Schlagwort: Reportagefotografie

Taryn Simon talks

Ein wunderbares Fundstück: Taryn Simon spricht über ihre Fotoarbeiten. Sie ist aus meiner Sicht eine der wichtigsten und spannendsten Fotografen der Gegenwart. Und, wie man sieht, extrem professionell. Sicher hat Sie das Konzept Ihrer Arbeiten schon oft präsentiert, trotzdem ist ihre Souveränität doch bewunderns- und nachahmenswert.
Zum Hintergrund sollte man wissen, dass die 1975 geborene amerikanische Fotografin für Magazine fotografiert, aber nicht in der Magazin-, sondern in der Konzeptfotografie zu verorten ist. Die basiert auf der Konzeptkunst. Idee der Konzeptkunst ist ja, dass das Konzept an die Stelle der eigentlichen Kunstproduktion tritt. Fünfzig Jahre später und in der Fotografie ist es oft nur noch unverständliches verbales Geschwurbel zu öden Fotos. Es gibt aber auch positive Beispiele wie eben Taryn Simon, die schon im Museum für Moderne Kunst in Frankfurt mit Ihrem Projekt „An American Index of the Hidden and Unfamiliar“ ausgestellt wurde.

Die Fotos treten als eher unpersönliche Sachaufnahmen auf, beklemmend wird das Ganze in der Gesamtschau und verständlich überhaupt nur durch die Texte, die geradezu lexikalisch das Bild erläutern. Ein wirklicher Schocker sind zudem die Fotos der zu Unrecht Verurteilten, die sehr viel über Wahrnehmung, das amerikanische Justizsystem, aber auch über das Engagement der Fotografin aussagen.

Wenn das Video nicht funktioniert, hier ein Link zur TED-Seite oder zu  YouTube.

Land-Magazine sind der Trend

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Klingt nach Kochen in Kittelschürze, es geht aber um den am schnellsten wachsenden Sektor im Print-Bereich. Da ist Food drin, Reportage, Still life, Porträt, Natur und Architektur – was will man mehr als Fotograf?

Vorreiter des Trends ist das Magazin LandLust aus dem Landswirtschaftsverlag in Münster, das bereits im ersten Erscheinungsjahr, im 3. Quartal 2006, die beachtliche Auflage von 76.416 Exemplaren verkaufte, und das im 2. Quartal 2009 auf sensationelle 464.297 verkaufte Exemplare kam. (Zum Vergleich: Das länger bestehende Gruner und Jahr-Magazin „Living at Home“ hat eine verkaufte Auflage von 162.481)*

living Gerade wenn man (wie ich, leider) so oft vom Sterben des Magazins als klassischer Auftragsquelle für Fotografen spricht, ist das endlich einmal eine gute Nachricht. Und wo ein erfolgreiches Magazin ist, lässt ein zweites nicht lange auf sich warten. Ebenfalls aus einem kleinen Verlag, diesmal aus Stuttgart, stammt LiebesLand, vom Verleger Hannes Scholten persönlich redigiert. Es kommt derzeit auf satte 51.620 verkaufte Hefte.
Anfang August trat nun der erste der großen Verlage auf den Plan. Der zur WAZ-Gruppe gehörende Gong-Verlag ließ LandIdee als Startballon los, um den Markt zu testen. Derzeit ist noch nicht entschieden, ob das Magazin weiter erscheinen wird. Die Null-Nummer wurde von einem externen Redaktionsbüro produziert, unterscheidet sich aber wenig von den anderen Magazinen – mit einer Ausnahme. An LandIdee ist der Christian Verlag beteiligt, der darin eine gute Möglichkeit sieht, seine Bildbände zu promoten. Im aktuellen Heft wird ausführlich ein Wildkräuter-Buch ausgeschlachtet und eines über alte Badewannen. Kostet halt nichts extra und füllt einige der 130 Heftseiten. Weiterlesen

Digitaler Workflow und dann?

Die technischen Aspekte des digitalen Workflow sind komplex und bieten Anlass, sich ausführlich damit zu beschäftigen. Doch wenn der Monitor kalibriert ist und der Drucker macht, was er soll, wird es erneut spannend, nämlich bei der Frage des Ausdrucksstils. Warum Farbe das neue Schwarzweiß ist, habe ich für das Magazin Fine Art Printer erläutert, wo dieser Beitrag in Ausgabe 04/08 erschien.

Himmel hatten strahlend blau zu sein, das, meinte die Firma Kodak, wolle der Fotografierende so, und entsprechend wurden die Filmemulsionen abgestimmt. Wer es nicht so gerne bunt trieb, der fotografierte schwarzweiß. Bis in die Achtzigerjahre galt Schwarzweiß als künstlerischer und nur wenige Fotografen wagten sich an eine individuelle Farbauffassung – wie Sheila Metzner mit dem aufwändigen Fresson-Print. Nicht zufällig waren dies meist Studioaufnahmen, denn die Zurückhaltung gegenüber der Farbe hatte sehr viel mit der Bildkontrolle zu tun. Bei kommerziellen Aufnahmen arrangiert der Fotograf (oder der Stylist) das Motiv, so dass Farben nicht zufällig vorkommen. Da Farbe immer auch Emotion vermittelt, ist die Kontrolle über die Farbe ein wichtiger Gesichtspunkt, wenn es um die Erzielung einer Bildwirkung geht. Weiterlesen

Portfolio-Präsentation in Bildredaktionen

5 Fragen an Arne Mayntz, Fotograf des Monats im November 2008, zum Thema Auftragsakquise in Magazin-Redaktionen.

Was bereitest du vor?

Pro Monat versuche ich maximal einen Termin zu planen und nehme mir viel Zeit, um meine Mappe für den potenziellen Kunden anzupassen. Nicht erst am Tag vor dem Gespräch, sondern über mehrere Tage verteilt. Schließlich gibt es nur einen ersten Eindruck.

Wie bekommst du den Termin?

Ich rufe so lange in der Bildredaktion an, bis ich die zuständige Person sprechen kann. Dann sendet man üblicherweise eine Email mit einem Link zu seiner Homepage. Wenn man nichts mehr hört, hat es ihnen wohl nicht gefallen oder es kam nicht mehr dazu, überhaupt danach zu schauen. Oder man bekommt eine Mail oder einen Anruf und verabredet sich.
Man darf nicht vergessen, dass die meisten Redaktionen im ständigen Stress arbeiten und man als Fotograf oftmals nach Zeit fragt, die einfach kaum vorhanden ist.

Wie läuft der Termin ab?

Man setzt sich hin, muss gegebenenfalls noch warten und schaut dann gemeinsam mit dem Gesprächspartner(in) durch die Mappe. Weiterlesen

Bernd Arnold: Die Zone

Ein wehmütiger Abgesang auf die Street Photography

Darf der das – Menschen einfach so auf der Straße fotografieren? Bernd Arnold darf, aber ansonsten fällt das in die Kategorie Geht-gar-nicht. Deshalb ist die freie Arbeit des in Köln beheimateten Fotografen die wahrscheinlich letzte, die man als wirklich gelungene Street-Photography-Serie sehen wird.

Die Zone

Im 20. Jahrhundert, als Fotografen noch rasende Reporter waren und sie überall, selbst in der Dunkelkammer, rauchen durften, da stellten sich einige besonders wagemutige Jungs mitten in New York auf die Straße und knipsten Passanten. Damals war das super-cool:  statt mit großen Apparaten (wie der Graflex der Pressefotografen) mit kleinen handlichen Kameras mitten ins Leben und das festhalten – ganz ohne Nachrichtenwert. Das machte Spaß und es brachte Fotos hervor, die man vorher so nicht gesehen hatte. Generationen von Fotografen wurden geprägt von Garry Winogrand, vor allem aber von Robert Franks Buch „The Americans“. Henri Cartier-Bresson, der nur unerkannt fotografierte, und das zu einer Religion erhob, wurde zum Säulenheiligen der Leica-Fangemeinde.  Alle, die bis noch in die Achtzigerjahre ihre fotografischen Erweckungserlebnisse hatten, sind stark von der Straßen- und Reportagefotografie geprägt: Nah dran, mitten drin, und dann schnell weg. Weiterlesen