Schlagwort: Magazinfotografie

Terra Armenia von Erol Gurian

Nur noch wenige Tage – bis zum 25. Mai 2015 – ist seine Ausstellung in München im Gasteig (Aspekte Galerie im 2. OG) zu sehen. Der Fotojournalist Erol Gurian porträtierte Diaspora-Armenier in den USA, Frankreich, Libanon und Deutschland und zeigt ihre Herzensorte in Armenien. Diese Bildpaare werden ergänzt durch Anekdoten von besonderen Begegnungen und Ereignissen. Die Abgebildeten erzählen, was sie mit diesen Orten verbindet und warum sie ihnen wichtig sind; zum Beispiel Ardag Geokjian, 15 Jahre, aus Anjar im Libanon, dessen Lieblingsort der Platz der Republik in Eriwan ist.

Ardag Geokjian, 15 Jahre, Schüler. Anjar, Libanon, 2014. Aus "terra arMEnia", www.terraarmenia.com

Ardag Geokjian, 15 Jahre, Schüler. Anjar, Libanon, 2014. Aus „terra arMEnia“

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„Fotopraxis mit Perspektive“ ist erschienen!

Nun ist es fertig und portofrei über den Shop im Fotofeinkost Verlag ab sofort zu beziehen: „Fotopraxis mit Perspektive – 16 erfolgreiche Projekte und ihre Macher“.

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In einem 35seitigen Essay gehe ich der Frage nach, wie sich Fotografen am besten für die Zukunft rüsten – ganz praktisch gedacht, um weiterhin Geld zu verdienen.

Die Idee hinter dem Buch ist, genau zu gucken, wohin sich das fotografische Metier entwickelt und was jeder Einzelne den negativen Effekten der heutigen Bilderflut entgegensetzen kann, um auch weiterhin sein Glück mit und in der Fotografie zu finden.
Ein intensiveres Erleben und mehr Aufmerksamkeit für die Ergebnisse sind nur zwei der positiven Effekte von Fotoprojekten. Der Königsweg in der Fotografie im 21. Jahrhundert ist aus meiner Sicht die thematische Serie oder allgemeiner ausgedrückt: ein inhaltlich durchdachtes Fotoprojekt im Unterschied zum fototechnisch bestimmten Einzelfoto. Weiterlesen

Taryn Simon talks

Ein wunderbares Fundstück: Taryn Simon spricht über ihre Fotoarbeiten. Sie ist aus meiner Sicht eine der wichtigsten und spannendsten Fotografen der Gegenwart. Und, wie man sieht, extrem professionell. Sicher hat Sie das Konzept Ihrer Arbeiten schon oft präsentiert, trotzdem ist ihre Souveränität doch bewunderns- und nachahmenswert.
Zum Hintergrund sollte man wissen, dass die 1975 geborene amerikanische Fotografin für Magazine fotografiert, aber nicht in der Magazin-, sondern in der Konzeptfotografie zu verorten ist. Die basiert auf der Konzeptkunst. Idee der Konzeptkunst ist ja, dass das Konzept an die Stelle der eigentlichen Kunstproduktion tritt. Fünfzig Jahre später und in der Fotografie ist es oft nur noch unverständliches verbales Geschwurbel zu öden Fotos. Es gibt aber auch positive Beispiele wie eben Taryn Simon, die schon im Museum für Moderne Kunst in Frankfurt mit Ihrem Projekt „An American Index of the Hidden and Unfamiliar“ ausgestellt wurde.

Die Fotos treten als eher unpersönliche Sachaufnahmen auf, beklemmend wird das Ganze in der Gesamtschau und verständlich überhaupt nur durch die Texte, die geradezu lexikalisch das Bild erläutern. Ein wirklicher Schocker sind zudem die Fotos der zu Unrecht Verurteilten, die sehr viel über Wahrnehmung, das amerikanische Justizsystem, aber auch über das Engagement der Fotografin aussagen.

Wenn das Video nicht funktioniert, hier ein Link zur TED-Seite oder zu  YouTube.

Carlos Alvarez Montero: M (wie Michoacan)

carlos-alvarez-montero7Der Fotograf Carlos Alvarez Montero stammt aus Mexico City, er lebt und arbeitet derzeit in New York und in seiner Geburtsstadt. In seiner fotografischen Arbeit befasst er sich mit dem Verhältnis von äußerer Erscheinung und Identitätsbildung. Er ist der Ansicht, man sollte Menschen nach ihrem Auftreten und Äußeren beurteilen, da sich darin Hinweise für das finden, was im Kopf einer Person vorgeht. Monteros beeindruckende Arbeiten wurden bereits veröffentlicht in Time Magazine, Newsweek, The Fader, Vice, Picnic Magazine, and Neo2. Zurzeit nimmt er an der School of Visual Arts Photography am „Video and Related Media MFA“-Programm teil. Ich sah seine Arbeiten im Blog featureshoot.com aus New York, wo ihn Alison Zavos zu seiner Arbeit befragte. Hier die deutsche Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Alison Zavos: Weiterlesen

Portraits von Männern, von Frauen

Männer fotografieren Frauen – oder Männer, das ist nichts Besonderes. Aber für viele Frauen gilt noch heute, dass der unverhohlene Blick auf den nackten Mann ziemlich heikel ist. Die Fotografin Sally Mann hat sich mit dieser Asymmetrie befasst und stellt derzeit mit „Proud Flesh“ das Ergebnis Ihrer Überlegungen vor. Über einige Jahre hinweg hat sie ihren Mann fotografiert, dabei aber eine solche Zurückhaltung und Diskretion walten lassen, dass die Betrachterin dieser ja durchaus sehr intimen Fotografien in keinem Moment unangenehm berührt ist. Anders dagegen bei „Das Porträt. Fotografie als Bühne“, einer Ausstellung von Peter Weiermair, die noch bis zum 18. Oktober 2009 in der Kunsthalle in Wien gezeigt wird. Zeitgleich mit Colbergs Blogpost über Sally Mann traf der Katalog bei mir ein, der im Verlag für moderne Kunst in Nürnberg erschienen ist. Auch hier ist Sally Mann vertreten, allerdings mit alten Arbeiten über die unmittelbare Familie. Weiterlesen

Land-Magazine sind der Trend

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Klingt nach Kochen in Kittelschürze, es geht aber um den am schnellsten wachsenden Sektor im Print-Bereich. Da ist Food drin, Reportage, Still life, Porträt, Natur und Architektur – was will man mehr als Fotograf?

Vorreiter des Trends ist das Magazin LandLust aus dem Landswirtschaftsverlag in Münster, das bereits im ersten Erscheinungsjahr, im 3. Quartal 2006, die beachtliche Auflage von 76.416 Exemplaren verkaufte, und das im 2. Quartal 2009 auf sensationelle 464.297 verkaufte Exemplare kam. (Zum Vergleich: Das länger bestehende Gruner und Jahr-Magazin „Living at Home“ hat eine verkaufte Auflage von 162.481)*

living Gerade wenn man (wie ich, leider) so oft vom Sterben des Magazins als klassischer Auftragsquelle für Fotografen spricht, ist das endlich einmal eine gute Nachricht. Und wo ein erfolgreiches Magazin ist, lässt ein zweites nicht lange auf sich warten. Ebenfalls aus einem kleinen Verlag, diesmal aus Stuttgart, stammt LiebesLand, vom Verleger Hannes Scholten persönlich redigiert. Es kommt derzeit auf satte 51.620 verkaufte Hefte.
Anfang August trat nun der erste der großen Verlage auf den Plan. Der zur WAZ-Gruppe gehörende Gong-Verlag ließ LandIdee als Startballon los, um den Markt zu testen. Derzeit ist noch nicht entschieden, ob das Magazin weiter erscheinen wird. Die Null-Nummer wurde von einem externen Redaktionsbüro produziert, unterscheidet sich aber wenig von den anderen Magazinen – mit einer Ausnahme. An LandIdee ist der Christian Verlag beteiligt, der darin eine gute Möglichkeit sieht, seine Bildbände zu promoten. Im aktuellen Heft wird ausführlich ein Wildkräuter-Buch ausgeschlachtet und eines über alte Badewannen. Kostet halt nichts extra und füllt einige der 130 Heftseiten. Weiterlesen

Peter Bialobrzeski: Paradise Now

Er ist einer der bekannten, renommierten deutschen Fotografen. Ausnahmsweise nicht aus der Becher-Schule. Er fing an mit der Reportagefotografie, wandte sich aber bald der Realisierung freier Projekte zu, die in Bildbänden publiziert und auf dem Kunstmarkt gehandelt werden. Zudem hat er eine Professur an der HBK in Bremen, von der er sich gerade für zwei Jahre beurlauben ließ. Am 11. Juli 2009 hielt er einen Vortrag im Museum der Weltkulturen, bei dem er im Rahmen der Sommerakademie des Fotografie Forums Frankfurt seine Arbeiten präsentierte.

Peter Bialobrzeski bei seinem Vortrag in Frankfurt.

Der Vortrag in Frankfurt begann mit einem Motiv der Arbeitssituation.

Bialobrzeski zeigte zu Beginn Fotos aus Indien und sprach darüber, wie man vor zehn, fünfzehn Jahren Bildstrecken für Magazine fotografierte – speziell für Zeitungssupplements wie das FAZ-Magazin, das 1999 eingestellt wurde. Er sagte, er habe anfangs Bilder beispielsweise wie aus „Geo“ im Kopf gehabt. Und er habe sich davon befreien wollen, und erwarte auch von seinen Studenten, sich von diesen vorgegebenen Bildern zu lösen.

Nachtaufnahmen aus den Megacities

In seiner Arbeit „Paradise Now“ ist es ihm ganz wunderbar gelungen, einen in jeder Beziehung neuen Betrachtungswinkel zu finden. Die Idee ist im Prinzip so einfach wie gut: In den Megacities werden die Pflanzen nicht mehr (nur) von oben, eben durch die Sonne, sondern nachts aus allen Richtungen künstlich beleuchtet. Da wuchert und schlingt es durchs Bild, und im Hintergrund oft und irreal wirkend durch die Überbelichtung: Teile von Hochhäusern. Die Fotos sind atemberaubend! Weiterlesen

Brian Finke: Flight Attendants

Brian Finke, Flight Attendants

Brian Finke, Flight Attendants: Lily and Azriza, Air Asia 2006

Sara

Sara

Das Foto der sich schminkenden Icelandair Stewardess Sara wurde zum „signature piece“ des in New York lebenden Fotografen Brian Finke. Sein freies Projekt über Stewardessen machte ihn international bekannt. Er zählt derzeit zu den gefragtesten Fotografen in New York und ich freue mich sehr, dass er spontan einer Veröffentlichung in Fotofeinkost zustimmte und meine Fragen beantwortete. Ein besseres Beispiel für Talent und engagierte Arbeit im Einklang mit kluger Selbstpräsentation und zugleich eine passendere Serie für die Reisesaison hätte ich kaum finden können.

Brian Finke: Christy, Southwest Airlines 2004

Brian Finke: Christy, Southwest Airlines 2004

Your published projects were on cheerleaders, football players, body builders – all very physical. The flight attendant series seems to have a different emphasis. Or were you just fascinated by young women in uniforms? Weiterlesen

Portfolio-Präsentation in Bildredaktionen

5 Fragen an Arne Mayntz, Fotograf des Monats im November 2008, zum Thema Auftragsakquise in Magazin-Redaktionen.

Was bereitest du vor?

Pro Monat versuche ich maximal einen Termin zu planen und nehme mir viel Zeit, um meine Mappe für den potenziellen Kunden anzupassen. Nicht erst am Tag vor dem Gespräch, sondern über mehrere Tage verteilt. Schließlich gibt es nur einen ersten Eindruck.

Wie bekommst du den Termin?

Ich rufe so lange in der Bildredaktion an, bis ich die zuständige Person sprechen kann. Dann sendet man üblicherweise eine Email mit einem Link zu seiner Homepage. Wenn man nichts mehr hört, hat es ihnen wohl nicht gefallen oder es kam nicht mehr dazu, überhaupt danach zu schauen. Oder man bekommt eine Mail oder einen Anruf und verabredet sich.
Man darf nicht vergessen, dass die meisten Redaktionen im ständigen Stress arbeiten und man als Fotograf oftmals nach Zeit fragt, die einfach kaum vorhanden ist.

Wie läuft der Termin ab?

Man setzt sich hin, muss gegebenenfalls noch warten und schaut dann gemeinsam mit dem Gesprächspartner(in) durch die Mappe. Weiterlesen

Bernd Arnold: Die Zone

Ein wehmütiger Abgesang auf die Street Photography

Darf der das – Menschen einfach so auf der Straße fotografieren? Bernd Arnold darf, aber ansonsten fällt das in die Kategorie Geht-gar-nicht. Deshalb ist die freie Arbeit des in Köln beheimateten Fotografen die wahrscheinlich letzte, die man als wirklich gelungene Street-Photography-Serie sehen wird.

Die Zone

Im 20. Jahrhundert, als Fotografen noch rasende Reporter waren und sie überall, selbst in der Dunkelkammer, rauchen durften, da stellten sich einige besonders wagemutige Jungs mitten in New York auf die Straße und knipsten Passanten. Damals war das super-cool:  statt mit großen Apparaten (wie der Graflex der Pressefotografen) mit kleinen handlichen Kameras mitten ins Leben und das festhalten – ganz ohne Nachrichtenwert. Das machte Spaß und es brachte Fotos hervor, die man vorher so nicht gesehen hatte. Generationen von Fotografen wurden geprägt von Garry Winogrand, vor allem aber von Robert Franks Buch „The Americans“. Henri Cartier-Bresson, der nur unerkannt fotografierte, und das zu einer Religion erhob, wurde zum Säulenheiligen der Leica-Fangemeinde.  Alle, die bis noch in die Achtzigerjahre ihre fotografischen Erweckungserlebnisse hatten, sind stark von der Straßen- und Reportagefotografie geprägt: Nah dran, mitten drin, und dann schnell weg. Weiterlesen

Andreas Reeg

Wie wichtig ein eigenes, freies Projekt für jeden Fotografen ist, erkläre ich jedem, der zu mir zur Beratung kommt. Und manchmal, gegen Ende des Jahres, erscheint mir das schon fast als vermessene Anforderung: im Alltagsgeschäft noch Zeit zu finden, sich einer Arbeit mit Herzblut zu widmen; sich wieder bewusst zu machen, warum man einst die Fotografie gewählt hat, und nicht Webdesigner geworden ist; sich fotografisch wieder ein Stück weiter zu entwickeln, und dabei noch etwas Sinnvolles zu leisten – ohne gleich ans Honorar zu denken. Da ist es eine schöne Fügung, auf die Arbeiten von Andreas Reeg zu stoßen, der das alles tut, was ich meine, dass es ein Fotograf tun sollte. Und da er es von ganz alleine macht, und aus tiefer Überzeugung, ist er das beste Beispiel, dass es funktioniert!

Andreas Reeg bekommt Aufträge und große Bildstrecken in GEO, Stern, Der Spiegel, Die Zeit, DU, Neon, Chrismon. Zudem fotografiert er für das Handelsblatt und die Financial Times sowie weitere Zeitungen. Bei Reegs in Otzberg im Odenwald sitzen sie zu viert am Tisch und werden satt, ohne dass sich Andreas Reeg verbiegen muss. Er hat ein besonderes Einfühlungsvermögen für soziale Themen, und setzt sie ästhetisch sehr gelungen um. Weiterlesen