Schlagwort: freies Fotoprojekt

Julia Runge: Basterland

ThreeGenerationsOfBasterwomen

„Three Generations of Basterwomen“
Drei Generationen von Basterfrauen posieren für ein Familienportrait in den Bergen von Sam Khubis. Anlässlich der 100-Jahrfeier des Aufstandes gegen die deutsche Kolonialmacht tragen sie ihre besten handgenähten Kleider. Sam Khubis in Namibia, 8. Mai 2015

In Namibia hat Julia Runge ihre Abschlussarbeit an der Ostkreuzschule fotografiert und war damit, wie berichtet, einer der Gewinner des Popcap ’16. Schon als ich sie für „Fotopraxis mit Perspektive“ interviewte (Leseprobe), sprach sie von ihrem Plan, die sich selbst Baster nennende Ethnie in ihrer gefühlten zweiten Heimat Namibia zu fotografieren. Den Bildern sieht man an, dass Julia Runge wie schon bei früheren Aufenthalten mit den Porträtierten lebte und in die Hausarbeit eingebunden war. Weiterlesen

Jessica Fulford-Dobson: Skate Girls of Kabul

Copyright © 2015 Skate Girls Of Kabul by Jessica Fulford-Dobson

Copyright © 2015 Skate Girls Of Kabul by Jessica Fulford-Dobson

Am 4. Dezember 2015 wird bei Pavlovs Dog, einer Galerie in Berlin, eine Ausstellung über ein wirklich großartiges Fotoprojekt eröffnet. Inzwischen mehrfach mit Preisen bedacht, zeigt die Initiative der Londoner Porträtfotografin Jessica Fulford-Dobson einmal mehr, dass sich der Einsatz für ein originelles persönliches Projekt lohnt: großartige Bilder, viel internationale Aufmerksamkeit. In der Pressemitteilung der Galerie heißt es: Weiterlesen

Iwona Knorr: Zum Fischen geboren

In Erwartung

Letzte Fahrt

Eisbrecher bauen

Früh raus

„Sie gaben mir ihr Ölzeug und lehrten mich, den Hering aus den Maschen zu pulen“, schreibt die Fotografin. „Als ich einmal ihren Spuren in die entlegene Hütte folgte, in der sie ihre Netze flickten, schickten sie mich nicht weg und waren mit den Aufnahmen einverstanden, lange bevor ich verstanden habe, weshalb ich diese Bilder mache. Sie ließen mich an ihrem Leben teilhaben …“
Von 2009 bis 2014 fotografierte Iwona Knorr Küstenfischer auf Rügen. Eine aussterbende Spezies, der eine im Rheinland lebende gebürtige Polin mit ihrem Buch „Zum Fischen geboren“ ein visuelles Denkmal setzt. „Fischerdörfer verwandeln sich in Feriensiedlungen, Yachten ersetzen die Kutter in den Häfen, Holzboote wurden in den Vorgärten zur Dekoration abgestellt“, beobachtet sie. Mit einem Rüganer verheiratet und Mutter von zwei Töchtern, ist sie mit ihrer Familie mehrmals im Jahr auf der größten deutschen Insel. Als Iwona Knorr mit ihrem fotografischen Selbstauftrag begonnen hatte, entwickelte sich rasch ein Vertrauensverhältnis zu den Fischern, deren Arbeitswelt sie in nahen, einfühlsamen Bildern einfängt. „Es fühlte sich gut an, in eine fremde Welt einzutauchen und für kurze Zeit zu vergessen, wer ich war“, schreibt sie im Vorwort zu ihrem selbst verlegten hochwertig aufgemachten Bildband, der bei der Fotografin erworben werden kann. So ein Buch zu produzieren, ist immer eine große und mutige Investition. Wer also Rügen-Fan ist oder jemanden kennt, dem er mit dem Buch eine Freude machen kann, möge es bitte bei der Fotografin direkt bestellen oder den Tipp weiterleiten.

Iwona Knorr: Zum Fischen geboren
24 cm x 28 cm, Hardcover | 120 Seiten, 90 Bilder
Auflage: 450 + 50 (Collector’s Edition)
ISBN 978-3-00-046787-5 | 49,00 €

Christoph Rohrbach: Das Zementrevier Beckum-Ennigerloh

Einst galt die Region Beckum-Ennigerloh als das größte zusammenhängende Zementrevier der Welt: Im Umkreis von zwölf Kilometern standen 32 Zementwerke. Kohle kam aus dem Ruhrgebiet, Kapital aus dem Rheinland und Kalkstein aus der Erde. Heutzutage wird nur noch in vier Werken Zement produziert. Die Namen der aufgegebenen Standorte geraten in Vergessenheit. Die Relikte der alten Werke werden langsam zu dem, was der Historiker Rolf Peter Stieferle als die „antike Stätten von morgen“ bezeichnet – die Erinnerung und das Andenken an das einstige Revier schwinden.

Christoph Rohrbach hat ein Jahr lang recherchiert, Zeitzeugen interviewt und Luftbilder ausgewertet, um alle 32 Standorte von damals wiederzuentdecken und zu fotografieren. Geboren wurde er 1974 in Beckum, studierte in Münster Marketing und Kommunikation und ist seit 20 Jahren als Autodidakt in der Fotografie aktiv. Er liefert ein weiteres Beispiel zu jenen 16 in meinem Buch „Fotopraxis mit Perspektive“ (FPMP) vorgestellten Projekten, dafür, dass die Konzentration auf und die Auseinandersetzung mit einem Thema zum Erfolg führen, und zwar ganz gleich, ob man auch beruflich fotografiert oder sich der Serie ausschließlich in seiner Freizeit widmet. Weiterlesen

Bernd Arnold: Die Zone

Ein wehmütiger Abgesang auf die Street Photography

Darf der das – Menschen einfach so auf der Straße fotografieren? Bernd Arnold darf, aber ansonsten fällt das in die Kategorie Geht-gar-nicht. Deshalb ist die freie Arbeit des in Köln beheimateten Fotografen die wahrscheinlich letzte, die man als wirklich gelungene Street-Photography-Serie sehen wird.

Die Zone

Im 20. Jahrhundert, als Fotografen noch rasende Reporter waren und sie überall, selbst in der Dunkelkammer, rauchen durften, da stellten sich einige besonders wagemutige Jungs mitten in New York auf die Straße und knipsten Passanten. Damals war das super-cool:  statt mit großen Apparaten (wie der Graflex der Pressefotografen) mit kleinen handlichen Kameras mitten ins Leben und das festhalten – ganz ohne Nachrichtenwert. Das machte Spaß und es brachte Fotos hervor, die man vorher so nicht gesehen hatte. Generationen von Fotografen wurden geprägt von Garry Winogrand, vor allem aber von Robert Franks Buch „The Americans“. Henri Cartier-Bresson, der nur unerkannt fotografierte, und das zu einer Religion erhob, wurde zum Säulenheiligen der Leica-Fangemeinde.  Alle, die bis noch in die Achtzigerjahre ihre fotografischen Erweckungserlebnisse hatten, sind stark von der Straßen- und Reportagefotografie geprägt: Nah dran, mitten drin, und dann schnell weg. Weiterlesen