits veröffentlicht in Time Magazine, Newsweek, The Fader, Vice, Picnic Magazine, and Neo2. Zurzeit nimmt er an der School of Visual Arts Photography am „Video and Related Media MFA“-Programm teil. Ich sah seine Arbeiten im Blog featureshoot.com aus New York, wo ihn Alison Zavos zu seiner Arbeit befragte. Hier die deutsche Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Alison Zavos: Weiterlesen

Peter Bialobrzeski: Paradise Now

Er ist einer der bekannten, renommierten deutschen Fotografen. Ausnahmsweise nicht aus der Becher-Schule. Er fing an mit der Reportagefotografie, wandte sich aber bald der Realisierung freier Projekte zu, die in Bildbänden publiziert und auf dem Kunstmarkt gehandelt werden. Zudem hat er eine Professur an der HBK in Bremen, von der er sich gerade für zwei Jahre beurlauben ließ. Am 11. Juli 2009 hielt er einen Vortrag im Museum der Weltkulturen, bei dem er im Rahmen der Sommerakademie des Fotografie Forums Frankfurt seine Arbeiten präsentierte.

Peter Bialobrzeski bei seinem Vortrag in Frankfurt.

Der Vortrag in Frankfurt begann mit einem Motiv der Arbeitssituation.

Bialobrzeski zeigte zu Beginn Fotos aus Indien und sprach darüber, wie man vor zehn, fünfzehn Jahren Bildstrecken für Magazine fotografierte – speziell für Zeitungssupplements wie das FAZ-Magazin, das 1999 eingestellt wurde. Er sagte, er habe anfangs Bilder beispielsweise wie aus „Geo“ im Kopf gehabt. Und er habe sich davon befreien wollen, und erwarte auch von seinen Studenten, sich von diesen vorgegebenen Bildern zu lösen.

Nachtaufnahmen aus den Megacities

In seiner Arbeit „Paradise Now“ ist es ihm ganz wunderbar gelungen, einen in jeder Beziehung neuen Betrachtungswinkel zu finden. Die Idee ist im Prinzip so einfach wie gut: In den Megacities werden die Pflanzen nicht mehr (nur) von oben, eben durch die Sonne, sondern nachts aus allen Richtungen künstlich beleuchtet. Da wuchert und schlingt es durchs Bild, und im Hintergrund oft und irreal wirkend durch die Überbelichtung: Teile von Hochhäusern. Die Fotos sind atemberaubend! Weiterlesen

Angela Bacon-Kidwell: Fishes Woe

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„Das Leid der Fische“ ist eine kleine Reihe von Arbeiten der amerikanischen Fotografin Angela Bacon-Kidwell betitelt. Kurze Momente des Alltags in poetische Fotografien zu verwandeln ist eine besondere Befähigung, die einer ausgebildeten  Künstlerin vielleicht eher eignet als „normalen“ Fotografen. Es gibt anscheinend in den USA, zumal in den ehemaligen Südstaaten, eine besondere Empfänglichkeit für eine von Träumen inspirierte Art der Bildfindung. Keith Carter, Debbie Fleming-Caffery, Sally Mann, um einmal nur die bekanntesten zu nennen, arbeiten nach wie vor schwarzweiß und poetisch narrativ. Nicht zu vergessen der Landschaftsfotograf Michael Kenna, der zwar Brite ist, aber in den USA lebt. Diese behutsame und besondere Weise, die Welt im Großen wie im Kleinen in zweidimensionale, schwarzweiße Fotoarbeiten umzusetzen, erscheint so kostbar, weil sie nicht gelernt, also nachgeahmt werden kann. Die Voraussetzung ist stets, Weiterlesen

Bernd Arnold: Die Zone

Ein wehmütiger Abgesang auf die Street Photography

Darf der das – Menschen einfach so auf der Straße fotografieren? Bernd Arnold darf, aber ansonsten fällt das in die Kategorie Geht-gar-nicht. Deshalb ist die freie Arbeit des in Köln beheimateten Fotografen die wahrscheinlich letzte, die man als wirklich gelungene Street-Photography-Serie sehen wird.

Die Zone

Im 20. Jahrhundert, als Fotografen noch rasende Reporter waren und sie überall, selbst in der Dunkelkammer, rauchen durften, da stellten sich einige besonders wagemutige Jungs mitten in New York auf die Straße und knipsten Passanten. Damals war das super-cool:  statt mit großen Apparaten (wie der Graflex der Pressefotografen) mit kleinen handlichen Kameras mitten ins Leben und das festhalten – ganz ohne Nachrichtenwert. Das machte Spaß und es brachte Fotos hervor, die man vorher so nicht gesehen hatte. Generationen von Fotografen wurden geprägt von Garry Winogrand, vor allem aber von Robert Franks Buch „The Americans“. Henri Cartier-Bresson, der nur unerkannt fotografierte, und das zu einer Religion erhob, wurde zum Säulenheiligen der Leica-Fangemeinde.  Alle, die bis noch in die Achtzigerjahre ihre fotografischen Erweckungserlebnisse hatten, sind stark von der Straßen- und Reportagefotografie geprägt: Nah dran, mitten drin, und dann schnell weg. Weiterlesen

Taco Anema: 100 holländische Haushalte

Haushalt Bounou, Amsterdam, 2008

Was ist ein Haushalt? Menschen, die unter einer gemeinsamen Adresse zusammenleben. Und wo findet man diese? Nebenan. Und dann den Nachbarn von den Nachbarn. So hat der niederländische Fotograf Taco Anema (Jahrgang 1950) angefangen, 100 Haushalte zu fotografieren. Es ist so nahe liegend. Und ein so schlichtes Thema – und doch ist es alles andere als selbstverständlich, dass solche Projekte so souverän umgesetzt werden. Dabei sieht man anhand des Bildbandes wie Taco Anema anfangs noch suchte. Da gibt es ein frühes Foto (2002), das ganz stark von den Brown-Sisters von Nicholas Nixon beeinflußt ist. Und Tina Barneys Familienfotos hat er ebenfalls rezipiert. Es ist charmant, dass uns der Künstler an der Entwicklung seines Projektes auf diese Weise teilhaben lässt. Und dann wird es sehr niederländisch! Das große Tableau, das einfallende Licht: eine Referenz an die flämische Malerei, die diese Arbeit zu etwas Besonderem macht. Denn die Familien sind zugleich frisch und modern, manchmal geradezu kühl, ins Bild gesetzt und wie Stillleben arrangiert. Weiterlesen

Roger Richter: The Power of Dignity

Roger Richter aus Wiesbaden studierte Fotografie bei Prof. Dr. Hans Puttnies in Darmstadt und wenn er innehält, wundert er sich selbst ein wenig, wie aus ihm ein Auftragsfotograf mit einem großen Studio werden konnte. Ein Element seines Erfolges ist sicherlich, dass er wirklich liebt, was er tut und im Handwerklichen ein Perfektionist ist. Und weil er von der Ausbildung her nicht vom Kommerz, sondern von der Kunst kommt, fallen seine freien Arbeiten denn auch wirklich beeindruckend aus. Jetzt ist im Kamphausen-Verlag ein großer zweisprachiger Band mit seinen Arbeiten unter dem Titel The Power of Dignity – Die Kraft der Würde: The Grameen Family erschienen. Das Thema sind Armut und deren Überwindung durch die Mikro-Kredite der Grameen Bank, initiiert von Friedens-Nobelpreisträger Professor Muhammad Yunus. Der schreibt in seinem Vorwort zum Buch: „Dieser wunderbare Bildband … macht die Menschen, die bis heute noch immer in Armut leben, in ihrer tief bewegenden Würde sichtbar. … Die Armen haben Namen, Pläne und ihre Erfolgsgeschichten sind erstaunlich.“

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„The Power of Dignity“ hat ein Thema; auf fotografische Aspekte wird gar nicht eingegangen. Quasi ergänzend befragte ich deshalb Roger Richter zu seiner Arbeit in Bangladesch. (Zusätzlich zu den Abbildungen der Doppelseiten gibt es hier 13 käufliche Motive zu sehen.)

Statt Urlaub zu machen, fotografieren Sie für internationale Organisationen in Asien, wo sich diese für die Überwindung von Armut, Krankheit und Analphabetentum einsetzen. Weiterlesen