Zurück zur Moderne: Wo das Bauhaus Schule machte

In der flachen Landschaft liegt Nebel über Wiesen und Äckern. Dicke grüne Kugeln hängen in den unbelaubten Bäumen. Misteln sind Halbschmarotzer. Nicht gut für den Baum, aber optisch attraktiv. Und um das schlichte Schöne geht es bei dieser Reise nach Dessau und Magdeburg.

Bauhaus mit Baum

Der Besuch des Bauhauses in Dessau stand schon seit meiner Studienzeit auf der Must-See-List, die damals noch nicht so und auch noch nicht „Bucketlist“ hieß. Das hundertjährige Jubiläum des Bauhauses 2019 war nun Anlass zur Reise nach Sachsen-Anhalt. 1919 in Weimar als staatliches Bauhaus gegründet, musste es dort 1925 aus politischen Gründen schließen. Unter den Städten, die das Bauhaus aufnehmen wollten, fiel die Wahl auf das aufstrebende Industriestädtchen Dessau, weil hier sowohl das Schulgebäude als auch die Wohnhäuser für die Lehrer (die Meisterhäuser) neu nach den Vorstellungen von Walter Gropius realisiert werden konnten. Zudem bestanden in Dessau unter anderem seit 1915 die Junkers Flugzeug- und Motorenwerke. Die Stahlrohrmöbel sind ohne Junkers gar nicht zu denken. Marcel Breuer entwickelte den berühmten und erfolgreichen Wassily-Sessel mit dem Schlossermeister Karl Körner in den Junkerswerken. Die Bestuhlung der Aula in Dessau ist ebenfalls von Flugzeugausstattungen inspiriert. Alles leicht und modern – auch heute noch.

Fotografien veröffentlichen verboten

Man besucht das Bauhaus im Rahmen einer Führung. Allerdings rechnete ich nicht damit, dass gegen Ende März Bauarbeiten noch in vollem Gange sind. Laufende Festivals schränken die Besichtigungsoptionen potenziell stark ein. Bei der Führung durchs Haupthaus konnte man normale Tourbereiche nicht sehen und schon gar nichts fotografieren. Obwohl es sich bei der Schule in Dessau um eine kommunale Einrichtung handelt und innen alles neu rekonstruiert ist, liegen die Rechte für das Haus bei den Erben von Walter Gropius, dem ersten Direktor in Dessau. Ihm folgten Hannes Meyer und Mies van der Rohe, der das Bauhaus nach seiner Schließung auf Antrag der NSDAP im August 1932 noch für einige Monate in Berlin als private Schule führte. Selbst für persönliche Aufnahmen braucht man eine kostenpflichtige Genehmigung und muss unterschreiben, die Fotos nicht im Internet zu veröffentlichen. Das ist nicht #moderndenken, sondern absurd.   

Die Meisterhäuser hinter Planen

Die zusätzliche Führung zu den Meisterhäusern war sehr enttäuschend. Obwohl erst 2008 saniert, waren die drei erhaltenen Meisterhäuser unter Planen verborgen und das ganze Gebiet im Kiefernwäldchen mehr Baustelle als Museum. Ab Ostern sei man dann besichtigungsbereit hieß es. Das neu erbaute Bauhaus-Museum in Dessau wird wohl erst im Herbst fertig gestellt.

Das Wohnhaus von Walter Gropius und das von Moholy-Nagy sind Neubauten. Man hat aber nur die Außenhülle aufgebaut, nicht das Haus als solches rekonstruiert. Ein wichtiger Part des Originals waren die Fenster zum Kiefernwald mit den Durchblicken von innen und den Spiegelungen von außen. Das fehlt nun völlig. Die ehemaligen Glasflächen sind matt und undurchsichtig, als Zeichen für die Wahrung und Markierung der Historie. Beide Häuser waren im Krieg zerstört worden und auf den Grundmauern des Gropius-Hauses mussten die Käufer des Grundstücks dann etwas ganz Hässliches bauen. Das ist nun zum Glück abgerissen und durch den kritischen Wiederaufbau ersetzt. Wenn die Planen fallen, sollte das Ensemble der weißen Kuben wieder in frischem Glanz erstrahlen.

Man kann im Bauhaus angeblich auch übernachten. In der Mensa essen auch. Aber das ist wirklich nur für jene zu empfehlen, die Kantinenessen gewohnt sind. 

Die Moderne im Dessau des 18. Jahrhunderts

Eine Fahrt nach Dessau sollte man möglichst mehrtägig planen. Knapp einen Tag braucht man für das Bauhaus. Da passt eventuell noch ein Besuch im Technikmuseum „Hugo Junkers“ rein (letzter Einlass 16 Uhr – habe es leider nicht angesehen).

Aus meiner Sicht lohnt sich auf jeden Fall die Kombination mit dem Besuch des Gartenreichs Dessau-Wörlitz. Auch dort war zur Saisoneröffnung die neue Georg Forster-Ausstellung im Schloss noch lange nicht fertig, aber im Park blühten auf den Wiesen die wilden Krokusse – und man konnte fotografieren!

Gartenreich Dessau-Wörlitz

Wiese mit Krokussen im Gartenreich Dessau-Wörlitz zum Frühlingsfest am 23. März 2019. Im Hintergrund das Gotische Haus.

Dessau-Wörlitz Figur am Wasser

Im wasserreichen englischen Landschaftsgarten am Schloss Wörlitz

Warum Park und warum dieser? Grün ist es auch anderswo, aber dieser Park bietet lebendige Bilder. Alles ist nach den idealen Landschaften in der Malerei der Renaissance angelegt. Die Wörlitzer Anlagen sind ein Gesamtkunstwerk mit Wasserflächen, alten Bäumen und architektonischen Elementen in den Sichtachsen. Ab 1764 ließ Leopold III Friedrich Franz von Anhalt-Dessau (1740-1817) den Landschaftsgarten im englischen Stil anlegen. Vorbild war Stourhead in Südengland, das er besucht hatte. Von Beginn an waren die Wörlitzer Gärten für jedermann frei zugänglich. Das kleine Fürstentum wurde zum  Reiseziel bedeutender Zeitgenossen wie Goethe und auch jenem Georg Forster, der mit Cook um die Welt gesegelt war und als der Mensch galt, der am meisten von der Welt gesehen hatte. Das Zeitalter der Aufklärung war eben auch modern. In Dessau kann man gleich zwei spannende UNESCO Welterbestätten besuchen. 2020 heißt es „20 Jahre Gartenträume“ in 50 historischen Parks.

Magdeburger Moderne – Das neue Bauen in der Elbestadt

Häuser mit Farbflächen

Madeburger Siedlung Reform, Bunte Strasse

Magdeburger Siedlungshäuser

Für Architekturinteressierte einen Abstecher wert ist die „Magdeburger Moderne“ in der Landeshauptstadt. Früher und konsequenter als andere deutsche Städte gab es unter dem sozialdemokratischen Bürgermeister modernen Wohnungsbau in der boomenden Industriestadt mit großer Wohnungsnot. 1921 wurde der Visionär Bruno Taut als Stadtbaurat in die Elbestadt berufen. Er entwickelte einen zukunftsweisenden Generalsiedlungsplan. Magdeburgs Arbeitersiedlungen galten in der Weimarer Republik in Gestalt, Funktion und Qualität als beispielhaft und die Stadthalle von Johannes Göderitz als ein Hauptwerk der klassischen Moderne. Zusammen mit dem Albinmüllerturm kündet sie von der „Stadt des neuen Bauwillens“.

Die Broschüre zur Magdeburger Moderne im Bauhaus Jubiläumsjahr zeigt Routen, die man mit dem Rad oder Auto abfahren kann.   

2 Kommentare

  1. Das mit dem Fotografierverbot ist ja interessant. Ich war Anfang Januar im Bauhaus und habe eine Führung mitgemacht. Da wurde nix derartige gesagt und alle haben Bilder gemacht. Und so manches Bild ist nun sicher bei Facebook und Co ;)

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